Bach, J. S.: Kantate Nr. 131 „Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir“

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    • Bach, J. S.: Kantate Nr. 131 „Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir“

      Genau datieren kann man diese Kantate nicht, doch das erhaltene Autograph enthält folgende Zeilen in Bachs Handschrift: Auff begehren Tit: Herrn D: Georg Christ: Eilmars in die Music gebracht von Joh. Seb. Bach Org. Molhusino. Damit kann man die Zeit der Erstaufführung eingrenzen auf Bachs Zeit als Organist zu Mühlhausen, vom 01. Juli 1707 bis zum 14. Juli 1708.

      Der Text der Kantate besteht aus dem um zwei Liedstrophen ergänzten 130. Psalm; dies ist der sechste der sogenannten Bußpsalmen. Die Bachforscher haben nach einem Anlass für einen Gottesdienst gesucht, in dem ein solches Werk hätte aufgeführt werden können. Fündig wurde man bei einem Großfeuer, das im Mai 1707 weite Teile Mühlhausens vernichtet hat. Möglicherweise, so die Vermutung, hat man die Kantate in einem darauf bezogenen Buß- oder Gedenkgottesdienst im Juli gesungen und gespielt. Tadashi Isoyama stellt in Beiheft der Suzuki-Einspielung diesen Gottesdienst als Tatsache hin, Wikipedia behauptet hingegen, dass ein solcher Gottesdienst in den zeitgenössischen Quellen nicht belegt sei. Falls die Vermutung zuträfe, so wäre BWV 131 die erste Kantate in Bachs Mühlhäuser Zeit, ein eventuelles Bewerbungsstück nicht mitgezählt.

      Die Chronologie der frühen Kantaten ist nicht gut gesichert. BWV 150 („Nach dir, Herr, verlanget mich“) gilt als wahrscheinlichster Kandidat für die älteste erhaltene Kantate Bachs und wurde vielleicht sogar noch in Arnstadt aufgeführt. BWV 4 („Christ lag in Todes Banden“) könnte für die Bewerbung in Mühlhausen entstanden sein, also Ostern 1707, dann käme BWV 131. In die Zeit bis Bachs Umzug nach Weimar im Juli 1708 gehören noch die Begräbnismusik BWV 106 (Actus tragicus, „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“), die Hochzeitskantate BWV 196 („Der Herr denket an uns“), die Ratswechselkantate BWV 71 („Gott ist mein König“, UA 04. Februar 1708) sowie das nur fragmentarisch überlieferte Werk BWV 223 („Meine Seele soll Gott loben“).

      Jedenfalls reicht die Bemerkung auf dem Autograph aus, um diese Kantate in die zeitliche Nachbarschaft der Ratswechselkantate BWV 71 zu stellen.

      Bereits ihr Text aus Psalm und Choral zeigt, dass die Kantate Vorbildern folgt, die selbst dem jungen Mühlhäuser Bach nicht gerade als avantgardistisch gelten konnte. Rezitative fehlen ebenso wie Arien nach italienischem Vorbild. Das Werk steht eher einer Motette mit ineinander übergehenden Abschnitten nahe, die nachfolgende Darstellung als Nummernkantate ist tendenziell irreführend. Die Besetzung mit Oboe, Fagott, einer Violinstimme, aber zwei Bratschenstimmen sowie B. c. muss zumindest individuell genannt werden – Bach setzte wohl ein, was man ihm zur Verfügung stellte.

      Der Text des ersten Teiles ist Ps 130, 1+2:


      1. Sinfonia und Chor

      Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir.
      Herr, höre meine Stimme, lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!



      Teil 2 ist ein Arioso für Bass mit Choral im Sopran. Der dritte und vierte Psalmvers werden mit der zweiten Strophe des Liedes „Herr Jesu Christ, du höchstes Gut“ von Bartholomäus Ringwaldt (1532-1599) kombiniert.


      2. Arie und Choral

      Psalm
      So du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen?
      Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.

      Choral
      Erbarm dich mein in solcher Last,
      Nimm sie aus meinem Herzen,
      Dieweil du sie gebüßet hast
      Am Holz mit Todesschmerzen,
      Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.
      Auf dass ich nicht mit großem Weh
      In meinen Sünden untergeh,
      Noch ewiglich verzage.



      Zentral steht ein Chor über Vers 5:


      Nr. 3 Chor

      Ich harre des Herrn, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort.



