WAGNER: Der Ring des Nibelungen - Opernhaus Zürich, 24.6-5.7..2009

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    • WAGNER: Der Ring des Nibelungen - Opernhaus Zürich, 24.6-5.7..2009

      Der Abschiedszyklus der Wilson-Inszenierung in Zürich unter der musikalischen Leitung von Philippe Jordan ist gestern zu Ende gegangen. Über Wilsons Art der Regie ist in einem anderen Thread diskutiert worden, hier nur soviel - mir sagt sie nicht zu, ich erkenne nicht den Unterschied zwischen Zauberflöte und Götterdämmerung. Daher soll es in dieser Rückschau vor allem um die musikalische Seite gehen.

      Das Rheingold blieb leider unter den Möglichkeiten des Hauses, das war aber schon in den anderen Aufführungen der Saison so. Hat die Probenzeit nicht gereicht? Immer wieder sind Einsätze vollkommen missraten, Unstimmigkeiten zwischen Bühne und Orchester noch und noch. Bei einem Haus dieses Anspruchs sollte das nicht passieren, und Philippe Jordan hat sonst doch gut koordiniert. Die Statik der Inszenierung verdoppelte die Statik der zweiten und vierten Szene, und ausnahmsweise ist Wagner manchmal langweilig gewesen - unglaublich. Die schöner gelungenen Momente des Orchesters (Erda-Szene, gesamter Schluss) sehr differenziert und klug disponiert.

      Die Walküre war einer der musikalischen Höhepunkte dieses Zyklus. Egils Silins hat mit seinem Organ das Opernhaus gefüllt, ohne zu brüllen, Eva Johansson als Brünnhilde konnte tüchtig dagegenhalten. Ihre Stimme ist nicht jedermanns Sache, aber immerhin erreicht sie die Spitzentöne fast immer mühelos und hat sich in den mittleren und tieferen Lagen im Vergleich zu früheren Jahren sehr gesteigert. Stuart Skelton gab den Siegmund sehr anständig. Für stimmliches Ungleichgewicht sorgte Martina Serafin als Sieglinde - sie hat alle förmlich an die Wand gesungen, dabei stets kultiviert und textverständlich. Im dritten Akt konnte sie sich mühelos gegen das volle Orchester durchsetzen, sowas kennt man sonst eher von Brünnhilden. Bitte mehr davon!

      "Siegfried" ist eine Oper, die oft unter einem der Rolle nicht gewachsenen Hauptdarsteller leidet. Diesmal hatte Johnny van Hal die Partie übernommen. Er war auf jeden Fall deutlich besser als einer seiner Vorgänger in der Partie in dieser Spielzeit. Dennoch schien mir seine Stimme zu klein für diese Rolle. Mit begrenzten Mitteln hat er die drei Akte durchgehalten, so gesehen keine schlechte Leistung, keine Einbrüche. Der Rest des Abends war ein Genuss - Rolf Haunstein als stets deutlich artikulierender Alberich, Volker Vogel durfte sich als Sänger des Mime ausnahmsweise bewegen und brachte eine Ahnung, was in dem Stück eigentlich steckt, wenn man es nur entsprechend inszeniert. Er brachte seinen Text, wie von Wagner gefordert, "mit sorgsamster Deutlichkeit", manchmal war's schon eher Sprechtheater, aber sehr eindrucksvoll. Eva Johansson hatte ihren besten Abend im "Siegfried", und als Fafner ist Matti Salminen immer noch ein Erlebnis. Egils Silins konnte in allen drei Akten seine Klasse unter Beweis stellen, während Cornelia Kallisch als Erda zwar klug gestaltete, aber meines Erachtens schlicht nicht über die stimmlichen Mittel für Wagner verfügt.

      Gestern nun Götterdämmerung - als Siegfried war diesmal Rudolf Schasching zu hören, und nach einem sehr verhaltenen Auftritt beim letzten Ring-Zyklus im April war er nun wie verwandelt - im ersten Akt noch haushaltend, drehte er ab dem zweiten Akt förmlich auf und bescherte den Zuhörern beglückende Stunden mit seinem durchschlagenden Organ und einem Timbre, das an den späten Windgassen erinnerte. So sang er das C a capella im dritten Akt, so hielt er bis zur letzten, wunderbar ausgesungenen Note durch. Eva Johansson als betrog'ne Frau litt unter leichten Intonationsschwächen in der Höhe, wirkte aber dennoch souverän, ebenso wie stets Matti Salminen als nicht mehr junger, aber immer noch beeindruckender Hagen. Musikalisch geriet der erste Akt am besten; mit Cheyne Davidson und Sandra Trattnigg waren die Gibichungen stimmlich schlank, aber elegant besetzt, die Nornen und später auch die Rheintöchter waren ohne Fehl und Tadel. Cornelia Kallisch als Waltraute sang eindringlich und textverständlich, aber ihre Stimmlage passt nun einmal nicht zu Wagner. Die Hauptrolle im ersten Akt spielte das Orchester, von Philippe Jordan fast durchgehend im Piano gehalten, aber höchst differenziert und präzise. Die dunklen Klangfarben wurden genussvoll zelebriert.

      Die Oper findet bei dieser Regie nicht auf der Bühne statt, sondern in den Köpfen der Zuschauer bzw. eher Zuhörer und in den Augen des Dirigenten. Wer das Glück hatte, Philippe Jordan bei der Arbeit zuzusehen, konnte Takt für Takt nachvollziehen, was er eigentlich wollte, auch wenn es die Bühne oder einzelne Sänger nicht immer zugelassen haben. Dieser Dirigent wird sicher noch von sich reden machen. Generell nimmt er das Orchester sofort zurück, wenn ein Sänger einsetzt, und die grossen Fortissimo-Ausbrüche nimmt er eher zurückhaltend, vielleicht auch mit Rücksicht auf das kleine Haus. In Zürich ist es mit diesem Ring vorbei, musikalisch ist das bedauerlich, szenisch nicht. Vielleicht ein neuer Zyklus zum Jubiläumsjahr 2013...?