Lyrik-Capriccio

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    • Lyrik-Capriccio

      Zu Ehren unseres Patenkindes Elsa eröffne ich die Capriccio Lyrics mit einem Vers von Louis Aragon, der seine Frau Elsa Triolet über alle Massen liebte und ihr einige seiner schönsten Verse widmete.

      Das ist allemal ein besseres Schicksal für die Elsas dieser Welt, als ein namenloser Schwan........



      Ich stelle hier nur mal die erste Strophe eines sehr langen Gedichts ein ,das den Namen "Les yeux d'Elsa" (Elsas Augen) trägt.



      Tes yeux sont si profonds qu'en me penchant pour boire

      J'ai vu tous les soleils y venir se mirer

      S'y jeter à mourir tous les desespérés

      Tes yeux sont si profonds que j'y perds la mémoire



      Bonne anniversaire à Elsa und die 12. Fee schenke ihr nun Augen, in denen grosse Dichter wie Aragon dereinst ertrinken wollen! :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Liebe Fairy,

      namens des noch nicht ganz artikulationsfähigen "Patenkindes" danke ich für die Einstellung dieses wunderschönen Gedichtes. Ich hoffe sehr, dass wir alle noch gemeinsam und fröhlich hier zugange sind, wenn sie es selbst lesen und verstehen kann.

      Das Feengeschenk wird sie sicher sehr freuen, obwohl ich derzeit noch nicht sagen kann, ob es schon sichtbar ist.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Nicht nur, weil es zu meinem liebsten Schumann-Zyklus gehört, sondern auch weil es just zum Monat und zur Stunde gehört:



      Über'n Garten durch die Lüfte
      Hört' ich Wandervögel ziehn,
      Das bedeutet Frühlingsdüfte,
      Unten fängt's schon an zu blühn.

      Jauchzen möcht' ich, möchte weinen,
      Ist mir's doch, als könnt's nicht sein!
      Alte Wunder wieder scheinen
      Mit dem Mondesglanz herein.

      [Und der Mond, die Sterne sagen's,
      Und im Traume rauscht's der Hain,
      Und die Nachtigallen schlagen's:
      Sie ist deine! Sie ist dein!



      (J. von Eichendorff)
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Der späte Mai





      Die roten Blätter rauschen,
      Der Sommer ist lange vorbei,
      Es leuchten unsere Augen,
      Es blüht in uns der Mai.

      Wir können die Liebe nicht bergen,
      Wir sind uns viel zu gut,
      Es brennen unsere Lippen,
      In den Schläfen klopft unser Blut.

      Wir reden schüchterne Worte,
      Wir sehn aneinander vorbei,
      Scheu wie die erste Liebe
      Macht uns der späte Mai.

      Was zögerst du, was zagst du,
      Wer weiß, bald fällt der Schnee,
      Die ungeküssten Küsse,
      Das ist das bitterste Weh.

      Hermann Löns
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Erinnerung

      Will die Gegenwart genung
      Meinem trüben Sinn nicht lächeln,
      O so komm mich anzulächeln
      Beßrer Zeit Erinnerung!
      Führe du, o führe mich
      In der Phatansie Gefilde,
      Und dem regen Geist entbilde
      Eine beßre Zukunft sich.

      Heinrich Christian Boie
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Nachtschwärmen

      Die alte Pappel schauert sich neigend,
      Als habe das Leben sie müde gemacht.
      Ich und mein Lieb – hier ruhen wir schweigend
      Und vor uns wallt die drückende Nacht.
      Bis sich zwei schöne Gedanken begegnen,
      Dann löst sich der bleierne Wolkenhang.
      Goldene, sprühende Funken regnen
      Und füllen die Welt mit lustigem Klang.
      Ein trüber Nebel ist uns zerronnen.
      Ich lege meine in deine Hand.
      Mir ist, als hätt ich dich neu gewonnen.
      Und vor uns schimmert ein goldenes Land.


      (Ringelnatz)
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Eines meiner Lieblingsgedichte stammt von Hermann Hesse:



      Die Philister, die Beschränkten,
      [...]
      Lieb und Freundschaft zu entdecken.



      Es gibt zwar sicher Gedichte mit mehr Anmut in den Versen, dafür ist dieses ungemein praxistauglich und wurde von mir schon oft bei passender Gelegenheit rezitiert. :whistling:

      "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
      "
      , David Hurwitz
    • Da waren trümmer nicht noch scherben
      Da war kein abgrund war kein grab
      Da war kein sehnen war kein werben:
      Wo eine stunde alles gab.

      Von tausend blüten war ein quillen
      Im purpurlicht der zauberei.
      Des vogelsangs unbändig schrillen
      Durchbrach des frühlings erster schrei.

      Das war ein stürzen ohne zäume
      Ein rasen das kein arm beengt -
      Ein öffnen neuer duftiger räume
      Ein rausch der alle sinne mengt.

