Vaughan Williams: A London Symphony

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    • Vaughan Williams: A London Symphony

      Die zweite Symphonie aus der Feder von Ralph Vaughan Williams schließt an die erste an und ist gleichzeitig doch auch gänzlich anders. Beschäftigte er sich in der „Sea Symphony“ mit dem äußeren Rahmen des Identifikationsraumes des britischen Volkes, so greift er im zweiten zum Herzen der Nation: zur „City“, zu London.

      Weniges zur Entstehung

      1911

      George Butterworth schlägt RVW vor, er solle eine Symphonie schreiben. RVW greift die Idee auf, denkt aber zunächst an die Komposition einer Tondichtung. Wenig später entscheidet er sich um. An Cecil Sharp schreibt er: „Ich stecke mitten in einem großen Stück Arbeit & wenn ich nicht darin steckenbleibe, dann will ich auch nicht von ihm ablassen.“ (zit. n. Kennedy 2011, S. 2)

      Zusätzlich beginnt er die Arbeit an seiner Oper „Hugh the Drover“.

      1912

      Armstrong Gibbs erzählt folgende Begebenheit, die sich bei einem Besuch RVWs in Cambridge zugetragen hat: „Aus seiner Tasche zog er die Skizzen zu den ersten beiden Sätzen der London Symphony und hämmerte sie aus meinem Klavier so schlecht wie möglich heraus.“ (zit. n. Kennedy 1964, S. 105)

      Im Dezember veröffentlicht RVW den programmatischen Essays „Who wants the English composer?“ im R.C.M. Magazine.

      Daneben komponiert er das „Phantasy Quintet“ und die „Fantasy on Christmas Carols“.

      1913

      Ende des Jahres stellt Vaughan Williams die Symphonie fertig.

      1914

      27.3. Uraufführung der London Symphony mit dem Queen’s Hall Orchestra unter der Leitung von Geoffrey Toye.

      ***

      Noch einmal: Nationalmusik

      Wie schon die „Sea Symphony“ so muss auch die „London Symphony“ im Zusammenhang mit Vaughan Williams’ Konzept einer nationalen englischen Musik verstanden werden, das er 1912 in dem Aufsatz „Who wants the English composer?“ entwickelt hatte:

      „Kunst sollte, wie Wohltätigkeit, zu Hause beginnen. Wenn sie von irgendeinem Wert sein soll, so muss sie direkt aus seinem Leben (= dem des Künstlers, Anm. der Verf.), aus der Gemeinschaft in der er lebt, aus der Nation, deren Teil er ist, hervorgehen. Allein unter allen Künsten wird die Musik (‚die feinsinnigste, empfindsamste und reinste Form der Selbstausdruckes’), […], durch den Engländer von seinem alltäglichen Leben abgesondert. Der englische Komponist ist nicht so gut, wie die großen Meister, und wird es auch für viele Generationen nicht sein; auch kann er keine so wunderbaren Dinge vollbringen wie Strauss und Debussy. Doch ist er aus diesem Grunde von keinem Wert für die Gemeinschaft? Ist es nicht möglich, dass er seinen Mitbürgern etwas zu sagen hat, das keiner anderer aus einer anderen Epoche oder einem anderen Land ihm sagen kann? Haben wir nicht um uns herum auch Formen des musikalischen Ausdrucks, die wir läutern und auf die Ebene großer Kunst erheben können? Beispielsweise: Wenn der Chor in einer Music-Hall in ein volkstümliches Lied einstimmt; Kinder, zu den Klängen einer Drehorgel tanzen? Die mitreißende Inbrunst eines Liedes der Heilsarmee; St. Paul’s und ein großer Chor, wenn sie auf einem ihrer Festivals singen; die Waliser, wenn sie eines ihrer Kirchenlieder anstimmen, sobald sie bei einem internationalen Fußballspiel ein Tor erzielen; der Ruf der Straßenverkäufer; die Fabrikarbeiterinnen, wenn sie rührselige Lieder singen: Hat uns all das nichts zu sagen? Haben wir in England nicht Gelegenheiten, die nur so nach Musik schreien…? Wir müssen ein Gefühl für musikalische Staatsbürgerschaft kultivieren. Warum sollte nicht ein Musiker Diener des Staates sein und nationale Monumente erschaffen, so wie es Maler, Schriftsteller und Architekten tun? Der Komponist darf sich nicht in sein Kämmerlein zurückziehen und über Kunst nachdenken. Er muss gemeinschaftlich mit seinen Mitmenschen leben und seine Kunst zu einem Ausdruck des gesamten Lebens innerhalb der Gemeinschaft machen.“ (zit. n. Kennedy 1964, S. 37. Übers. der Verf.)

      Später, in seinem Essay „National Music“ (1934), fasst er diese Position noch einmal „short ’n sweet“ zusammen: „Mehr als alle anderen Künste ist die Musik die Ausdrucksform der Seele einer Nation.“

      Die Symphonie, die, da stimme ich Michael Kennedy vollkommen zu, „ein ausgesprochen intensives Spiegelbild seines [= RVW, Anm. der Verf.] Nationalismus vor 1914 ist“ (Kennedy, S. 104), kreist also nicht von ungefähr um das Thema „London“, sie ist ein weiterer gewichtiger Beitrag zur „English Renaissance“.

