Eben gewälzt

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    • garcia schrieb:

      Schön einen Tip von diesem Autoren zu bekommen! Ich kenne nur einen, wohl sein Hauptwerk wenn ich der Kritik hierzulande glauben darf:
      Ich freue mich, dass Du meine Leseeindruck-Beschreibung gern gelesen hast! Danke für den Tipp - "Herr der Krähen" kenne ich nicht, dafür habe ich von diesem Autor noch "Verbrannte Blüten" daheim und hoffe, einmal zum Lesen zu kommen (leider hab ich derzeit sehr viel anderes zu tun, und es schaut nicht so aus, als ob sich das demnächst ändern würde).
    • Herr der Krähen ist lang, und wenn jemand sagt er zu lang, ok.

      Aber er ist auf seine Art einzigartig :D Ich empfehle ihn sehr dem geduldigern Leser (innen, klar)....

      Ich hab ihn nicht ganz geschafft, aber mehr draus gezogen als aus manchem zuende gequältem Buch.


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Anthony Powell muss warten, sehr lang. Hilary Mantel ist dran.

      Mantel Seite 13 schrieb:

      Sobald der Kopf der Königin abgetrennt ist, geht er davon. Ein stechendes Hungergefühl erinnert ihn daran, das es Zeit für ein zweites Frühstück ist oder vielleicht für ein frühes Mittagessen.

      Mantel S. 55 schrieb:

      Es gab eine Zeit, da lebte der König vor den Augen seines Hofes. Er aß in der großen Halle, schiss hinter dem spärtlichen Vorhang und kopulierte auch hinter einem. Heute bleiben die Herrscher für sich, Bedienstete bewachen sie auf leisen Sohlen...

      Mantel S 88 schrieb:

      Zu lügen erfüllt ihn mit einer tiefen, feinen Lust, so tief und so fein, dass er nicht weiß, dass er lügt. Er glaubt, der wahrhaftigste aller Fürsten zu sein.
      Wer so großartig über Thomas Cromwell und Henry VIII schreiben kann, dass einem sofort auch heutiges in den Kopf kommen mag, muss einfach weiter gelesen werden.
      Und so habe ich "Spiegel und Licht" von Hilary Mantel angefangen, nachdem ich Anthony Powell nach ca. 20 Seiten erst einmal zur Seite legte.

      Nicht ganz leicht, mehr als 1000 Seiten und ein unglaubliches Personentableau. Dazu werden Adlige mal mit ihrem Namen, mal mit ihrem Titel geführt. Also aufpassen!
      Es ist spannend und ne Lektion darüber, dass man schon vor 500 Jahren die Kunst der Intrige blendend beherrschte.

      Gruß aus Kiel
      Manchmal tue ich so, als wäre ich normal. Doch dann wird mir langweilig und ich bin wieder ich selbst.
    • Im Moment bin ich mal wieder bei Simenon gelandet.



      Ein Bild für 'Das Begräbnis des Monsieur Bouvet' funktioniert leider nicht.

      Beides sind Non-Maigrets, der eine aus den 30igern der andre aus den 50iger Jahren.

      Was ich immer wieder faszinierend an Simenon finde, ist natürlich seine Kunst der feinen psychologischen Durchdringung der Figuren, es ist aber v.a. die Kürze, die Punktgenauigkeit seiner Schilderungen, die in einem knappen Satz alles ausdrücken kann.

      Beide Romane spielen im Milieu der 'kleinen Leute' in seiner vortouristischen Zeit, als Paris noch den eigentlichen Parisern gehörte. Beide schildern das Schicksal eine allein lebenden Mannes in einem Mietshaus. Aber damit erschöpfen sich (natürlich) schon die Parallelen. Monsieur Bouvet ist anerkannt und beliebt und erst langsam offenbart sich das Schicksal seines Lebens, während Monsieur Hire von Anfang an ein Außenseiter ist und das nicht von ungefähr. Aber gerade an seiner Person zeigt Simenon dann das, was Unverständnis, Vorverurteilungen, Massenpsychosen an jemand anrichten kann, der nicht unbedingt den (klein-) bürgerlichen Vorstellungen entspricht. Monsieur Hire ist seltsam und hat seltsame Angewohnheiten, ist aber vor allem unfähig, sich in einer durchgenormten Gesellschaft mit seinen Wünschen, Träumen und Obsessionen zurecht zu finden und scheitert entsprechend.

