Eben gewälzt

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    • garcia schrieb:


      Ich hatte vor einiger Zeit meinen alten Manesse durch diese Übersetzung ersetzt:



      Der Text wird dadurch sperriger und unbequemer (unumstritten war sie nicht), aber das Ausmaß an Querständigkeit und Irrsinn, die Melville gegeben war, wird hier fast körperlich erfahrbar. Möchte ich nicht missen, diese anstrengende Leseerfahrung, und den alten Manesse hab ich dann verschenkt, obwohl auch der gut war.



      Ich habe vor langer Zeit die Rathjen-Übertragung in der illustrierten Ausgabe des Mare-Verlages erworben. [Übersetzung ist ein Terminus technicus für einen Vorgang, den es gar nicht gibt. Deshalb spreche ich immer von Übertragung.] Da war das Hörbuch mit Christian Brückner als Vor-leser dabei.

      Ich könnte jetzt die obige Jendis-Übertragung aus dem Hanser-Verlag nochmals lesen und simultan dazu die Rathjen-Übertragung als Hörbuch rezipieren. Und dann beides in einem weiteren Durchgang mit dem amerikanischen Original vergleichen.

      Aber wer will das wissen?
      "You speak treason" - "Fluently"
      "You've come to Nottingham once too often!" - "When this is over my friend, there'll be no need for me to come again!"
    • Niemand - außer du selbst , vielleicht...

      Ich bin auch kein Freund immer neuer und angeblich sensationeller Neuübersetzungen (bei Dostojewski, beispielsweise, lese ich immer noch die Dämonen und nicht Böse Geister).

      Allerdings ist die von mir oben angeführte Moby Dick Übersetzung wirklich radikal. Ob man das will (oder überhaupt braucht, das Buch ist radikal genug) - - - muß ja jeder/e selbst wissen. Aber erwåhnen wollte ich es, weil ich sonst bei Neuübersetzungen wenig Neues spüre, denn ich bin kein Philologe und zähle keine Kommata. Hier war's anders als üblich.

      Aber im Ganzen halte ich das Ballyhoo um Neuübersetzungen eher für ein Marketingphänomen... Alter Wein, neue Schläuche und so...


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Jean schrieb:

      Aber wer will das wissen?
      Ich - ob Du für Dich einen Unterschied in der „Aussage“ oder auch nur der Stimmung bemerkst. Ich finde das Thema faszinierend, denn wie Du sagst: Übersetzung gibt es eigentlich nicht. Wieviel Prozent des Originals sind in der Übertragung (noch) zu finden? Kann das nur ein Bilingualer beurteilen, oder....?
    • garcia schrieb:

      Aber im Ganzen halte ich das Ballyhoo um Neuübersetzungen eher für ein Marketingphänomen... Alter Wein, neue Schläuche und so...


      Ich würde das nicht so pauschal fassen wollen. Es kann sinnstiftend sein, ein Werk in eine „aktuelle“ Sprachversion zu übertragen, wenn die letzte Fassung viele Jahre oder Jahrzehnte alt ist. Dies ist ja bei dem einen oder anderen Klassiker der Weltliteratur der Fall. Der Hanser-Verlag hat hier seit Jahren ein Augenmerk darauf gerichtet.

      Es kommt vor, dass aus Kostengründen nicht das Original, sondern die englische Übertragung in die deutsche Sprache transferiert wird. Dieser Umweg führt dann bisweilen zu einem arg "verfälschten", zu einem schwachen Ergebnis. Haruki Murakami ist ein prominentes Beispiel dafür. Der DuMont-Verlag hat Jahre später Romane neu – und dann vom Original – übertragen lassen. Aus „Gefährliche Geliebte“ [englisch-deutsch] wurde „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ [japanisch-deutsch]. Oder „Mister Aufziehvogel“ wurde neu unter dem Titel „Die Chroniken des Aufziehvogel“ vorgelegt.

      Warum der Buchmarkt in der jüngsten Vergangenheit 8 [in Worten: acht!] neue Übertragungen von George Orwells dystopischem Klassiker„1984“ produziert hat, ist mir allerdings völlig schleierhaft. [George Orwell ist anno 1950 verstorben, seit Ende des vergangenen Jahres sind seine Werke nach Ablauf der Urheberschutzfrist von 70 Jahren gemeinfrei, wenn ich es recht überblicke. Das mag eine Erklärung sein, rechtfertigt aber diese inflationäre Schwemme nicht.]

      Goethe könnte auch eine neue Übertragung in deutsche Sprache vertragen. :D
      "You speak treason" - "Fluently"
      "You've come to Nottingham once too often!" - "When this is over my friend, there'll be no need for me to come again!"
    • Rosamunde schrieb:

      Jean schrieb:

      Aber wer will das wissen?
      Ich - ob Du für Dich einen Unterschied in der „Aussage“ oder auch nur der Stimmung bemerkst. Ich finde das Thema faszinierend, denn wie Du sagst: Übersetzung gibt es eigentlich nicht. Wieviel Prozent des Originals sind in der Übertragung (noch) zu finden? Kann das nur ein Bilingualer beurteilen, oder....?

      Um da jetzt zu einer – für meine Verhältnisse - belastbaren Aussage fähig zu sein, müsste ich die Übertragung[en] von Jendis [und Rathjen] mit dem Original vergleichen, zumindest größere Passagen. [Die Rathjen-Lektüre liegt auch schon lange zurück.] Vielleicht kann ich mich dazu aufraffen, will aber nix versprechen. Musiker*innen haben ein stark ausgeprägtes Gedächtnis. :D
      "You speak treason" - "Fluently"
      "You've come to Nottingham once too often!" - "When this is over my friend, there'll be no need for me to come again!"
    • Jean schrieb:

      Vielleicht kann ich mich dazu aufraffen, will aber nix versprechen.
      Ich wollte Dich gar nicht verdonnern; meine Bemerkung war eher allgemein gedacht. Schon "Call me Ishmael"...wie wird das ins Deutsche übersetzt? "Nennt mich...."? Ist nicht dasselbe, wenn man es ganz genau nehmen will. Naja, lassen wir das.

      Jean schrieb:

      . Musiker*innen haben ein stark ausgeprägtes Gedächtnis.
      Bei mir bräuchtest du dir deswegen keinen Kopf zu machen. Ich war Bratschistin. :tee1:
    • Übersetzungen vier Beispiele.

      a) Ich hatte als Jugendlicher Zugriff zum Ulysses in der Übersetzung von Georg Goyert, der mit Joyce ja persönlich bekannt war.
      (Wo ist das Buch eigentlich abgebleiben? Ich muss mal suchen gehen.)
      Dann kam die Wollschläger Übersetzung raus, die kaufte ich mir als die als 1-bändige Ausgabe erschien und ich konnte vergleichen und Goyert verschwand im Schrank.

      b) Bei Moby Dick habe ich als Buch die Übersetzung von Mutzenbecher/Schnabel als Diogenes Taschenbuch. (Nennt mich meinethalben Ismael)
      Vorgelesen habe ich es von Rolf Boysen (gekürzt) in der der Übersetzung von Mummendey (So nennt mich denn Ismael)
      Ich finde Mummendey zeitgemäßer.
      Lesbar sind beide!

      c) Tristram Shandy. Hier finde ich die alte Übersetzung von Schmitz nach Bode so gelungen, dass ich die neuere von Michael Walter wieder verschenkte.

      d) Shakespeare. OH weh, da wird es schwer. Ich habe nun die Übersetzungen von Fried, aber die Reklamausgaben von Schlegel/Tieck sind eben die, mit denen ich aufgewachsen bin.

      Nur so als Anmerkung.
      Gruß aus Kiel
      Was soll ich mit einem Oldtimer? Ich kauf mir doch auch keinen Schwarz-Weiß-Fernseher. (Jeremy Clarkson)
    • Doc Stänker schrieb:

      Tristram Shandy. Hier finde ich die alte Übersetzung von Schmitz nach Bode so gelungen, dass ich die neuere von Michael Walter wieder verschenkte.
      Auch eine Anmerkung : iBei mir stehen Bode / Güttinger (Manesse 1948) , Seubert / Schütz ( Insel Taschenbuch 1982) , Kassner ( Deutsche Buchgemeinschaft 1966 ) und Walter ( Haffmans - 2001 ) . Davon gefällt mir die Kassner - Übertragung am besten ; bei Walter teile ich dein Urteil , die könnte auch weg . Aber in den letzten Jahren lese ich meistens in meinem ganzen Stolz , einer 2-bändigen englischen Ausgabe von 1894 .
      (Bei Moby Dick bin ich bei Mutzenbecher / Schnabel geblieben) .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
    • Zum Thema Übersetzung/Übertragung literarischer Werke hatten wir übrigens schon mal das:

      Traduttore, traditore - Übersetzte Sprachkunstwerke

      Dies auch deshalb, weil mir Empfehlungen zu Tristram Shandy und Moby Dick willkommen sind. Habe beides noch nicht gelesen. Nur: Englisch geht für mich nicht.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Doc Stänker schrieb:

      Ich hatte als Jugendlicher Zugriff zum Ulysses in der Übersetzung von Georg Goyert, der mit Joyce ja persönlich bekannt war.
      (Wo ist das Buch eigentlich abgebleiben? Ich muss mal suchen gehen.)
      Dann kam die Wollschläger Übersetzung raus, die kaufte ich mir als die als 1-bändige Ausgabe erschien und ich konnte vergleichen und Goyert verschwand im Schrank.
      Ulysses habe ich vor einigen Tagen erneut zu lesen begonnen (ist, glaube ich, der vierte Durchgang. Der erste war reinstes Scheitern). Dazu lese ich die englische Fassung (auch hier gibt es ja wohl nicht nur eine) sowie die kommentierte Wollschläger-Übersetzung:

      Wollschläger hat mich immer gefangen genommen ("Stattlich und feist..."). Parallel lesend und vergleichend wird dann aber sehr deutlich, wie viel er dazu genommen hat, auf geniale Weise zwar, aber dennoch. Ein Stück weit ist es ein anderes Buch geworden. Die neue Übersetzung, die nicht erscheinen durfte (die Witwe muss doch uralt sein, so dass es, wenn sie denn ...) würde mich aktuell sehr interessieren. Gibt es ein Rankommen an die?
    • Knulp schrieb:

      Dazu lese ich die englische Fassung (auch hier gibt es ja wohl nicht nur eine) sowie die kommentierte Wollschläger-Übersetzung:
      Gute Idee.
      Es verschlingt zwar viel Zeit, aber als Rentier habe ich ja auch solche.
      Lese ich also parallel in Auszügen!! die englische Ausgabe in der Version von 1992.
      Gruß aus Kiel

      Bei Goyert heißt es "Gravitätisch" Was soll denn das?
      Im Original eben: Stately, plump
      Wobei. Harry Rowohlt hat Wollschläger etliche Übersetzungsfehler nachgewiesen und sich beeumelt.
      "Eine Flasche Popcorn" statt "eine Flasche Soda" bei Chandler.
      Was soll ich mit einem Oldtimer? Ich kauf mir doch auch keinen Schwarz-Weiß-Fernseher. (Jeremy Clarkson)
    • Eine Anmerkung zu Übersetzungen von Dostojewski : Der von mir ( als Übersetzer ) so geschätzte Rudolf Kassner hat für die Insel-Bücherei ( die schmalen Bändchen ) vor vielen , vielen Jahren mal 'Der Großinquisitor " übersetzt . Der Text wird allerorten gelobt , der Übersetzer nicht . Da es ein Karamasow - Kapitel ist , kann man die Arbeit von Kassner leicht mit anderen ( auch Geier ) vergleichen .Das empfehle ich zu tun .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
    • Melzer schrieb:

      Die Übersetzungen von Swetlana Geier sind allerdings uneingeschränkt zu empfehlen. Da lohnt eine Neuanschaffung in jedem Fall.
      Diese Meinung teile ich. Vor Jahren habe ich mir alle Dostojewski-Übersetzungen von Swetlana Geier angeschafft und es nicht bereut!

      Vgl. die Diskussion ab dort.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • "Aber im Ganzen halte ich das Ballyhoo um Neuübersetzungen eher für ein Marketingphänomen.."

      Das negiert sehr vieles dahinter. Zum Beispiel neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu der Entstehungszeit oder über Generationen weitergegebene Fehler. Forenkompatibel könnte man da Partiturausgaben nennen. Warum braucht man da neue Ausgaben, die von vor hundert Jahren tun es doch auch. Nicht? Das Argument bekamen übrigens zu Beginn auch Harnoncourt & Co zu hören. Wozu neue Erkenntnisse zur historischen Aufführungspraxis? Spielen wir weiter Bach mit einen Orchester mit 100 Musikern und ebenso viel Chorsängern. Das haben wir doch immer schon so gemacht und ist gut so. Nicht?
      Gruß, Frank
    • Der "Turm" von Tellkamp hat das Wiederlesen nicht überstanden; obwohl ich Manches immer noch toll fand waren mir die Dialoge, vor allem wenn sie sich seitenweise auf Zeitbezogenes stützten, zu lang und nicht gut genug. Aber viel Tolles war drin. Aber für 900 Seiten und die entsprechende Lebenszeit... Nee :(

      Aber ich hab ein Wunder entdecken dürfen :)



      Jedermann von Philip Roth...

      Eine meisterhafte Verknappung auf all das was wir vermutlich alle nur sehr ungern sehen (hier geht es im Tod, Krankheit und Altwerden ohne jede Larmoyanz, Beschönigung oder Glorifizierung, Roth schildert lediglich die nackten Tatsachen), insofern kein Buch für Jedermann. Wir alle wollen damit nichts zu tun haben. Das ist normal. Aber irgendwann müssen wir.

      Drum ist dies Buch: Schmerzhaft. Quålend. Stellenweise kaum zu ertragen. Aber absolut meisterhaft. Und niemals weinerlich. Es zeigt nur was ist oder doch auf irgendeine Weise kommen wird...

      Ich empfehle dies nicht. Wenn ihr wollt lest ihr es sowieso.

      An einem 15.April hab ich persönlich es gelesen, in einem Zug... Und nun werden Aprile nie wieder so harmlos und austauschbar sein wie sie es früher mal waren...


      Aber es ist meisterhaft.
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Jetzt nun also den neuen 'Kracht':



      Bei Amazon findet sich findet sich so etwas wie 'berührendes Meisterwerk', 'existentielle Wucht', 'sarkastischer Humor'. Irgendwie habe ich da wohl ein anderes Buch gelesen.

      Kracht reist nun nicht mehr durch ein Deutschland der 90iger Jahre, sondern, in Begleitung seiner Mutter, durch die Geschichte seiner Familie, wobei ein beständiges Spiel mit der eigenen Identität und der eigenen Biographie dabei herauskommt. Das liest sich berührend, amüsant, teilweise grotesk, aber gleichzeitig war es der erste 'Kracht', der mich nicht richtig angesprochen hat. Zu sehr empfand ich ihn bei diesem Thema zu oberflächlich, fehlten mir ausdrucksvolle Reflexionen.

      Dann hörte ich aber eine Bemerkung Thea Dorns im eigentlich unsäglichen 'Literarischen Quartett'. Sie meinte, dass man den Roman vom Titel her lesen müsste. 'Eurotrash' sei eben die Bezeichnung der Briten für das Regietheater auf dem Kontinent und das würde nach deren Meinung immer mindestens drei Aspekte aufweisen: Kapitalismuskritik, hinter jeder Tür lauert ein Nazi und der Regisseur würde machen, was er wolle.