      Stefan George Der siebente ring
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Liebe FreundInnen der Lyrik,

      es gibt so viele schöne Gedichte, leider gehören auch viele der neueren Zeit dazu. Und da gilt das Urheberrecht, das ich zu beachten bitte.Ich zitiere aus den Artikeln "Urheberrecht" und "Zitation" bei wikipedia

      So ist die Urheberrechtsposition beispielsweise zeitlich begrenzt und tritt die Gemeinfreiheit nach Ablauf einer gesetzlichen Frist (70 Jahre nach dem Tod des Urhebers) automatisch ein (§ 64 UrhG)


      Siebzig Jahre - ich bitte die Einsteller entsprechende Daten zu überprüfen.

      Unterschieden werden:

      * Großzitate – Zitate ganzer Werke
      * Kleinzitate – auszugsweise Zitate, z. B. einzelne Sätze oder Gedankengänge
      [...]

      Großzitate sind nur in wissenschaftlichen Arbeiten zulässig. Voraussetzung für ein Großzitat ist die bereits erfolgte Veröffentlichung (in Deutschland: das Erscheinen).

      Kleinzitate dürfen weiterreichend verwendet werden. Der Zitierzweck muss erkennbar sein. Das Zitat muss also in irgendeiner Beziehung zu der eigenen Leistung stehen, beispielsweise als Erörterungsgrundlage. Der Umfang des Zitats muss dem Zweck angemessen sein.


      Gedichte sind ganze Werke, es handelt sich also um Großzitate - und die gehen nur in wissenschaftlichen Werken, wenn der/die VerfasserIn nicht vor 70 Jahren verstorben ist.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Lieber Peter,

      Paul Celan ist zwar 1970 aus dem Leben gegangen, aber das hilft nicht. Da ich selbst die Fadensonnen leider nicht löschen kann, bitte ich Dich darum dies zu tun.

      Lieben Gruß

      Bernhard


      "Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
      Joris-Karl Huysmans
    • Johann Wolfgang Goethe: Kenne wohl der Männer Blicke

      Kenne wohl der Männer Blicke,
      Einer sagt: Ich liebe, leide!
      Ich begehre, ja verzweifle!
      Und was sonst ist, kennt ein Mädchen.
      Alles das kann mir nicht helfen,
      Alles das kann mich nicht rühren;
      Aber, Hatem, deine Blicke
      Geben erst dem Tage Glanz.
      Denn sie sagen: Die gefällt mir,
      Wie mir sonst nichts mag gefallen.
      Seh ich Rosen, seh ich Lilien,
      Aller Gärten Zier und Ehre,
      So Zypressen, Myrten, Veilchen,
      Aufgeregt zum Schmuck der Erde;
      Und geschmückt ist sie ein Wunder,
      Mit Erstaunen uns umfangend,
      Uns erquickend, heilend, segnend,
      Daß wir uns gesundet fühlen,
      Wieder gern erkranken möchten.
      Da erblicktest du Suleika
      Und gesundetest erkrankend,
      Und erkranketest gesundend,
      Lächeltest und sahst herüber,
      Wie du nie der Welt gelächelt.


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Heinrich Christian Boie: An den Bach

      Der du immerdar die Fläche
      Dieser Auen strömst entlang,
      Mich, du lieblichster der Bäche!
      Zieht auch stets derselbe Hang.

      Deines Murmelns sanfte Klage
      Uebertäubt nicht diesen Raum;
      Leise bricht, was ich ertrage,
      Aus gepresstem Herzen kaum.

      Rein von den Gewäßern allen
      Rinnet deine Silberflut,
      Doch nicht reiner kann sie wallen
      Als in mir der Liebe Glut.

      Stürme, die das Meer empören,
      Halten deinen Lauf nicht auf;
      Keines Schicksals Wetter stören
      Meiner Liebe treuen Lauf.

      Wandelt Sie durch diese Wildnis,
      So wirfst du ihr Bild zurück;
      In dem Herzen stets Ihr Bildnis
      Trag ich und in ihm mein Glück.

      Sichern Boden bis zum Grunde
      Schaut in dir man allerwärts.
      Mir auch schwebt das Herz im Munde
      Und sie blickt mir gern ins Herz.


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Theodor Storm: Im Walde

      Hier an der Bergeshalde
      Verstummet ganz der Wind;
      Die Zweige hängen nieder,
      Darunter sitzt das Kind.

      Sie sitzt in Thymiane,
      Sie sitzt in lauter Duft;
      Die blauen Fliegen summen
      Und blitzen durch die Luft.

      Es steht der Wald so schweigend,
      Sie schaut so klug darein;
      Um ihre braunen Locken
      Hinfließt der Sonnenschein.

      Der Kuckuck lacht von ferne,
      Es geht mir durch den Sinn:
      Sie hat die goldnen Augen
      Der Waldeskönigin.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Das Trunkene Lied

      O Mensch! Gib acht!
      Was spricht die tiefe Mitternacht?
      "Ich schlief, ich schlief-,
      Aus tiefem Traum bin ich erwacht:-
      Die Welt ist tief,
      Und tiefer als der Tag gedacht.
      Tief ist ihr Weh-,
      Lust- tiefer noch als Herzeleid:
      Weh spricht: Vergeh!
      Doch alle Lust will Ewigkeit-,
      Will tiefe, tiefe Ewigkeit!"

