Eben gewälzt

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    • Eben zuende gelesen



      Allen Margaret Atwood Fans zu empfehlen, oder jenen, die die Handmaid‘s Tale TV Serie kennen.

      Es ist meiner Meinung nach nicht eines ihrer besten, aber es ist teils spannend und an passenden Stellen mit typischem Atwood Witz versehen.

      Das Ende ist was für jene, die die Dinge gerne leichter nehmen ( siehe Cosi Fan Tutte Thread :pfeif: ) oder eine letzte, abschliessend befriedigende Serienverfilmung planen. Ich finde es etwas populär. Somit ist die Sache aus und man denkt nicht weiter darüber nach.
      Atwood has gone soft on us.

      EDIT: Es kann sein, dass man dieses Buch ganz anders aufnimmt, wenn man die TV Serie nicht gesehen hat. So könnte es einerseits sein, dass einem vieles entgeht, weil vorausgesetzt wird, dass man es im TV genügend mitbekommen hat. Aber gleichzeitig, dass man The Testaments als viel erschütternder empfindet, als mir es erging, da ich durch die TV Serie vorbereitet wurde.

      EDIT 2: Mir kommt The Testaments am morgen danach eher als Lückenfüller vor, für alle, die nähere Erklärungen brauchen oder sich nach Lösungen sehnen. Ich bin deshalb etwas enttäuscht von Atwood. Denn alles was sie nachträglich erklärt, konnte man sich auch selber zusammenreimen. Wofür dieses Buch dann?
    • Ein bißchen OT in "eben gewälzt" vielleicht, aber eine möglicherweise elektrisierende Nachricht...

      Dumont bringt den in meinen Augen so mit besten Murakami, "Mr. Aufziehvogel", am 13.10. erstmals in einer direkten Neuübersetzung aus dem Japanischen heraus. Aus der Unsitte, die englischen Übersetzungen einfach ins Deutsche zu übertragen, findet man also langsam und sehr spät heraus.

      Was mich allerdings wirklich wach gemacht hat ist ein kleiner Aufkleber, der die neue Ausgabe als "erstmals ungekürzt" ankündigt. Auf der Homepage des Verlages, wo das Buch angekündigt wird, ist allerdings keine Rede von einer wesentlich oder überhaupt erweiterten Ausgabe... Andererseits hat's 1000 Seiten, meine alte Ausgabe hat 680. Ich werde das verfolgen, mit Sicherheit kommen Rezensionen, aber wenn das wirklich ein Drittel mehr Text hat muß das Buch sofort hierher :D



      Ansonsten tief in Klein Dorrit weiterhin, den ich mit Bleakhaus und Unser gemeinsamer Freund zu den großartigsten drei Dickens zähle. Es ist ein unendlicher beglückender Genuß.


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • garcia schrieb:

      Was mich allerdings wirklich wach gemacht hat ist ein kleiner Aufkleber, der die neue Ausgabe als "erstmals ungekürzt" ankündigt. Auf der Homepage des Verlages, wo das Buch angekündigt wird, ist allerdings keine Rede von einer wesentlich oder überhaupt erweiterten Ausgabe... Andererseits hat's 1000 Seiten, meine alte Ausgabe hat 680. Ich werde das verfolgen, mit Sicherheit kommen Rezensionen, aber wenn das wirklich ein Drittel mehr Text hat muß das Buch sofort hierher
      na das ist ja seltsam...wieviele Seiten hat denn Dein deutsches 1Q84? Mein englisches Book 1&2 hat 805 Seiten. Buch 3 hat 455. Sind beides Taschenbücher.

      Steht auch nichts von ungekürtzt dabei. Allerdings steht da: "adapted from the multi-volume Japanese edition with the participation of the author".

      Übrigens sind die beiden Bände nicht von derselben Person ins Englische übersetzt worden.
    • Wie gesagt, meine Ausgabe hat 680 Seiten. Da sind dann 1000 für die Neuausgabe schon ein kräftiger Unterschied, außer sie haben sich für einen extrem aufgeräumten Satzspiegel entschieden.

      Wenn das "nur" eine Neuübersetzung ist spar ich mir die 34€, aber wenn da wirklich substantiell was dazukommt, dann ist mir persönlich das ein Muß...

