BRITTEN: The Turn of the Screw – oder Schloss des Schreckens

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    • Areios schrieb:

      Zitat
      Und der mysteriöse Vormund ist doch ebenfalls eine fragwürdige Figur, obwohl er gar nicht in Erscheinung tritt.

      Ja, der ist nämlich "handsome and gay", und zweiteres Wort bedeutet zu James' Zeiten jedenfalls "sexuell ausschweifend". Und James beschreibt den Typen auch noch als "offhand", was nun auch nicht gerade eine gewisse Zwielichtigkeit mindert.

      Es spricht ja schon irgendwie auch gegen ihn, dass er seine beiden Mündel irgendwo im Nirgendwo von fremden Leuten aufziehen lässt und sich eigentlich nie dort blickken lässt. Und nachdem, was Mrs. Grose darüber erzählt wie Quint das ganze Haus "übernahm", muss man sich schon fragen, warum der Vormund das einfach so zugelassen hat...wahrscheinlich, weil er froh ist, sich nicht um die Kinder kümmern zu müssen. Wird man als so ein Vormund eigentlich bestimmt oder ist man das freiwillig? Bei letzterem, fragt sich wieder, was hätte er dann für Ziele verfolgt, wenn diese Aufgabe ihm doch lästig wäre und an seinem "leichtfertigen" Leben hindern hätte können...Geld?
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Ich habe mal wieder ein Libretto Problem. Es ist ja eine Krankheit von mir, dass ich jede Oper mitlese während ich sie das erste / zweite mal höre.

      Ich habe mir die neue Britten Box (Decca) gekauft - habe also jetzt das gesamte Schaffen des Komponisten hier stehen.

      Ich suche das Libretto zu der Oper - ich kann aber nirgends ein Libretto finden (das hat wohl irgdendwas mit dem Copyright zu tun?). Und bei einer Box, für die man 180 Euro auf den Tisch gelegt hat, kann man ja nicht auch noch erwarten, dass die Librettos darin enthalten sind!?

      Kann mir einer sagen, wo ich die Librettos vielleicht doch noch finden kann?
    • Opera Incognita München 10.09.13 Müller'sches Volksbad

      Hallo zusammen,

      hier ein kurzes feedback zu dieser sehr stimmungsvollen Aufführung. Eine freie Operntruppe hat nun schon zum zweiten Mal das Müller'sche Volksbad als Ort für Opernaufführungen genutzt. Nach dem See (=Mittelmeer)-affinen 'Idomeneo' von WA Mozart nun die see (=Tümpel, in dem Leichen geschwommen haben)-affine Turn of the screw in Original-Orchesterbesetzung. Angesichts der Orchesterbesetzung bei KV 366 war das damals nicht möglich.

      Ich bin sehr angetan von dieser Aufführung.

      Beim Orchester war die einzige Einschränkung zu bemerken, dass man nicht Celesta und Klavier, sondern ein Keyboard eingesetzt hat. Alle anderen Instrumente (incl. Doppelungen wie Oboe/Englischhorn) waren mit sehr guten freien Instrumentalisten besetzt, insbesondere der Hornist war sehr gut. Zudem sind einige Änderungen zu beachten: der Prolog ist nicht vom Quint-Sänger, sondern von einem Chor gesungen worden, der auch im zweiten Teil noch einen zusätzlichen (Britten-) Chor gesungen hat. Mein Eindruck war, dass man auch einige Instrumentalstücke hinzugefügt hatte, die ich nicht kannte, aber vermutlich von Britten waren.

      Sängerisch ist das Stück recht schwer zu besetzen, weil es zwei sehr schwere Kinderrollen zu besetzen gibt, beide jeweils 13 jährige haben ihre Sache sängerisch wie darstellerisch außerordentlich gut gemacht. Die beiden 'realen' Frauenrollen waren ebenfalls sehr gut besetzt, das gleiche gilt für die Rolle des Peter Quint, etwas weniger überzeugend war die Sängerin der Miss Jessel.

      'Bühne' war das Schwimmbecken im Frauenbereich des Jugendstilbads, in dem sowohl der Chor, als auch die Kinder- und Gespensterrollen regelmäßig baden gegangen sind, zum Schluss auch Reinhild Buchmayer in der Rolle der Gouvernante. Ansonsten war der schmale Rand des Beckens auch noch Spielraum.

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Eugen Onegin schrieb:

      Ich suche das Libretto zu der Oper - ich kann aber nirgends ein Libretto finden (das hat wohl irgdendwas mit dem Copyright zu tun?). Und bei einer Box, für die man 180 Euro auf den Tisch gelegt hat, kann man ja nicht auch noch erwarten, dass die Librettos darin enthalten sind!?

      Kann mir einer sagen, wo ich die Librettos vielleicht doch noch finden kann?


      Ich kann es für diese Edition nicht sagen. Aber z.T. wird das Libretto als Text-Datei auf eine CD gebrannt oder die Möglichkeit gegeben, es sich aus dem Internet runterzuladen und auszudrucken, wenn man die CD in den Computer tut. Das Beispiel, bei dem ich das mal gemacht habe, ist eine Veröffentlichung (ursprünglich) aus dem mittleren Preissegment:



      Ich weiß aber nicht mehr genau, ob ich den Text von der CD oder aus dem Internet ausgedruckt habe.

      Ansonsten hilft wohl nur eine Bibliothek weiter.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Nationaltheater Mannheim, 28.09.13: Turn of the Screw

      Samstag vor einer Woche haben wir uns im Nationaltheater Mannheim die neue Inszenierung von "Turn of the Screw" angesehen, die Mittel Juli ihre Premiere hatte. Es war das erste Mal, dass ich eine Oper Benjamin Brittens live sehen konnte. Um es vorneweg zu sagen: solltet Ihr die Gelegenheit haben, Euch diese Inszenierung anzusehen, so solltet Ihr diese Gelegenheit nutzen. DIe Inszenierung ist in jeder Hinsicht stimmig, sowohl musikalisch als auch in Bezug auf die Regie. Ebenso einfach wie wirkungsvoll ist die Kernidee der Regie: In der literarischen Vorlage ebeno wie in der Oper bleibt unklar, ob das Geschehen auf der Bühne real ist, oder lediglich in der Phantasie der Gouvernante existiert. Das Bühnenbild in Mannheim besteht aus vier Räumen die in Form eines Quadrats übereinander angeordnet sind. Häufig spielt sich die Handlung in mehreren dieser Räume ab, wobei häufig unklar bleibt, welches dieser parallelen Geschehen die Realität abbildet. Bestechend einfach wie wirkungsvoll!
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Caesar73 schrieb:

      Samstag vor einer Woche haben wir uns im Nationaltheater Mannheim die neue Inszenierung von "Turn of the Screw" angesehen, die Mittel Juli ihre Premiere hatte. Es war das erste Mal, dass ich eine Oper Benjamin Brittens live sehen konnte. Um es vorneweg zu sagen: solltet Ihr die Gelegenheit haben, Euch diese Inszenierung anzusehen, so solltet Ihr diese Gelegenheit nutzen. DIe Inszenierung ist in jeder Hinsicht stimmig, sowohl musikalisch als auch in Bezug auf die Regie. Ebenso einfach wie wirkungsvoll ist die Kernidee der Regie: In der literarischen Vorlage ebeno wie in der Oper bleibt unklar, ob das Geschehen auf der Bühne real ist, oder lediglich in der Phantasie der Gouvernante existiert. Das Bühnenbild in Mannheim besteht aus vier Räumen die in Form eines Quadrats übereinander angeordnet sind. Häufig spielt sich die Handlung in mehreren dieser Räume ab, wobei häufig unklar bleibt, welches dieser parallelen Geschehen die Realität abbildet. Bestechend einfach wie wirkungsvoll!
      Wer war denn der Dirigent? Dan Ettinger?
    • Würde ich auch gerne mal live sehen. Bis dahin begnüge ich mich mit diesem Film. Mich zieht diese Oper ja sehr an. Und den Film find ich ganz stimmig. Durch die Spielfilmhandlung wird die Musik und vor allem der Gesang ganz gut getragen und die Geschichte entfaltet sich wie nebenher.

