Beethoven: Violinkonzert D-Dur op. 61

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    • Beethoven - Klavierkonzert op.61A

      Der Klavierfassung op.61a wird auch bis heute so wenig Bedeutung beigemessen, dass nihct einmal die damals massstabsetzende Aufnahme, die es als einzige auf LP gab, mit Peter Serkin, Klavier / New Philhamonia Orchestra / Ozawa (RCA, 1978) auch später auf CD veröffentlicht wurde. (Oder irre ich mich ?)
      Diese LP habe ich noch in meinem LP-Restbestand:

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      LP
      Die paukendominierende Kadenz hat mur übrigens schon imme gut gefallen. Allerdings ist der Klaviersatz in der Tat (wie hier schon erwähnt) bedingt durch die Bearbeitung von Violine zum Klavier zu dünn ...


      Später fand dann noch eine weiter Aufnahme vom op.61a in meine Sammlung, die sich in dieser Beethoven-Unbekante Meisterwerke-Box befindet:
      = 9CD-Box
      EDEL Classics, 1968-1979, ADD


      Hier legen Amadeus Webersinke, Klavier / Karl Mehlig, Pauken / Gewandhausorchester Leipzig / Kurt Masur
      eine nicht minder hörenswerte sinfonische und "hippfreie" Int hin, die man auch nie als Einzel-CD gesondert gesehen hat.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Die Serkin/Ozawa-Aufnahme gibt es inzwischen auf CD:

      (AD: Juni 1969, Walthamstow Town Hall, London [Beethoven] & Oktober 1973, EMI Studios, London [Mozart])

      Wenige Jahre später hatte auch Daniel Barenboim mit dem English Chamber Orchestra Beethovens op. 61a aufgenommen. Die urspr. Vinyl-Ausgabe kann man hier sehen. Auf CD gibt es diese Aufnahme natürlich auch:

      (AD: Juli 1973, Forty Lane, Wembley, London [op. 61a] & Dezember 1974, Brent Town Hall, Wembley, London [Violinromanzen])

      Die Webersinke/Masur-Aufnahme gibt es auch als Einzel-CD:

      (AD: März 1971, Versöhnungskirche, Leipzig [op. 61a] & August 1960, Kongreßhalle, Leipzig [op. 80])
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • philmus schrieb:

      Eine sehr interessante Kadenz - mit Beteiligung diverser Orchestermusiker spielt Patricia Kopatchinskaja in dieser live-Aufnahme mit Herreweghe und dem hr-Symphonie-Ochester.
      Wobei das interessanteste für mich die Gestaltung diverser Solo-Figurationen in der Durchführung des 1.Satzes ist...
      Eine tatsächlich sehr inspirierte, berührende und lustvolle Veranstaltung,
      hier zu hören (und zu sehen)
      "http://www.youtube.com/watch?v=xr9KmgDFwMc&list=UUiyuYC0D4-AO0AonCfMifPQ
      Habe mit dieser Interpretation gestern Nacht dieses Werk kennengelernt.

      Zum Werk kann ich erstmal noch nicht so viel sagen - denn wow, die Interpretation hat mich komplett vom Hocker gehauen. Ich hab schon lange nicht mehr geweint, erst recht nicht durch Musik bedingt, aber als das Konzert vorbei ist und sie ihre wohlverdienten Ovationen empfängt, Menschenskinder. Was für eine Leistung, sowohl von Solistin als auch Orchester und Dirigent. Ich bin einfach nur hingerissen.

