Eben gewälzt

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    • audiamus schrieb:

      DANKE! Bitte alle dem guten Beispiel folgen...
      warum gleich ein Boykottaufruf, wenn Versplittung, wo es mal am Platze ist, reichen würde?
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Es mag an der 'Ungnade' meiner späten Geburt liegen, aber als zwar relativ spätes aber trotzdem Nachkriegskind komme ich von dem Thema nicht los. Deshalb nun dieses hier:



      Hier handelt es sich um die Zusammenstellung einer Vortragsreihe, die in der Berliner 'Topographie des Terrors' 2015 stattfand. Behandelt werden dabei nacheinander die Themen 'Bildende Kunst', 'Literatur', 'Theater', 'Film', 'Architektur' und 'Musik'. Mal sehen, welche neueren Einsichten hier vermittelt werden. Das Vorwort fand ich teilweise ein wenig oberflächlich, von daher kann es nur besser werden. ^^

      :wink: Wolfram
    • Und zur Ablenkung zwischendurch und auch zur Erdung:



      Der gesamte Maigret soll ja nun in Neuübersetzung herauskommen und das mit Recht! Simenon war schon jemand, der die Menschen kannte und sie mit ihrem typischen Verhalten wunderbar zu Papier bringen konnte, ohne jemals in Klischees zu verfallen.

      :wink: Wolfram
    • Bei keinem der Austersachen ist mir diese Nähe zu dem was Murakami macht so ins Gesicht gesprungen wie bei diesem :



      Kann ich vorbehaltlos empfehlen.


      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • audiamus schrieb:

      zabki schrieb:

      warum gleich ein Boykottaufruf,
      ?( 8|
      Einfach Forenregeln lesen.
      ok, ich war grad sicher etwas empfindlich, wenn ich hier keine der bei Regelverstößen vorgesehen spezifische Maßnahmen seitens der Moderation einschl. Ermahnungen sah, sondern einen Aufruf zu kollektiven Boykott eines Threads mit harmlosem Thema.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Politische Themen sind halt sensibel, weil an den jeweiligen Ausrichtungen soviel persönliche Identität hängt. Und damit auch potentieller Konfliktstoff. Wie tun uns allen einen Gefallen wenn wir das mal beiseite lassen - als einen Boykott seh ich das nicht.

      Ein kurzer Austausch über die Notwendigkeit einer jeden Menschen respektierenden Grundhaltung fand ja statt, ohne daß die Moderation einzugreifen hatte. Das ist schön. Für alles Weitere gibt's ja andre Foren bei Bedarf :D

      Wollen wir über Bücher reden? Ich hab da ne Menge Themen :D


      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Naja, ich hatte mit der Politik nicht angefangen, nur ein simples Beispiel dafür gegeben, auf welche Art heute antidemokratische Elemente völlig selbstverständlich sind und eben nicht auf irgendwelchen "Extremen" (bei neuheidnischen Metalbands oder so) zu verorten.
      Wie man das bewertet, ist wieder eine ganz andere Sache. Natürlich kann man das gut finden (wie es ja auch richtig ist, dass nicht mit Zweidrittelmehrheit demokratisch entschieden werden können sollte, das restliche Drittel der Bevölkerung als Sklaven zu verkaufen).
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Neu

      Bei sommerlichen Temperaturen greife ich gern auf Gelesenes zurück . Nun sind gerade 3 Wiederbegegnungen abgeschlossen .

      Die ' Geschichten aus sieben Ghettos ' von Egon Erwin Kisch haben sich über die Jahre zu seinem mir am meisten sagendem Werk entwickelt . Und die Lektüre wird von Mal zu Mal bedrückender . ( Meine Ausgabe stammt aus der ' Bibliothek der verbrannten Bücher ' , läßt sich nicht einstellen ) .



      Ganz anders geartet sind die wunderbar formulierten Gedanken und Erinnerungen des von mir so geschätzten Hanns Cibuka : ' Am Brückenwehr - Zwischen Kindheit und Wende ' . Vor dem Nach-Denken macht schon seine Sprache Spaß . Ein leider viel zu wenig beachteter Autor , der bei jedem Lesen noch dazugewinnt .




      Und dann las ich aus Anlass seines Todes die Autobiographie von Dr.John ( alias Mac Rebennack ) noch einmal . Und stellte fest , daß eigentlich ganz viel von dem , was ich über das musikalische New Orleans zwischen ca. 1955 - 95 weiß , aus ' Under A Hoodoo Moon ' stammt . Das war mir nicht mehr bewußt , und die Lektüre dieses wirklich schonungslos ehrlichen Buches betrachte ich als großen Gewinn . Leider bereits 1995 erschienen , und daher fehlen die letzten 25 Jahre . Aber die ersten 55 sind schon beeindruckend .

