Eben gewälzt

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    • Wie in "Eben verarmt" schon kurz diskutiert isses der Wilson geworden.

      Das GEO-Heft ist schon hier (großartig nebenbei, ich sollte davon mehr beschaffen wenn die Reihe dies Niveau hält), Wilson ist unterwegs und wird hier heiß erwartet :D

      Ja, lieber Caesar, spannendere Epochen gibt es kaum, sehe ich auch so. Vor allem wegen allfälliger Gegenwartsbezüge (wegen denen ich den Münkler auch in die engste Wahl genommen hatte, dafür ist er der Richtige aber für eine umfassende Grundlage hab ich mich eben anders entschieden)

      LG und nochmal danke für die Rückmeldungen :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • garcia schrieb:

      Ja, lieber Caesar, spannendere Epochen gibt es kaum, sehe ich auch so. Vor allem wegen allfälliger Gegenwartsbezüge (wegen denen ich den Münkler auch in die engste Wahl genommen hatte, dafür ist er der Richtige aber für eine umfassende Grundlage hab ich mich eben anders entschieden)
      Freut mich, dass Du fündig geworden bist, lieber Garcia ;) Der Wilson scheint mir auch die beste Wahl zu sein.Und ja, Geschichte ist eben nicht einfach "vorbei" - sondern sie wirkt nach.
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Ich lese gerade mit großem Vergnügen Sarah Bakewells "Café der Existentialisten".



      Bakewell entfaltet das Panorma einer Epoche, gibt einen gut verständlichen Überblick über die Existenzphilosophie und porträtiert die Protagonisten. Was mir besonders gefällt: sie stellt den Bezug zu sich als Autorin und zu uns gegenwärtigen Lesern her. Das Buch hätte ich gern vor Jahrzehnten während des Studiums gelesen.
      :wink: Talestri
      One word is sufficient. But if one cannot find it?
      Virginia Woolf, Jacob's Room
    • Hélène Grimaud: Das Lied der Natur

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      Ein wunderbares Buch, insbesondere für alle Liebhaber von Brahms. Hélène Grimaud verknüpft hier Autobiographies und Fiktion auf so raffinierte Weise, dass es ganz und gar unmöglich ist die Trennlinie zu ziehen. Lediglich der deutsche Titel gefällt mir nicht; der französische Originaltitel "Retour à Salem" ist wesentlich besser.
    • Susanna Clarke: Jonathan Strange & Mr. Norrell

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      Ein herrlich komisches Buch, geschrieben in der Sprache von Jane Austen und Charles Dickens. Voller doppelbödiger Ironie und mit Dutzenden von Fußnoten, die man unbedingt mitlesen muss. Ich habe das Buch im englischen Original gelesen und kenne die deutsche Übersetzung gar nicht. Ich bin mir aber sicher, dass gerade bei diesem Buch in der Übersetzung viel verloren geht."Traduttore, Traditore" ("Übersetzer, Verräter"), wie der Italiener sagt.
    • Fernando Arrabal: Hohe Türme trifft der Blitz

      [IMG:https://images.booklooker.de/s/00usb1/Fernando-Arrabal+Hohe-T%C3%BCrme-trifft-der-Blitz-Roman-A-d-Spanischen-von-Willy-B%C3%B6hringer-und-Astrid.jpg]

      Der einzige Schachroman, in dem korrekt dargestellt wird wie Schachspieler denken (Stefan Zweig hatte zum Beispiel keinen blassen Schimmer). Kein Wunder; Arrabal war mal Mitglied der spanischen Schachnationalmannschaft. Zwei Schachspieler, deren Leben auf vielfältige Weise miteinander verwoben sind, treten gegeneinander und spielen eine Partie. Nach jedem Zug eines Spielers gibt es ein Diagramm des Schachbretts.
    • Intermezzo: Juli Zeh versucht sich als Margaret Millar

      Neu

      "Neujahr" heißt des neueste Buch von Juli Zeh. "Musst Du lesen" sagt Kathrin und drückt mir ihr Exemplar in die Hand.
      Und auf dem Weg nach Kiel fange ich an und beende es gestern beim Arzt im Wartezimmer.
      Henning, macht mit Familie Urlaub über Silvester auf Lanzarote, entflieht am Neujahrstag der Familie und strampelt mit schlechter Ausstattung und Rad noch leicht verkatert den Berg hoch nach Femes.
      Er, der immer erster sein will, wird vom Aufstieg deutlich daran erinnert, dass er Defizite hat. Auch will er seine Panikattacken vergessen. Und er will vergessen, dass ein Franzose so hinreißend mit seiner Frau getanzt hat, auch ne Disziplin die er nicht beherrscht.
      Nun gut, er kommt in Femes an und entdeckt, dass er schon einmal da gewesen sein muss.
      Damit beginnt der 2. Teil der Geschichte, ein Kinderdrama, welches bei ihm ein Trauma ausgelöst hat. Auf den letzten 10 Seiten wird dann alles aufgelöst.

      Ich denke mir, "naja".
      Langsam, aber sicher verplempert Frau Zeh ihr großes Talent mit an den Haaren herbeigezogenen Geschichten, die zu viele Logikfehler enthalten. Da sie unglaublich gut und flüssig schreiben kann, kann man manches verschmerzen. Sie arbeitet sich thematisch an den Krankheiten ihrer Generation (ich bin eine älter) ab. Absoluter Höhepunkt ist dabei "Unterleuten." Schon bei "Nullzeit" wurde das Urlaubsthema dekliniert, über "Leere Herzen", das eine Houellebecq-sche Stimmung erzeugt, wurde deutlich, dass sie unsere Leistungsgesellschaft und ihre Auswüchse thematisiert. Dieses wird nun mit Kindheitstraumata angereichert.
      Der Horror im 2. Teil des Buches ist süffig geschrieben, aber leider ziemlich konstruiert und recht lang, vielleicht um Seiten zu schaffen.

      Apropos Trauma, wenn es denn so einfach wäre: Verdrängung der Welt und daher Karriere? Isses das? Ich weiß nicht. Mir ist das zu einfach. Vor allem, wenn man das Trauma erkannt hat, dass es dann wieder chico sein soll, bzw. wird.
      So erklärt man dann wohl auch die anscheinende Mode, zu "seiner Domina" zu gehen, um sich den Arsch versohlen lassen, um temporär geheilt wieder ins Büro zu gehen.
      Küchenpsychologie eben oder Esotherik.
      Wobei, wer es noch nicht gemerkt hat: Der größte Teil der heutigen Psycho-Ratgeber befassen sich damit, den Menschen so zu stabilisieren, dass er wieder ein funktionierendes Mitglied im Hamsterad des Lebens wird. Manche nennen diese Art von Ratgebern auch "Businesspornos."

      Horror, Traumata und deren Folgen im Leben eines Menschen, das war die Spezialität von Margaret Millar. Frau Zeh sollte ihr Talent durch die Lektüre der Werke dieser großen Meisterin schärfen.


      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)