      Als Pendant zu Nr. 2 folgt nun abermals ein Arioso mit Choral - Vers 6 des Psalms und Strophe 5 des Liedes. Die genannten Könige David und Manasse stehen als Beispiele für Menschen, die Unrecht begangen hatten, gestraft worden waren und doch noch Vergebung erlangten. (David: 2. Sam 11, 1 – 12, 25 + Ps 51; Manasse: 2. Kön 21, 1-18 + 2. Chr 33, 1-13)


      Nr. 4 Arie und Choral

      Psalm:
      Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zu der andern.

      Choral:
      Und weil ich denn in meinem Sinn,
      Wie ich zuvor geklaget,
      Auch ein betrübter Sünder bin,
      Den sein Gewissen naget,
      Und wollte gern im Blute dein
      Von Sünden abgewaschen sein
      Wie David und Manasse.



      Als letzter Teil stehen die letzten beiden Verse des Psalms:


      Nr. 5 Chor

      Israel hoffe auf den Herrn; denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.
      Und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.



      Die symmetrische Anlage (Sinfonia und Chor – Arie und Choral – Chor – Arie und Choral – Chor) ist unschwer zu erkennen.

      Hier die fünf Teile von BWV 131 mit ihrer Besetzung im Überblick:

      1. Sinfonia und Chor „Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir“ – Sopran, Alt, Tenor, Bass, Oboe, Fagott, Violine, Viola I/II, B. c.
      2. Arie und Choral „So du willst, Herr, Sünde zurechnen“/„Erbarm dich mein in solcher Last“ – Sopran, Bass, Oboe, B. c.
      3. Chor „Ich harre des Herrn“ – Sopran, Alt, Tenor, Bass, Oboe, Fagott, Violine, Viola I/II, B. c.
      4. Arie und Choral „Meine Seele wartet auf den Herrn“/„Und weil ich denn in meinem Sinn“ – Alt, Tenor, B. c.
      5. Chor „Israel hoffe auf den Herrn“ – Sopran, Alt, Tenor, Bass, Oboe, Fagott, Violine, Viola I/II, B. c.
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Auch in dieser frühen Kantate Bachs findet man orgelnahe Formen. Der erste Teil kann als „Präludium und Fuge“ beschrieben werden, dasselbe gilt für den dritten und den fünften Satz. Die Fuge aus Letzterem hat Bach selbst für Orgel bearbeitet (BWV 131a). Es wurde allerdings auch vermutet, dass die Bearbeitung nicht von Bach stamme, ferner hat man unterstellt, dass die Orgelfuge eventuell das Original und der Kantatensatz das Arrangement sei.

      Nochmal: Die Aufteilung des Werkes in nummerierte Einzelsätze ist tendenziell irreführend, da die einzelnen Abschnitte nach Art einer Motette ineinander übergehen.

      Teil 1 – Sinfonia und Chor „Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir“ (g-moll, 3/4 - c)

      Wie oben gesagt: Präludium (Instrumente, später auch Stimmen) und Fuge (Tutti).

      Der erste Abschnitt, das „Präludium“ erinnert mit seinem langsamen Dreiertakt an eine Sarabande. Bach stellt zunächst die Oboe den Streichern abschnittsweise gegenüber, um sie danach zusammen spielen zu lassen. Nach einigen Runden dieses Wechselspiels gesellen sich die Stimmen mit demselben thematischen Material auf den Text „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ hinzu.

      Zum Text „Herr, höre meine Stimme, lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens“ wechselt der Satztyp. Der Takt wird gerade, das Tempo bewegt mit durchlaufenden, motorischen Achteln im B. c.

      „Herr, Herr, höre meine Stimme“ erklingt stets im homophonen vierstimmigen Satz. „Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens“ wird polyphon bearbeitet. Zunächst wird dieser Text einstimmig vom Alt, dann vom Sopran gesungen, dann erfolgen fugierte Einsätze.

      Gegen Ende des Satzes wird die homophone Setzweise wieder aufgenommen, auch der Dialog zwischen Oboe und Streichern findet wieder statt.

      Teil 2 – Arie und Choral „So du willst, Herr, Sünde zurechnen“/„Erbarm dich mein in solcher Last“ (g-moll, c)

      Der nächste Teil schließt ohne Unterbrechung an. Der Bass (mit dem Psalmtext) dialogisiert mit der Oboe, beide begleitet der B. c. Zeilenweise tritt der Sopran mit dem Choral hinzu. – Nach dem Sarabanden-nahen Eingangsabschnitt und der bewegten freien Fuge ist das Tempo hier im mittleren Bereich, aber auch über durchlaufenden Achteln.

