Erich Wolfgang Korngold: Die Kammermusik

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    • Erich Wolfgang Korngold: Die Kammermusik

      Mit der Musik E. W. Korngolds bin ich bislang nicht sonderlich vertraut. Das gilt in besonderem Maße für seine Kammermusik, etwa den Streichquartetten, die ich gern mal näher kennenlernen würde. Deshalb habe ich gestern im Kaufberatungsthread nachgefragt; aufgrund der interessanten Antworten lohnt es sich wohl, diese hier zusammenzufassen und einen neuen Faden anzuknüpfen:

      Gurnemanz schrieb:

      [...] Es gibt zwei Einspielungen der Streichquartette Korngolds (mir bislang nicht bekannt):


      Aron-Quartett, CPO (+Klavierquintett op. 15, mit Henri Sigfridsson)


      Doric String Quartet, Chandos

      Kennt wer eine bzw., besser noch, beide Einspielungen und kann Vergleichendes äußern? Würde mich freuen.

      Auch die könnte mich interessieren (kenne auch hier die Werke nicht):


      Streichsextett op.10, Klavierquintett op. 15, Jennifer Stumm, Bartholomew LaFollette, Kathryn Stott, Doric String Quartet , Chandos

      Mauerblümchen schrieb:

      [...] viel kann ich nicht sagen - ich kannte die Quartette Korngolds vorher nicht. Bis jetzt habe ich die ersten beiden gehört und fand diese Musik sehr anregend.

      In FF 2/2011 wurde die Einspielung der Dorics gegenüber derjenigen mit dem Aron Quartett vorgezogen: "Gegenüber diesem Nuancenreichtum wirkt die fraglos exzellente CPO-Einspielung mitunter eine Spur vordergründig. Das Doric String Quartet scheint insgesamt den feineren Pinsel zu führen. [ ... ] Freuen wir uns also über eine neue Referenzaufnahme, die den großen, sträflich vernachlässigten Korngold ein Stück weiter ins rechte Licht rückt". Was immer das heißt ...

      Da die Aufnahme des Aron Quartetts auch noch das Klavierquintett Korngolds beinhaltet, steht sie bei mir schon auf dem (längerfristigen) Wunschzettel.

      Gurnemanz schrieb:

      Danke, lieber MB! Die FF-Rezension habe ich schon gelesen, daher tendiere ich eher zum Doric Quartet. Das Klavierquintett ist ja auch auf der anderen Chandos-CD enthalten, so daß der Erwerb der CPO-CDs möglicherweise unnötig wäre.

      Vielleicht schaut der Korngold-Experte Michael Schlechtriem mal hier herein und weiß Näheres zu berichten... ;+)

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Wir haben dieses Jahr das 2.Quartett aufgeführt und letztes Jahr das Klavierquintett.
      Im Zuge der Vorbereitung habe ich mich durch einige Aufnahmen gearbeitet und muß sagen, daß mich die Aufnahmen des Aron-Quartetts enttäuschten.
      Im Falle des 2.Quartettes wird zwar exakt nach den aberwitzig schnellen Metronomangaben (ich weiß wirklich nicht, was Korngold da geritten hat) gespielt, aber ohne Schmelz, ohne interessante Agogik.....es tut mir leid, ich finde das blutleer.

      Dagegen finde ich die Aufnahmen des Doric- Quartetts als sensationell.
      Hier wird mit so viel Liebe zum Detail, mit geschmackvollen Portamenti und sinnvollen Tempi(welche sich ein wenig unterhalb der geforderten Metronomangabe befinden), musiziert, es hat mich schlichtweg umgehauen.

      Das Klavierquintett wie auch das 2.Streichquartett ist unglaublich anspruchsvoll und ich bewundere sehr, wie viele Details das Doric- Quartett gefunden und herausgearbeitet hat.

      Wie schwer das ist, das habe ich am eigenen Leibe erfahren.
      Übrigens kann man sich unsere Live-Aufnahme des Klavierquintetts hier im "Aufnahmen der Capricci" thread herunterladen.
      Und unsere Aufführung des 2.Quartettes werde ich auch bald mal zur Verfügung stellen.

      Davon abgesehen ist meine klare Empfehlung das Doric-Quartett, für mich sind das bei weitem die momentan besten Aufnahmen der Quartettwerke Korngolds.

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Gurnemanz schrieb:

      Danke, lieber Michael, jetzt weiß ich Bescheid: Dich runterladen und später noch Doric nachschütten, das scheint das weiseste Vorgehen. Wird so vorgemerkt
      Lieber Gurnemanz,
      das weiseste ist, sich die Doric-Aufnahmen anzuschaffen, sich auf youtube als Vergleich unbedingt die Aron-Aufnahmen anzuhören(die sind dort illegalerweise vertreten) und sich dann schlußendlich, worauf ich stolz wäre,
      aus Interesse unsere Aufnahme anzuhören.
      Wie gesagt, das 2.Quartett folgt noch.

      An das Doric-Quartett kommen wir im Leben nicht heran, dazu fehlt uns schlicht vor allem die Zeit neben dem Orchesterdienst.
      Diese Konzerte sind für uns immer irre Kraftakte, die total an die Substanz gehen.

      Mittlerweile ist mir das liebste Quartett von Korngold sein 2.
      Ein Hammerwerk, sauschwer, emotional besonders im langsamen Satz an Grenzen vorstoßend, die mich verstören und fertig machen.

      Früher habe ich oft das 3.Quartett gespielt- bevorzugt -und stand damals in den 80er Jahren in direktem Kontakt mit George Korngold, der 1987 verstarb und mir noch wenige Tage vor seinem Tod einen lieben Brief mit Anmerkungen betreffend unserer Interpretation(ich habe Ihm damals unsere Aufnahmen immer geschickt) schrieb.
      George Korngold gab mir damals auch sein OK, die "Viel Lärm um nichts" Suite für Cello zu bearbeiten.
      Es waren andere Zeiten- vor dem Internet- und ich bin George Korngold unendlich dankbar für sein großes Interesse an uns damaligen Studenten.
      Heute habe ich regelmäßigen, fast täglichen Kontakt zu seinen Söhnen-dem Internet sei dank.
      Nur ist das Interesse dieser Korngolds an der Musik ihrer Vorfahren eher gering.
      Egal, es sind trotzdem sehr nette Menschen..

      Der Pianist unserer Live-Aufnahme des Klavierquintetts, Thorsten Schmidt- Kapfenburg, stand übrigens in direktem Kontakt mit Ernst Korngold bis zu dessem Tod.
      Und er hat Ernst Korngold noch persönlich vorspielen können und ist sehr stolz darauf, daß Ernst zu Ihm sagte:
      "Ganz genau wie der Papa"

      Und ich bin wirklich stolz auf unsere Zusammenarbeit beim Klavierquintett.
      Ich hoffe und denke, man kann den Enthusiasmus hören.

      Matthias Oberg schrieb:

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Davon abgesehen ist meine klare Empfehlung das Doric-Quartett, für mich sind das bei weitem die momentan besten Aufnahmen der Quartettwerke Korngolds.


      Ich habe auch beide und teile Michaels Einschätzung völlig. Ich kenne auch gute Aufnahmen anderer Werke vom Aron-Quartett, aber hier habe ich den Eindruck, die Zeit bis zum Aufnahmetermin hat nur ausgereicht, sich die Werke technisch anzueignen. Michael hat darauf hingewiesen, wie hammerschwer das 2. ist, das ich auch besonders faszinierend finde. Technisch haben sie es drauf, aber die musikalische Ausarbeitung ist noch nicht allzu weit gediehen.

      Das Doric-Quartet ist hingegen phänomenal gut, wie schon bei ihrer fantastischen William-Walton-Aufnahme.

      Die erwähnte Aufnahme der Streichquartette mit dem Doric String Quartet habe ich eben bestellt. Vielleicht macht mich das auch auf die übrige Kammermusik Korngolds neugierig.

      Wikipedia listet auf:
      • 1909–10: Klaviertrio D-Dur op. 1
      • 1912–13: Violinsonate G-Dur op. 6
      • 1914–16: Streichsextett D-Dur op. 10
      • 1920–23: Klavierquintett E-Dur op. 15
      • 1921–22: Streichquartett Nr. 1 A-Dur op. 16
      • 1930: Suite für 2 Violinen, Cello und Klavier für die linke Hand allein op. 23
      • 1933: Streichquartett Nr. 2 Es-Dur op. 26
      • 1945: Streichquartett Nr. 3 D-Dur op. 34
      Fragen:
      • Was gibt es Wissenswertes über diese Werke?
      • Weitere diskographische Empfehlungen?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Bei mir flattert eine Aufnahme mit dem Flesch-Quartett herum, das ich bislang nicht kannte, und das mich nicht vom Schemel schmiss.
      Auf Grundlage dieser Aufnahme erschien mir auch nur das zweite Quartett besonders hörenswert.

      Ich finde die Suite Op 23 faszinierend, habe allerdings noch keine Top-Aufnahme gefunden, die ich empfehlen könnte.

