MOZART, Wolfgang Amadé: Symphonie Nr. 31 D-Dur KV 297 (300a) "Pariser"

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • MOZART, Wolfgang Amadé: Symphonie Nr. 31 D-Dur KV 297 (300a) "Pariser"

      Paris, Juni 1778. Wolfgang Amadeus Mozart (er selbst nannte sich ja Amadé) wohnt seit März zusammen mit seiner Mutter in der Stadt. Neue Chancen nach der Zeit in Salzburg? Für das Concert spirituel, ein reichhaltig besetztes Orchester, geleitet von Joseph Lengros, hat der nunmehr 22jährige eine Symphonie komponiert, die erste seit fast vier Jahren, die Symphonie Nr. 31 D-Dur KV 297 (300a), genannt „Pariser Symphonie“. Am Fronleichnamstag wird sie uraufgeführt. Auf Wunsch von Lengros komponiert Mozart nach dem Konzert sogar noch einen alternativen zweiten Satz, mit dem das Werk im August neuerlich gespielt wird. (Heute wird meist die erste Version aufgeführt.) Nachdem Mozarts Mutter Anfang Juli stirbt, kehrt der Komponist nach Salzburg zurück.

      Genaueres zur Entstehung, Zitate aus Briefdokumenten Mozarts zum Werk, zu den Proben und zur Wirkung sowie detaillierte Satzverlaufsschilderungen finden sich bei wikipedia.
      "http://de.wikipedia.org/wiki/31._Sinfonie_%28Mozart%29"

      Mein erster Höreindruck beim neuen Erspüren des Werks und der Arbeit an diesem Thread (mit Reclams Konzertführer Ausgabe 2001 und wikipedia):

      Mozart weiß, was er dem Pariser Publikum zu bieten hat. Menuett braucht´s da keines, die Symphonie hat nur drei Sätze, und in denen gibt es keine Wiederholungen von Expositionen etc., alles läuft einmal durch (in der Junifassung). Die reichhaltigen Instrumentationsmöglichkeiten mit Querflöten, Oboen, Klarinetten (Mozarts erste Symphonie mit Klarinetten!), Fagotten, Hörnern, Trompeten, Pauken und Streichern kostet der Komponist in vielen Klangfarben und Kontrastwirkungen aus. Eine Symphonie „zum Herzeigen“, und dabei ganz echter Mozart durch und durch. Spieldauer ca. 17 bis 19 Minuten.

      Coup d´archet ("http://www.answers.com/topic/coup-d-archet") nennt man die Konzeption des Hauptthemas im eröffnenden Allegro assai Satz, viermal D unisono und forte, darauf Sechzehntellauf aufwärts, mit Paukenwirbel. Ein markanter, so richtig auftrumpfend und konzertant fürs Pariser Publikum entworfener Sonatensatz ist zu hören.

      Der „Junizweitesatz“, Andante (urspr. Andantino), 6/8 Takt, verzichtet auf Klarinetten, Trompeten und Pauken. Es gibt zwei Abschnitte (der zweite leicht verändert) und eine Coda. Man achte auf die instrumentatorischen Kontrastwirkungen, die Mozart durch die Partitur zaubert.

      Wenn man die Möglichkeit hat, auch den „Augustzweitersatz“ zu hören, ebenfalls ein Andante, gefällig fließende Musik im ¾ Takt, auch zwei Teile (wobei hier der erste wiederholt wird), mag man sich die Frage stellen, welcher besser zwischen die raschen Sätze passt. (Ich kann die Entscheidung der meisten Dirigenten für das „Juniandante“ nachvollziehen, ohne damit den Alternativsatz abwerten zu wollen.)

      Beim Finale, einem Allegro, besticht das virtuose Spiel, das dem Orchester abverlangt wird. Das zweite Thema kommt kanonisch, in der Durchführung als Fugato (1778 weiß noch niemand außer vielleicht Mozart selbst von der zehn Jahre später entstehenden „Jupiter“ Symphonie), in der Reprise dann aber gar nicht mehr.

      Für mich ist das eine Symphonie, die sofort packt und mitreißt. Obwohl letztlich die von mir zuerst gehörte Aufnahme vor einigen weiteren nicht meine vorläufige Lieblingsaufnahme werden sollte, musste ich sie sofort noch einmal hören, einfach, weil das Werk so gut ist. Alle von mir gehörten Einspielungen bieten das „Juniandante“, Harnoncourt hat in Amsterdam beide langsamen Sätze aufgenommen.

      Persönliche Eindrücke zu den Aufnahmen, die mir zur Verfügung stehen:

      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/410Df-uMqbL.jpg]

      James Levine lässt die Wiener Philharmoniker (Juni 1985, Großer Musikvereinssaal Wien, hier die Erstveröffentlichung, gehört habe ich die Aufnahme allerdings aus der DGG Box „Wiener Philharmoniker Symphony Edition“) straight ahead spielen, schnurgerade, als führe man auf der Route 66.



      Die Aufnahme mit Nikolaus Harnoncourt und dem Concertgebouw Orkest Amsterdam (CD Teldec 4509-97486-2) entstand im September 1981 in Amsterdam und wirkt auf mich ursprünglicher, direkter, mit verdeutlichten Kontrasten, aber dabei doch nicht den Spielfluss bremsend. Vor allem beim Finalsatz kommt vieles explosiver als bei Levine.



      Jaap ter Linden und die Mozart Akademie Amsterdam (Frühling 2002, Maria Minor Utrecht, Niederlande, CD Brilliant/Mozart Edition 99715/4, wohl aus obiger Box, die Einzel CD hat mir ein amazon Second Hand Anbieter als Bonus einer CD Lieferung beigelegt) spielen das Werk wieder geradliniger und geschliffener, doch das Klangbild erscheint hier dumpfer, auch fehlt etwas die Frische der Musik (hat man gerade die beiden vorgenannten Aufnahmen gehört), der Puls hängt manchmal durch.