      London ist und war der große Mittelpunkt Englands, leidenschaftlich geliebt von den einen, ebenso leidenschaftlich gehasst von den anderen. Da findet man auf der einen Seite emphatische Äußerungen wie die folgende des im Übrigen sehr kritischen Londoners Samuel Johnson: „Nein, Sir, wenn ein Mann London satt hat, so hat er das Leben satt. Denn in London gibt es alles, was einem das Leben bieten kann.“ Auf der anderen wiederum konnte ein Benjamin Disraeli sagen: „London ist das moderne Babylon.“

      Dazwischen: eine Unzahl von Versuchen, diesen Moloch unter den Städten ins Wort, ins Bild, in die Musik zu bannen. Unter diesen befindet sich auch der Wahl-Londoner Ralph Vaughan Williams, unter den um London oszillierenden Kunstwerken seine „London Symphony“. Sie will, gemäß der von ihm aufgestellten Forderung, ein „Ausdruck des gesamten Lebens innerhalb der Gemeinschaft“ sein, ein klingendes Zeugnis des „mächtigen Herzens“ (Wordsworth) Englands, ein musikalisches Mittel zur nationalen Identifikation, wie es sie seit Elgars „Land of Hope and Glory“ nicht mehr gegeben hatte. An keinem Ort der Nation gab (und gibt) es so viel Leben, so viel Gemeinschaft, so viel Möglichkeiten zur Identifikation mit dem Empire wie eben in London. Die „London Symphony“ möchte – so meine Meinung – alles Leben der Stadt und der Nation umfassen, inkorporieren, um dieses in Töne gießen, die ein jeder Brite unmittelbar versteht.

      Eines will sie aber nicht: sie will nicht bloß musikalischer Bilderbogen sein.


      Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerey…

      Handelt es sich bei der London Symphony um Programmmusik oder nicht? Diese Frage ist von britischen Musikwissenschaftlern und Kritikern immer wieder aufgeworfen, untersucht und diskutiert worden. Grund dafür ist nicht nur der Titel, es sind auch die verschiedenen musikalischen Anspielungen, die sich hier und dort im Werk finden: der Westminsterschlag, der „Lavender Cry“, Anklänge an Music Hall Songs und Volkslieder. Doch ob es sich bei dem Werk – wie Byron Adams meint – tatsächlich und deutlich um „eine sozialistische Sinfonie“ handelt, „die vor robusten, proletarischen Melodien strotzt“, also um das Vaughan Williams’sche Manifest? Ich habe meine Zweifel. Ich habe auch meine Zweifel an dem (topografisch) detaillierten Programm, das Albert Coates’ für das Begleitheft einer seiner Aufführungen im Jahre 1920 entwarf. Vaughan Williams versuchte, den Verdacht, es könne sich um Programmmusik handeln, abzuwiegeln. Das Auftauchen von unterschiedlichen Anspielungen auf reale Londoner Gegebenheiten seien „Unfälle, nichts Wesentliches“. (Kennedy 1964, S. 136) Der Titel des Werkes sei im Grunde, so Vaughan Williams, irreführend: „Ein besserer Titel wäre vielleicht ‚Symphonie eines Londoners’ […]. Die Musik soll nur sich selbst ausdrücken und muss sich als absolute Musik beweisen.“ (zit. n. Ottaway 1972, S. 19) Persönlich würde ich mich Michael Kennedy anschließen wollen, der eine Position der Mitte einnimmt: „Dies ist sowohl eine London Symphony als auch die ‚Symphonie eines Londoners’ über Londoner. In ihr hat der Komponist sein Ideal verwirklicht. Er nahm Dinge des täglichen Lebens und schenkte ihnen Schönheit.“ (Kennedy 1964, S. 141. Übers. der Verf.)


      Musik

      Die "London Symphony" hat vier Sätze mit folgenden Tempobezeichungen:

      1. Lento – Allegro risoluto (molto pesante)
      2. Lento
      3. Scherzo (Nocturne): Allegro vivace
      4. Andante con moto – Maestoso alla marcia (quasi lento) – Allegro – Con fuoco – Maestoso alla marcia (alla I) – Epilogue (Andante sostenuto)

      Das Orchester ist wie folgt besetzt:

      3 Flöten (3 Flöte = Piccolo), 2 Oboen, Englischhorn, 2 Klarinetten, Bass-Klarinette, 2 Fagotte, Kontrafagott, 4 Hörner, 2 Trompeten, 2 Kornette, 3 Posaunen, Tuba, Timpani, große Trommel, kleine Trommel, Tam Tam, Triangel, Becken, Glockenspiel, Glöckchen, Harfe, Streicher

      Es folgen ein paar persönliche Eindrücke.

      Der erste Satz beginnt mit einer langsamen pentatonisch gehaltenen Einleitung, die Albert Coates in seinem „Programm“ des Werkes als Darstellung der Morgendämmerung beschreibt. Die Streicher weben im ppp einen nebligen Klangteppich, bis dann im 31 Takt die Harfe und Klarinette den halbstündigen Westminsterschlag spielen. Nun setzen die Blechbläser mit einer aufsteigenden Fanfare ein, die zum ersten Thema des Satzes überleitet, einem großen chromatischen Ausbruch, den ich jedes Mal als höchst ungewöhnlich, wie einen Aufschrei empfinde. Im Gerüst eines Sonatensatzes entspinnt sich das musikalische Geschehen. Das zweite, fanfarenartige Thema wird von den Blech- und Holzbläsern vorgetragen. Die sich anschließende Exposition bringt eine kaum überschaubare Anhäufung von Motiven und atmosphärisch höchst unterschiedlichen Epidsoden, bis schließlich das zweite Thema grandios zurückkehrt und den Satz zu einem glanzvollen Ende führt.