      "Erstmals ungekürzt" kann halt eine Menge bedeuten, sehr viel oder sehr wenig. Aber ich bin gespannt. Sehr gespannt! Gespannt wie ein Flitzebogen! :D
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    • Oh Rosamunde, ich hab mich verlesen... Du fragtest ja nach dem IQ84...

      Band 1 und 2: 1020 Seiten
      Band 3: 570 Seiten


      Also ein ganzes Stück mehr als in der englischen Version, aber das ist der Sprache geschuldet. Bei den 680//1000 Seiten des Aufziehvogels gehts in beiden Fällen um deutschen Text.


      :)
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    • danke garcia - mir war dir Frage gekommen, ob es bei der Übersetztung des Aufziehvogels vom Englischen ins Deutsche zu Kürzungen gekommen sein könnte und wollte das anhand von 1Q84 nachprüfen. Aber demnach ja nicht.

      ...jetzt frag ich mich, wieviel Seiten die ältere englische Aufziehvogelausgabe hat...
      mal sehen, ob ich das irgendwo finden kann.
    • Hier haben wir es:

      en.wikipedia.org/wiki/The_Wind-Up_Bird_Chronicle

      "Missing chapters and parts[edit]
      Some chapters and paragraphs of the Japanese paperback edition were not included in the English translation. Translator Jay Rubin cut about 61 of 1,379 pages, including three chapters (Book 2 Chapters 15, 18, and part of 17; and Book 3 Chapter 26).[9] Combining the original three-volumes (Japanese) would have been too long, and so the publisher requested that ~25,000 words be cut for the English translation.[10]
      These chapters contain plot elements not found elsewhere in the book. For example, the two missing chapters from the second volume of the original three-volume elaborate on the relationship between Toru Okada and Creta Kano, and a "hearing" of the wind-up bird as Toru burns a box of Kumiko's belongings (Book 2 Chapter 15). ...."
    • Und ebenso aus Wikipedia
      en.wikipedia.org/wiki/The_Wind-Up_Bird_Chronicle


      Translation[edit]
      The English translation of the novel was carried out by Jay Rubin. In addition to notable differences between the Japanese and English versions, there are also differences between the original Japanese hardcover and paperback editions.[10]
      Further differences exist between the American and British editions, but these are much more superficial.[10]
      The German translation by Giovanni and Ditte Bandini is based on the English translation, not on the Japanese original.[13]
      The Dutch translation by Jacques Westerhoven was translated directly from the Japanese original, therefore includes the missing parts and chapters, and follows the same order as the Japanese version. [14]
    • Tja, das klingt ja so als ob ich am 13.10. um 34 Euronen ärmer werden werde :)

      Ein schlimmer, erbarmungswürdiger Umgang mit einem tollen Autor, der diese Stümperei nicht verdient hat. Ich finde das empörend und respektlos.

      Aber wir wollen uns wieder dem eben Gewälzten widmen hier... Herzlichen Dank für deine mir wichtigen Recherchen, liebe Rosamunde! Ich muß jetzt mal ordern...


      :)
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      (Shunryu Suzuki)


    • Desmond Bagley starb 1983. Dennoch gilt er vielen - auch mir - als nach wie vor unerreichter König im Thriller-Genre. Das Manuskript zu diesem 2019 erstmals publizierten und jetzt als Paperback vorliegenden Buch entstand bereits 1972, wurde damals zugunsten anderer Werke vom Autor vor der Drucklegung zurückgezogen, geriet in Vergessenheit und wurde erst 2017 wiederentdeckt. Es ist - da stimme ich anderen Urteilen zu - nicht sein bestes Werk, aber Bagley schrieb nie einen schwachen Roman. Domino Island hat vermutlich aus Bagleys Perspektive nicht den allerletzten Schliff erhalten, aber das macht wenig aus. Wer Spannung mit Hintergrund und tiefe Einsichten in die (allzu-)menschliche Psyche schätzt, dem ist Because Salton Died (= der ursprüngliche Titel, der Bagley selbst aber offenbar nicht sehr zusagte) bestens zu empfehlen.
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Jonathan Coe
      Middle England

      Nachdem ich gestern diese Buch zu Ende gelesen hatte, fragte ich mich heute: Was soll dieser Roman sein? Meine vorläufige Antwort: Eine Bescheibung der Entwicklung der angeblichen politischen, ideellen und sozialen Teilung der Bewohner dieses Landes seit Cameron, evtl Thatcher, anhand von fiktiven englischen Protagonisten und Nebenrollen. Diese Entwicklung hin zu 2 Camps soll dann angeblich zum Brexit geführt haben.

