Lyrik-Capriccio

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    • @Maldoror: Danke, Bernhard, für das Einstellen des Trakl-Gedichtes. Einer meiner Lieblingslyriker, dessen Gedichte mich schon seit meiner Schulzeit faszinieren!!

      Hier noch eines meiner liebsten:


      Kaspar Hauser Lied
      für Bessie Loos



      Er wahrlich liebte die Sonne, die purpurn den Hügel hinabstieg,
      Die Wege des Walds, den singenden Schwarzvogel
      Und die Freude des Grüns.

      Ernsthaft war sein Wohnen im Schatten des Baums
      Und rein sein Antlitz.
      Gott sprach eine sanfte Flamme zu seinem Herzen:
      O Mensch!

      Stille fand sein Schritt die Stadt am Abend;
      Die dunkle Klage seines Munds:
      Ich will ein Reiter werden.

      Ihm aber folgte Busch und Tier,
      Haus und Dämmergarten weißer Menschen
      Und sein Mörder suchte nach ihm.

      Frühling und Sommer und schön der Herbst
      Des Gerechten, sein leiser Schritt
      An den dunklen Zimmern Träumender hin.
      Nachts blieb er mit seinem Stern allein;

      Sah, daß Schnee fiel in kahles Gezweig
      Und im dämmernden Hausflur den Schatten des Mörders.

      Silbern sank des Ungebornen Haupt hin.



      Georg Trakl
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Heinrich Christian Boie: Die Wahnsinnige

      A.

      Aus elysischen Gefilden, Myrthenhainen,
      Wo die abgeschiednen Geister Liebe weinen,
      Von kristallnen Bächen, die der Mond beglänzt
      Und ein Frühling ewig jung und lächelnd kränzt,
      Will ich einsam in zerrißnen Lumpen eilen,
      Meinen finstern liebeskranken Gram zu heilen.
      Luna blieb am Himmel spät,
      Fröhlich schwebte Mab im Tanze,
      Oberon voll Majestät
      Sah, wie Mars mit seiner Lanze
      Die Liebesgöttin verwunden thät.
      In jener Primel tief begraben
      Liegt er in hellen Tropfen Thau.
      Täglich soll dich meine Thräne laben,
      Daß du nicht welkst, o Blümchen, auf der Au.
      Denn seit Er tot ist, hab ich keine Freude mehr!
      Vergißmeinnicht und Rosen will ich finden,
      Ein Kränzchen meinem Freund zu binden.
      Statt der Musik erschall ein Seufzen um mich her!
      In einen holen Baum will ich mich niederlegen,
      Dem Tode lächeln, segnen das Verderben
      Und sterben.
      Raben, Katzen, Fledermäuse
      In der bängsten, fürchterlichsten Weise
      Sollen Wald und Felsen zum Gefühl bewegen!
      Uhus, Eulen
      Sollen mir mein Grablied heulen!
      Saht ihr ihn nicht? Wie ihm die schwarzen Augen brennen!
      Mädchen, fürchtet ihre Macht!
      Nehmt euer Herz in Acht!
      Wie würdet, würdet ihr dem Mann entfliehen können!
      Horch, horch der alte Charon!
      Er will nicht länger warten!
      Die Furien erheben ihre Peitschen,
      Und rufen: von hinnen! von hinnen!
      So kehr ich denn zurück woher ich kam.
      Die Welt ist viel zu toll, nichts lindert meinen Gram.
      Was soll ich länger schmachten?
      Die Lieb' ist alles Elends Same,
      Ist eine Seifenblas', ein Schatten und ein Name,
      Den Narren bewundern und Weise verachten.
      Kalt und hungrig bin ich nun –
      Unter Blumen will ich ruhn,
      Träumend hin auf Himmelsmatten sinken,
      Götterspeise kosten, Nectar trinken
      Und singen:
      Wer heiter ist und froh,
      Kann jeden Gram bezwingen.
      Bei Waßer und auf Stroh
      Bin ich in meinem Sinn
      Zufriedner als die Königin,
      So lang ich ohne Feßel bin!



      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Romance

      Romance, who loves to nod and sing
      With drowsy head and folded wing
      Among the green leaves as they shake
      Far down within some shadowy lake,
      To me a painted paroquet
      Hath been—most familiar bird—
      Taught me my alphabet to say,
      To lisp my very earliest word
      While in the wild wood I did lie,
      A child—with a most knowing eye.

      Of late, eternal condor years
      So shake the very Heaven on high
      With tumult as they thunder by,
      I have no time for idle cares
      Through gazing on the unquiet sky;
      And when an hour with calmer wings
      Its down upon my spirit flings,
      That little time with lyre and rhyme
      To while away—forbidden things—
      My heart would feel to be a crime
      Unless it trembled with the strings.

      Edgar Allan Poe
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Heinrich Christian Boie: Gegenliebe

      Wenn ich wüßte daß du mich
      Lieb und werth ein bischen hieltest
      Und von dem, was ich für dich,
      Nur ein Hunderttheilchen fühltest;

      Wenn dein Danken meinem Gruß
      Halbes Wegs entgegen käme,
      Wenn dein Mund den Wechselkuss
      Gerne gäb' und wiedernähme;

      Himmel, Himmel! außer sich
      Würde ganz mein Herz zerlodern!
      Leib und Leben könnt' ich dich
      Nicht vergebens laßen fodern! –

      Gegengunst erhöhet Gunst,
      Liebe nähret Gegenliebe,
      Und entflammt zu Feuersbrunst,
      Was ein Aschenfünkchen bliebe.


      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • RAINER MARIA RILKE UND DIE MUSIK IN SEINER DICHTUNG:



      Musik (Rainer Maria Rilke)

      Wüsste ich für wen ich spiele, ach!
      immer könnt ich rauschen wie der Bach.

      Ahnte ich, ob tote Kinder gern
      tönen hören meinen innern Stern;

      ob die Mädchen, die vergangen sind,
      lauschend wehn um mich im Abendwind.

      Ob ich einem, welcher zornig war,
      leise streife durch das Totenhaar...

      Denn was wär Musik, wenn sie nicht ging
      weit hinüber über jedes Ding.

      Sie, gewiss, die weht, sie weiss es nicht,
      wo uns die Verwandlung unterbricht.

      Dass uns Freunde hören, ist wohl gut -,
      aber sie sind nicht so ausgeruht

      weil sie wehen unter dem, was weht,
      und vergehen, wenn der Ton vergeht.


      LG Mia

    • Musik (Rainer Maria Rilke)

      Was spielst du, Knabe? Durch die Gärten gings
      wie viele Schritte, flüsternde Befehle.
      Was spielst du, Knabe? Siehe deine Seele
      verfing sich in den Stäben der Syrinx.

      Was lockst du sie? Der Klang ist wie ein Kerker,
      darin sie sich versäumt und sich versehnt;
      stark ist dein Leben, doch dein Lied ist stärker,
      an deine Sehnsucht schluchzend angelehnt. -

      Gieb ihr ein Schweigen, dass die Seele leise
      heimkehre in das Flutende und Viele,
      darin sie lebte, wachsend, weit und weise,
      eh du sie zwangst in deine zarten Spiele.

      Wie sie schon matter mit den Flügeln schlägt:
      so wirst du, Träumer, ihren Flug vergeuden,
      dass ihre Schwinge, vom Gesang zersägt,
      sie nicht mehr über meine Mauern trägt,
      wenn ich sie rufen werde zu den Freuden.



      LG Mia

    • Am Rande der Nacht (Rainer Maria Rilke)

      Meine Stube und diese Weite,
      wach über nachbetendem Land, -
      ist Eines. Ich bin eine Saite,
      über rauschende breite
      Resonanzen gespannt.

      Die Dinge sind Geigenleiber,
      von murrendem Dunkel voll;
      drin träumt das Weinen der Weiber,
      drin rührt sich im Schlafe der Groll
      ganzer Geschlechter.....
      Ich soll
      silbern erzittern: dann wird
      Alles unter mir leben,
      und was in den Dingen irrt,
      wird nach dem Lichte streben,
      das von meinem tanzenden Tone,
      um welchen der Himmel wellt,
      durch schmale, schmachtende Spalten
      in die alten
      Abgründe ohne
      Ende fällt...

      LG Mia

    • Aus einer Sturmnacht (Rainer Maria Rilke)

      Titelblatt

      - 3 -

      In solchen Nächten ist auf einmal Feuer
      in einer Oper. Wie ein Ungeheuer
      beginnt der Riesenraum mit seinen Rängen
      Tausende, die sich in ihm drängen,
      zu kauen.
      Männer und Frauen
      stauen sich in den Gängen,
      und wie sich alle aneinander hängen,
      bricht das Gemäuer, und es reißt sie mit.
      Und niemand weiß mehr wer ganz unten litt;
      während ihm einer schon das Herz zertritt,
      sind seine Ohren noch ganz voll von Klängen,
      die dazu hingehn...

      LG Mia

    • Liebes-Lied (Rainer Maria Rilke)

      Wie soll ich meine Seele halten, dass
      sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
      hinheben über dich zu andern Dingen?
      Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
      Verlorenem im Dunkel unterbringen
      an einer fremden stillen Stelle, die
      nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
      Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
      nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
      der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
      Auf welches Instrument sind wir gespannt?
      Und welcher Spieler hat uns in der Hand?
      O süßes Lied.

      LG Mia

    • Die Laute (Rainer Maria Rilke)

      Ich bin die Laute. Willst du meinen Leib
      beschreiben, seine schön gewölbten Streifen:
      sprich so, als sprächest du von einer reifen
      gewölbten Feige. Übertreib

      das Dunkel, das du in mir siehst. Es war
      Tullias Dunkelheit. In ihrer Scham
      war nicht so viel, und ihr erhelltes Haar
      war wie ein heller Saal. Zuweilen nahm

      sie etwas Klang von meiner Oberfläche
      in ihr Gesicht und sang zu mir.
      Dann spannte ich mich gegen ihre Schwäche,
      und endlich war mein Inneres in ihr.


      LG Mia

    • Übung am Klavier (Rainer Maria Rilke)

      Der Sommer summt. Der Nachmittag macht müde;
      sie atmete verwirrt ihr frisches Kleid
      und legte in die triftige Etüde
      die Ungeduld nach einer Wirklichkeit,

      die kommen konnte: morgen, heute abend -,
      die vielleicht da war, die man nur verbarg;
      und vor den Fenstern, hoch und alles habend,
      empfand sie plötzlich den verwöhnten Park.

      Da brach sie ab; schaute hinaus, verschränkte
      die Hände; wünschte sich ein langes Buch -
      und schob auf einmal den Jasmingeruch
      erzürnt zurück. Sie fand, dass er sie kränkte



      LG Mia

    • Ruh und Schweigen


      Hirten begruben die Sonne im kahlen Wald.
      Ein Fischer zog
      In härenem Netz den Mond aus frierendem Weiher.

      In blauem Kristall
      Wohnt der bleiche Mensch, die Wang' an seine Sterne gelehnt;
      Oder er neigt das Haupt in purpurnem Schlaf.

      Doch immer rührt der schwarze Flug der Vögel
      Den Schauenden, das Heilige blauer Blumen,
      Denkt die nahe Stille Vergessenes, erloschene Engel.

      Wieder nachtet die Stirne in mondenem Gestein;
      Ein strahlender Jüngling
      Erscheint die Schwester in Herbst und schwarzer Verwesung.

      Georg Trakl (Siebengesang des Todes)
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Seh ich den Pilgrim, so kann ich mich nie der Tränen enthalten.
      O wie beseliget uns Menschen ein falscher Begriff!

      (Goethe)

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Charles Baudelaire, gest. am 31. August 1867

      Traurige Luna

      Lässiger als sonst träumt Luna heute abend;
      wie eine Schöne, die auf vielen Kissen ruht
      und deren achtlos leichte Hand, eh sie entschlummert,
      liebkosend über ihre Brüste streicht,

      So auf dem Seidenrücken weicher Lawinen
      gibt sie ersterbend sich langer Ohnmacht hin,
      und ihre Augen wandern über weiße Traumgesichte,
      die wie Blüten aufsteigen in das Blau.

      Wenn sie in träger Muße bisweilen
      auf diese Erde verstohlen eine Träne niederrinnen läßt,
      fängt fromm ein Dichter, dem Schlafe feind,
      in seine hohle Hand die fahle Träne auf,
      die wie ein Stück Opal in Regenbogenfarben schillert,
      und birgt sie, den Sonnenblicken fern, in seinem Herzen.
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Ma plus digne Reine,

      diese Übersetzung stammt aus der achtbändigen Baudelaire-Gesamtausgabe, erschienen im Hanser-Verlag, hrsg. von Friedhelm Kemp in Zusammenarbeit mit Wolfgang Drost.

      In der älteren Übersetzung von Carl Fischer glaubt man, ein völlig anderes Gedicht zu lesen. Der Sprachkundige halte sich somit am Besten an das Original.

      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Eine Liebe hatt ich, sie war mir lieber als alles!
      Aber ich hab sie nicht mehr! Schweig, und ertrag den Verlust!

      (Goethe)
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Cher General, wie wahr!

      Allein der Titel ist so falsch übersetzt, dass der Sinn des Gedichts eine andere Richtung nimmt. Ich frage mich , ob es sich hier wirklich um das Gedicht handelt, das ich gefunden habe , ein Gedicht mit Namen: La lune offensée und ob es nicht evtl noch ein weiteres Gecicht La lune triste gibt :shake:

      "Offensé" bedeutet beleidigt, verletzt, gekränkt- das ist wohl ein himmelweiter Unterschied!

      Da auch sonst die Übersetzung vollkommen vom Original abweicht: vielelicht kann unser Baudelaire Spezialist Maldoror hier helfen?

      In meinen "Fleur du mal" finde ich nichts.

      Dafür finde ich aber heute morgen in diesem zweisprachigen Reclam Buch (übersetzung von Monika Fahrenbach-Wachendorff) ein Wortspiel, das mir im jugendlichen Baudelaire Wahn von knapp zwanzig Jahren kam, zumindest ist es so datiert. Ich konnte damals übrigens noch keinen Satz in Französisch sprechen.

      Pour C.B.

      lyra

      lyre

      de lyrium

      delirium

      delire

      de lire

      beau de lire

      beau delire

      beaudelaire

      beau et laid

      baudelaire

      Ce matin, c'est por mon General !

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Diese Gondel vergleich ich der sanft einschaukelnden Wiege,
      Und das Kästchen darauf scheint ein geräumiger Sarg.
      Recht so! Zwischen der Wieg und dem Sarg wir schwanken und schweben
      Auf dem Großen Kanal sorglos durchs Leben dahin.

      (Goethe)
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Ernst Stadler: An die Schönheit

      So sind wir deinen Wundern nachgegangen
      wie Kinder die vom Sonnenleuchten trunken
      ein Lächeln um den Mund voll süßem Bangen

      und ganz im Strudel goldnen Lichts versunken
      aus dämmergrauen Abendtoren liefen.
      Fern ist im Rauch die große Stadt ertrunken

      kühl schauernd steigt die Nacht aus braunen Tiefen.
      Nun legen zitternd sie die heißen Wangen
      an feuchte Blätter die von Dunkel triefen

      und ihre Hände tasten voll Verlangen
      auf zu dem letzten Sommertagsgefunkel
      das hinter roten Wäldern hingegangen – –

      ihr leises Weinen schwimmt und stirbt im Dunkel.
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)