      Eine für mich optimale Mitte findet Riccardo Muti mit den Wiener Philharmonikern (Großer Musikvereinssaal Wien, Juni 1993, CD Philips 442 126-2) – das Orchester farblich abgestufter als bei Levine, die Musik nicht so kantig wie bei Harnoncourt, die Wiener Streicher (wie oft bei Muti) dabei noch weicher als sonst, die Musik insgesamt lebendig und farbenreich durchpulst.



      Eine Fernsehaufnahme mit Nikolaus Harnoncourt und den Wiener Philharmonikern entstand im Zuge der ersten Zusammenarbeiten des Dirigenten mit diesem Orchester ebenfalls im Großen Wiener Musikvereinssaal, ohne Publikum aufgenommen, im Oktober 1983 (2 DVDs DGG 00440 073-4290). Wie etwa auch bei Bernsteins Wiener Fernsehaufnahmen sind die Wände rot verkleidet. Konzertmeister war Gerhart Hetzel. Das Orchester war hier bereit, den Streicherklang dabei keineswegs verleugnend, Harnoncourts „explosivere“ Lesart mitzutragen, womit eine Ursprünglichkeit der Interpretation erreicht wird, die schon eigen mitreißend wirkt. Den melodiös-farbenreichen zweiten Satz kosten sie aus wie bei den anderen auch, klangmalerisch schön, fein abgestuft in den Kontrasten.

      Anmerkungen zum Werk und zu Aufnahmen des Werks haben ab nun hier einen Platz bei Capriccio.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Da ich mich heute ein wenig über die Hintergründe der Entstehung der Pariser Sinfonie informiert habe, möchte ich hier meine beiden Einspielungen verlinken, die auch beide Andante-Varianten enthalten. (Ansonsten finde ich wohl noch zwei weitere, wenn ich suche ...)



      Ich meine schon auch, dass das bei Weitem häufiger zu hörende, etwas umfangreichere, ernstere, tiefgründigere "erste" Andante vorzuziehen ist. Damit wird das leichter gefügte zweite Andante ja nicht wirklich abgewertet. Auch die Frage, welche Version nun besser zu dem effektvollen Kopfsatz und dem sehr knappen, aber eher gelehrten Finale passt, ist damit ebenso wenig beantwortet.

      Der "Coup d'archet" ist eine echte Mannheimer Rakete! Insofern kann ich auch verstehen, wenn es in einem meiner Konzertführer heißt, diese Sinfonie sei äußerlicher sowohl als die vorausgehenden letzten - die allerdings vier Jahre zurückliegen - und ebenso im Vergleich mit den folgenden, aber sie atme eben den Geist der großen Sinfonie und gehöre von daher eigentlich schon dem Spätwerk an.

      Schöne Einführung von Alexander! Auf noch ein paar Beiträge!

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Die Sinfonie No.31 habe ich in 3 Ausführungen , nicht zuletzt deshalb , weil man die unterschiedlichen Orchester-Charakteristika so gut hören kann .
      Von Sir Thomas Beecham liegen mind. 3 Einspielungen vor . Die früheste stammt aus dem Jahr 1938 , aus einer Zeit , in der er eine Reihe von Mozart-Sinfonien mit dem London Philharmonic Orchestra aufnahm . Dann begab er sich 1956 mit dem Royal Philharmonic Orchestra in die Abbey Road Studios ( für Sir Thomas nur das Beste ! ) , um eine sehr gelungene Aufnahme zu machen . Schließlich reiste er im Januar 1958 in die Schweiz und spielte die Sinfonie dort in einem Konzert mit dem Suisse Romande Orchestra . Ich weiß nicht , was er den Musikern gab , aber es war genug , wie man hören kann . Keine Gefangenen , keine Wiederholungen . Meine Beecham - Empfehlung .



      Wer meine Empfehlung nachhören möchte , hier bitte : dailymotion.com/video/x1k27i8



      Jean Martinon spielte 1956 für Philips 3 Mozart Sinfonien mit dem Orchestre des Concerts Lamoureux ein , darunter auch die Pariser . Eigentlich nur passend , sie dann auch ' a la francaise ' zu hören .


      Hörprobe : youtube.com/watch?v=B5n_uM0D2fw



      Und dazu noch eine Aufnahme aus dem Jahr 1996 , mit einem Dirigenten , dessen Mozart ich sehr schätze . Peter Maag und das Orchestra di Padova e del Veneto klingen nochmal anders .

      Hörprobe : youtube.com/watch?v=fP-VAucI9f4

      Ich bin's zufrieden mit meinen 3 Varianten .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Jung sterben , aber so spät wie möglich ( F. Jourdain )


    • Ich mag die Konzertaufführungen von Roger Norrington im Rahmen dieser "Essenziellen"-Sammlung im Allgemeinen durchaus. Er lässt bekanntlich sein vibratofreies Prinzip umsetzen, betont Kontraste, hat es lieber ein wenig schroffer.

      Bei der Pariser Sinfonie lässt er das erste Andante spielen - wie eben erkennbar die Mehrheit seiner Kollegen. Dafür benötigt er allerdings genauso viel, also wenig Zeit wie Hogwood für die kürzere, vom Pariser Arbeitgeber erbetene Version des Mittelsatzes - und er ist um deutlich eine Minute schneller, als Hogwood für die Erstfassung benötigt. Das allerdings wirkt dezent gehetzt und nimmt der Musik die Tiefe. Zumindest meine Meinung.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.