SCHUMANN, Robert: Symphonie Nr. 2 C-Dur op. 61

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    • Melione schrieb:

      Vierter Satz - den Anfang finde ich nach wie vor ein bisschen banal
      das ist interessant - ich habe mich nämlich gefragt, ob der Anfangscharakter, wenn er denn zugleich glänzend-festlich und im sehr schnellen Tempo genommen wird, so in Richtung "überdrehter Festlichkeit" tendiert, quasi als ein Vorgänger vom Finale aus Mahler VII, bei dem ja auch bis heute ein Banalitätsverdacht besteht.
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Überdrehte Festlichkeit kann zwar sein, aber ich glaube nicht, dass es "ironisch" gemeint ist. Mir ist die "Poetik" dieses Satzes oder gar der Sinfonie überhaupt nicht klar. Aber irgendwas muss da sein, sonst würde ja als Auflösung und Höhepunkt besagten Finales nicht das "Nimm sie hin denn, diese Lieder"-Motiv ad nauseam gefeiert.
      Der überdrehte Gestus ist ja in Schumanns Klaviermusik sehr häufig. Durchaus auch in Richtung banal-volksliedartiger Motive (wenn ich recht erinnere, die letzten Stücke in op.12 und auch den "Waldszenen").
      In Sinfonien besteht die Gefahr, dass so ein Kehraus als zu leicht oder zu banal empfunden wird. Das Problem habe ich auch mit dem letzten Satz der "Rheinischen", dagegen gar nicht bei der "Frühlingssinfonie", da es hier zum gesamten Werk gut passt.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      aber ich glaube nicht, dass es "ironisch" gemeint ist. Mir ist die "Poetik" dieses Satzes oder gar der Sinfonie überhaupt nicht klar. Aber irgendwas muss da sein, sonst würde ja als Auflösung und Höhepunkt besagten Finales nicht das "Nimm sie hin denn, diese Lieder"-Motiv ad nauseam gefeiert.
      Florestanisch - eusebianisch - warum nicht?
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • zabki schrieb:

      Melione schrieb:

      ch habe die Symphonie seitdem nicht nochmal gehört, fand aber zabkis Bemerkungen sehr erhellend. zabki, gibt es auf YouTube eine Einspielung, die dir besonders gut gefällt?
      na ja, ich hatte mir erlaubt, diesen Rundfunkmitschnitt mit Boulez zu verlinken:
      youtube.com/watch?v=faJ7gF2Cu6Q

      bin damit sozusagen Jahrzehnte lang für die II. ausgekommen, also befangen. Das bei Herrewghe im Finale korrektere Tempo hatte ich ja erwähnt.

      Hab ich mir jetzt auch reingezogen, gefiel mir ebenfalls sehr gut. Das Tempo im Finalsatz finde ich durchaus ansprechend gestaltet.

      Die Einleitung des ersten Satzes (nach wie vor mein Lieblingsteil der Symphonie) gefällt mir allerdings mit großem Abstand am besten bei den Berliner Philharmonikern unter Rafael Kubelík (1964), zu hören hier: youtube.com/watch?v=loQEU64sG_c

      Das leuchtet im wahrsten Sinne des Wortes. Langsam, mystisch, unheimlich, transzendent. Das Fortepiano in Takt 11 bspw. klingt für mich in den drei anderen Aufnahmen mit Abstand nicht so schlüssig wie hier.

      Ich habe allerdings nach der Exposition noch nicht weitergehört, da mir meine Expositionswiederholungsneurose einen Strich durch die Rechnung gemacht hat... Ich fahre mal an einem Tag fort, an dem mein Seelenfrieden das Fehlen der Wiederholung achselzuckend hinnimmt...
    • Melione schrieb:

      Die Einleitung des ersten Satzes (nach wie vor mein Lieblingsteil der Symphonie) gefällt mir allerdings mit großem Abstand am besten bei den Berliner Philharmonikern unter Rafael Kubelík (1964), zu hören hier: youtube.com/watch?v=loQEU64sG_c

      Das leuchtet im wahrsten Sinne des Wortes. Langsam, mystisch, unheimlich, transzendent. Das Fortepiano in Takt 11 bspw. klingt für mich in den drei anderen Aufnahmen mit Abstand nicht so schlüssig wie hier.

      Ja, Kubeliks Schumann finde auch ich großartig!

      Wie wäre es zur Abwechslung mal mit der 2. unter Hans Pfitzners Dirigat? Für eine Aufnahme aus dem Jahr 1928 ist der Knackpegel erstaunlich erträglich - und im Allegro ma non troppo ;) geht es richtig ab zur Sache!

      youtube.com/watch?v=n-pS8JkLvu8

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • auch sehr schön: Herreweghe und das SWR-Symphonieorchester.
      gerade den letzten Satz sehr genossen.
      Vorher in meiner Phantasie dieses Finale immer mit dem der 3. durcheinandergebracht...
      fängt das (der 3.) nicht mit dem Motiv (die hinzunehmenden Lieder...) an, das in dem der 2. alles übernimmt?

      Melione schrieb:

      Die Einleitung des ersten Satzes (nach wie vor mein Lieblingsteil der Symphonie) gefällt mir allerdings mit großem Abstand am besten bei den Berliner Philharmonikern unter Rafael Kubelík (1964), zu hören hier: youtube.com/watch?v=loQEU64sG_c
      weiß nicht recht... mir fehlt ein wenig das "un poco piu vivace", das auch thematisch schon das Allegro vorbereitet..
      SO ist es klar abgegrenzt, aber mich überzeugt mehr der quasi allmähliche Übergang ins schnelle Tempo.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • philmus schrieb:

      mir fehlt ein wenig das "un poco piu vivace
      ähnlich geht es mir auch. Klanglich finde ich Kubelik ganz hervorragend, er hat auch nicht das bei modernen Aufnahmen mir leicht einseitig auf Durchsichtigkeit abgestellte Tendenz, sondern auch den in sich differenzierte Gesamtklang. Aber etwas schleppend finde ich ihn schon. Die erwähnte orig. Metronomisierung (die aber Kubelik auch nicht gekannt haben dürfte) ist 1/4 = 76, da bleibt Kubelik weit drunter. Boulez z.B. erwischt die genau.
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • arundo donax schrieb:

      Wie wäre es zur Abwechslung mal mit der 2. unter Hans Pfitzners Dirigat? Für eine Aufnahme aus dem Jahr 1928 ist der Knackpegel erstaunlich erträglich - und im Allegro ma non troppo ;) geht es richtig ab zur Sache!

      youtube.com/watch?v=n-pS8JkLvu8

      Herzliche Grüße

      Bernd

      Hab ich mir eben bis Schluss der Exposition angehört (Wiederholung fehlt auch hier). War mir persönlich zu zügig/hektisch, inklusive der Einleitung... Und weit mehr als der Knackpegel stört mich, dass die Streicher die Bläser ziemlich überdecken. Ueberrascht mich ein bisschen, dass du als Oboist diese Aufnahme schätzt :)

      philmus schrieb:

      auch sehr schön: Herreweghe und das SWR-Symphonieorchester.
      gerade den letzten Satz sehr genossen.

      Ja, das war die erste, die ich mir angehört hab :)

      zabki schrieb:

      philmus schrieb:

      mir fehlt ein wenig das "un poco piu vivace

      ähnlich geht es mir auch. Klanglich finde ich Kubelik ganz hervorragend, er hat auch nicht das bei modernen Aufnahmen mir leicht einseitig auf Durchsichtigkeit abgestellte Tendenz, sondern auch den in sich differenzierte Gesamtklang. Aber etwas schleppend finde ich ihn schon. Die erwähnte orig. Metronomisierung (die aber Kubelik auch nicht gekannt haben dürfte) ist 1/4 = 76, da bleibt Kubelik weit drunter. Boulez z.B. erwischt die genau.

      Da stimm ich euch zu. Ist mir ähnlich, wenn ich mich recht erinnere, auch bei Marek Janowski und dem hr-Sinfonieorchester aufgefallen (sonst ne Spitzenaufnahme).

      Hab mir jetzt aber auch den Rest der Symphonie nochmal mit der Kubelík/Berliner-Aufnahme angehört, und es ist denke ich meine Lieblingsaufnahme bisher (vielleicht abgesehen vom 4. Satz mit Herreweghe/SWR). Hier noch die Links, da selbst mit gutem Willen bei YouTube-Suche nicht einfach zu finden:

      Hauptsatz
      Scherzo
      Adagio
      Finale
    • Melione schrieb:

      Hab ich mir eben bis Schluss der Exposition angehört (Wiederholung fehlt auch hier). War mir persönlich zu zügig/hektisch, inklusive der Einleitung... Und weit mehr als der Knackpegel stört mich, dass die Streicher die Bläser ziemlich überdecken. Ueberrascht mich ein bisschen, dass du als Oboist diese Aufnahme schätzt
      Was ich an dieser Aufnahme schätze, ist die "Hektik" :D . Durch eine hochdifferenzierte Agogik entsteht hier ungemein viel Leben und viel Spannung. Vor diesem Hintergrund interessieren mich Probleme mit der klanglichen Balance (die möglicherweise auch der Aufnahmetechnik geschuldet sind) nicht besonders.

      Kubeliks Zugang ist natürlich ein ganz anderer. Für meine Ohren funktionieren beide Wege.

      Herzliche Grüße

      Bernd