      Und für Korngold-Freunde, die es klein besetzt mögen, möchte ich hier die Lieder preisen: Da sind unglaubliche Sachen zu entdecken. Aber das wäre wohl ein eigener Thread...
      :wink:
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Alberich schrieb:

      Bei mir flattert eine Aufnahme mit dem Flesch-Quartett herum, das ich bislang nicht kannte, und das mich nicht vom Schemel schmiss.
      Entschuldige, wenn ich korrigiere... ;+)
      Das Flesch-Quartett spielt dort das Quartett von Fritz Kreisler und das 2. Korngold- Quartett.

      Wir haben das Kreisler-Quartett auch mal aufgeführt, ein ausgesprochen hübsches Werk, aber gegenüber dem Korngold natürlich ein Leichtgewicht.
      Die Suite op. 23 ist klasse, ich bin mit der Aufnahme von Leon Fleisher mehr als glücklich.
    • Eine wunderschöne Aufnahme des Klaviertrios ist die des Beaux Arts Trios (Bild funktioniert nicht):

      www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Daps&field-keywords=beaux%20arts%20korngold

      Die Aufnahme gibt es auch bei Spotify: http://open.spotify.com/album/743ozPBECcZL9bfhWCRVo8


      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Gurnemanz schrieb:

      Was gibt es Wissenswertes über diese Werke?
      Das Klaviertrio ist der Geniestreich eines 12-jährigen.
      Mir ist kein Werk eines 12- jährigen bekannt, welches dermaßen auf dem Stand seiner Entstehungszeit ist, dabei bereits völlig eigen und direkt als orginäre Schöpfung erkennbar.
      Es gab damals noch kein Radio etc. , es ist ein Wunder, wie es Korngold möglich war, bereits als 12- jähriger einen Strauss und Mahler und wen was weiß ich sonst noch nicht nur zu kopieren, sondern eine eigene Tonsprache zu finden.
      Bruno Walter, Arnold Rose und Friedrich Buxbaum spielten die Uraufführung.

      In der Generalprobe soll Julius Korngold, der Vater und berühmte Musikkritiker gesagt haben:
      "Ich finde, sie spielen zu langsam"

      Die Mutter soll gesagt haben:
      "Nein, es ist zu schnell"

      Und EWK sagte dann:
      "Das Tempo ist gerade richtig so"

      Worauf beide Eltern entgegneten:
      "DU hälst den Mund"


      Ich habe das Trio recht häufig aufgeführt, und zum Glück habe ich davon keinen Mitschnitt.
      Es ist ein dermaßen kotzschweres Werk, und man kann getrost davon ausgehen, daß der junge Korngold den enorm schwierigen Klavierpart selber spielen konnte.

      In meiner Sammlung befinden sich einige Aufnahmen mit Korngold als Pianist, darunter einige unveröffentlichten Privataufnahmen.
      Korngold war in der Lage, das Klavier wie ein Orchester klingen zu lassen, seine Technik war ungeheuerlich.
      Er war im Grunde auch ein Wunderkind als Pianist.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Das Klaviertrio ist der Geniestreich eines 12-jährigen.
      Mir ist kein Werk eines 12- jährigen bekannt, welches dermaßen auf dem Stand seiner Entstehungszeit ist, dabei bereits völlig eigen und direkt als orginäre Schöpfung erkennbar.
      Es gab damals noch kein Radio etc. , es ist ein Wunder, wie es Korngold möglich war, bereits als 12- jähriger einen Strauss und Mahler und wen was weiß ich sonst noch nicht nur zu kopieren, sondern eine eigene Tonsprache zu finden.

      Ja, finde ich auch. Unfassbar.
      Sein Opern-Erstling (im dramatischen Genre) "Violantha" ist übrigens genauso weinig erklärbar. Ein unbeleckter Teeny schreibt so eine Porno-Musik!
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Alberich schrieb:

      Auf meiner CD spielt es aber nun mal die drei Korngold-Quartette und (mit Helferlein) das Sextett Op 10
      Oh, sorry,
      dann ist das eine andere Zusammenstellung.
      Irre ich mich jetzt?
      Es gab doch mal eine CD vom Flesch-Quartett, wo das Kreisler-Quartett sowie das 2.Korngold drauf war.........

      Ich habe eine Doppel-CD, die Aufnahmen aus den frühen 90gern enthält. Billant-Classics, über JPC gekauft, nehme ich an. Aber nagelt mich nicht fest - mir sind so audiophile Sachen immer recht gleichgültig.
      Ciao für heute, ich lege jetzt Korngold-Lieder auf und weine mich in den Schlaf ;+)

      :wink:
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Der Kerl ist als 27- jähriger als Jungfrau in die Ehe gegangen, hat aber vorher mit 23 Jahren einen der allergrößten Pornos überhaupt erschaffen:
      "Die tote Stadt" ........ :faint: :shake:

      Aaaaber Violanta ist doch auf der Porno-Skala....