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Ich behalte mir das Recht vor , Fehler zu machen .
    • Neu

      b-major schrieb:

      Bei sommerlichen Temperaturen greife ich gern auf Gelesenes zurück . Nun sind gerade 3 Wiederbegegnungen abgeschlossen .
      Nicht nur bei sommerlichen Temperaturen, aber auch immer wieder gerne :) Wiederbegegnungen mit großer Literatur haben immer einen besonderen Reiz. Während des mündlichen Abiturs letzte Woche wurde häufiger Maria Stuart als Thema gewählt. Unter Schillers Dramen ist Maria Stuart eines meiner liebsten Stücke - und durch die Prüfungen bekam ich wieder richtig Lust, das Stück wieder einmal zu lesen. Es steckt voller Schönheiten - und ist hoch modern. Also habe ich mir auf die lange Zugfahrt am letzten Freitag einen Band Schiller mitgenommen - und mich besonders in den fünten Akt vertieft - nebenbei noch ein wenig Wallensteins Lager, und andere Teile der Wallenstein-Trilogie. und zwar in dieser Ausgabe:

      Schillers Werke in fünf Bänden, erschienen im Hanser-Verlag:



      Eine schön aufgemachte Dünndruckausgabe.
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Zerstörung

      Neu

      Was hat mich dieses Buch gequält! "The only Story" von Julian Barnes.

      Mehr als 10 Seiten am Stück gingen zunächst nicht, weil in dieser dicht geschrieben Geschichte, das Unglück so unerbittlich grausam daherkommt, dass ich das Buch dann immer mal zur Erholung beiseite legen musste. Doch Barnes schreibt ja auch sehr sarkatisch, mit Humor. Das macht sie Sache dann nur noch schlimmer, weil die Absicht von Barnes, jemanden vorzuführen, dann klar wird.
      Diesen Verdacht hatte ich anfangs nicht, doch in einer Literatursendung wurde dieser Aspekt besonders hervorgehoben, "das Werk ist eine Satire auf den Egoismus der Liebe." Danach habe ich meine Leserperspektive neu justiert. Es funktionierte, nun konnte ich große Teile am Stück lesen (es sind ca. 210 Seiten im Original).
      Worum geht es? Ein Mann ca. Anfang 70 beschreibt sein Leben, eben "The only Story". Wie er als Schulabgänger mit ca. 19 Jahren sich im Tennisclub in eine ca. 45-jährige verknallt und diese Liebe gegen alles auf der Welt egoistisch durchsetzt. Das Paar fliegt aus dem Tennisclub, der Mann verprügelt seine Frau und schmeißt sie raus, seine Eltern wollen nichts mehr von ihnen wissen, sie werden sozial isoliert. Dann verfällt sie dem Suff, wird dement und er schiebt sie ins Heim ab, weil er im Beruf seine Position hat. Den Rest seinen Lebens verbringt er mit "Erinnerungen" und "Beobachtungen".
      Das Ganze ist voller Reflexionen, die manchmal weise, manchmal auf Lore-Roman Niveau sein. Barnes spielt mit dem Leser ein fieses(?) Spiel.
      So sollte man den scheinbar starken Satz "Would you love the more, and suffer the more; or love the less, and suffer the less? That is I think, finally, the only real question." nach Lektüre des Buches auf Sinnhaltigkeit prüfen.

      Selbstzerstörung betreibt auch der Protagonist Denny Malone des durchaus exzellenten Krimis "Corruption" von "Don Winslow"

      Natürlich geht es um die New Yorker Polizei, um Drogenhandel, um rivalisierende Banden und eine Taskforce. Aber zugleich wird man hineingezogen in ein immer tieferes Verstricken in Korruption innerhalb der Polizei, wo der kleinste Fehler einen ans Messer liefert und damit eine Ereigniskette auslöst, die der vermeintlich Handelnde nicht mehr im Griff hat. Kurz und gut. Denny entgleitet die Kontrolle über seine Existenz, weil er beim Bestechen eines Staatsanwaltes vom FBI erwischt wurde und nun sowohl vertuschen als auch Informationen liefern muss. Das dieses nur Teil einer Korruption auf einer höhreren Ebene ist, wird dann auch noch langsam klar. So steuert es alles zielgenau auf die Zerstörung von Dennys Existenz zu.
      Spannend erzählt in kurzen knackigen Sätzen.
      Die Übersetzung (Chris Hirte) ist gut, doch der Drive des Originals wird nicht erreicht (Ellroy Übersetzer Stephen Tree gibt sich mehr Mühe). Es liest sich aber immer noch wesentlich angenehmer als die (woanders so gehypten) Kutscher-Romane, die dagegen total altmodisch wirken.
      Für mich ist es so: Wenn man die "modernen" amerikanischen Autoren liest, dann ist man für solchen betulichen Stil verdorben.
      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)