Haydn: Streichtrios Hob. V

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    • Haydn: Streichtrios Hob. V

      Als Haydn-Liebhaber hatte man es Anfang der 80er Jahre nicht leicht. Allein schon, eine systematische Übersicht über seine Werke zu bekommen, war ein teures Unterfangen. Am Hoboken-Katalog führte kein Weg vorbei. Ein Band kostete damals satte 180 DM. Ich hab mir zumindest den ersten Band (es gibt insgesamt drei) geleistet:



      Damit gingen die Probleme erst richtig los. Man kannte die Gattungen Sinfonie (Hob. I), Streichquartett (Hob. III), Solokonzert (Hob. VII), Klaviertrio (Hob. XV), Klaviersonate (Hob. XVI) und Klavierkonzert (Hob. XVIII). Jede ist unter ihrer jeweiligen Hoboken-Nummer gelistet.

      Das sind 6 Gattungen. Die Instrumentalwerke umfassen aber 19 Gattungen! Wie kommt man an Aufnahmen der restlichen 13???

      Beispiel Streichtrio. Beethoven schreibt Streichquartette und Streichtrios. Haydn auch. Von Beethoven war alles auf LP erhältlich. Von Haydn, wenn überhaupt, nur bruchstückhaft.

      Zum Glück sind wir inzwischen im 3. Jahrtausend. Es gibt jetzt Internet, Ryanair, den Euro und eine Gesamtaufnahme von Haydns Streichtrios. Mehr braucht man nicht zum Glücklichsein. Ok, vielleicht noch Tortelloni burro e salvia. Aber ich werde off topic... Hier meine Aufnahmen:




      Es scheint sogar ein Vol. 5 zu geben, mit Werken aus dem Anhang von Hob. V. Ich werde im Folgenden kurz auf den Inhalt der oben aufgelisteten CDs eingehen.


      Thomas
    • Zunächst ist festzustellen, dass es sich bei Haydns Streichtrios nicht um Streichquartette minus ein Streichinstrument handelt. Das legt bereits die Alternativbezeichnung "Divertimento" nahe. Auch die Besetzung ist in der meisten Fällen anders als bei Beethoven etc., nämlich 2 Violinen und Violoncello.

      Als Entstehungszeit gibt Hoboken für sämtliche Trios die Zeit vor 1768 an. Zum Vergleich: Schon die Quartette op. 9 entstanden erst Anfang der 70er Jahre.

      Wir sind also in der Zeit der Frühklassik. Das kann für den Hörer ziemlich reizvoll sein: Die Werke sind zwar nicht gerade wahnsinnig spannend, dafür aber recht gut zu "lesen". Die Struktur ist nicht direkt einfach, aber leicht fassbar. Insbesondere wird einem die Tonsprache der Frühklassik nahe gebracht.

      Die Werke sind fast immer dreisätzig, selten auch mal nur zweisätzig. Eine häufige Satzfolge lautet:
      langsam - Sonatensatz - Tempo di Menuetto (Trios Hob. V:1, 2, 3, 12, 19)

      Ähnlich dazu:
      langsam - Sonatensatz - Moderato (Trios Hob. V:10, 13)
      langsam - Sonatensatz - Menuett (Trios Hob. V:15, 21)
      Scherzo - Sonatensatz - Menuett (Trio Hob. V:6)
      langsam - Menuett - Finale (Trio Hob. V:D3)

      Grundlegend anders sind die Varianten, die mit einem Sonatensatz oder einer Variante davon (Reprisenform) beginnen:
      Sonatensatz - Menuett - Finale (Trios Hob. V:17, 18, G1)
      Reprisenform - Menuett - Finale (Trios Hob. V:16, 20)
      Sonatensatz - langsam - Finale (Trio Hob. V:4)
      Sonatensatz - Variationen (Trios Hob. V:7, 11)
      Sonatensatz - Tempo di Menuetto (Trio Hob. V:D1)

      Ein Werk fängt mit einem Variationensatz an:
      Variationen - Menuett - Finale (Trio Hob. V:8)

      Die Sonatensätze sind, wie bei Haydn üblich, meist monothematisch, wobei in der Exposition immer mehrere Motive vorkommen, von denen man eines ggf. auch als "2. Thema" auffassen kann.

      Bemerkenswerte Sätze:

      Streichtrio h-Moll Hob. V:3, 2. Satz
      http://wma1.phononet.de/jpc2f2c00e4ff097/jpcmp3/d1/669/528/ZECXKOPYBRZXLAMEGHCYWBOPK.mp3

      Streichtrio E-Dur Hob. V:12, 2. Satz
      http://wma1.phononet.de/jpc2f2c00e4ff097/jpcmp3/d1/138/590/ZECXKOPRMEWLYACBGZXOPKHLM.mp3

      Streichtrio D-Dur Hob. V:15, Trio des 3. Satzes
      http://wma1.phononet.de/jpc2f2c00e4ff097/jpcmp3/d1/139/590/ZECXKOPRMEWLYBOZPCXRYABKG.mp3
      (Hörschnipsel kommt leider nicht bis zum Trio)

      Streichtrio G-Dur Hob. V:20
      https://www.youtube.com/watch?v=iNX6me9GSJ0
      Besonders interessant das Trio im 2. Satz: http://youtu.be/iNX6me9GSJ0?t=6m43s


      Man sollte diese Werke weder zu intensiv, noch einfach nur im Hintergrund hören. Bei mir hat es sich als zweckmäßig erwiesen, beim ersten Hören grob die Struktur zu erfassen (d.h. auf einem Zettel zu notieren), und beim späteren Hören immer wieder einen Blick auf die "Struktur" zu werfen. Man bemerkt da immer wieder neue Finessen. Oder stellt z.B. fest, dass "Tempo di Menuetto" anders aufgebaut ist als ein Menuett.

      Für mich waren die 4 CDs eine absolut lohnenswerte Anschaffung. Wahrscheinlich hole ich mir auch noch die fünfte.


      Thomas