      F.Nietzsche

      LG Mia

    • Mia Wallace schrieb:

      Das Trunkene Lied

      O Mensch! Gib acht!
      Was spricht die tiefe Mitternacht?
      "Ich schlief, ich schlief-,
      Aus tiefem Traum bin ich erwacht:-
      Die Welt ist tief,
      Und tiefer als der Tag gedacht.
      Tief ist ihr Weh-,
      Lust- tiefer noch als Herzeleid:
      Weh spricht: Vergeh!
      Doch alle Lust will Ewigkeit-,
      Will tiefe, tiefe Ewigkeit!"

      F.Nietzsche

      LG Mia


      Und wunderschön vertont! (Mahler III, IV). Und lange Zeit bei Alviano in der Signature...

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Heinrich Christian Boie: Lied

      Des Morgens wache Königin
      Hört schon mein frühes Lied;
      Sie weiß wie liebevoll ich bin
      Und wie die Spröde flieht.

      Und Phoebus von dem ersten Strahl
      Bis er zur Ruhe geht
      Sieht nichts als Thränen ohne Zahl,
      Die doch ihr Stolz verschmäht.

      O! werd ich keinen Morgen sehn,
      Der mir gequältem lacht?
      Ist mir kein Tag, kein Abend schön,
      Und heiter keine Nacht?

      Es ruft in meinen Trauerklang
      Der Wiederhall betrübt.
      Wann sagt mein freudiger Gesang,
      Daß Lalage mich liebt?



      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Heinrich Heine

      Es hatte mein Haupt die schwarze Frau
      Zärtlich ans Herz geschlossen;
      Ach! meine Haare wurden grau,
      Wo ihre Tränen geflossen.

      Sie küßte mich lahm, sie küßte mich krank,
      Sie küßte mir blind die Augen;
      Das Mark aus meinem Rückgrat trank
      Ihr Mund mit wildem Saugen.

      Mein Leib ist jetzt ein Leichnam, worin
      Der Geist ist eingekerkert -
      Manchmal wird ihm unwirsch zu Sinn,
      Er tobt und rast und berserkert.

      Ohnmächtige Flüche! Dein schlimmster Fluch
      Wird keine Fliege töten.
      Ertrage die Schickung, und versuch,
      Gelinde zu flennen, zu beten.

      Aus dem Gedichtzyklus "Zum Lazarus" (1854)
      One word is sufficient. But if one cannot find it?
      Virginia Woolf, Jacob's Room
    • Einer meiner Liebligsdichter ist Angelus Silesius. Sein Zyklus "Heiliger Seelen-Lust" find' ich da besonders schön, schade dass er weniger gedruckt wird, als der Cherubinische Wandersmann (den ich aber auch sehr mag).

      Sie stimmt ihm die Saiten an


      Ich will die Laute rühren

      Und Jesu musizieren.

      Ich will die Saiten zwingen

      Und, was ich kann, drein singen.

      Mit Herz und Mund erschallen,

      Daß es soll widerhallen.

      Die Laute will ich rühren

      Und Jesu musizieren.

      2

      Ich will mein Herz erheben

      Und in dem Himmel leben.

      Ich will mich von der Erden

      Und weltlichen Beschwerden

      Zu meinem Liebsten schwingen

      Und durch die Wolken dringen.

      Mein Herz will ich erheben

      Und in dem Himmel leben.

      3

      Ihr himmelischen Chöre,

      Vergönnet mir die Ehre,

      Daß ich mit euch vermenge

      Mein arme Lobgesänge.

      [208] Daß ich mit euren Weisen

      Den Herren möge preisen.

      Vergönnet mir die Ehre,

      Ihr himmelischen Chöre.

      4

      Ich wollt ihn gerne loben,

      Wie ihr im Himmel droben.

      Stimmt ein mit euren Flöten

      Und ewigen Trompeten.

      Er wird von meiner Zungen

      Nicht schön genug besungen,

      Drum wollt ich ihn gern loben,

      Wie ihr im Himmel droben.

      5

      O Jesu, mach mich weise,

      Daß ich dich würdig preise.

      Laß meines Herzens Saiten

      Durch deinen Geist bereiten.

      Befeuchte meine Seele

      Mit deiner Gottheit Öle,

      Daß ich dich würdig preise,

      O Jesu, mach mich weise!
      "Vor dem Essen, nach dem Essen,

      Biber hören nicht vergessen!"


      Fugato
    • Lieber Tschab, könntest du uns evtl mal einige ungarische Dichter bzw Gedichte vorstellen?

      Ich kenne bisher leider nur Sandor Petöfi und der hat mich mit seiner wortgewaltigen Leidenschaft total begeistert!

      Peter hat vor Zeiten auch ganz wunderbare Nachdichtungen dazu gemacht , den der ungarishcen Sprache sind ja nur einige Auserwählte unter uns mächtig.

      F.Q.

      Liebe Talestri, DIESEN Heine lese ich zum ersten Mal- was ist hier mit der schwarzen Frau gemeint?
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)