Britten: Sommernachtstraum in Hannover

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    • Britten: Sommernachtstraum in Hannover

      So richtig gerne scheint ja das normale Opernvolk nicht in Britten-Opern zu gehen, jedenfalls schien es mir in H so. Auch bei dieser Repertoirevorstellung (letzten Samstag) war der dritte Rang unverkauft.
      Umso begeisterter der rhythmisch skandierende Applaus am Ende!
      Meiner Meinung nach galt der Beifall vor allem der Regie. Michiel Dijkema, der schon mit Opera Seria einen großen Coup gelandet hat, baut in atemberaubendem Tempo den WAld aus dem Nichts auf, bespielt ihn so intensiv, dass sich immer mehr monströs vergrößerte Hinterlassenschaften der Irrenden ansammeln, und schafft im Hui die Athener Säulenhalle herbei.
      Im Prinzip ist bis zum Athenischen Ende alles Wald. Wenn die Handwerker proben (es handelt sich um Müllwerker und Straßenbauer) wird abgesperrt, durchgefegt, und los geht's. Großartig spielfreudig sind die Jungs, und durch eine akribische Personenregie hervorragend geführt.
      Das gilt auch für die anderen Beteiligten, nicht nur für die Liebenden im Wald, sondern auch die normalerweise unterrepräsentierte Hyppolita, die ein Kabinettstück in betrunkener Bräsigkeit abliefern darf.
      Aus den Einzelleistungen jemanden herauszuheben verbietet sich fast. Erwähnt werden muss, dass Frank Schneiders (Bottom, i.e. Zettel) spielte während ein Gast sang. Das klappte gut und macht neugierig, wie die intensive Partie original gesungen klingt.
      Der Kinderchor ist der Gewinner des Abends! Zwar unterstützt von vier Soloelfen aus dem Hauschor schalgen sie sich großartig, die Kleinen und Größeren. In Kostümen, die Taucherflossen, Schwangerschaftsbäuche und lange grüne Bärte beinhalten, bewältigen sie souverän die schöne Partie.
      Zuletzt noch Puck, eine Sprechrolle: Jami Reid-Quarrell schafft es, gefühlte 100 mal an einer Liane in den Bühnenhimmel zu klettern und wird einfach nicht müde. WAs für eine Präsenz und Energie!
      Die Dirigentin hat, glaubt man den Interview im Programm, das Stück sehr gut im Blut. Umsetzten kann sie es leider nicht. Schöne Einzelleistungen aus dem kleinen Orchester (und nicht ein einziger grober Patzer) machen die delikate Partitur hörenswert, aber letztendlich war da eine Dauerlautstärke zu verzeichnen, die einem bewusst machte, warum Britten sich getraut hatte, einen Countertenor als Oberon zu nehmen: Ein Theater mit 300 Plätzen war der Ort der Uraufführung. Insofern ist die Dirigentin für die umsichtige Führung der Solisten (auch der im Graben) und der schnellen Reaktionen auf Zerfallserscheinungen im großen Ensemble des 2. Aktes zu loben - aber dass sie einen etwas anders gearteten Saal bespielt, hätte sie schon vor drei Jahren merken müssen.
      Fazit: Tolle Inszenierung eines zu Unrecht vernachlässigten Stücks. Reingehen! Nächste Spielzeit läuft es nicht.
      :wink:
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.