Bolero - nicht nur von Ravel

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    • Bolero - nicht nur von Ravel

      Wenn man den "Bolero" nennt, braucht es keinen Komponistennamen, da kann es nur um den einen, auch als Kopulationsmusik missbrauchten gehen - den von Ravel. Dabei ist der Bolero schon ein gutes Stück älter - und war durchaus heftig in der Mode, sogar ein Bestandteil einer heftig geführten Auseinandersetzung um spanische Kultur - Menuett oder Bolero bzw. Fandango hieß die Parole auf der iberischen Halbinsel. Wikipedia informiert uns: "Der Bolero ist ein spanischer Tanz in mäßig geschwindem 3/4-Takt, oft auch mit Taktwechseln, der sich aus Contradanza und Sevillana entwickelte. Er wurde 1780 von Sebastian Zerezo, einem Tänzer am spanischen Hof in Cádiz, erfunden. Er wird von zwei Personen mit Kastagnetten getanzt und von einer Zither oder mehreren Instrumenten begleitet. Mit Gesang und Gitarre begleitet heißen die Boleros Seguidillas-Boleros." Vom Tempo also dem Menuett sehr ähnlich stellte es sich doch in schärfste Konkurrenz zu dem außerspanischen Import. Beim Bolero begleitet der Tänzer seine Bewegung durch Gesang, oft eine Vokalise. Die Kastagnetten markieren den Rhythmus und setzen vor der Melodie ein.

      Mit der Erfidung des Bolero setzt eine wahre Boleromanie ein, die sich schnell über Spanien ausbreitete. Zentrum der Bolerobegeisterung war der spanische Hof Karls III., Karls IV. und Ferdinands VII. Verbreitet wurde der Tanz durch Zarzuelas (so Francisco Asenjo Barbieris "El estreno de una artista". Auch über Spanien hinaus übte der Bolero seine Anziehungskraft vor allem auf Opernkomponisten aus. So findet man bei Weber diesen Tanz in der "Preziosa". Am bekanntesten ist wohl die Arietta im Bolerorhythmus »Kommt ein schlanker Bursch gegangen« aus dem Freischütz,.Andere Fundstellen sind bei Méhul mit Les Aveugles de Tolède, Auber mit Le Domino noir. La Muette de Portici und Masaniello, Berlioz mit Benvenuto Cellini auszumachen. Zu höchster Vollendung gelangte die Stilisierung des Bolero bei Chopin (op. 19).

      Selbst bei Beethoven findet man ihn: ""Bolero à solo" für (untextierte) Singstimme, Klavier, Violine, Violoncello WoO 158. Einer der ersten Boleros, die in Deutschland erschienen, war "Ich vergleiche Frauen mit Sardinen", erschienen in der Allgemeinen musikalischen Zeitung 1799. Ravel hat übrigens schon vor seinem Meisterstück den Tanz in seiner Rapsodie espagnole verwandt.

      Auf weitere Nennungen freut sich

      Peter
      (immer noch tanzbegeistert)
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • In der Schauspielmusik Scaramouche, op. 71 von Jean Sibelius aus dem Jahr 1913 kommen im 1. Akt zwei Abschnitte (Szenen 4 und 5) vor, welche beide die Tempobezeichnung Tempo di Bolero haben.

      Die Handlung dieser Schauspielmusik spielt im Wesentlichen auf einem Ball und Blondelaine, die weibliche Hauptperson in diesem Stück, ist eine leidenschaftliche Tänzerin. Auf diesem Ball tanzt sie einen Bolero, die der bratschenspielende diabolische Scaramouche zusammen mit seinen Musikern begleitet. Dieser Bolero steigert sich zu einem immer fanatischeren Tempo bis Leilon, Blondelaines Mann, den Tanz jäh unterbricht und Scaramouche und seine Musiker hinauswirft.

      Nähere Informationen zu diesem Werk gibt es hier:
      Scaramouche


      Armin
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Schumann: Spanische Liebeslieder op. 138, 1. Vorspiel. Im Bolerostempo
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Spontan im Angebot hätte ich da den 3. Satz "Tempo di Bolero" aus der mit doppeltem Bläserquintett besetzten Serenade op.104 von Salomon Jadassohn (ein Komponist und Musiktheoretiker, bei dem sich weitere Nachforschungen lohnen dürften!).

      Diese Musik spiele ich deutlich lieber als Ravels "Bolero"..... :D :hide:

      Viele Grüße

      Bernd
    • César Cui, Bolero Op.17

      Frédéric Chopin, Bolero Op.19

      Pablo de Sarasate, Bolero Op.30

      Aleksandr Dargomyzhsky, Bolero für Orchester (1839)

      Charles Gounod, Boléro für Klavier und Singstimme (1871)

      Camille Saint-Saëns, El desdichado für Orchester und zwei Soprane

      Sigfrid Karg-Elert, Die Kunstreiterin Op.19 für Klavier und Singstimme

      Anton Diabelli, Bolero-Walzer (Nr. 9 aus den bei Clementi erschienenen Waterloo Tänzen)

      Hector Berlioz, Zaïde, für Sopran und Orchester H 107 (op. 19 Nr.1)
      viele Grüße

      Bustopher


      Sapere aude
    • arundo donax schrieb:

      Spontan im Angebot hätte ich da den 3. Satz
      "Bolero" aus dem Trio Nr. 1 für Oboe, Fagott und Klavier op. 5 von Henri Brod. Der zweite Satz hieß dann schon - passend dazu - "Theme espagnole".
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Von Vero Modzart wäre dieser Monostratos-Bolero in schwarz (Knöchelfreizeichen 38, auch in 42 zu haben) für eine Solo-Dame (alt oder in hoher Stimmung) mit Petticoatbegleitung ad libitum zu nennen.
      Gewöhnlich und dem Komponisten wie der Vortragenden angemessen wird das getragene Stück von rolligen Alberti-Bässen umschwärmt.

      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms