Eben gewälzt

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    • Im Nebenbei/Zweitlesen brauche ich von Zeit zu Zeit Unterhaltendes, aber mit der Sorte Tiefgang, die einem schnellen, leichten Lesen dennoch einen gewissen Tiefgang und eine daraus sich ergebende Nachdenklichkeit verleiht. Sowas ist viel zu selten - vor einiger Zeit hab ichs in Simeons Maigrets gefunden (um die Non-Maigrets sollte ich mich mal kümmern irgendwann).

      Aber auch Patricia Highsmith ist so ein Fall. Viel gelesen habe ich sie vor so 30 Jahren, aber eine lange Reihe dieser alten gelbschwarzen Diogenes-Taschenbücher steht hier immer noch, und heute holte ich einen davon wieder raus und bin hin und weg.




      Ich glaub, davon wirds mehr geben in den kommenden Monaten, immer so als Zweitlektüre (ich weiß noch dunkel, "Tiefe Wasser" und "Der Stümper" mochte ich sehr, die Ripleys weniger, aber es ist so lang her...)


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Hi Wieland,
      einerseits schreibst Du "geschafft", andererseits folgt ein lachender Smiley.
      War es anstrengend oder schön - oder beides? Ich schiebe schon das Lesen der Suche nach der verlorenen Zeit" wegen der Menge an Seiten vor mir her.
      Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.
    • Uwe Schoof schrieb:

      War es anstrengend oder schön - oder beides?
      Beides, aber je länger man liest, um so mehr wird man in die Gedankenwelt Prousts hineingesogen. Ich habe den Folgeband mit dem wunderbaren Titel "Im Schatten junger Mädchenblüte" schon angefangen.

      Lustigerweise hatte ich vor einigen Monaten den Beschluss, das Werk endlich komplett zu lesen (Den Teil: Eine Liebe von Swann hatte ich schon einmal während der Studentenzeit gelesen, als auch der Film mit Jeremy Irons und Ornella Muti herauskam), gefasst ohne zu realisieren, dass wir gerade ein Proust Jubiläumsjahr haben. Jetzt gab es ständig Beiträge im Radio und in den Zeitungen.

      Mal sehen, ob ich es bis Ende des Jahres schaffe.
    • Mal was anderes:
      Eigentlich wollte ich das Buch nicht erwähnen, es liegt neben meinem Mainstream, aber wenn Denis Scheck schon so schwerfällig neben Juli Zeh auf nem Pferd reitet und beide das Buch unisono über den grünen Klee loben und die üblichen Genderfans bei der SZ und dem Deutschlandfunk das Buch verreißen, dann ist es was für mich.
      Bernd Stegemann: "Die Öffentlichkeit und ihre Feinde".

      Stegemann ist ein klassischer Linker. Sozialisiert von der Frankfurter Schule (Habermas), geübt in Dialektik und versteht nicht mehr, dass Empörung Argumente ersetzen soll, dass Identität Vorgaben machen kann, dass Opferrollen alles "overrulen".
      Kurz, er rechnet mit dem Teil der Gesellschaft ab, der von anderer Seite von Sarah Wagenknecht angegriffen wird: "Die selbstgefällige, von sich selbst besoffene andere bevormundende Linke"
      Und da gehört für ihn eine großer Teil der grünen Klientel dazu.
      Interessant zu lesen. Ein großer Teil des Threads über "Genderatur" würde sich erübrigen, wenn man/frau Stegemann lesen gelesen hätte.

      Gruß aus Kiel

      PS. Vor -zig Jahren lebte ich in einer WG. Ein Vorturner in Moral sagte zu mir. "Wenn Du Dich auch vegan ernähren würdest, würdest Du auch mal so intelligent wie ich." Da ich ihn für komplett blöd hielt, ignorierte ich es. Dann erwischte ich ihn abends an der "Kieler Küste" mit einem Kieler Poller = Brötchen mit gebratenem Schweinebauch
      Ich sagte nur: "Na, arbeitest Du wieder an deinem IQ?"
      Was soll ich mit einem Oldtimer? Ich kauf mir doch auch keinen Schwarz-Weiß-Fernseher. (Jeremy Clarkson)


    • Nicht unbedingt aus diesem Band, sondern aus mehreren Ausgaben zusammengeklaubt, habe ich in den letzten Tagen verschiedene Maupassant-Novellen gelesen. Natürlich sind nicht alle gleich gut, aber wenn sie gut sind, dann auch so richtig.

      Ich bewundere diese unglaubliche Leichtigkeit der Sprache, die Eleganz, den Witz, die leichte Ironie. Das ist alles wirklich so federleicht, so schwebend, so oft nur reine Andeutung. Und trotzdem ist alles klar, denn auch wenn er es nicht ausspricht, nimmt er kein Blatt vor den Mund. Er seziert sein Personenpersonal, zeigt sie charmant lächelnd in ihren Abgründen, aber er diffamiert nicht. Und dabei lässt er kein Thema aus. Nichts Menschliches scheint ihm fremd gewesen zu sein, nur vielleicht die böse Verurteilung.

      Ein wirklicher Lesegenuss, unterhaltsam, erhellend, berührend und beglückend in ihrer Kunst.

      :wink: Wolfram
    • Heute gekauft und in einem Rutsch gelesen ...



      Mein bislang viertes Buch von Hamed Abdel-Samad. Allein dadurch bedingt überraschen mich seine Thesen natürlich nicht wirklich, aber gewisse geschichtliche Hintergründe fand' ich dann doch recht interessant und aufschlussreich. Enthält zwar einige Schwachstellen, aber nun ja ... dennoch ein wichtiges Buch (für die breite Masse zu mindestens), wie ich finde. Dennoch würde ich die anderen Bücher („Mein Abschied vom Himmel“ :!: , „Der islamische Faschismus“ und „Krieg oder Frieden“) bevorzugen.
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • Im ähnlichen Kontext stehen diese Bücher. ( Ich verweise auf Stegemann oben)
      Da schreibt sich eine engagierte Frau ihre Frustration von der Linken von der Seele.

      Dabei stand das alles schon bei Houellebecq in "Unterwerfung". Doch der Furor von Frau Fourest ist bezwingend.

      All dieses bedenkend ging ich zum Schrank und holte mir "Americanah" erneut hervor und begann zu lesen.

      Wie präzise und doch ganz leise unscheinbar dort der Rassismus beschrieben wird, erstaunt mich aufs Neue. Die Protagonistin, die aus Nigeria kommt, erlebt mehrfachen Rassismus.
      Den der "Weißen", wobei sie manchmal den nicht kapiert, weil die Chiffren ihr unbekannt sind und den der African Americans, die Amerikaner sind, unter Rassismus leiden, alle Chiffren kennen und die "Zugereisten" ebenfalls ausgrenzen und das sehr subtil.
      Aber das ist nur ein Teil des großartigen Romans, aber genau dieser gehört hier hin. Für die New York Times gehörte der Roman zu den Besten des Jahres 2013.
      Gruß aus Kiel
      Was soll ich mit einem Oldtimer? Ich kauf mir doch auch keinen Schwarz-Weiß-Fernseher. (Jeremy Clarkson)
    • Doc Stänker schrieb:

      Den der "Weißen", wobei sie manchmal den nicht kapiert, weil die Chiffren ihr unbekannt sind und den der African Americans, die Amerikaner sind, unter Rassismus leiden, alle Chiffren kennen und die "Zugereisten" ebenfalls ausgrenzen und das sehr subtil.
      Ist natürlich richtig, dass man nicht nur auf den "weißen" Rassismus eingeht. Bei Abdel-Samad geht es sogar um den "Rassisten in uns", etc. ...

      Wobei ich dabei gleich an den großartigen Hagen Rether denken musste, der das hier ganz unterhaltsam thematisiert:

      youtube.com/watch?v=9Ew8QX_w0JI

      ^^
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • Anders aber verwandt. Mir fällt dieser Roman ein, der mich vor vielen Jahren sehr beeindruckt hat. Es war und blieb nicht mein einziger in diesem Gedankenkreis, aber einer der in meiner Erinnerung als besonders verankert blieb. Wahrscheinlich auch, weil ein Teil meiner Familie in Namibia lebt, dort auch Land besass und ich also Kindheitseindrücke ihrer Erzählungen mit mir herumtrage. Diese warfen aber später mehr Fragen auf, als sie beantworteten. Und so konnte und kann dieser Roman einige Lücken füllen. Leider konnte ich A Chain of Voices eben in meinem Bücherregal nicht mehr finden, habe ihn also eben nachbestellt und werde ihn dann erneut lesen.

      Andre Brink
      A Chain of Voices



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