Eben gewälzt

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    • Wolfram schrieb:

      Ach, was könnte ich dir für Hörbücher hinsichtlich Thomas Bernhard empfehlen.

      ...
      Lieber Sadko, wenn ich dir einen Tipp geben darf: 'Alte Meister'. ^^

      Oh ja, da schließe ich mich an! Gerade die Lesung mit Thomas Holtzmann ist genial! Holtzmann atmet Bernhard geradezu.

      Und dieses bitterböse Schwadronieren über Kirche, Staat, Schule, die Kunst im Allgemeinen, gegen Maler, Schriftsteller und Eltern, gegen Kitsch und Sentimentalität ... das kann keiner so schön wie Bernhard. Nur als Bruckner-Liebhaber braucht man ein dickes Fell. Dazu findet er keine netten Worte (den "Bruckner'schen Töneschwall" bezeichnet er als "kompositorischen Müll"). :D
    • DeLillos "7 Sekunden" beendet. Ein Pageturner, lieber Doc Stänker? Also ich weiß nicht... Ich würde es mal als eiskaltes, hochartifizielles Panorama der dunkelsten Seiten Amerikas sehen. Schwere Kost, auch mit Längen, aber faszinierend. Die Handlungsebene mit den zahllosen abgehalfterten CIA-Schweinebuchtverlierern und ihren undurchschaubaren Verschwörungsplänen fand ich schon sehr überkomplex oder einfach nur undeutlich, da hatte ich zu kämpfen (was sich sehr lohnte), die Oswald-ebene fand ich groß. Aber es ist eben DeLillo, diese gewisse brilliante Kälte muß man schon mögen. Ich hab direkt im Anschluß seinen "Cosmopolis" angefangen.




      Eingeschoben und sehr, sehr gemocht diesen:



      Austers autobiographisches "Winterjournal" ist eine tolle Ergänzung für alle, die sein Großwerk "4321" liebten. Eine wunderbare Ergänzung weil es so viele autobiographische Wurzeln in der Geschichte der 4 Fergussons freilegt. Aber auch so und für sich genommen ein tolles, sehr assoziatives, sehr ehrliches und ungeschminktes Buch. Wenn auch eben deswegen was für Auster Fans...


      Scheint ein ausgesprochen amerikanisches Lesejahr zu werden, dies 2020.


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Soeben habe ich den "Julius Caesar" von Shakespeare nach langer Zeit gerne wieder gelesen.

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      Zum ersten mal habe ich ihn mit ungefähr 16 oder 17 Jahren lesen müssen. In der Schule hat mich mein Lateinlehrer bei einer kleinen Prügelei in der Pause erwischt. Das Ergebnis war, dass ich an zwei Samstagen (ja, das war damals möglich) in die Schule zum "Nachsitzen" musste. Ich bekam die Aufgabe, Shakespeares "Julius Caesar" in Deutsch gründlich zu lesen, dies Buch sollte mir zur Bereicherung in Bereichen von Moral, Haltung etc. dienen (so drückte sich mein Lateinlehrer häufig aus), was mir damals allerdings nicht viel sagte. Am Schluss sollte ich Inhaltliche Fragen dazu beantworten, wozu es jedoch nicht kam; die Ansage war wohl lediglich eine Methode, mich zum konzentrierten Lesen zu motivieren.

      Und das war gut so. Trotz anfänglicher innerer Gegenwehr musste ich mir eingestehen, im Verlauf des Buchs zunehmende Freude am Lesen zu verspüren. Ich fand Gefallen an Sprache, Ausdruck und dieser Art der Dramatik, die mir bis dahin völlig neu waren. Ich möchte dies alles nicht überbewerten, glaube aber, dass dadurch mein Empfindungshorizont nicht unwesentlich erweitert wurde.

      Uwe
      Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.