      Das wäre auch ein toller Thread. Mit Merkatz als Salome-Beauftragter an der Spitze.

      Jetzt geh ich aber wirklich poofen.
      :wink:
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Alberich schrieb:

      Ein unbeleckter Teeny schreibt so eine Porno-Musik!
      Vielleicht ist er immer unbeleckt geblieben, wer weiß es.
      Anhand der von mir letzthin durchgehechelten Memoiren von Earl Wild (meinem Lieblingspianisten, der garantiert nicht unbeleckt war) weiß ich jetzt wenigstens, daß zumindest
      Korngolds Ehefrau nicht unbeleckt blieb.
      Der Dirigent William Steinberg soll mal an Ihren Zehen rumgenuckelt haben.

      Nun ja, manchmal im Leben bekommt man zu viele Infos.......sorry. :hide:
    • Gurnemanz schrieb:

      1930: Suite für 2 Violinen, Cello und Klavier für die linke Hand allein op. 23 (...)
      diskographische Empfehlungen?
      Ich kenne nur dieses eine Korngold-Kammermusikwerk, finde es aber sehr schön und kann folgende Einspielung mit Leon Fleisher, Joseph Silverstein, Jaime Laredo und Yo Yo Ma uneingeschränkt empfehlen:
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • Oh, Entschuldigung, lieber Micha. Ich habe beim Querlesen des Threads diesen Satz von Dir übersehen:

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Die Suite op. 23 ist klasse, ich bin mit der Aufnahme von Leon Fleisher mehr als glücklich.
      Aber es freut mich, dass Du als Korngold-Kenner dieselbe Aufnahme bevorzugst wie ich als weitgehender Korngold-Nullchecker :D
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Alberich schrieb:

      Ich habe eine Doppel-CD, die Aufnahmen aus den frühen 90gern enthält. Billant-Classics,
      Ja, stimmt, das ist eine andere Zusammenstellung. Ich rätsel jetzt gerade, welches das orginale Label war.
      Aber ist auch egal.........


      Die Aufnahmen mit dem Flesch-Quartett erschienen ursprünglich beim ASV-Label:
      und

      Das 2. Streichquartett ist auch auf dieser CD enthalten:


      Allerdings habe ich nirgends eine Aufnahme von Kreislers Streichquartett mit dem Flesch-Quartett gefunden.

      Nur diese Aufnahme mit dem Angeles String Quartet habe ich gefunden wo Kreislers Streichquartett mit einem von Korngolds Streichquartetten, hier Nr. 3, kombiniert ist:



      Armin
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Lionel schrieb:

      Nur diese Aufnahme mit dem Angeles String Quartet habe ich gefunden wo Kreislers Streichquartett mit einem von Korngolds Streichquartetten, hier Nr. 3, kombiniert ist:
      Dann habe ich da tatsächlich einiges durcheinandergeworfen.
      Sorry, kommt nicht so häufig vor bei mir.
      Aber ich bin mir nach wie vor ganz sicher.........aber es ist auch egal.

      P.S. ich glaube, ich habe meinen Fehler gefunden, es war das Brodsky-Quartett.
      Manchmal verliert man die Übersicht.
    • Der Thread hat mir Anregung gegeben, das Streichsextett op.10, entstanden 1914-16, noch mal zu hören. Neben den oben erwähnten Aufnahmen gibt es eine sehr hörenswerte der Camerata Freden bei Tacet, die mir lebendiger vorkommt als die ebenfalls gute des erweiterten Doric-Quartetts. Insbesondere im Finale sind die Tempogegensätze der Camerata Freden viel ausgeprägter und kommen mir schlüssiger vor als bei den Dorics.

      Am bemerkenswertesten finde ich den zweiten Satz des Sextetts. Hier wird häufig die Parallele zu Schönbergs Verklärter Nacht gezogen, was mich nicht sehr überzeugt, da Schönberg doch deutlich strukturierter vorgeht. Korngold baut in meiner Wahrnehmung nahezu den gesamten Satz aus Klangflächen auf, die sich ausdehnen, ineinander übergehen, verschieben. Hin und wieder droht es, besonders wenn die erste Violine in sehr hohen Lagen hervortritt, ins Süßliche abzukippen, das wird dann aber sofort durch überraschende chromatische Wendungen vermieden. Als Hörer ist es für mich nicht einfach, die Orientierung in dem Satz zu finden, aber vielleicht ging das dem Komponisten ebenso. Jedenfalls fällt mir kein anderes Werk aus der Zeit ein, das so extensiv mit einem so schwer definierbaren schwebenden Klang arbeitet, wie dieser Satz.