    • Ich habe heute mal wieder in



      geschaut / gehört. Obwohl ich sie schon einige Jahre besitze und ein paar wenige male gehört habe, würde ich mich immer noch als "in der Phase des Herantastens befindlich" bezeichnen. Die Schlichtheit des Bühnenbildes kommt mir entgegen, Mireille Delunsch als Gouvernante ebenfalls...

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • „The Turn of the Screw” von Benjamin Britten beim Armel Opera Festival

      Zu sehen auf Arte LiveWeb noch 170 Tage :

      "http://liveweb.arte.tv/de/video/The_Turn_of_the_Screw_von_Benjamin_Britten_auf_dem_Armel_Opera_Festival/
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Succubus schrieb:

      „The Turn of the Screw” von Benjamin Britten beim Armel Opera Festival

      Zu sehen auf Arte LiveWeb noch 170 Tage :

      "http://liveweb.arte.tv/de/video/The_Turn_of_the_Screw_von_Benjamin_Britten_auf_dem_Armel_Opera_Festival/


      Danke für den Tip! Bislang fremdle ich ja mit Britten noch, genauer gesagt mit seinem War Requiem. The Turn of the Screw hatte ich aber als Gelegenheit auf dem Schirm, ihm noch mal ne Chance zugeben.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Tyras schrieb:



      Danke für den Tip! Bislang fremdle ich ja mit Britten noch, genauer gesagt mit seinem War Requiem. The Turn of the Screw hatte ich aber als Gelegenheit auf dem Schirm, ihm noch mal ne Chance zugeben.


      Also mit den Opern Brittens habe ich keine Probleme , aber mit dem War Requiem komme ich auch nicht zurecht, lieber Tayras irgend etwas machen wir falsch beim hören ! ?(

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • palestrina schrieb:

      Also mit den Opern Brittens habe ich keine Probleme , aber mit dem War Requiem komme ich auch nicht zurecht, lieber Tayras irgend etwas machen wir falsch beim hören !

      Ich habe mir mal Billy Budd in der Nagano-Einspielung angehört. Hatte interessante Momente, aber hat mich nicht unmittelbar gerockt, was erstmal nicht viel bedeutet.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Später vielleicht mehr; ich möchte nur kurz angemerkt haben, dass ich vorhin in der Staatsoper Berlin der Premiere von "The Turn of the Screw" beiwohnte und immer noch intensiv über das Stück nachdenke. Die musikalische Leitung hatte Ivor Bolton, es sangen Emma Bell, Marie McLaughlin, Richard Croft, Thomas Lichtenecker, Sonia Grané und Anna Samuil; die Inszenierung besorgte Claus Guth - und dem schlugen völlig zu Recht beim Schlussapplaus ausschließlich Beifallskundgebungen entgegen (großes Kompliment auch an die Lichtregie). Ich hatte das Stück gar nicht auf dem Schirm, nie vorher gehört und mich spontan zum Hingehen entschieden; und es war eine wunderbar intensive Erfahrung. Zitat aus dem Programmheft (find ich nicht verkehrt):
      "Dann kann es geschehen, dass die Chimären der Trauminhalte den Wirklichkeitsstrom okkupieren, dass Metamorphosen des gegenwärtigen körperlichen und geistigen Selbst das eigene Erinnerungsreservoir verändern, dass endlich ein anderes Selbst, ein Doppel-Ich, eine alternierende Persönlichkeit, hervortritt, mit dem Grundgefühl, dass irgendjemand in uns spricht und unsere Gedanken lenkt. Am Ende ist dieses Doppel-Ich das Ich selbst. Hiervon handelt 'The Turn of the Screw'."