      Diese Sichtweise ist nichts Neues, nur ist neu, darüber einen Roman zu schreiben. Das finde ich an sich durchaus interessant, aber es ist meiner Meinung nach nicht gut gelungen.



      Die Protagonisten, ihr Leben und ihre Motivationen sind nicht besonders überzeugend dargestellt. Es fehlt mE die Fähigkeit den Leser emotional zu engagieren. Ich habe von vorne bis hinten fast unbeteiligt mitgelesen. Einige Handlungs-und Konversationsaspekte empfand ich als völlig unwahrscheinlich, was diese Thematik aber nicht vertragen kann. Ich finde, man sollte einen realen Brexit nicht mit teils übertriebenen oder absurden Geschichten oder Unterhaltungen erklären wollen.

      Es sollte wohl eine Komödie sein, so steht es jedenfalls auf dem Cover als Kommentar eines Kritikers. Ich habe auch tatsächlich an einigen Stellen geschmunzelt und an einer längeren Stelle wirklich laut gelacht, aber insgesamt war das selten, gemessen an dem Rest, den ich gähnend langweilig fand. Mehrere Versuche etwas witzig erscheinen zu lassen sind für mich gescheitert, eventuell weil ich an den echten, wirklich spontanen britischen Humor, den man fast jeden Tag im Umgang mit den Leuten geniessen kann, gewöhnt bin und den Unterschied zu dem erkünstelten Ersatz in diesem Roman zur Kenntnis nehme. Besonders schlecht waren 2 Sex-Szenen, eine lange, die im Kleiderschrank endete und eine kurze homosexuelle. Es war viel zu gewollt und kam mir vor wie ein Versuch des Autors sich locker geben zu wollen. Ist aber misslungen.

      Im Grunde finde ich deshalb auch heute, dass dieser Roman viel eher eine Aussage über den Autor inspiriert, als irgendetwas allgemeingültig Englisches. Das ist auch völlig in Ordnung, nur sollte man es meiner Meinung nach auch so zur Kenntnis nehmen.

      Zurück zu dem Versuch die Teilung des Landes und die Entwicklung dorthin darzustellen. Ganz abgesehn davon, dass es in jedem Land „Brüche“ , Widersprüche oder Unvereinbarkeiten gibt, diese Tatsache aber hier völlig übergangen wird, finde ich, dass die Darstellung des englischen Falls etwas Wesentliches ausgelassen hat. Dadurch spielt sie genau den jeweiligen Klischees, die vom oppositionellen Camp verbreitet werden, in die Hände. Klischees helfen aber niemandem auch nur irgendetwas von diesem Roman für das eigene Leben mitzunehmen.

      Was feht, ist die Motivation der Leave-Orchestrierenden wirklich vielseitig zu durchleuchten. Es reicht mE nicht, hier und da eine Bemerkung über deren Privileg fallen zu lassen und zu behaupten, dass die Angelegenheit für diese Leute nur ein Kontinuum ihres Oxford Debating Klubs war. Diese Sicht ist ein Klischee des Remain Camps, an dem zwar etwas dran ist, aber welches nur dem Leave Camp in die Hand spielt, weil es das viel Wesentlichere verdeckt. Denn das Problem ist nicht zur Cameron oder Thatcher Zeit entstanden, sondern es ist seit Jahrhunderten tief in der Klassengesellschaft verankert.

      Es zeugt von einer deutlichen Ignoranz des Autors, dies nur ganz oberflächlich zu thematisieren und zeigt für mich, dass er selber eigentlich gar nicht geschafft hat, die wirkliche Situation auch nur rudimentär zu verstehen und in einem Roman zu besprechen. Er spricht anstelle dessen vage an, dass es irgendwann mal ein ideell vereintes Land gegeben haben könne. Dieser Gedanke beruht aber auf Ignoranz, denn Brexit betraf alle Länder des UK und diese waren noch NIE wirklich ideell vereint. Sie waren immer getrennt durch Arroganz, Diskriminierung, Opfermentalität, Religion usw. Ausserdem war die UK auch vor dem Brexitgeschehen eine ziemlich deutlich zu erkennende Klassengesellschaft, viel traditioneller in ihrer Form als in anderen EU Ländern.
      Wenn jemand ideell vereint war, dann waren es die Englischen Adeligen, Landbesitzer, und traditionellen Industriellen, welche ihre Schäfchen immer ins Trockene zu bringen wussten und es immer noch tun.