      Teil 3 – Chor „Ich harre des Herrn“ (Es-Dur -> g-moll, c)

      Vor diesem Teil gibt es eine klare Pause.

      Wieder Präludium und Fuge: Dreimal erklingt „Ich harre den Herrn“ in homophonem Satz und in breitem Tempo, jeweils unterbrochen durch einen kadenzartigen Aufschwung einer einzelnen Stimme. Dann hebt ein fugierter Satz über „meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort“ an. Dem „Harren“ ist eine Folge längerer Töne zugeordnet, die durch synkopischen Gebrauch jeweils zum Vorhalt werden und damit das Leiden des „Harrens“ ausdrücken. Man höre den ersten Einsatz dieses Themas im Bass. - Die Instrumente begleiten diese Vokalfuge mit reichen Figurationen.

      Teil 4 – Arie und Choral „Meine Seele wartet auf den Herrn“/„Und weil ich denn in meinem Sinn“ (c-moll, 12/8)

      Die Musik ist unlustig, keinesfalls in sich ruhend. Der B. c. treibt das Stück im 12/8 voran, ohne zu einem Ziel zu gelangen. Ähnlich dem „Harren“ in Teil 3 sind hier dem „Warten“ anfangs ein langer Ton, später dann längere Melismen zugeordnet.

      Der Satztyp ist derselbe wie in Teil 2, nur dass statt Bass und Sopran hier Tenor und Alt für Psalm und Choral zuständig sind. Es gibt kein obligates Melodieinstrument.

      Teil 5 – Chor „Israel hoffe auf den Herrn“ (g-moll, c)

      Auch hier Präludium und Fuge: Dreimal erklingt der homophone Anruf „Israel“, dann folgt ein kurzer konzertanter Satz über „hoffe auf den Herrn“ mit polyphonen Ansätzen. Chor und Orchester wechseln sich abschnittsweise ab.

      „Denn bei dem Herrn ist die Gnade“ erklingt wieder im homophonen Satz mit ausdrucksvoller Harmonik, nun begleitet von der Oboe.

      „Und viel Erlösung bei ihm“ ist wieder konzertant gesetzt mit reicher Figuration im Orchester.

      „Und er wird Israel erlösen aus allein seinen Sünden“ ist der kontrapunktische Höhepunkt des Satzes: eine Doppelfuge. Das erste Thema zu den Worten „und er wird Israel erlösen“ ist reich bewegt. Das zweite Thema „aus allen seinen Sünden“ steht in deutlichem Gegensatz dazu, es ist chromatisch aufsteigend angelegt und besteht aus relativ langen Tönen, so dass es sich gut vom ersten Thema abhebt.
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Guy de Mey, Klaus Mertens
      The Amsterdam Baroque Orchestra (Streicherbesetzung unklar) & Choir (7/4/4/4)
      Ton Koopman
      Nov/Dez 1994



      Midori Suzuki, Yoshikazu Mera, Gerd Türk, Peter Kooy
      Bach Collegium Japan (Streicher 2/2/2/2/1, Chor 5/5/4/5)
      Masaaki Suzuki
      Nov 1995



      Katharina Fuge, Carlos Mena, Hans Jörg Mammel, Stephan McLeod
      Ricercar Consort (Streicher 1/1/1/1/-, „Chor“ solistisch)
      Philippe Pierlot
      November 2007



      Die Aufnahmen von Koopman und Suzuki nehmen sich im ersten Satz nicht viel: Dichtes Lamento-Spiel im langsamen „Preludio“-Abschnitt mit ungefähr gleichem Gewicht auf jedem Viertel im 3er-Takt, aufgelockertes Singen und Spielen dann in der Fuge. Das Ricercar-Consort zeigt, wie man es anders machen kann: Deutlich voneinander abgesetzte Viertel im „Preludio“, die „Zwei“ und „Drei“ zielen stets auf die nächste „Eins“ – sogartiges Musizieren anstelle andächtiger Gleichförmigkeit. Die solistische Besetzung lässt die Faktur der Fuge erst so richtig so Geltung kommen, wo ja häufig soloartige Abschnitte mit Tutti-Besetzungen abwechseln: Das Tutti wirkt nicht überladen, die Soli nicht wie eine totale Reduktion. Der zweite Teil des Satzes klingt so sehr ausgewogen.

