Zu Unrecht gelobt, gehypt, als Kult bezeichnet oder: Diese Filme sind für MICH überbewertet

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    • Nosferatu schrieb:

      Es gibt unzählige mittelmäßige bis sehr gute Regisseure und dann gibt es Kubrick, Bergman, Chaplin, Murnau, Bill Wilder, Fritz Lang, Lubitsch, Papst, etc...etc...etc..

      Ich hab das in einem meiner Postings ja schon angesprochen, also das ganze Bergmann-Zeug halte ich für komplett überbewertet, prätentziös und einfach nur unsäglich langweilig. Manchmal frage ich mich selbst, warum ich mir das immer wieder angetan habe, vielleicht, weil ich dachte, ich würde das mal dahinter kommen, was daran denn so großartig sein soll...okay, ab und an gab's mal Lichtblicke, "Jungfrauenquelle" und "Das Siebte Siegel" finde ich noch ganz gut, aber der Rest...ein Regisseur bei dem viel mit dem Mund hochgejubelt wird (manchmal von Menschen, die sich besonders intellektuell fühlen wollen, wir mir scheint).

      Erzherzog schrieb:


      Das wird sicher viel Widerspruch hervorrufen. :hide:
      Der Film hat wunderschöne Bilder und gute Musik ist aber für meinen Geschmack absolut blutleer ohne Lebenskarft, deshalb die Geschichte nicht überzeugend.
      Ehrlichgesagt mag ich auch aus dem gleichen Grund die Schygulla nicht.
      Den Roman habe ich aber gern gelesen.

      Meinen Widerspruch gibt es auf jeden Fall...der Film ist nicht perfekt (aber unter allen Effi Briest-Verfilmungen der Beste, meiner Meinung nach), aber gerade die Unterkühltheit trifft sowohl Fontanes Stil als auch die gesellschaftliche Kühle der damaligen Zeit.

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Titanic ist ein sehr guter Film, sicher hat er Mängel, aber im großen und ganzem ist er gut erzählt, plausibel und hält sich an wichtige Fakten, welche erst zu seiner Entstehungszeit bekannt waren.
      Die Musik von Horner finde ich scheisse, die aufgesetzte Love-Story auch, aber den ganzen übrigen Rest finde ich großartig.

      Das sehe ich genauso.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Succubus schrieb:

      Meinen Widerspruch gibt es auf jeden Fall...der Film ist nicht perfekt (aber unter allen Effi Briest-Verfilmungen der Beste, meiner Meinung nach), aber gerade die Unterkühltheit trifft sowohl Fontanes Stil als auch die gesellschaftliche Kühle der damaligen Zeit.


      Das sehe ich auch so. Von allen Verfilmungen des Romans gefällt mir Fassbinders Annäherung an den Stoff am Besten. Die letzte Verfilmung mit Julia Jentsch in der Hauptrolle ist dagegen reichlich platt. Was nicht an Julia Jentsch liegt.

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Caesar73 schrieb:

      Die letzte Verfilmung mit Julia Jentsch in der Hauptrolle ist dagegen reichlich platt.

      Was hatte ich mich seinerzeit auf den Film gefreut, dachte mit Koch und Matičević hätte ich endlich "meine" Instetten und Crampas gefunden und wie enttäuscht war ich! Nicht wegen der Schauspieler (obwohl ich die Jentsch an sich unpassend fand, obwohl sie gut spielt). Irgendwie trutschig der ganze Film und auf seine Art nicht weniger blutleer. Der Gipfel der Enttäsuchung war für mich, das Emanzen-Ende, grässlich! Das nahm der ganzen Geschichte doch den Kern...
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Succubus schrieb:

      Der Gipfel der Enttäsuchung war für mich, das Emanzen-Ende, grässlich! Das ahm der ganzen Geschichte doch den Kern...


      Der Schluss war eindeutig der negative Höhepunkt. Die Doppelbödigkeit, die Vielschichtigkeit der Vorlage, die Gesellschaftskritik Fontanes, das alles geht unter. Der Schluss ist eine grobe Verhohnepipelung der Vorlage. Fontane für geistig Arme.

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Succubus schrieb:

      Manchmal frage ich mich selbst, warum ich mir das immer wieder angetan habe, vielleicht, weil ich dachte, ich würde das mal dahinter kommen, was daran denn so großartig sein soll...okay, ab und an gab's mal Lichtblicke, "Jungfrauenquelle" und "Das Siebte Siegel" finde ich noch ganz gut, aber der Rest...

