Eben gewälzt

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    • Fange gerade an mit: Anka Muhlstein: Der Brand von Moskau - Napoleon in Russland

      Irre, wie rücksichtslos Napoleon mit Mensch und Tier umgegangen ist. Soldaten, Reitpferde und Zugtiere sind bereits vor der ersten nennenswerten Schlacht wie die Fliegen gestorben. Leichen und Kadaver pflasterten seinen Weg. An Gewaltmärschen gingen Mensch und Tier ein. Letzteres zusätzlich an unsachgemäßer Pflege und Fütterung. Wenn man Muhlsteins Buch liest, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich die Verantwortlichen auf französischer Seite militärisch und diplomatisch eigentlich völlig vertrottelt benommen haben. Dafür haben sich die Russen auf der anderen Seite auch recht vertrottelt und rücksichtslos angestellt. Und eine gewisse Portion Dusel bei der ganzen Angelegenheit haben sie natürlich auch gehabt. (Der eine russische General hält sich aus Eitelkeit nicht an die Befehle seines Oberbefehlshabers. Napoleon hatte diese Befehle abgefangen und erwartet nicht, dass die Russen sich untereinander völlig uneinig sind...)

      Nee, nee, nee, sehr unappetitlich das alles.

      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.


    • Unter Kinder- und Jugendliteratur will ich es nicht stellen, da nimmt man die Trilogie zu leicht, und das ist sie wahrlich nicht. Nun gut, ich habe damals alle drei Bücher meinem Ältesten vorgelesen (das dritte gab es zu der Zeit nur im Original, da habe ich es halt beim Vorlesen übersetzt), gebe allerdings zu, dass ich ein wenig in den Text eingegriffen habe. Allerdings an anderen Stellen, als es die heute Abend zu sehende Verfilmung Der goldene Kompass tut, und sehr viel seltener, immerhin noch das Übergangene kursorisch zusammenfassend.

      Wie brisant die Trilogie ist, zeigt die Verfilmungsgeschichte. Man hat dem Film alle kirchenkritischen Zähne gezogen - und nur weil der Roman über eine so prächtige Reihe von Zähnen verfügt, kann man sich noch immer über den Film freuen. Über das verharmlosende Ende habe ich damals hinweg gesehen, weil ich mich schon auf die angekündigte Fortsetzung freute. Der Erfolg schien dem Film auch Recht zu geben. Offensichtlich hat es keine Fortsetzung gegeben, was mich wütend macht - die religiöse Zensur war doch stärker als Regisseur und Werk. Daher empfehle ich den Film heute Abend trotz aller Bedenken - es ist ein wunderbarer Ausstattungs- & Trickschinken geworden, ein Fantasy-Film, der sich durchaus mit Potter&Co. messen kann.

      Doch wer den real stuff haben will, dem empfehle ich die wohlfeil zu habende Trilogie bei unserem Werbepartner. Es ist ein Stück hervorragender Literatur, das die gängigen Fantasy-Schwarten um Längen hinter sich lässt. Religiös gebundene Menschen möchte ich allerdings warnen, Pullman wartet mit starkem Toback auf, vor allem im dritten Band "Das Bernsteinteleskop". Aber was dem einen Blasphemie, ist dem anderen ein kühnes Gedankenexperiment.

      Schade um die zwei nicht gedrehten Fortsetzungen ....

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Ich wälze gerade dieses Buch:



      Sehr zu empfeheln. Profund und gut zu lesen. Immer wieder gelingen Wolfrum äußerst treffende Formulierungen, bei denen ich aufmerke, weil es mich beeindruckt, wie sehr es Wolfrum gelingt, Sachverhalte und ganze Ereignisketten auf den Punkt zu bringen.

      Viele Grüße
      Thomas
    • Na, bis zum Schluss von »Winnetou II« musst Du schon durchhalten - allein um eine der größten Abschiedsszenen der deutschen Literatur geniessen zu können. Falls Du's nicht schaffst - hier schonmal als Vorabdruck:

      »Hier scheiden wir,« sagte er, indem er sich auf seinem Pferde zu mir herüberbeugte und den Arm um mich Schlang, »der große Geist gebietet, daß wir uns jetzt trennen; er wird uns zur rechten Zeit wieder zusammenführen, denn Old Shatterhand und Winnetou können nicht geschieden sein. Mich treibt die Feindschaft fort, dich hält die Freundschaft hier; die Liebe wird mich wieder mit dir vereinigen. Howgh!«
      Ein Kuß für mich, ein lauter, gellender Zuruf an sein Pferd, und er jagte davon, daß sein langes, herrliches Haar wie eine Mähne hinter ihm herwehte. Ich blickte ihm nach, bis er verschwand.
      Wirst du den Feind erjagen? Wann sehe ich dich wieder, du lieber, lieber Winnetou? - - -


      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Witzigerweise hat mein Neunjähriger gerade gestern Winnetou I durchgelesen, seinen ersten Karl May.

      Wir haben das Buch aus der Bücherei ausgeliehen. Die Bibliothekarin guckte meinen Jungen mitleidig an, als er ihr das Buch überreichte und wandte sich an meine neben mir und meinem Sohn stehende Frau - mich würdigte sie keines Blickes: "Karl May wird heute nicht mehr gelesen. Wir haben die nur noch im Programm, weil wir müssen. Die werden nur noch ausgeliehen, wenn mal ein Papa sagt: "Guck mal, Karl May, das habe ich als Kind gelesen." Ist für die Kinder heute nur noch eine Quälerei: alte Sprache, klein gedruckt. Bei uns liegen die Bände, haben Sie ja gesehen, auf dem Boden."