      Gerade dieser Roman zeigt das große Talent Simenons eine große Welt im Kleinen zu schildern, dem alltäglichen Elend eine darüber hinausweisende Form zu geben.

      :wink: Wolfram
    • Urlaubslektüre:



      Sehr gutes Buch mit englischem Humor (z. B.: Diese Theorie vertreten bis auf denjenigen, der sie ausgearbeitet hat, nur wenige). Eine kurze, gehaltvolle Einführung in die Themen Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie, Metaphysik und Philosophie des Geistes, die Sprachphilosophie allerdings sehr Frege-lastig und die Philosophie des Geistes für Laien am Ende deutlich darüber.
    • Zuletzt diesen gelesen:


      Christian Kracht, "Imperium".

      Ich kenne diesen Autor nur sehr oberflächlich, vor vielen Jahren hatte ich mal den "Faserland" ausgeliehen, der mir ganz gut gefallen hatte obwohl ich an sich "Popliteratur" nicht ausstehen kann. Hab aber weitgehend alles vergessen, so ein tichtig bleibender Eindruck war das dann auch wieder nicht.

      Diesen hier fand ich wunderbar. In einer betörend schönen, eigentlich aus der Zeit gefallenen Sprache macht Kracht die (übrigens niccht erfundene sondern reale) Lebensgeschichte eines frühen deutschen Aussteigers, Extremvegetariers, Frühesoterikers und veritablen Spinners zum Roman, der auf einer abgelegenen Insel im heutigen Paupa Neuguinea (um 1900 deutsches Kolonialgebiet) versuchte einen religiösen Orden zu begründen, der auf Nudistentum und Frutariertum basieren sollte. Und selbstverständlich grandios scheiterte. Das hat Tragik und viel distanzierten Humor und Joseph Conrad Anklänge und (augenzwinkernd doppelbödiges) urdeutsches Bildungsbürgergehabe zugleich - eine Mixtur die komischerweise wunderbar funktioniert. War ein Lesespaß sondergleichen!


      :)
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      (Shunryu Suzuki)
    • Es ist Herbst. Endlich :) :)

      Und wie oft wenn es Herbst wird wende ich mich den echten Kostbarkeiten zu (jedenfalls meinen echten Kostbarkeiten), und das heißt: dem Shakespear des Romans ( :D Zitat Stephen King), dem für mich König aller Romanautoren, Charles Dickens <3


      Ich beginne die schöne blattbuntmachende Jahreszeit mit einem Frühwerk dieses Giganten. Also muß ivh ein gerüttelt Maß an Gefühlsüberschwang mitnehmen, das istvso in Dickens Frühwerk. Aber was wird ich reich belohnt!


      Der Raritätenladen

      (ich habe eine andre Ausgabe, all mein Dickens kam antiquarisch mit Fadenheftung, gebunden, oft in Lizansausgaben des Winklerverlags mit Phiz-Illustrationen zu mir und so soll es sein)...

      Ich mag diesen mehr als andre frühe Dickens, er hat mehr Zwischentöne als der für mich etwas überschätzte Oliver Twist und weniger Längen als der Nickelby. Großartig die Schilderungen der britischen frühindustriell zerstörten Räume durch die die kleine Nell und ihr Großvater wandern. Das weitgespannte Tableau an Charakteren. Ihn kann gar nicht alles schildern wie ich wollte...


      Ich bewundere nichts in der Kultur insgesamt wie die Schöpfungen dieses Autoren, nichts, und verliere mich immer wieder darin... :clap: :clap:

      Dickens lesen macht glücklich.



      :)
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    • garcia schrieb:

      Also muß ich ein gerüttelt Maß an Gefühlsüberschwang mitnehmen, das ist so in Dickens Frühwerk.
      Wie sagte Oscar Wilde doch gleich: "One must have a heart of stone to read the death of little Nell without laughing." Böse, aber nicht ganz falsch.

      Nichtsdestotrotz: ich nehme Dickens auch sehr gerne immer wieder zur Hand. Mein alltime favourite ist dabei 'Bleak House'. Unbdingt jedem zu empfehlen, der vielleicht ansonsten nicht so viel mit Dickens anzufangen weiß.
    • Auch wenn es so ... mainstream ist, aber mein Liebling ist immer noch David Copperfield.

      :cincinbier:
      "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
      but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
      - H. W. M.
    • Beide: Bleak House und Copperfield wären immer in meiner Liste der besten großartigsten 10 Romane. Wobei ich Bleak House jederzeit die Krone des Größen aller Dickens geben würde :fee:

      Vor dem allerdings ebenfalls großartigen Copperfield ordne ich noch knapp "Unser gemeinsamer Freund" und, vor allem, "Klein Doritt" ein. Aber dann sind alle beisammen: wer Copperfield, Dorrit, Gemeinsamer Freund und Bleak House kennt der weiß was diese Literaturgattung alles sein kann :D


      Aber mein "Raritätenladen" macht es fast ebenso gut. Diese Wanderung von Nell und Opi durch ein sich frühindustriell entwickelndes, dabei sein Herz und seine Schönheit preisgebendes England, das ist eine Meisterleistung und ungeheuer beklemmend wie auch herzerweiternd. Das ist verdammt groß und toll wenn auch auch etwas kitschig (aber es gibt guten Kitsch und das ist der der durch Dickens kluges Auge gegangen ist) :clap:



      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
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    • „aber es gibt guten Kitsch und das ist der der durch Dickens kluges Auge gegangen ist“

      Das hast du sehr schön geschrieben!
      :cincinbier:
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      but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
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    • Nun bin ich auch angefixt.
      Seit 55 Jahren stehen bei mir die Weihnachtsgeschichten Dickens im Regal, zu Weihnachten erhalten von den Eltern in einer schönen Winkler Dünndruckausgabe. Damals gelesen und nicht so richtig verstanden, denke ich heute.
      Dann Jahre später griff ich zu: 5 Romane vom Grabbeltisch und nie gelesen, für "später" aufgehoben.

      Doch, halt mal. Die Pickwickier fing ich 1997 an, ein Fahrplan des ICE 574 Lessing vom April 1997 als Lesezeichen gibt Zeugnis davon.
      Nun ist endlich "später." Also habe wieder zu den Pickwickiern gegriffen. Es war ja das erste große Werk Dickens

      Und nach ca. 50 Seiten bin ich drin.
      Ok, es ist eine Art Nummernrevue, aber köstlich geschrieben und übersetzt (Meyrink). Dickens zeigt eine Meisterschaft für Situationen, er beschreibt er die englische Gesellschaft mit ihren Abgründen, die bis heute nicht zugeschüttet sind, ziemlich drastisch.
      Die Rechtsverdreher, Schwindler, sie alle kommen vor.
      Und nun weiß ich endlich was ein Wellerism ist.
      Ich werde weiter machen, es stehen noch etliche im Regal.
      Gruß aus Kiel
      Manchmal tue ich so, als wäre ich normal. Doch dann wird mir langweilig und ich bin wieder ich selbst.
    • Neu

      Eben fertig mit:

      A Clockwork Orange - auf „Englisch“




      Hat jemand die deutsche Übersetzung gelesen? Wie kann man das übersetzen?

      Insgesamt lesenswert .....bin mir noch nicht sicher, ob ich das Ende platt finde. Muss es nochmal lesen und einsinken lassen.

      Dann schau ich den Film an. Ja, ja - er ist ganz was anderes, ich weiss :D .
    • Neu

      Hauptgelesenes ist immer noch Patrick Leigh Fermor , inzwischen schon der dritte Band , ' Die unterbrochene Reise ' . Aber zwischendurch gibt es auch mal was aus ' Die Marx Brothers Radio Show ' , übersetzt von Sven Böttcher und Harry The Pooh . Wie gut deren Arbeit manchmal ausfällt , läßt sich sehr einfach feststellen , denn das amarikanische Original ist angefügt . Und so kann ich konstatieren , daß der Viaduct / Hängebrücken Dialog die Qualität der Cover - Versionen erreicht , die gleichauf neben dem Original stehen , wie bei All Along the Watchtower von Dylan / Hendrix . Spaßmacher .

      Spaßverderber ist wie so oft Amazon . Kein Bild einstellbar . ) .

      amazon.de/Die-Marx-Brothers-Ra…1600506023&s=books&sr=1-9
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"