      Kann's nicht erwarten, mir ihre Int des Stravinsky-Konzertes reinzuziehen...
    • Hinweis:
      Dieser und die nachfolgenden Beiträge (bis einschl. Nummer 131) wurden aus dem Thread "Was so kommt - Anstehende Neuerscheinungen und Wiederveröffentlichungen" in diesen Thread verschoben.
      Lionel - Für die Moderation




      Eher wegen der Interpreten interessant, Aufnahmen der Werke gibt es ja zur Genüge. Tetzlaff hat übrigens beide Konzerte bereits eingespielt, Beethoven mit Zinman, Sibelius mit Dausgaard.
    • Braccio schrieb:

      Weißt Du, warum sich Tetzlaff distanziert hat?
      Kann mich nur noch dunkel an ein Interview erinnern, in dem Tetzlaff (anlässlich der Neuaufnahme mit Zinman?) bekannt hat, dass er zur Zeit der Aufnahme mit Gielen musikalisch noch nicht reif für das Werk gewesen sei - oder so ähnlich. Um die Tempi ging's wohl nicht, die sind bei Zinman ja mindestens ebenso schnell. Eine flüchtige Internetrecherche nach dem Interview hat leider nichts ergeben - Ihr müsst Euch wohl auf meine in letzter Zeit nicht immer lückenlose Erinnerung verlassen... :D

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Über eine nicht immer lückenlose Erinnerung verfüge auch ich: Irgendwo habe ich mal ein Interview mit Tetzlaff gelesen, in dem er sich über seine frühe Aufnahmen mit Gielen äußerte: der erfahrene Maestro habe ihm ganz genau vorgeschrieben, wie er, der junge Geiger (24 J.) das zu spielen habe. Er, Tetzlaff, habe sich da gegängelt gefühlt. So sinngemäß.

      Das bezog sich aber nicht auf das Beethoven-Konzert, sondern auf das 2. Bartók-Konzert, das Tetzlaff später ebenfalls erneut aufgenommen hat.

      Alles ohne Gewähr! :D

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Beethoven Violinkonzert mit Christian Tetzlaff

      ist ja eigentlich logisch, dass ein Künstler nicht auf dem Stand eines 24jährigen stehenbleibt, jedenfalls bei einem Werk wie dem Beethoven-Violinkonzert, mit dem man sich ein Leben lang beschäftigen kann.
      Ich mag die alte Aufnahme mit Gielen trotzdem ganz gern, auch wenn man ihr anmerkt, dass der Solist stellenweise mit dem Zeigefinger auf den Notentext verweist. Was seinerzeit ja eine kleine Revolution war, da hier (zum ersten Mal?) die autographe Urfassung des Soloparts beachtet wurde.

      Zum Vergleich die Spielzeiten der drei Aufnahmen von Tetzlaff:
      Dir. Gielen / Zinman / Ticciati
      I. Satz 22:52 / 22:47 / 22:45
      II. Satz 7:37 / 8:53 / 8:24
      III. Satz 9:09 / 9:10 / 8:48

      Im ersten Satz sagt die Spieldauer wegen der Kadenz wenig über das Tempo aus. Die neue Aufnahme ist, jedenfalls soweit das Hörschnipsel reicht, deutlich langsamer als die beiden früheren. Zugleich hat sie einen deutlich spannderen Beginn: die Pauke gibt spürbar "den Ton an", sie wartet nicht auf die Holzbläser, sondern prescht sozusagen immer eine kleine Nuance vor und phrasiert außerdem sehr organisch. :thumbup:
      Überhaupt wird rhythmisch sehr fein gearbeitet. Leider übertreibt Ticciati es im Finale des Sibelius-Konzerts für meinen Geschmack: Der Begleitrhythmus wird absichtlich überakzentuiert, indem die zwei Sechzehntel eine Spur später einsetzen und schneller genommen werden. Das wirkt zunächst extrem federnd, aber kein Orchester könnte das auf Dauer durchhalten. Schon nach wenigen Takten gibt es Kuddelmuddel, und mit dem punktierten Rhythmus des Solisten geht dann auch nichts mehr zusammen. Schade.
    • Die frühe mit Gielen ist auch eine der wenigen mit einem halbwegs flüssigen Tempo im langsamen Satz (wenngleich nach Kolisch und Co immer noch zu langsam), während die späteren mehr oder minder zum konventionellen Tempo zurückkehren.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      [...] nach Kolisch und Co immer noch zu langsam [...]
      Immerhin gibt es anscheinend nur eine einzige Aufnahme, die noch schneller ist (und damit Kolisch & Co gemäß angemessener, vgl. # 33). Stand: 2009. Weiß nicht, was sich seitdem ergeben hat.

      :wink:
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      Helmut Lachenmann
    • Heute war bei mir Beethoven-Violin-Konzert-Tag. Angefangen hat es mit einer Lektüre über Furtwängler, weil ich mich dafür interessierte, welche Einspielungen von ihm ganz allgemein zu den besonders gelungenen gehören. Empfohlen wurde die 1947er Aufnahme des Beethoven-Konzerts, die ich prompt angehört habe. Ja, wirklich eine sehr gute Aufnahme, selbstredend mit alter Spielkultur, aber das ist ja nicht immer etwas Schlechtes.Dann stöberte ich durch meine angesammelten Aufnahmen und erwog, sie nach Jahrzehnten zu ordnen, um so quasi meine beste Aufnahme des jeweiligen Jahrzehnts herauszusuchen (eine Ausflucht, weil es die beste Aufnahme nicht gibt). Zu diesem Gedanken trug bei, dass ich das Orchesterspiel des Boston Symphony Orchestra aus der Heifetz-Aufnahme 1955 kaum noch anhören mochte, mag der Jascha auch noch so sensationell geigen. Also habe ich kurz geprüft, welche Aufnahmen aus diesem Jahrtausend ich eigentlich auf dem NAS habe. Zweimal Faust (2006 und 2010), beide Male anerkenne ich die Leistung, ist das aber geschmacklich nicht meins. Gardiner/Mullova aus 2002. Ja! Diese Aufnahme mag ich sehr. Zu ihr greife ich als erstes, wenn ich das Konzert einfach nur mal hören möchte. Ist aber doch schon sehr alt (17 Jahre her!) und auch violinistisch nicht am Ende der Temperamentsskala. Aus den Nullerjahren habe ich noch ein paar Aufnahmen, zu denen ich aus dem Stegreif wenig zu sagen weiß (Järvi/Jansen 2009, Nelsons/Steinbacher 2008, Zinman/Tetzlaff 2005). Aber aus dem aktuellen Jahrzehnt? Nichts.

      Deshalb schaute ich, welche jüngeren Aufnahmen empfohlen werden, und stieß ich auf Ehnes/Manze 2016, die ich aktuell höre. Ironie der Geschichte: Die Aufnahme ist wundervoll, die Streicher haben Luft zum Atmen, das Orchester ist sehr gut ausbalanciert, nur: Die Einspielung ist alles andere als aktuell. Wenn man mir die Aufnahme vorspielen würde und mir dazu erklärte, es spielten z. B. Perlman, Giulini, ich würde es glauben. Mit Freude am schönen Klang und sogar ein wenig Rubato wird hier eher langsam romantisch-schön Beethoven gespielt.

      Ich weiß schon, welche Aufnahme ich danach spiele: Huberman/Szell 1934. Die ist modern.

    • Hi, Abendroth, das werde ich bestimmt noch tun. Momentan ist mein Hunger auf dieses Stück allerdings erst einmal wieder gestillt. Außerdem ist empfände ich es als seltsam, weitere neue Einspielungen zu kaufen, ohne die von Jansen etc. richtig gehört zu haben, wobei mir bewusst ist, dass es sich bei der Kopatchinskaja-Aufnahme um ein anderes Kaliber handelt.
    • Ja, wie es uns Jägern und Sammlern halt so ergeht. Danke für die Empfehlung. Ich bin gespannt, komme erst in einigen Tagen zum Hören. Die Kopatchinskaja/Herreweghe-Einspielung ist aus 2008 und damit auch schon elf Jahre alt. Gibt es denn keine aktuelle, die einem so richtig die Schuhe auszieht?