      In der Arie mit Choral besetzt Koopman den cantus firmus chorisch, Suzuki und (logischerweise) Pierlot lassen einen Solosopran singen. Peter Kooy (Suzuki) hat gegenüber Klaus Mertens (Koopman) die etwas fülligere, etwas gerundetere Stimme, was meinen Ohren besser gefällt. Stephan McLeod (Pierlot) steht Peter Kooy eigentlich in puncto Fülle und Rundung nichts nach, verzichtet aber weitgehend auf Vibrato und setzt es nur als Verzierung ein. Nur Geschmackssache?! Bei Pierlot ist die Phrasierung der Oboe kleingliedriger, der Satz wirkt lebendiger.

      Auch im zweiten Chor gibt es viel Gleichförmiges bei Koopman und Suzuki. Letzterer lässt mit etwas zügigeren Puls agieren, was der Musik m. E. gut bekommt; das „Harren“ bleibt der langen synkopierten Töne dennoch mehr als hinreichend sinnfällig ausgedrückt. So steht sozusagen das Fugenthema für das „Harren“ und die hier besonders bewegten instrumentalen Figurationen für die lebendige „Hoffnung“, die ja ebenfalls besungen wird. Bei Pierlot ist der Puls wieder etwas ruhiger. Im Gegenzug ist hier die Transparenz mit Abstand am größten, die filigranen Instrumentalpartien gehen hier nicht in den Klangfluten des Chores unter. Herrlich.

      In der Tenorarie ist die Besetzung des Chorals wie gehabt: Bei Koopman chorisch, bei Suzuki und Pierlot solistisch. Guy de Mey (Koopman) fand ich nicht sonderlich berückend, tendenziell angestrengt. erfreulicherweise geht Gerd Türk (Suzuki) mit leichterer Tongebung geht zur Sache. Selbiges gilt für Hans Jörg Mammel, nur ist mein Ohr für sein Timbre einen Hauch weniger empfänglich.

      Koopman bietet im letzten Satz eine leichtflüssig dahinplätschernde Doppelfuge. Wohltönende Schlankheit ist Trumpf. Das ist als ästhetischer Genuss sicher schon viel (vor allem mit Richter und Rilling im imaginären Ohr). Auch bei Suzuki wird locker musiziert, doch erkennt der japanische Maestro immer wieder kleine Zielpunkte im Ablauf und lässt sein Collegium darauf hin spielen und singen, die Musik wird ungleich strukturierter dargestellt. Pierlot bietet mit der kleinsten Besetzung interessanterweise die größten Kontraste zwischen den flächig-homophonen Adagio-Abschnitten und der Doppelfuge. In Letzterer punktet er abermals mit der herrlichen Transparenz des Musizierens.

      Noch ein Wort zum Continuo: Bei Koopman und Suzuki spielt eine Orgel, bei Pierlot eine Orgel und ein Cembalo.

      Alle drei Aufnahmen finde ich sehr gut. Wenn mein Herz dennoch für Pierlot schlägt, dann vor allem deswegen, weil sich in den „Tutti“-Sätzen quasi automatisch eine wunderbare Balance einstellt, in der jede Stimme zu ihrem Recht kommt. Gerade im wunderbaren dritten Satz gehen die Instrumentalstimmen in Amsterdam und Tokyo doch zu sehr im Chorklang unter (tendenziell) und werden zum Hintergrundgesäusel. Bei Pierlot ist alles präsent, der Reichtum der Musik ist dem Ohr ungleich leichter zugänglich.
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Ich habe heute mal wieder im dicken Bach-Buch geblättert auf der Suche nach was Spielbarem ... und bin bei einer Kantate mit anscheindend schöner Oboenarie hängengeblieben, die mir jedoch noch gar ein Begriff war - und zwar BWV 131 "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir" und nachdem sich die Arie daraus prima spielen ließ, musste ich sie mir natürlich auch mal anhören. Sehr schön.

      Und eben fand ich eine hervorragende Interpretation mit Koopmann und dem Meister der Barockoboe, Marcel Ponseele - wunderschöner Klang :love: und natürlich auch wunderschön gespielt :verbeugung1:

      youtube.com/watch?v=ClXZ951QLfA

      Ab ca. Min. 8.20 ....
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Allegro schrieb:

      Und eben fand ich eine hervorragende Interpretation mit Koopmann und dem Meister der Barockoboe, Marcel Ponseele - wunderschöner Klang und natürlich auch wunderschön gespielt
      BWV 131 ist eine tolle Kantate! Und wenn schon Barockoboe, dann Ponseele!