      Ach, da fällt mir noch ein, dass allein schon die Tatsache, dass Prolog und Peter Quint vom selben Tenor gesungen werden, zahlreiche Deutungsmöglichkeiten zulassen - im Prolog eine allwissende Figur, als Peter Quint Teil der Geschichte selbst, ob nun existent oder nicht.
      »Neulich haben Sie mich gegrüßt und ich hab Sie leider nicht gleich erkannt. Das nächste Mal, wenn ich Sie wieder nicht erkenne, treten Sie mir in den Arsch. Großartiger Jochanaan übrigens, neulich.«
      Hans Knappertsbusch zu Hans Hotter
    • Brittens Meisterwerk hat eine ganz klare Intention Nämlich es geht um eine manipulierende Gouverante, die hier eindeutig für mich die Frau ist, die bös zu den Kindern ist.Sie will sie für sich einnehmen u Sie ist der Negativcharakter. Und nicht Quint. Miles und Flora genießen wirklich den Sex mit Erwachsenen. Mr Quint und Mrs. Jessell sind die beiden Lehrmeister der Kinder, beide finden es nicht als unangenehm von den Erwachsenen im deutschen StgB Terminus Technicus sexuell genötigt zu werden. Miles will sein Wissen weitergeben, in der Schule, wo er mit einem anderen Jungen es machen will. Das war in der damaligen Zeit bad. Und dieser Ausdruck bad bedeutet sexuell verdorben. im England des viktorianischen oder churchillschen oder thatcheristischen Zeitalter, (Section 28) . Und Miles machte mit einem Mitschüler so genannte Doktorspiele: Er will sein Wissen weitergeben. Er will auch in böser Absicht in einem Apfelbaum sein. Das Kernstück der Oper ist das malo Lied von Miles. Dreifach kann man das Wort malo verwenden Malo 1. Stammform des Verbes malle der Georges ein Strammkonservatives Bildungsbürger Wörterbuch schreibt u.a. lieber wollen, aber was bedeutet lieber wollen, im Grunde genommen leidenschaftlich begehren.
      Malo Ablativ des Wortes mallus ( schlecht)
      Malo Ablativ von mallum ( der Apfelbaum) ein dreifaches malo kann man so übersetzen. Ich begehre leidenschaftlich in schechter Absicht in einem Apfelbaum zu sein. Das heißt nichts anderes, dass der Junge Miles jetzt nicht mehr Schüler von Quint ist sondern selber im Baume der Erkenntnis Meister sein will.
      Er hat es mit einem Mitschüler getan fliegt von der Schule (Schule in der angloamerikanischen Kultur ein zentraler Ort mehr als eine Bildungseinrichtung, sondern als pars pro Toto) Und er ist nicht nur von der Schule sondern von der Gesellschaft eliminiert.Auch versucht er es mit der Gouvernante, er nennt sie my Dear und bitte schön, ein Sohn aus gutem Hause nannte nie seine Erzieherin My Dear sondern My Lady.
      Und das ist war doch typisch für diese Zeit, das elimieren von sexuell anders gepolten Menschen. Britten war selber ein Pädophiler, er war selber homosexuell. Und in der Figur der Gouverante wird seine Frauenfeindschaft deutlich. Sie zerstört Miles, der er war, in dem sie ihn nötigt Quint you Devil zu sagen.Und das Wort Devil meint nicht nur den Teufel sondern es ist das schlimmste was es gibt, in dem sie ihn dazu bringt Quint zu verfluchen tötet sie ihn.Also ist meiner Meinung nach die Gouvernante der wesentliche Antagonist eines Jungen, der seine sexuelle Idendität ähnlich wie Siegfried kennenlernt. Und Britten war Miles ähnlich wie Wagner Siegfried war. Beide hatten ein sexuell für den "Normalo" schwierige sexuelle Idendität. Brittens Ideal war die Homosexuelle Beziehung zu einem dominanten Partner (Peter Pears, für den er den Quint schrieb). Und Wagner hatte ein inzestiöses Verhältnis zu seiner Mutter was in dem Siegfried Brünhilde Verhältnis deutlich wird (Siegfried ist minestens 20 Jahre jünger als seine Brünhilde
    • Die Staatsoper Hannover streamt eine m.E. wirklich sehenswerte Vorstellung: staatstheater-hannover.de/de_D…turn-of-the-screw.1298871

      Wir hatten bei der heutigen online-Premiere einen wirklich spannenden Abend vor dem eigenen Rechner am eigenen Tisch mit eigenen Getränken. Und so nett es war, zu Hause und so - Dieses Stück hätte uns life im Opernhaus richtig fertig gemacht. Dafür gibt es Theater.

      Dennoch: Ganz große Empfehlung für diese Online-Produktion.
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.