      Der langsame Satz erfüllt laut Hugh Ottaway „das orchestrale Versprechen seines Vorgängers in der Sea Symphony“ (Ottaway 1972, S. 22). George Butterworth beschrieb den Satz im R.C.M Magazine folgendermaßen: „Der langsame Satz ist ein Idyll aus grauen Himmel und abgelegenen Gassen – ein Aspekt Londons, der so bekannt ist, wie jeder andere auch. Die Musik klingt entfernt und mystisch und ihre charakteristische Schönheit gehört nicht zu jener, die man mit Worten beschreiben kann.“ (zit. n. Kennedy 1964, S. 138) Vaughan Williams sprach davon, dass die Stimmung des Satzes der auf dem „Bloomsbury Square an einem Novembernachmittag“ entspräche. Über kühlen Streicherakkorden setzt das Englischhorn mit einer melancholischen Melodie ein, die misterioso gespielt werden soll. Dann wird diese Musik von Posaunen und Harfen wiederholt. Später treten Holzbläser und Viola in einen Dialog ein, in dem dann der „Lavender Cry“ auftaucht. Die Stimmung verdüstert sich und die Musik steigert sich zu zwei Höhepunkten, bevor der Satz wieder in sich zurücksinkt.

      Das Scherzo, von Vaughan Williams als „Nocturne“ bezeichnet, greift die Atmosphäre des nächtlichen London auf. Quirlig, bunt, lebhaft, voller unterschiedlicher Motive, man meint eine Cockney-Szene zu hören, eine Mundharmonika, Ragtime, Jigs. Plötzlich verändert sich die Stimmung, es schleicht sich ein Gefühl nächtlicher Einsamkeit, nächtlichen Elends ein. Violinensolo und Horn lassen den Satz so in einer eher nachdenklichen Stimmung verklingen.

      Mit einem Aufschrei des gesamten Orchesters beginnt das Finale. Doch zerfällt jener Schrei, bis nur ein Violoncello solo übrig bleibt. Daran schließt sich ein feierlicher Marsch an, der nach einem großen Höhepunkt in einen lebhaften Allegro-Teil über mit einem unheilvoll dräuendem Thema in Hörnern und Streichern. Es ist ein eher grimmiges Allegro, das häufig als musikalischer Spiegel des Blake’schen oder Dickens’schen London gedeutet wurde. Das Marschthema wird erneut aufgegriffen und wird zu einer wuchtigen Klimax aufgebaut, die mit einem Schlag des Tam Tam unterstrichen wird. Kurz darauf ertönt in der Harfe der dreivertielstündige Westminsterschlag und der Epilog setzt ein, dessen ätherisch-fließender Ton durchaus die aus London heraus fließende Themse darstellen mag, die sich am Ende ihrer Reise in den Ozean auflöst.


      Benutzte / Zitierte Literatur

      Adams, Byron: Begleittext zur Norrington-Aufnahme 1996.
      Cox: Ralph Vaughan Williams. In: The Symphony. Vol. 2. ed. by Robert Simpson. Harmondsworth 1967.
      Hughes, Merion; Stradling, Robert: The English Musical Renaissance 1840-1940. Constructing a National Music. Manchester 2001.
      Kennedy, Michael: The Works of Ralph Vaughan Williams. Oxford 1964
      Kennedy, Michael: A Catalogue of the Works of Ralph Vaughan Williams. Oxford 1996.
      Kennedy, Michael: Begelittext zur Elder-Aufnahme. 2011.
      Ottaway, Hugh: Vaughan Williams - Symphonies. London 1972.
      Vaughan Williams, Ursula: R.W.V. A Biography of Ralph Vaughan Williams. Oxford 1988.


      Diskographie

      Aufnahmen der „London Symphony“ gibt es eine ganze Menge. Weder besitze noch kenne ich sie alle. Die im Folgenden genannten stehen gegenwärtig in meinem Regal und ich habe vor, bei Gelegenheit persönlichen Eindrücke zu der einen oder anderen von ihnen zu formulieren.

      Die "London Symphony" ist - wie unten zu sehen - in unterschiedlichen Fassungen eingespielt worden. Zu den unterschiedlichen Versionen werde ich mich in den entsprechenden Vorstellungen äußern.

      Wood (1936) – The Queen’s Hall Orchestra: 11:40 / 08:39 / 05:21 / 10:49 [Version 1933/36]

      Boult (1952) – London Philharmonic Orchestra: 13:28 / 11:02 / 07:04 / 12:28

      Barbirolli (1957) – Hallé Orchestra: 14:07 / 11:41 / 07:31 / 13:17

      Boult (1971) – London Philharmonic Orchestra: 14:23 / 09:32 / 07:07 / 12:00 [Version 1933/36]

      Haitink (1986) – London Philharmonic Orchestra: 15:15 / 12:08 / 07:28 / 14:16

      Previn (1986) – Royal Philharmonic Orchestra: 15:23 / 12:07 / 07:35 / 13:38

      Thomson (1989) – London Symphony Orchestra: 14:46 / 11:08 / 08:18 / 13:16

      Slatkin (1991) – Philharmonia Orchestra: 13:28 / 10:17 / 06:38 / 13:37

      Handley (1992) – Royal Liverpool Philharmonic Orchestra: 13:42 / 10:50 / 07:35 / 12:31

      Davis (1993) – BBC Symphony Orchestra: 15:01 / 10:58 / 08:24 / 14:09

      Norrington (1996) – London Philharmonic Orchestra: 15:28 / 10:43 / 07:43 / 12:46

      Hickox (2000) – London Symphony Orchestra: 15:03 / 16:41 / 1:04 / 18:52 [Urfassung 1913]

      Elder (2010) – Hallé: 14:45 / 10:42 / 07:17 / 13:17


      :wink: Agravain


    • Wood (04/1936) – Queen’s Hall Orchestra – 11:40 / 08:39 / 05:21 / 10:49

      Sir Henry Wood hat sich weltweit für die Verbreitung britischer Musik eingesetzt. Die vorliegende 1936 für die Decca produzierte Aufnahme von Ralph Vaughan Williams’ „A London Symphony“ ist darum auch mitnichten das Dokument seiner ersten Auseinandersetzung mit diesem Werk. Er hatte es zu diesem Zeitpunkt schon häufig dirigiert, es u.a. beim Hollywood Bowl 1925 und zehn Jahre später in Rom zur Aufführung gebracht und eine ausgesprochen ausgereifte Vorstellung von dem Werk, als er es einspielte. Bis heute ist es eine ganz individuelle Lesart, eine Hochdruck- und Vollblutinterpretation, die man meines Erachtens gehört haben sollte, wenn man sich mit der Rezeptionsgeschichte der symphonischen Oeuvres Vaughan Williams beschäftigen will.

      Die Stimmung des in den ersten Satz einführendes Lento-Teils wird häufig mit William Wordsworths Sonett „Composed on Westminster Bridge, September 3rd, 1802“ verglichen, das ich dem geneigten Leser darum hier nicht vorenthalten möchte:

      Earth hath not anything to show more fair:
      Dull would he be of soul who could pass by
      A sight so touching in its majesty:
      This City now doth, like a garment, wear
      The beauty of the morning; silent, bare,
      Ships, towers, domes, theatres and temples lie
      Open unto the fields, and to the sky;
      All bright and glittering in the smokeless air.
      Never did sun more beautifully steep
      In his first splendor, valley, rock, or hill;
      Ne'er saw I, never felt, a calm so deep!
      The river glideth at his own sweet will:
      Dear God! The very houses seem asleep;
      And all that mighty heart is lying still!

      Es fällt nicht schwer, die Schönheit des stillen morgendlichen London auch in diesen ersten Takten zu hören, die – die Stimmung der Musik absichtsvoll unterstreichend – oft ausgesprochen langsam gespielt werden. Wood hingegen badet nicht im malerischen Klang, sondern lässt diese ersten Takte ausgesprochen fließend spielen, was ich einigermaßen gelungen finde, zumal von der Atmosphäre dieses Abschnitts dabei nichts verloren geht. Wood wirft nur nicht mit der Wurst nach der Speckseite. Nach dem sehr weit vor zu hörenden Westminsterschlag beginnt das Allegro so, wie es Vaughan Williams notiert hat: „risoluto“. Sein London ist ein nervöser Moloch, in dem alles schnell vonstatten geht. Das „molto pesante“ wird zugunsten des fiebrigen Tons, den Wood im Ohr zu haben scheint, etwas vernachlässigt, sodass die Vorstellung des ersten Themas nicht ganz so brutal anhört, wie es in der Regel der Fall ist. Wood schlägt ein ausgesprochen hohes Tempo an. Auch das fanfarenartige zweite Thema klingt nicht so brachial wie oft, das dieses umspinnende Motiv in den Streichern kommt weniger ausgelassen-spielerisch als vielmehr an der Grenze zum Rauschhaft-Wilden daher. Auch die Durchführung wird von dem ausgesprochen hohen Druck dominiert, den Wood fabriziert. Hier gibt es lange kaum Stillstand, es ist wie ein Rasen durch die unterschiedlichen Facetten dieser Musik, dieser Stadt, deren Klangbilder geradezu auf den Hörer einstürmen. Gerade weil Wood so rasant durch diesen Satz jagt, ist die kontemplative Episode in der zweiten Hälfte der Durchführung (Buchstabe BB ff.) so ausgesprochen wirkungsvoll. Auf einmal steht man auf einem leeren und ruhigen Platz, die Streicher und die Harfe führen einen schon fast träumerisch anmutenden Dialog, man steht bezaubert und darf nun endlich einmal Atem holen. Doch ist das Intermezzo nur von kurzer Dauer. Wood dreht (6 nach HH) erneut mächtig auf, das immer wieder notierte „poco animando“ ist hier wirklich Programm, das das glanzvolle Finale des Satzes vorbereitende „Largamente“ wird nur angedeutet, sodass man am Ende förmlich mit Hochgeschwindigkeit aus dem Satz hinausfliegt.

      Der zweite Satz gehört nach meinem Dafürhalten zum Schönsten, was Vaughan Williams der Nachwelt überlassen hat. Woods Lesart ist wieder fließender als üblich. Nach den sehr lastend gespielten ersten Streicherakkorden klingt die nun einsetzende Melodie des Englischhorns wie ein melancholischer Klagegesang. Die Streicher übernehmen ihn und spielen ihn eben „cantabile“ – sanglich, also wie ein Lied und nicht übermäßig breit. Wenn man die Verwirrung darüber überwunden hat, dass vor Buchstabe B 6 Takte fehlen, so kann man sich der herrlichen Elegie, die Wood hier spielen lässt, vollständig hingeben. Wie herrlich gelingt der Wechselgesang zwischen den Soli der Blech- und Holzbläser, wie ausgesprochen pastoral klingt die Soloviola, ganz und „semplice“, wie es Vaughan Williams hier (Buchstabe D) notiert hat wie ungekünstelt bauen Dirigent und Orchester den ersten Höhepunkt bei F (Largamente) und dessen Wiederholung bei G auf, wobei es diesem vielleicht ein wenig an der geforderten Leidenschaft (RVW will es hier „appassionato“) mangelt. Die Rückkehr des Klagegesanges und das Zurücksinken des Satzes in sich selbst, bis schließlich nur noch die Soloviola spielt, um sich schließlich im „niente“ – wie Vaughan Williams schreibt – aufzulösen: das ist alles ganz außergewöhnlich gut musiziert.

      Das Scherzo lässt Wood „attaca“ spielen, sodass der Zuhörer unmittelbar aus der vorherigen Versunkenheit herausgerissen wird. Wood lässt lebhaft spielen, das „Nocturne“, das Vaughan Williams hier zeichnet, ist ja ein quirliges, nervöses, unruhiges, in meinen Ohren auch zwielichtiges. Wood, der die Wiederholung des ersten Teils des Scherzos streicht, wird der Atmosphäre des Satzes vollauf gerecht, wobei mir besonders gefällt, wie plastisch er das gefährlich unter der Oberfläche Pulsierende, das im Satz ja nur selten hervorbricht, herausschält. Beeindruckend auch der plötzliche Stimmungsumschwung. Mich erinnert dieser Moment immer an Zeilen aus Hesses Gedicht „Nach dem Fest“: „Traurig lösch ich Licht um Licht / In den still gewordnen Räumen, / Nur der Wind im Garten spricht / Ängstlich mit den schwarzen Bäumen.“ So auch hier. Wood gelingt es, am dem Schluss des Satzes genau jene Leere hörbar zu machen, die Hesse hier beschreibt. Nach dem Saus und Braus der Nacht: nichts. Das ist schon toll gemacht: von Vaughan Williams und von Wood.

      Den klagenden Aufschrei zu Beginn des letzten Satzes habe ich schon vehementer gehört – aber dieses kleine Shortcoming mag auch der Aufnahmetechnik geschuldet sein, obwohl diese generell außergewöhnlich gut ist. Aber auch der Marsch scheint mir zu wenig „pesante“ gespielt. Stattdessen lässt Wood hier einigermaßen kurz artikulieren (Halbe ab Buchstabe C!), eventuell das Marschmäßige zu unterstreichen. Im Anschluss daran empfinde ich Woods Lesart aber als ausgesprochen. Sehr schön wild gelingt Wood die Stelle nach Buchstabe F (con fuoco) und der enorm schmerzhafte Abschnitt zwischen den Buchstaben O und Q, in denen sich die unterschiedlichen Themen höchst dissonant aneinander reiben, gehört zu den Höhepunkten der Einspielung. Ausgesprochen „natürlich“ gestaltet Wood die Wiederkehr des Anfangs und der Beginn Epilogs wird in seiner unwirklichen Stimmung so gut getroffen, wie man es sich nur wünschen mag, aber auch die nochmalige Verdunklung mit der kurzen Wendung ins Helle kurz vor Schluss werden exemplarisch dargestellt.

      Auch nach 78 Jahren noch eine überaus wichtige und vor allem hörenswerte Aufnahme.

      :wink: Agravain
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      Barbirolli (12/1957) – Hallé Orchestra – 14:07 / 11:41 / 07:31 / 13:17

      Barbirollis 1957er Aufnahme aus Manchester gehört für mich zu den bis heute überzeugendsten Einspielungen des Werkes – klanglich wie interpretatorisch. Sein Interpretationsansatz unterscheidet sich in meinen Augen deutlich von demjenigen Woods, da er bei weitem nicht so nervös an das Werk – an die Heraufbeschwörung der Weltstadt London - herangeht wie dieser. Wo es bei Wood unruhig, bisweilen manisch und nicht immer ganz ungefährlich brodelt, da greift Barbirolli „hinein ins volle Menschenleben“ und wo er’s „packt, da ist’s interessant“.

      Die ersten sieben Takte des ersten Satzes kommen sehr dunkel, geradezu nächtlich daher. Schön treten in diesem Klangzauber, den Barbirolli bestens auszukosten weiß, die Celli 5 Takte nach A hervor, die Violinen gesellen sich 6 vor C ausgesprochen licht, schon fast ätherisch dazu, leise und doch deutlich klingt der Westminsterschlag der Harfen. Bei den zum Allegro überleitenden aufsteigenden Fanfaren der Blechbläser lässt Barbirolli sich Zeit, zieht das Tempo noch nicht an. Der Einsatz des vollen Orchesters kommt ausgesprochen wuchtig, das notierte Pesante überlagert kurz das Risoluto und dann geht es hinein in das bunte, lebhafte und manchmal grelle Treiben des Satzes, dessen Vielfarbigkeit Barbirolli bestens auszukosten versteht. Es ist darum natürlich besonders erfreulich, dass die Aufnahme ganz hervorragend klingt: sehr direkt, sehr gut durchleuchtet (nicht immer hört man beispielsweise die leise, aber mit Drive wummernden Achtelstaccati des Kontrafagotts und der Tuba um 8 nach E so deutlich wie hier). Von großer Intensität der zunächst wie in sich selbst versunken klingende Abschnitt ab BB, der langsame Aufbau von dort hin zum kurzen leidenschaftlichen Moment bei EE. Das sich Poco animando erneut einstellende „Cockney“-Motiv bringt nun wieder Bewegung in den Satz, das quirlige Element schiebt sich wieder ins Bewusstsein. Die bei MM sehr festlich klingenden Holzbläser wirken bei Barbirolli wie Vorboten eines glanzvollen Finales, dessen Aufbau ihm besonders Spaß gemacht zu haben scheint. Wie trefflich schaltet er einen Gang herunter, um dem letzten „retardierenden Moment“ (NN) die rechte Wirkung zu verleihen, was für eine Prachtentfaltung erlaubt er sich bei OO (Blech!), wie entfesselt er das anschließende Poco (?) animando, welche Klangberge werden hier aufgetürmt, was für ein glitzerndes Finale.

      Der Beginn des zweiten Satzes gelingt sehr atmosphärisch und erinnert bei Barbirolli sehr wie die Fortsetzung des zweiten, ganz auf Introspektion angelegten Satzes der „Sea Symphony“. Ich meine mich beim Hören in einer weiten und unwirklichen Landschaft zu befinden. Das klagende Englischhorn singt seine mir nach Einsamkeit, Verlassenheit und Leere klingende Melodie, das sich anschließende Streicherunisono gelingt enorm süffig – auch weil Barbirolli hier nach meinem Empfinden doch deutlich lauter spielen lässt, als es notiert ist. Piano ist das vielleicht nicht unbedingt - aber was für eine Wirkung. Dazu die vollmundig gespielten Akkorde der Harfe – wunderbar. Der ganze Satz hat bei Barbirolli einen (man verzeihe mir den Begriff) „nordisch“-elegischen Touch. Auch die Momente, die ausgesprochen „englisch“ wirken, wie beispielsweise die wirklich „semplice“ spielende Solo-Violine bei D oder im Anschluss die Klarinette, klingen nicht – man möge mir die blumige Beschreibung nachsehen - nach einem Londoner Square an einem Novembernachmittag, sondern eher nach dem Ausblick von Scott’s View. Es ist das Erhabene, das hier Musik geworden zu sein scheint. Enorm gelungen empfinde ich die Stelle, an der das nostalgisch wirkende Spiel der Holz- und Blechbläsersoli von einem lastenden, marschartigen Motiv in den tiefen Streichern, den Harfen und den Glöckchen düster konterkariert wird. Bei F (Largamente) kündigt sich der bevorstehende Höhepunkt des Satzes wie ein Sonnenstrahl an, den Barbirolli dann bei G mit großer Geste und gewissermaßen wie einen goldenen Sonnenuntergang in Technicolor auskostet bis der Satz in sich zurücksinkt, das Englischhorn aus der Ferne (lontano) noch einmal ihr Motiv erklingen lässt und die Musik ins Niente verrinnt.

      Der dritte Satz (Scherzo) nimmt Barbirolli zwar bewegt, aber auch hier fehlt vollkommen jene Unruhe, die die Interpretation Woods auszeichnet. Wo Wood quirlig ist, dort ist Barbirolli geschäftig. Wo Wood zwielichtig klingt, da geht von Barbirolli keine Gefahr aus. Wo Wood fahrig klingt, dort pulsiert es bei Barbirolli. Diese Lesart des Nocturnes ist – ebenso wie die Darstellung des Kopfsatzes – eher positiv. Die dunklen Seiten der Londoner Nacht, das wird hier nicht deutlich. Hier ist es eher bunt, alles eilt irgendwo hin, es locken die Clubs, Theater, die Music Halls. Aber auch Barbirolli gelingt das atmosphärische Kippen des Satzes hervorragend. Wo eben alles noch licht war, da klingt es auf einmal nach Vereinzelung, Vereinsamung, Düsternis und Melancholie. Aber abseits, wer ist’s… Und auch hier – eindrucksvoll ist auch der Blick in die zum Schluss fast leere Partitur – zerfällt die Musik. Niente ist zwar nicht notiert, es ist aber dennoch da.

      Das Finale: wuchtiger Beginn, wie ein Schrei, von Barbirolli mit enormem Nachdruck musiziert (Pesante!). Das Wuchtige bleibt beim Einsatz des „Maestoso alla marcia“ erhalten. Das Voranschreiten ist schwer, es wirkt so, als laste ein unbeschreibliches Gewicht auf der Musik. Galeerenmusik. Und doch: Barbirolli schiebt diese Last vorwärts, inszeniert ein ungeheures Aufbegehren, das sich bei F in einem ungestümen Con fuoco entlädt. Sehr vehement geht es weiter. Enorm kraftvoll und trotzig klingt das Streicherunisono bei L (Molto allargando). Wenn man von agogischem Stau reden kann, dann hier. Überhaupt entfesselt Barbirolli gegen Ende dieses Satzes enorme Kräfte. So habe ich die Klangballungen, die sich 4 vor P aufbauen bislang kaum kataklysmischer gehört. Danach fällt die Musik erneut in sich zusammen und Barbirolli macht dem Hörer enorm überzeugend glauben, dass auch dieser Satz - wie die letzten beiden – nichts mehr denn ein Versiegen bringen wird. Ermattet klingt noch einmal der Westminsterschlag, Streicherakkord im Piano pianissimo und man glaubt: das war’s. Doch dann setzt natürlich der Epilog ein, dem Barbirolli hier eine geradezu „reinigende“ Qualität verleiht. Alles im Werk Durchlebte fällt ab, löst sich auf und verschwindet. Doch ist dies nicht das ermattete Verlöschen, dass die beiden vorangegangenen Sätze präsentiert haben, sondern ein Zurücklassen und – man erinnere sich an das Zitat aus H.G.Wells „Tono-Bungay“, von dem Vaughan Williams sagte, es hätte direkt mit dem Epilogue zu tun – ein Aufgehen im Ganzen.

      :wink: Agravain
    • Hansi schrieb:

      An alle Vaughan Williams Fans: Eine der interessantesten (und langsamsten!) Aufnahme der London Symphony, die wenig bekannt ist, ist diese von Owain Arwel Hughes:

      Und was konkret soll da nun interessant sein? Ich lese hier seit Neuestem an allen Ecken lauter Empfehlungen ohne auch nur den Schimmer einer Erläuterung der Gründe, warum diese Aufnahmen nun empfehlenswert sein sollen. Ist Hughes' Einspielung interessant, weil sie langsam ist? Oder gibt es auch noch andere Gründe? Nur das Tempo fände ich jetzt als Grund dafür, mir den Spaß anzuschaffen, vielleicht etwas dürftig. Schmackhaft macht das auch nicht. Oder ist das Kriterium für die Empfehlung nur die Tatsache, dass die Aufnahme im eigenen Schrank vor sich hinsteht und man das Bildchen posten kann?

      :wink: Agravain
    • Und was konkret soll da nun interessant sein? Ich lese hier seit Neuestem an allen Ecken lauter Empfehlungen ohne auch nur den Schimmer einer Erläuterung der Gründe, warum diese Aufnahmen nun empfehlenswert sein sollen.
      Es ist interessant, dass sie von zwei Leuten empfohlen worden ist..... :D :-I
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Wenn das reichte, dann säße ich nicht hier gemütlich am PC, sondern entweder bei der Schuldnerberatung oder im Knast, weil ich mir von jedem dahergelaufenen Verkäufer etwas andrehen ließe, da mir "Ist gut, weil ist gut" als Begründung für die Qualität eines Produktes ja dicke reichen würde. Wenn ich höre, ein Produkt sei eines der interessantesten unter vielen, dann will ich auch etwas genauer wissen, warum es so ist. Das braucht ja keine ellenlange Erklärung sein, aber ich fände ein paar prägnante Hinweise, die den Superlativ rechtfertigen, schon ganz nett. Alles andere kann ich nur schwer ernst nehmen.

      Agravain


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    • Ich habe mir dieses Stück grade mal auf Youtube angehört. Für einen ersten Eindruck reicht das sicherlich.
      Und ich muss sagen, ich bin begeistert. Ohne jetzt hier im Thread oder sonstwo etwas darüber gelsen zu haben, beschreibt das Ganze für mich einen lauen Sommertag in London. Das fängt morgens mit leichtem Vogelgezwitscher an und endet abends in aller Ruhe und Stille. Man hört förmlich, wie sich die Nacht über die Stadt senkt.
      Am meisten angesprochen hat mich der zweite Satz, der hatte Gänsehautfaktor für mich. Aber auch alle anderen Sätze sind einfach umwerfend schön.
      Jetzt werde ich mir auf jeden Fall weitere Stücke dieses Komponisten anhören!
    • . Wenn ich höre, ein Produkt sei eines der interessantesten unter vielen, dann will ich auch etwas genauer wissen, warum es so ist. Das braucht ja keine ellenlange Erklärung sein, aber ich fände ein paar prägnante Hinweise, die den Superlativ rechtfertigen, schon ganz nett. Alles andere kann ich nur schwer ernst nehmen.
      Ich gebe Dir recht, deshalb auch bewusst mein Ironie-Symbol mit dabei. Ich kenne den Dirigenten von seiner GE der Holmboe-Sinfonien, die er hervorragend eingespielt hat bei BIS. In wie weit er HIER einzuschätzen ist, kann ich Dir leider auch nicht sagen.

      Ich habe mir dieses Stück grade mal auf Youtube angehört. Für einen ersten Eindruck reicht das sicherlich.
      Auf welche Aufnahme beziehst Du das jetzt? Meinst Du nur das Werk speziell? Ich kann mit Deiner Antwort nur sehr wenig anfangen bis jetzt. Könntest Du das mit verständlicher formulieren ? Danke sehr.

      VG, Maurice :wink:
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Agravain schrieb:

      Unbedingt mehr RVW hören, liebe Tasha! Schön, dass Du da noch was neu entdecken kannst!

      Das werde ich auf jeden Fall machen!

      Maurice schrieb:

      Ich habe mir dieses Stück grade mal auf Youtube angehört. Für einen ersten Eindruck reicht das sicherlich.
      Auf welche Aufnahme beziehst Du das jetzt? Meinst Du nur das Werk speziell? Ich kann mit Deiner Antwort nur sehr wenig anfangen bis jetzt. Könntest Du das mit verständlicher formulieren ? Danke sehr.
      Das war eine Aufnahme des spanischen Rundfunk- und Fernsehorchesters und zwar diese hier: "http://www.youtube.com/watch?v=A_jlBCaLxUc" In diesem Video finde ich die Aufnehmen teilweise sehr interessant, die haben den Geigen ja bis auf die Fingerkuppen gezoomt. Und die Frau am Bass hat ein interessantes Tattoo am Handgelenk. :D
      Es gibt sicher bessere Aufnahmen, aber ich wollte das Werk überhaupt erst mal kennen lernen und so hab ich die erstbeste Aufnahme genommen. Ich werde mir aber sicher noch weitere anhören.
    • Agravain schrieb:

      Wenn das reichte, dann säße ich nicht hier gemütlich am PC, sondern entweder bei der Schuldnerberatung oder im Knast, weil ich mir von jedem dahergelaufenen Verkäufer etwas andrehen ließe, da mir "Ist gut, weil ist gut" als Begründung für die Qualität eines Produktes ja dicke reichen würde.

      Das halte ich für äußerst wichtig, selbst wenn es hier OT sein könnte. Denn es transzendiert den Sinn des Threads sozusagen durch höhere Weisheit. Wie wichtig ist es doch, dies in einer Welt zu sagen, die bei "AAA" oder "98 Parker Punkte" in staunende Anbetung und Kaufreflex verfällt.

      Agravain schrieb:

      Unbedingt mehr RVW hören, liebe Tasha!

      Und doch ist das Scheitern an den eigenen hohen Maßstäben eine der sympathischsten Eigenschaften des Menschen. ;+)

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Die o.g. Aufnahme war in den 90er Jahren tatsächlich mit meine Lieblingseinspielung dieser Sinfonie.

      Ich habe sie- wie auch diese Sinfonie- lange nicht mehr gehört. Nach Jahren der Dauerbeschäftigung mit diesem Werk war irgendwann mal Ruhe angesagt und das Ding für mich abgenudelt.

      Und ich habe mir diese Aufnahme jetzt auch nicht nochmal angehört, ich habe im Moment andere Werke, auf welche ich mich ganz real konzentrieren muß.
      Jedenfalls gefiel mir damals, wie klasse das aufgenommen wurde, wie dramatisch und mit welch gutem Timing die entprechenden Höhepunkte angesteuert wurden.

      Ein betont langsames Spiel ist mir nicht großartig aufgefallen, was für einen wohlüberlegten Spannungsaufbau spricht.
      Und irgendwo, daran erinnere ich mich, kann man einen Singvogel hören, der unbeabsichtigt mit auf die Aufnahme kam, ganz leise natürlich und u.U. nur auf einer sehr guten Anlage hörbar.
      Ich fand das sympathisch.
    • Das war eine Aufnahme des spanischen Rundfunk- und Fernsehorchesters
      Ok, danke für den Hinweis. Ich konnte nicht so viel damit anfangen, sorry. Ach, man sollte die Spanier nicht unterschätzen. Die Begeisterung und das Engagement, wie man in Spanien bereits die Kinder sehr ernsthaft zur Musik heran führt, ist selbst in den kleineren Orten immer wieder erstaunlich. Das habe ich selbst dort Unten erlebt, sprich gesehen und gehört.

      Erfreue Dich an der Musik von VW, sie erschließt sich einem bestimmt nicht von Anfang an, doch es lohnt sich auf jedem Fall, sich ihm zu nähern. Vielleicht auch über die kleineren Werke, um dann an die Sinfonien und die Solo-Konzerte zu gehen. Suche Dir die Handley-CDs, er ist der beste Anwalt für diese Musik ( und auch für dessen Zeitgenossen Sir Arnold Bx).

      VG, Maurice :wink:
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Tasha schrieb:

      Das war eine Aufnahme des spanischen Rundfunk- und Fernsehorchesters und zwar diese hier: "http://www.youtube.com/watch?v=A_jlBCaLxUc" In diesem Video finde ich die Aufnehmen teilweise sehr interessant, die haben den Geigen ja bis auf die Fingerkuppen gezoomt. Und die Frau am Bass hat ein interessantes Tattoo am Handgelenk.
      Es gibt sicher bessere Aufnahmen,
      Ich habe mir die Aufführung unter Carlos Kalmar, dem Chefdirigenten dieses Orchesters, jetzt mal in Ausschnitten angesehen.
      Kalmar ist ein toller Dirigent, sehr fordernd- ich habe selber unter Ihm gespielt.
      Er kam am Morgen in die Probe und trug ein gelbes T-Shirt mit dem Aufdruck "Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden" .

      Das sollte wohl ausreichen und alle saßen auf der Stuhlkante.
      Nun zu dem, was ich mir da gerade aus Madrid in Ausschnitten angeschaut habe:

      Das muß eine grandiose Auffühung gewesen sein, das ,was ich gesehen und gehört habe, war einfach nur allererste Klasse.

      Begeisternd!
      Ganz weit entfernt von "Es gibt sicher bessere Aufnahmen" .............
      Sehr weit entfernt, denn das, was ich gehört habe, ist mit das beste überhaupt.
      Und ich hätte das gerne auf CD.

      Warum noch mal sollte man "die Spanier" nicht unterschätzen?

      ?(
    • Das RTVE- Orchester ist ein europäisches Spitzenensemble, so am Rande bemerkt.
      Ich glaube es Dir aufs Wort. Vor einigen Jahren hatte ich das Vergnügen, den Solo-Klarinettisten und einen Kollegen von ihm vom Orchester aus Valencia live zu erleben. Eine exzellente Aufführung des Konzertes für Klarinette und Bassetthorn von Mendelssohn zu hören. Frage mich bitte nicht mehr welches, das weiß ich leider nicht mehr.

      Meine Aussage war auch überhaupt nicht abwertend gemeint, aber man findet leider nicht so oft spanische Orchester mit britischen Werken auf CD vor. Mir sind aber viele CDs von Naxos mit den Orchestern bekannt, die ihre spanischen Komponisten vorstellen. Eine sehr gelungene Reihe von Naxos.

      Carlos Kalmar war auch schon in Frankfurt zu Gast, der Name ist mir zumindest mal vom Hören bekannt gewesen.

      VG, Maurice
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)