      Vielleicht magst Du einfach diese Gattung, oft Psycho-Kammerspiel, nicht? Die von Dir genannten wären da ja eher Ausnahmen. Wie steht es denn mit "Fanny und Alexander"? Für mich einer der ganz großen Filme überhaupt.
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      Musica est exercitium metaphysices occultum nescientis se philosophari animi
    • Fahrenheit 451

      Gestern sah ich Fahrenheit 451.
      Leider muss ich den Film für mich eindeutig hier in diesem Thread einsortieren.
      Er überzeugt mich weder als Science-Fiction noch als Dystopie. In beiderlei Hinsicht scheint mir der Film doch recht veraltet zu sein.
      Nur zwei Jahre später erschien 2001, aber zwischen den beiden Filmen liegen Welten, was den Science-Fiction-Aspekt angeht. Da fällt Fahrenheit klar bei mir unten durch.
      Bleibt die Dystopie. Eine "Feuerwehr", die in einem totalitären System herumfährt, um Bücher zu verbrennen? Der Plot scheint mir heute nicht mehr schlüssig zu sein. Wenn es den Plot noch nicht gäbe, würde ihn heute auch keiner mehr erfinden. Denn eines scheint heute klar, eine allgegenwärtige Verfügbarkeit von Büchern (auf Papier oder digital) ist kein Garant dafür, dass eine Gesellschaft nicht in weiten Schichten verdummen kann, weil sie sich immer seichteren Beschäftigungen hingibt. Dies kann auch politisch gewollt und befördert sein. (Siehe Berlusconis Italien...) Die Vernichtung der guten alten Klassiker ist da völlig unnötig. Dies scheint der Film auch zu ahnen. Denn dem Verbrennen der Bücher wird andererseits der völlig Sinn entleerte TV- und Pillen-Konsum der Angepassten gegenübergestellt. Dennoch wird mir der klassische Bücherkanon für meinen Geschmack doch etwas zu penetrant gegen alle Übel der Welt hochgehalten. Die Schlussszene im Wald mit den Buchmenschen finde ich einfach nur peinlich.

      Hudebux
    • Recordatorio schrieb:

      FAHRENHEIT 451 - ein Film, der mir das schlechte Gewissen nimmt zu viel Zeit mit Büchern verbracht zu haben. Der Schluss, eine eigentlich rein geistige Pointe, gehört für mich zum Ergreifendsten überhaupt. Menschheitlich.

      Dies gibt mir natürlich zu denken. Gut möglich, dass mir da etwas entgangen ist.

      Aber warum schlechtes Gewissen? Und braucht es diesen Film wirklich als Plädoyer für Bücher?
    • Vieles in Fahrenheit 451 hat eine unwirkliche Qualität, selbst nach den Maßstäben innerhalb des Plots. Das Feuerwehrauto, welches aus den 1930er stammt, die Bücher an sich...sie stehen für einen bestimmten Anspruch, für die Freiheit der Gedanken. Das ist sicherlich der Grund, warum Truffaut im Finale die Büchermenschen auftreten läßt. Das Bücherverbrennen ist für ihn ein Synonym für Totalitarismus. Dementsprechend sind die Büchermenschen diejenigen, die ein solches System immer unterlaufen würden.

      Es ist typisch für Truffaut, daß er sich nicht einer unmenschlichen Sichtweise hingibt, selbst wenn er ein unmenschliches System beschreibt; das ist wohl der größte Unterschied zum Buch. Das Finale wirkt etwas irritierend, gewiß - aber peinlich? Da widerspreche ich vehement.

      Für mich ist Fahrenheit 451 das wunderbarste Beispiel für einen der poetischsten Filme innerhalb der Science Fiction. Er strahlt eine Wärme aus, die man eigentlich nicht erwartet.


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • "Breaking the Waves" braucht das "Schmalz" als Schmierstoff, sonst funktioniert der Film nicht. Insofern das absolute Gegenteil zu "Trainspotting".