      Aber ich bevorzuge einfach bei weitem die Klangintensität des modernen Instruments, wenn es denn richtig gut gespielt wird. Höre dir mal Günther Passin unter Rilling an (bei ca. 16:20 geht es los): youtube.com/watch?v=QERoQPtvY5M ---

      Heute früh bei der Quintettprobe war ich ebenso von meiner Mönnig begeistert wie gestern abend. Nichts gegen die DIva - aber ich bin so glücklich, nach vielen Jahren endlich ein Instrument gefunden zu haben, auf dem ich meine klanglichen und vor allem auch dynamischen Vorstellungen nahezu ganz real werden lassen kann! Plötzlich ist auch in der Tiefe ein echtes pp möglich, und oben kann ich einen wirklich raumfüllenden Klang entwickeln..... :spock1: :grins3: :thumbsup:

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Aber ich bevorzuge einfach bei weitem die Klangintensität des modernen Instruments, wenn es denn richtig gut gespielt wird. Höre dir mal Günther Passin unter Rilling an
      Also immer wollte ich Barockonoe auch nicht hören - auch nicht Ponseele .... aber ab und an genieße ich sein Spiel sehr gerne ^^

      Und Passin spielt wirklich ebenfalls wundervoll und ja - der Klang der modernen Oboe geht auch mir noch mehr zu Herzen ;)

      arundo donax schrieb:

      Heute früh bei der Quintettprobe war ich ebenso von meiner Mönnig begeistert wie gestern abend. Nichts gegen die DIva - aber ich bin so glücklich, nach vielen Jahren endlich ein Instrument gefunden zu haben, auf dem ich meine klanglichen und vor allem auch dynamischen Vorstellungen nahezu ganz real werden lassen kann! Plötzlich ist auch in der Tiefe ein echtes pp möglich, und oben kann ich einen wirklich raumfüllenden Klang entwickeln.....
      Das freut mich sehr für Dich :jaja1:
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Allegro schrieb:

      Also immer wollte ich Barockonoe auch nicht hören - auch nicht Ponseele .... aber ab und an genieße ich sein Spiel sehr gerne
      Wir sind uns einig darüber, dass es sich bei Ponseele um einen absoluten Meister seines Fachs handelt. :)

      Allegro schrieb:

      Und Passin spielt wirklich ebenfalls wundervoll
      Diese Aufnahme mit Passin besitze ich schon seit meiner späten Gymnasialzeit als LP (und seit mehr als 10 Jahren als CD). Aber eben habe ich sie dank deines Hinweises auf BWV 131 seit langem noch einmal besonders bewusst gehört und vielleicht jetzt erst richtig realisiert, wie grandios Günther Passin seine Stimme in klanglicher wie musikalischer Hinsicht gestaltet. Gerade tonlich geht es für meinen Geschmack nicht schöner! :thumbsup: :spock1: :spock1: :spock1: :spock1: :spock1:

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • Allegro schrieb:

      Ich habe heute mal wieder im dicken Bach-Buch geblättert auf der Suche nach was Spielbarem ... und bin bei einer Kantate mit anscheindend schöner Oboenarie hängengeblieben, die mir jedoch noch gar ein Begriff war - und zwar BWV 131 "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir" und nachdem sich die Arie daraus prima spielen ließ, musste ich sie mir natürlich auch mal anhören. Sehr schön.
      capriccio-kulturforum.de/#
      Und eben fand ich eine hervorragende Interpretation mit Koopmann und dem Meister der Barockoboe, Marcel Ponseele - wunderschöner Klang :love: und natürlich auch wunderschön gespielt :verbeugung1:

      youtube.com/watch?v=ClXZ951QLfA

      Ab ca. Min. 8.20 ....