      Nach diesem Auftritt hat es mich doch gefreut, dass meinem Sohn das Buch gefallen hat (er macht jetzt mit Old Surehand weiter). Und das, obwohl ich nie Karl May gelesen habe...
    • Algabal schrieb:

      Ein Kuß für mich, ein lauter, gellender Zuruf an sein Pferd, und er jagte davon, daß sein langes, herrliches Haar wie eine Mähne hinter ihm herwehte. Ich blickte ihm nach, bis er verschwand.
      Wirst du den Feind erjagen? Wann sehe ich dich wieder, du lieber, lieber Winnetou? - - -


      Jahaaa! Ist es nicht?
      Es ist.

      Wahre Liebe :love: gibt es numal nur unter Männern.
    • Alles von Karl May kann man wirklich nicht mögen, aber einige Sachen sind großartig und werden auch sicher bei den Lesern überleben. Anderes ist sehr erhellend als Quelle für den Zeitgeist. Ich empfehle aber, dazu weiterführende Bücher anzuschauen, z.B. Hans Wollschlägers Monographie; es müssen ja nicht gleich die Spezialstudien sein.

      :wink:
      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Tschabrendeki schrieb:

      Noch beim wälzen:


      (gefällt mir überaus sehr!) :thumbsup:

      Ich wälze auch Barock, nämlich Ziglers Banise.
      Kann nicht ganz verstehen, warum das so aus der Mode gekommen ist - oder eher - warum es nicht im 20. Jahrhundert ein paar mehr Auflagen geschafft hat, etwa bei reclam. reclam scheint sich ja ganz auf die Schelmenromane spezialisiert zu haben und nicht einmal Zesens Rosemund, die ja fast noch schwieriger zu kriegen ist als Ziglers Banise, gedruckt! Oder habe ich da etwas übersehen?
      :wut2:
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Passend zu dieser CD



      informiere ich mich gerade über Heinrich Kaspar Schmid.

      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/414H3FFPXAL._SL500_AA300_.jpg]

      Aus der Serie "Komponisten in Bayern" (Band 44)
      Verlag Hans Schneider, Tutzing.
      In Auftrag des Landesverbandes Bayerischer Tonkünstler e.V. im DTKV.

      Die Reihe ist hochinteressant und sehr informativ. Die Beiträge zu Heinrich Kaminski, Ludwig Thuille und Rudi Stephan sind auch schon bestellt.

      Eine List mit allen Bänden kann hier eingesehen werden.

      Davidoff [Blockierte Grafik: http://www.smileygarden.de/smilie/Fantasy/67.gif]
      Verachtet mir die Meister nicht!
    • Vor ein paar Tagen fertig gelesen:



      Ist zwar ein historischer Roman, aber trotzdem hochaktuell. Es geht um die Gier nach Geld und Macht, aber auf der anderen Seite auch um das Streben nach Glück, das mit Ersterem am Ende doch wenig zu tun hat. Naja, und dann das geduldige und langwierige Werben um ein Mädchen...ich hab mich da in einigen Situationen wiedergefunden... :love:
      Generell aber toll geschrieben. Kein Wunder, war doch Jack London in seiner Jugend selbst als Goldgräber aktiv.

      :wink:

      Gruß, Peter.
      Alles kann, nichts muss.
    • Heart of Darkness

      endlich fertig.

      Joseph Conrad: Heart of Darkness (reclam Fremdsprachentexte)
      Ohne die freundlicherweise angegebenen Vokabeln hätte ich nicht den Nerv, das durchzuhalten.
      Obwohl oft genug die falschen angegeben sind.
      :whistling:
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    • und das hier habe ich nun auch inhaliert:

      Pierre Corneille: Der Cid / Spiel der Illusionen (Übertragung von Simon Werle)
      wärmste Empfehlung.
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    • Ich habe heute Eduard Hanslicks Schrift „Vom musikalisch Schönen: Ein Beitrag zur Revision der Ästhetik der Tonkunst“ gelesen:



      Gleich vorweg: An einigen Stellen fehlt mir das theoretische Rüstzeug, aber viele seiner Vorstellungen waren gut nachvollziehbar für mich. Interessant und richtig fand ich seine Kritik an der „Gefühlsästhetik“. Plausibel erscheint mir, dass die Darstellung von Gefühlen nicht Inhalt der Musik sein kann, da sie nicht das Gefühl selbst, sondern nur seine Bewegung im Sinne seiner Eigenschaft (schnell, langsam, stark, schwach usw.) nachbildet.... etc.....

      Die Schrift ist ja nun schon etwas älter (1854) – sind Hanslicks Überlegungen heute überhaupt noch haltbar und gängig? Bzw.: Wo hat er sich - am heutigen Kenntnisstand gemessen - grundsätzlich geirrt? Wie beurteilt Ihr seine Thesen?

      Gruß, Cosima
    • Matthias Oberg schrieb:


      O, ja, so'n paar Schwierigkeiten blendet Heleno Saña zwar auch aus, aber insgesamt finde ich es schon auch sehr lesenswert.


      Ja, er ist schon deutlich Partei - ist aber nicht schlimm. I-wie sind ja alle, die zum SBK schreiben/geschrieben haben, Partei - haste mal Victor Albas Buch über die P.O.U.M. gelesen? Sogar der Tosstorff ist in seiner P.O.U.M.-Studie nicht immer so richtig neutral. ;+) Und Bernecker kann seine Sympathien für die CNT/FAI auch nicht so richtig verbergen...

      Sind dennoch alles ganz großartige Studien über Vorgänge, von denen außerhalb Spaniens viel zu wenig bekannt ist (und innerhalb Spaniens wohl leider auch).

      Noch schöner ist es, den alten Herren vehement vortragen zu hören.


      Ja! Ich hab ihn bisher allerdings leider nur im Flimmerkasten gesehen ...

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.