      Und plötzlich las ich 'Eurotrash' ganz anders, nämlich als ein Spiel mit den (Literatur-) Kritikern. Was ja auch klappt, wenn man sich andere Rezensionen zu Gemüte führt. Eigentlich ist es doch ein ziemlich banaler Text, aber sofort fangen die Kritiker an zu rotieren. Die Mutter wird analysiert ('eine der stärksten Frauenfiguren in der deutschsprachigen Literatur der letzten Jahre'), das Spiel des Autors mit Schein und Sein sowieso, die Kapitalismuskritik kann man herauslesen und die Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit ist eh drin und kommt ja auch immer gut. Wenn Kracht etwas schreibt, muss es eine Bedeutung haben. Hat es ja auch, aber vielleicht anders als erwartet. 'Einen Jux will er sich machen', will Bedeutungssucher und Kritiker vorführen.

      Aber die Frage bleibt (wenn es denn so ist, wie ich den Roman verstehe), macht das Sinn? Ist es nicht eigentlich nur ein momentanes Spiel? Die Erwartungshaltung von Kritikern und auch Lesern zu unterlaufen, uns aber aufzuzeigen, wie schnell wir auf bestimmte Themen reagieren. Ein Spiel halt, der momentanen Lage angemessen, aber wie wird man das Buch in 10 Jahren lesen. Aber vielleicht sehe ich das alles auch völlig falsch. :versteck1:

      :wink: Wolfram
    • Klingt nicht nach etwas, das mich interessieren könnte... Und auch die lobenden Kritiken hinterließen ein schales Gefühl bei mir. Obwohl ich Krachts "Imperium" ja sehr, sehr gut fand vor einiger Zeit. Den Faserland hatte ich vor vielen Jahren gelesen, fand ihn auch unterhaltsam, kann mich aber an nichts mehr erinnern, also war das wohl auch nicht so der ganz tiefe Eindruck... Ich denke, Eurotrash spare ich mir, das Leben wird ja immer kürzer.

      Ich mache mit Roth weiter, der Jedermann hat wieder Leselust geweckt.



      Ich habe diesen in extrem guter Erinnerung, und ich bin sehr gespannt ob das sich so gehalten hat.


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • garcia schrieb:

      Jedermann von Philip Roth...
      Eine meisterhafte Verknappung auf all das was wir vermutlich alle nur sehr ungern sehen (hier geht es im Tod, Krankheit und Altwerden ohne jede Larmoyanz, Beschönigung oder Glorifizierung, Roth schildert lediglich die nackten Tatsachen), insofern kein Buch für Jedermann. Wir alle wollen damit nichts zu tun haben. Das ist normal. Aber irgendwann müssen wir.

      Philip Roth kreist in seinem Alterswerk um die Themenkomplexe Alter, Sexualität im Alter, Krankheit und Tod. Diese Romane haben nicht mehr den Biss wie "Sabbaths Theater" oder "Der menschliche Makel" und auch der lange erzählerische Atem ist nicht mehr gegeben. Der Roman "Das sterbende Tier" markiert den Beginn dieser Periode, wenn ich es recht erinnere.

      Vor kurzem ist eine Biografie erschienen. Blake Bailey: Philip Roth - The Biography. Roth hat Bailey ausgewählt und ihm unzählige Interviews und Zugang zu seinem umfassenden Archiv gewährt.

      "You speak treason" - "Fluently"
      "You've come to Nottingham once too often!" - "When this is over my friend, there'll be no need for me to come again!"

    • garcia schrieb:



      Ich habe diesen in extrem guter Erinnerung, und ich bin sehr gespannt ob das sich so gehalten hat.

      American Pastoral heisst er im Original und ist meine einzige Erfahrung mit Roth. Ich halte ihn für ein Meisterwerk. Ein ganz grosser amerikanischer Roman. Am meisten hat mich die Gegenüberstellung der Charaktere von Vater und Tochter erstaunt. Es ist dasselbe Wesen, nur aufgeteilt in Licht (Vater) und Schatten (Tochter) . Meisterhaft.
      Danke für die Erinnerung - muss ich auch mal wieder lesen.