      Hab mir eben die Kantate angehört, eine wunderbare Komposition. :)

      Aus der von Bernd verlinkten Version hab ich mir die erste Nummer angehört. Für mich klingt die moderne Oboe zwar anders, aber nicht "besser" als die Barockoboe. Vor allem aber klingen mir in der "modernen" Einspielung die Streicher zu... satt? Die Koopman-Aufnahme hat für mich einen ausgewogeneren Ensembleklang. Der Chor klingt allerdings in beiden Versionen wunderschön :)
    • Melione schrieb:

      Hab mir eben die Kantate angehört, eine wunderbare Komposition.
      Nicht wahr? :) :top:

      Melione schrieb:

      Aus der von Bernd verlinkten Version hab ich mir die erste Nummer angehört. Für mich klingt die moderne Oboe zwar anders, aber nicht "besser" als die Barockoboe. Vor allem aber klingen mir in der "modernen" Einspielung die Streicher zu... satt?
      Ich denke, es handelt sich hier schlichtweg um eine Frage der subjektiven Vorlieben. Mich persönlich nimmt auch der Streicherklang in der Rilling-Aufnahme weitaus mehr mit als in der zuvor von Allegro verlinkten HIP-Version der Kantate. Gerade wenn es um Bach geht, finde ich einen satten,vergleichsweise dunklen, durchaus dezent "romantisierenden" Streichersound besonders bewegend. Für mich wird die Musik dadurch noch einmal auf eine andere emotionale Ebene gehoben - ich gestehe das offen, obwohl ich weiß, dass diese ästhetische Position völlig "out" ist...... :schaem1: :versteck1:

      Und die moderne Oboe finde ich klanglich einfach vielschichtiger. Bei Passin gibt es im Ton einen leuchtenden Kern, der von weichem Samt eingehüllt wird. Die Barockoboe klingt für meine Ohren dagegen flach.

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Ich denke, es handelt sich hier schlichtweg um eine Frage der subjektiven Vorlieben.

      Sehe ich auch so. Für mich gibt es bei Musik kein Besser oder Schlechter :)

      arundo donax schrieb:

      Mich persönlich nimmt auch der Streicherklang in der Rilling-Aufnahme weitaus mehr mit als in der zuvor von Allegro verlinkten HIP-Version der Kantate. Gerade wenn es um Bach geht, finde ich einen satten,vergleichsweise dunklen, durchaus dezent "romantisierenden" Streichersound besonders bewegend. Für mich wird die Musik dadurch noch einmal auf eine andere emotionale Ebene gehoben - ich gestehe das offen, obwohl ich weiß, dass diese ästhetische Position völlig "out" ist...... :schaem1: :versteck1:
      Und die moderne Oboe finde ich klanglich einfach vielschichtiger. Bei Passin gibt es im Ton einen leuchtenden Kern, der von weichem Samt eingehüllt wird. Die Barockoboe klingt für meine Ohren dagegen flach.

      Ich kann dich da in beiden Punkten schon nachvollziehen (bis auf den letzten Satz... ich würde statt "flach" vielleicht "subtil" sagen). Ich nehme mir vor, mir nach der Arbeit nochmal beide Versionen der Kantate anzuhören... Die Musik ist allemal schön genug, um sich damit noch ein bisschen näher zu beschäftigen. :)
    • Allegro schrieb:

      Wie kommst Du nur auf solche Assoziationen / Formulierungen ?

      Ganz einfach: Nach dem zweiten Glas Wein trinke ich noch ein drittes und ein viertes.... :D :schaem1:

      Hier kommt noch ein Link zu einer Interpretation von BWV 131, die mir völlig gegen den Strich geht: youtube.com/watch?v=2iiWyrBqYd4

      Ganz im Gegensatz zu Marcel Ponseele klingt der Barockoboist, der unter Harnoncourt am Werke ist, richtig plärrig. Auch der winselige Streichersound und der Knabenchorklang machen mir keine Freude, aber mein Hauptproblem liegt woanders: Auf mich wirkt vor allem der Eingangssatz absolut seelenlos herunterbuchstabiert. Vor Harnoncourt als Denker habe ich durchaus einen gewissen Grundrespekt, aber hier handelt es sich um eine Aufnahme, die mir die Tränen in die Augen treibt. Leider sind es keine Tränen der Ergriffenheit! :thumbdown: :schimpf1: :thumbdown:

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • Ich hab jetzt die Kantate nochmal vergleichsgehört, diesmal mit IMSLP-Noten :) Rilling vollständig, Harnoncourt 1. Satz, Koopman vollständig.