      Die frühen Filme von Lars von Trier haben mich beeindruckt. "The Element of Crime" viel mehr noch als der Schwarzweißfilm "Europa". Ob es heute noch noch wäre, weiß ich nicht. Bin ja schon alt :-OOOO-

      Liebe Grüße, Kermit :wink: :wink: :wink:
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Josquin Dufay schrieb:

      Vieles in Fahrenheit 451 hat eine unwirkliche Qualität, selbst nach den Maßstäben innerhalb des Plots. Das Feuerwehrauto, welches aus den 1930er stammt, die Bücher an sich...sie stehen für einen bestimmten Anspruch, für die Freiheit der Gedanken. Das ist sicherlich der Grund, warum Truffaut im Finale die Büchermenschen auftreten läßt. Das Bücherverbrennen ist für ihn ein Synonym für Totalitarismus. Dementsprechend sind die Büchermenschen diejenigen, die ein solches System immer unterlaufen würden.

      Es ist typisch für Truffaut, daß er sich nicht einer unmenschlichen Sichtweise hingibt, selbst wenn er ein unmenschliches System beschreibt; das ist wohl der größte Unterschied zum Buch. Das Finale wirkt etwas irritierend, gewiß - aber peinlich? Da widerspreche ich vehement.

      Für mich ist Fahrenheit 451 das wunderbarste Beispiel für einen der poetischsten Filme innerhalb der Science Fiction. Er strahlt eine Wärme aus, die man eigentlich nicht erwartet.
      Vielen, vielen Dank. Ein herrliches Plädoyer.
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      Musica est exercitium metaphysices occultum nescientis se philosophari animi
    • maticus schrieb:

      So ist es in den Romanen aber nicht. Soweit ich weiss, ist diese Frau da die Ausnahme gewesen, denn Heiratsabsichten hatte er sonst nie. Recht verliebt war er wohl auch in die Frau in "Casino Royale". Aber diese Turtelei am Ende wie in den Filmen, die gibt es in den Romanen nicht.


      Nicht ganz. Zu Beginn von "From Russia with Love" erfährt man, daß sich Bond etwas dauerhafteres mit der weiblichen Hauptfigur des vorhergehenden Romans "Diamonds are Forever", Tiffany Case, erhofft hat, aber von ihr sitzengelassen wurde. Die Dame hatte erkannt, daß eine stabile Beziehung mit Bond, milde ausgedrückt, schwierig würde, und sich lieber einen biederen US-Offizier geangelt. 8+)

      Anders als im IMHO sehr mäßigen Film geht es im Buch "Diamonds are Forever" auch nicht um irgendein Lasersatelittengedöns, sondern einfach um ganz profanen Diamantenschmuggel.

      :wink:
    • maticus schrieb:


      merkatz schrieb:

      Man muss aber auch bedenken, dass nach diesem Film Bond immer wieder neue Gespielinen hatte - da dürfte die gemeuchelte von früher dann wieder egal sein. Ich denke mir, dass BEIDE Enden (Frau erschossen, Bösewicht überlebt) sowie das übliche mit dem herummachen nicht wirklich befriedigend sind.

      So ist es in den Romanen aber nicht. Soweit ich weiss, ist diese Frau da die Ausnahme gewesen, denn Heiratsabsichten hatte er sonst nie. Recht verliebt war er wohl auch in die Frau in "Casino Royale". Aber diese Turtelei am Ende wie in den Filmen, die gibt es in den Romanen nicht.

      Ich kann jedem nur empfehlen, die Romane mal zu lesen.

      Gerade die Bond-Reihe ist für mich ein Beispiel für die Umsetzung einer literarischen Vorlage, die weit über die Vorlage hinauswächst. Die Bond-Filmreihe hat eben halt aus dieser Agentenroman-Vorlage einen sehr eigenen Filmcharakter geschaffen, und der Charme der Bond-Filme resultiert für mich nicht zuletzt aus diesem guten Schuß Absurdität, den sie besitzen. Das muß nicht jedermanns Geschmack sein, aber ich bin der Überzeugung, daß die Serie niemals den Erfolg gehabt hätte, wenn sie als quasi-realistische Agentenfilm-Serie konzipiert worden wäre.

      Die Craig-Filme haben m. E. deshalb Publikum angezogen, weil es halt Bond-Filme waren. Hätte man exakt dieselben Filme gedreht, nur mit der neu erfundenen Agentenfigur Timothy Smith als Hauptperson, hätten diese Filme niemals ein derartiges Publikum erreicht! Die Filme leben also geradezu vom Nimbus der Bond-Figur, nur resultiert dieser Nimbus nicht aus Realismus, sondern aus der reichlich unglaubwürdigen Mischung aus Frauen erobern, Schampus saufen, Stunts absolvieren und futuristische Bösen-Hauptquartiere hochjagen - halt dem "guten alten" Bond der 60er und 70er Jahre.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • merkatz schrieb:

      Wobei ja meine Vermutung ist, dass man Bonds Ehefrau nur deswegen erschossen hat, damit sie in weiteren Fortsetzungen nicht "im Weg steht" und der Agent wieder die Damen bezirzen kann.

      Die Episode mit der erschossenen Ehefrau dient meiner Meinung nach dazu, Bonds fortgesetztes beziehungsloses Rumgepimper zu erklären und irgendwie auch zu rechtfertigen. Motto: "seht her, sein Beruf ist halt zu gefährlich für eine feste Beziehung". Deswegen gibt es auch in jedem Film neue Bond-Girls. :D

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Die Episode mit der erschossenen Ehefrau dient meiner Meinung nach dazu, Bonds fortgesetztes beziehungsloses Rumgepimper zu erklären und irgendwie auch zu rechtfertigen. Motto: "seht her, sein Beruf ist halt zu gefährlich für eine feste Beziehung". Deswegen gibt es auch in jedem Film neue Bond-Girls.

      :thumbsup: Sehr gut erklärt!

      Ein bisschen eigenartig fand ich es aber dennoch, dass James Bond, nachdem er sieht, dass seine Frau tot ist, lieber mit der Verblichenen kuschelt, als die Bösen zu verfolgen. Oder dem Polizisten zu sagen "Verfolgen Sie die Bösewichte da".


      Weil etwas früher in diesem Thread die Rede davon war, dass die neueren Bond Film zu "realistisch" werden: mir geht es mit den Batman-Filmen von Christopher Nolan ebenafalls so.

      Die 60er Jahre Serie war natürlich nur Klamauk, das war auf keinen Fall ernst gemeint, keine Frage. Die Tim Burton Filme fand ich aber toll: sie waren düster, ernster, aber auch der Humor kam nicht zu kurz. Gotham City sah, typisch Tim Burton, sehr düster aus, im positiven Sinne comichaft.

      Aber die neuen Filme sind viel zu modern. Die Leute sehen nicht mehr aus wie in den 40er Jahren, Gotham City sieht wie eine normale Stadt aus, das comichafte ist komplett verschwunden, stattdessen gibts massenweise sterile Technik.

      Geht das nur mir so?
    • merkatz schrieb:

      Weil etwas früher in diesem Thread die Rede davon war, dass die neueren Bond Film zu "realistisch" werden: mir geht es mit den Batman-Filmen von Christopher Nolan ebenafalls so.

      Ja, bei den Nolan-Verfilmungen (habe allerdings nur Batman begins & The Black Knight gesehen) kann man das so sehen. Ein komisches, vielleicht sogar "operettenhaftes" Element des Batman-Stoffes fällt da weitestgehend unter den Tisch.
      Trotzdem hat Nolan irreale Aspekte aufgegriffen und sehr einseitig, aber konsequent weiterentwickelt. Zwar kommt bei Batman nichts direkt Übernatürliches vor, aber zum einen ist bereits die Vorlage mit dem düsteren Gotham City dystopische Science Fiction, zum anderen bedienen sich die "operettenhaften" Typen (sowohl Batman wie auch die schurkischen Gegner) in ihrer Selbstdarstellung eines unwahrscheinlichen technischen Aufwands, der nicht in ihren Zwecken (Verbrechen bzw. dessen Bekämpfung) aufgeht.
      Nolan betont das Alptraumhafte des Batman-Stoffes. Ich finde, den Versuch war's wert.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Viele Science Fiction Scenarios sind nicht ganz konsistent. Ich finde das o.k., da es meistens ja um einen bestimmten (sozialen, politischen, philosophischen) Aspekt geht, nicht um eine konsistente Weltschöpfung.
      (Da der Film auch schon genannt wurde und ich ihn ganz gerne mag, ist das auch eine Kleinigkeit in "12 Monkeys", die mich theoretisch stört: Die Menschheit ist durch den Virus auf wenige Prozent des Bestandes zusammengeschrumpft und vegetiert unterirdisch rum, hat aber ZEITREISEN erfunden.... :stern: )

      Selbst in Brave New World verlässt man sich nicht darauf, dass Soma, Sex und Entertainment schon allein dafür sorgen, dass sich niemand mehr für Bach und Shakespeare interessiert, sondern hat die alten Kunstwerke der normalen Bevölkerung entzogen. Wie die Ehefrau des Protagonisten in Fahrenheit 451 in den idiotischen Fernsehserien aufgeht, finde ich sogar ziemlich hellsichtig.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Tyras schrieb:

      zum einen ist bereits die Vorlage mit dem düsteren Gotham City dystopische Science Fiction
      Hmm, ich persönlich habe Gotham City immer irgendwie Film Noir-mäßig empfunden und gesehen, besonders bei Tim Burton und in der Zeichentrickserie aus den frühen 90ern. Also eher "alt" als futuristisch.

      Die Gegner aus den Nolan-Filmen fand ich auch zu realistisch, irgendwie.

      Der Joker ist einfach nur ein Irrer mit durchgeschnittenen Wangen - bei Burton bekommt er Kugelsplitter ins Gesicht geschossen und landet im Säurebad und wird operiert.

      Catwoman ist einfach nur eine "gewöhnliche" Diebin, die, würde sie nicht einen Haarreif tragen, der an Katzenohren erinnert, ihren Namen gar nicht verdienen würde - bei Burton wiederum ist sie eine schüchterne Sekretärin, die ermordet und dann von vielen Katzen wiederbelebt wird.

      Bane ist hier einfach nur ein Bösewicht, der wegen einer Verletzung im Gesicht eine Maske trägt, die seinen Kiefer fixiert - in dem (wie ich finde, unendlich grottigen und miserablen) Schuhmacher-Film ist er, wie im Comic auch, vollgepumpt mit diesem chemischen Zeug, das ihn so stark werden lässt.

      Harvey Two Face ist auch viel zu realistisch, der hat nichts comichaftes mehr an sich. Ich fand den Tommy Lee Jones-Two Face zwar zu grell, aber trotzdem. Bei Nolan ist der halbe Schädel weggebrannt, obwohl er eigentlich nur entstellt sein sollte durch Säure.
    • Symbol schrieb:

      Gerade die Bond-Reihe ist für mich ein Beispiel für die Umsetzung einer literarischen Vorlage, die weit über die Vorlage hinauswächst. Die Bond-Filmreihe hat eben halt aus dieser Agentenroman-Vorlage einen sehr eigenen Filmcharakter geschaffen, und der Charme der Bond-Filme resultiert für mich nicht zuletzt aus diesem guten Schuß Absurdität, den sie besitzen. Das muß nicht jedermanns Geschmack sein, aber ich bin der Überzeugung, daß die Serie niemals den Erfolg gehabt hätte, wenn sie als quasi-realistische Agentenfilm-Serie konzipiert worden wäre.

      Sicher, die Reihe der Bond-Filme hat eine Eigendynamik entwickelt. Aber ich bleibe dabei, dass die Qualität der Filme deutlich unter der der Romane liegt. Die "Dynamik" geht für mich in die falsche Richtung. Ich teile auch Deine Einschätzung nicht, dass die Bond-Filme nur so, wie sie nunmal waren, erfolgreich sein konnten. So wie sie sind, haben sie einen gewissen Kultstatus erworben, deren Anhänger dann nur auf solche stereotypen Sätze wie "Mein Name ist Bond. James Bond." bzw. "gerüttelt, nicht gerührt" warten, auf die sie total abfahren. Mir liegt an diesen Banalitäten nichts, und daher begrüße ich, wenn in neuen Verfilmungen zumindestens zum Teil davon abgewichen wird und manches wieder näher an der Romanvorlage ist.

      Wenn wir schon bei dem Genre sind. Mich persönlich sprechen Filme wie die Bourne-Trilogie deutlich mehr an. Zwar ist dort auch sehr viel Action, die aber sehr gut inszeniert und geschnitten ist. Das Plus gegenüber Bond sind (abgesehen von dem sehr guten Schauspieler Matt Damon) das deutlich ernsthaftere Benehmen der Figuren sowie die glaubwürdigere Einbettung der Handlung in die reale Welt. Auch die Beziehung zu Marie (?) (Franka Potente) ist viel realistischer dargestellt, als die banalen Bond-Frauengeschichten.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • maticus schrieb:

      Zwar ist dort auch sehr viel Action, die aber sehr gut inszeniert und geschnitten ist.
      Da muss ich wiederum einhaken; ich habe die ersten beiden Teile gesehen, und fand diese viel zu schnellen Schnitte und hektischen Kamerafahrten eher lästig und ermüdend. Und stilisiert wohl auch, weil die meisten heutigen Filme, in denen es Action gibt, so geschnitten sind.