      Die englische Upper Class hat schon vor Brexit alle Nicht-Engländer der UK unterdrückt UND zusätzlich ihre eigene englische Mittel-und Unterklasse bis auf den letzten Tropfen Blut ausgesaugt. Bis vor etwa hundert Jahren war das auch in allen anderen Europäischen Ländern normal. Heutzutage schaffen es in Europa aber nur noch die Upper Class Engländer, und sie sind sehr geschickt darin, das Ausmass ihres unanfechtbaren Privilegs zu verbergen. Man gibt sich exzentrsich und lässt sich gerne als priviligiert-lächerlich- weltfremd zeichnen, um das weitaus Schlimmere aus dem Bewusstsein der Bevölkerung zu verdrängen. Dieses Privilag gibt es in keinem anderen europäischem Land mehr, und genau das war die ständige Bedrohung, die die EU für die UK Upper Classes bedeutete. Dies wird aber in diesem Buch nicht weitgehend und gewichtig genug durchleuchtet.

      Ausserdem wird weder erklärt was Einheit heissen soll, noch wann diese mal Tatsache gewesen sein soll und wie das im Praktischen ausgesehen haben soll. Man konnte schliesslich schlecht von Churchill und WW2 „vereinigter Front“ sprechen, denn das wäre wieder nicht mit Remain Ideologie vereinbar gewesen. Gemessen an der Wichtigkeit dieser Thematik für den Roman müsste aber zumindest ein Versuch gemacht werden, eine angebliche „ Einheit“ , welche man verloren habe näher zu zeichnen. Oder ein Versuch, der dazu führt, dass man als Leser bemerkt, dass das Konzept der Einheit des Landes nie existiert hat und nirgendwo auf der Erde existiert.

      Anstelle werden solche Themen wie Fremdenhass und Rassissmus herangezogen, ohne Gedanke daran, dass es diese Dinge überall auf der Welt ebenso gibt. Dass aber dieses Thema zur Orchestrierung des Brexit missbraucht wurde, wird wiederum nur seicht behandelt. Der Political Correctness im Feld des Transgender werden etliche Seiten gewidmet ohne mich wirklich emotional oder auch mental zu engagieren, und was das mit Brexit zu tun hat, wurde mir auch nicht so richtig klar. Es sollte wohl die Mentalität der jungen Generation mitzeichnen, aber dafür war es mir wieder zu unbefriedigend dargestellt.

      Das Ende des Romans ist lächerlich, aber nicht witzig, sondern einfach nur schlecht. Es geht zu wie bei Mamma Mias ABBA Family and Friends Reunion, aber anscheinend ohne jede Distanz des Autoren zu dem was er da anbietet. Kann also auch nicht ironisch oder kritisch gemeint sein.

      Für mich sehr mittelmässig.
    • Neu

      Ich fahre in Sachen Dickens fort mit "Dombey und Sohn" und muß gerade, beim Versuch irgendein Bild hier einzustellen, feststellen daß es keine (!) aktuell verfügbare deutsche Ausgabe davon zu geben scheint. Ich hab ihn in der alten Winkler-Dünndruckausgabe (gebraucht teuer), er ist antiquarisch preiswerter auch in der zweibändigen Rütten&Löning-Ausgabe aus den 70ern zu bekommen, in guter Übersettung, mit den Illustrationen der Originalausgabe und einem spaßig-gruseligen Nachwort aus realsozialistischer Sicht.

      Aber daß es diesen, einen der großen Werke dieses Autoren, nicht neu gibt, ist peinlich und beklagenswert... Aber dafür haben wir ja endlose Ausgaben des wesentlich schwächeren, aber halt verfilmten Oliver Twist :(

      Naja, soll meinen Genuß nicht schmälern. Wozu ärgern. Bringt ja nix.



      :)
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