      Ich kann auf jeden Fall deine Beschreibung des Tons von Passin in der "modernen" Aufnahme nachvollziehen - leuchtender Kern, von weichem Samt eingehüllt trifft es schon. :) Bernd, greift es zu kurz, wenn ich da herauslese, dass mit der modernen Oboe in erster Linie mehr Vibrato möglich ist? Bei Ponseele unter Koopman höre ich als Hauptunterschied weniger Vibrato, was denke ich auch zu deiner Beschreibung des Klanges als flach (oder meiner als subtil :) ) passt. Ansonsten klingt die Barockoboe für mich vor allem "holziger", altertümlicher. Ponseeles Gestaltung der Stimme gefällt mir als Laien unglaublich gut. Passins Ton ist wunderschön, aber auch irgendwie durchweg legato. Insgesamt für mich unentschieden :)

      arundo donax schrieb:

      Mich persönlich nimmt auch der Streicherklang in der Rilling-Aufnahme weitaus mehr mit als in der zuvor von Allegro verlinkten HIP-Version der Kantate. Gerade wenn es um Bach geht, finde ich einen satten,vergleichsweise dunklen, durchaus dezent "romantisierenden" Streichersound besonders bewegend.

      "Dunkler" klingen die Streicher für mich bei Rilling nicht. Falls da ein Kontrabass dabei ist, hört man ihn kaum, wobei das leider auch bei Koopman zutrifft. Der Continuo-Klang gefällt mir bei Harnoncourt am besten, andererseits klingt für mich bei ihm die Violine sehr metallisch und "grell" (wohl das, was Bernd winselig nannte). Bei Rilling ist der größte Unterschied, dass die Streicher chorisch (ich vermute, doppelt?) besetzt sind. Dadurch gehen Oboe und Fagott für mich ein bisschen unter, wobei Passin mit seinem leuchtenden Klang trotzdem immer zu hören ist. :) Insgesamt gefällt mir das Koopman-Ensemble am besten, das klingt für mich sehr ausgewogen.

      Zur Interpretation: Seelenlos heruntergespielt bei Harnoncourt kann ich im Vergleich nachvollziehen, wobei ich es nicht ganz so schlimm finde. Auch mit dem Knabenchor-Klang hab ich kein Problem. Die beiden anderen Aufnahmen find ich aber auch interessanter. Bei Rilling ist das Vivace am Ende des 1. Satzes kaum schneller als das Andante am Anfang des 2. Satzes. Koopman find ich von Anfang bis Ende wunderbar. Was Sopran und Alt da im 2. und 4. Satz an piano-Fähigkeit aufbringen... Der 3. Satz ist besonders verzaubernd, Ensemble und Chor mischen sich unglaublich schön, was für ein toller Satz von Bach. Also ich glaube, ich hab einen Favorit :)

      Hoffentlich nicht zu viel off topic... Soll ich einen Thread zur Kantate aufmachen, in den man die Beiträge verschieben oder kopieren kann? :wink:
    • Danke Braccio fürs Kopieren, und Mauerblümchen für die wunderbare Einleitung! Toll, dass ich die jetzt nicht schreiben muss. :wink:

      Hab mir seither die Kantate noch zweimal gegönnt, die verlinkten Aufnahmen von Harnoncourt und Koopman je vollständig. Von der Koopman-Aufnahme gibt's hier eine Version mit besserer Audioqualität, dafür ohne Koopman-Einführung: youtube.com/watch?v=9Ei6DH_MYTY

      Die Harnoncourt-Aufnahme begeistert auch mich nicht wirklich... Die Koopman-Aufnahme gefällt mir dagegen mit jedem Mal besser. Der dritte Satz ist mein Lieblingssatz. :)
    • Hallo ihr Spezialisten, über Harnoncourt lässt sich mit mir nicht diskutieren, er hat mir die Bachkantaten so nahe gebracht wie kein anderer, natürlich gibt es heute andere eventuell natürlich auch bessere, aber Harnoncourt so abzuqualifizieren, wer hat uns denn gezeigt wo es lang geht mit HIP und OPI!?

      Mit Marcel Ponseele gibt es noch zwei Aufnahmen von Bwv 131.....



      ...diese von 1991 mit dem Riccercar Consort ist meine liebste, das hat auch mit dem Bassisten Max van Egmond zu tun, dann kommen jene, die oben schon abgebildete mit Pierlot, Koopman und ....



      ....diese mit Herreweghe (ebenfalls mit M.Ponseele), wem ich da den Vorzug gebe liegt an meiner jeweiligen Stimmung.

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong