Musikinstrumenten-Museen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Musikinstrumenten-Museen

      Kennt Ihr und besucht Ihr Musikinstrumenten-Museen?

      Ich war gestern im Musikinstrumenten-Museum Berlin, direkt neben der Phiharmonie
      "http://www.sim.spk-berlin.de/mim_3.html
      Die Geschichte dieses Hauses reicht bis 1888 zurück.
      "http://de.wikipedia.org/wiki/Musikinstrumenten-Museum_Berlin

      Die Räumlichkeiten sind hell und grosszügig, die Instrumente, in Vitrinen oder offenstehend, gut präsentiert.
      Allein die Informationen die man pro Exponat erhält geht in den meisten Fällen nicht über die Katalognummer, Baujahr und Herkunft hinaus.
      Immerhin gibt es einen Audioguide. Dieser erklärt aber rein gar nichts Geschichtliches zu den Instrumenten,sonder man erhält zu ausgewählten Exponaten eine Kostprobe ihres Klanges in Form eine kurzen Musikstückes. Das ist natürlich auch sehr wertvoll.
      Aber bei vielen Instrumenten würde man doch gerne mehr erfahren. Z.B: wenn man eine kuriose Geige sieht, die statt des üblichen Resonanzkörpers eine Art Schalltrichter hat. Ich meine mich erinnern zu können, dass dieses Instrument aus dem Anfanger der Gramophon- oder Radizeit stammt und dieses Instrument damals besser aufgenommen werden konnte. Leider fand sich am Exponat kein erläuternder Hinweis in diese Richtung.

      Interessant erscheinen mir die an der Museumskasse zum Kauf angebotenen Publikationen des Instituts. Ich habe dort den Katalog einer früheren Sonderaustellung zur Geschichte der Klarinette ("Faszination Klarinette") erworben, der sehr informativ ist. Ich hätte ihn nicht am Ende sondern am Anfang meines Besuches kaufen sollen, um direkt dort nachschlagen zu können, also ich vor den drei Vitrinen mit historischen Klarinetten stand.

      Neben den knappen Vitrinenbeschriftungen gibt es hier und da auch ausführlichere Informationsblätter zu verschiedenen Themen. Mitunter leider sehr veraltet, wenn es z.B. über die Möglichkeit geht wie und ob Computer Noten lesen können, wird man mit dem Stand Mitte der 80er Jahre konfrontiert. ?(

      Es gibt museumspädagogisch also noch Luft nach oben in dieser dennoch sehenswerten Sammlung.

      Hudebux
    • Lieber Hudebux,

      Hudebux schrieb:

      Aber bei vielen Instrumenten würde man doch gerne mehr erfahren. Z.B: wenn man eine kuriose Geige sieht, die statt des üblichen Resonanzkörpers eine Art Schalltrichter hat. Ich meine mich erinnern zu können, dass dieses Instrument aus dem Anfanger der Gramophon- oder Radizeit stammt und dieses Instrument damals besser aufgenommen werden konnte. Leider fand sich am Exponat kein erläuternder Hinweis in diese Richtung.

      Es handelt sich dabei um eine sogenannte "Strohgeige", die man tatsächlich für akustische Schellackaufnahmen verwendet hat. Hier wurde der Schall über den Trichter geleitet, der natürlich Richtung Schallmuschel zeigte. Ab 1925, als es elektrische Aufnahmen gab, konnte man auch ganze Orchester mit normalen Geigen aufnehmen. Es heißt, dass eine Strohgeige viel lauter gewesen sein soll als eine echte. Leider habe ich so ein Ding noch nie live sehen können (geschweige denn hören).

      Hier ein Bild davon: "http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/89/Stroh_violin_up2.jpg"

      Und hier ein schönes Bild, das eine solche Aufnahme mit Strohgeigen zeigt: "http://www.78s.ch/wp-content/uploads/2011/05/Acoustic-Session-Library-Of-Congress.jpg"
    • Hier gibt es Klangproben: "http://www.strohviolin-shop.com/de/index.php"

      Ansonsten sind bei wikipedia einige bekannte Künstler genannt, die die Stroh-Geiege eingesetzt haben. Da müsste sich doch was finden lassen ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Musikinstrumenten-Museum in Brüssel

      Ich kann das Musée des Instruments de Musique (MIM) in Brüssel empfehlen. Es befindet sich in einem schönen Art-Nouveau-Haus mit entsprechendem Dachterassen-Café, das einen tollen Blick auf die Stadt gewährt. Das Museum beherbergt über 7000 Musikinstrumente, von denen etwa 1200 ausgestellt sind.
      Thematische Schwerpunkte (laut Homepage):
      "• Abendländische "Ernste Musik“ vom alten Ägypten bis hin zu Experimenten und historischen Reproduktionen des 19. Jahrhunderts
      • Saiten- und Tasteninstrumente in all ihren Ausprägungsformen
      • Traditionen weltweit
      • "Musicus mechanicus" mit mechanischen, elektrischen und elektronischen Kollektionen."
    • Lieber Peter,

      habe mir diesen Videomitschnitt mit der Strohgeige angehört - ich fand den Klang irgendwie fürchterlich, irgendwie blechern und hohl. Bei akustischen Aufnahmen war das sicher nicht so tragisch, aber ich würde auf keinen Fall ein Konzert besuchen, wo nur auf einer Strohgeige gespielt wird - vor allem, weil die Dinger sowieso nur für diese Aufnahmen gebaut wurden.
    • merkatz schrieb:

      Lieber Peter,

      habe mir diesen Videomitschnitt mit der Strohgeige angehört - ich fand den Klang irgendwie fürchterlich, irgendwie blechern und hohl. Bei akustischen Aufnahmen war das sicher nicht so tragisch, aber ich würde auf keinen Fall ein Konzert besuchen, wo nur auf einer Strohgeige gespielt wird - vor allem, weil die Dinger sowieso nur für diese Aufnahmen gebaut wurden.


      Lieber merkatz,

      be wikipedia findet man folgende Künstler

      Zu den bekannteren Musikern, die die Strohgeige wegen ihres speziellen Klanges gerne benutzen, zählen Tom Waits, múm und R. Crumb & His Cheap Suit Serenaders. Im Bereich des Tango Argentino wird sie von Javier Casalla, dem Geiger des Bajofondo Tango Club und bei Cristóbal Repetto, gespielt. Bei Shakiras "Sale El Sol" Welt-Tournee (2010-2011) spielte die Violinistin Una Palliser eine Strohgeige.


      Da müsste man mal die Stücke hören und welche spezifische Klangqualität der Strohgeige abgewonnen wurde. Vielleicht macht es ja auch die Mischung mit anderen Instrumenten ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Lieber Peter,

      Peter Brixius schrieb:

      Da müsste man mal die Stücke hören und welche spezifische Klangqualität der Strohgeige abgewonnen wurde. Vielleicht macht es ja auch die Mischung mit anderen Instrumenten ...
      da gebe ich dir Recht. Nur im klassischen Bereich fände ich sowas nach wie vor schrecklich. Mendelssohns Violinkonzert auf einer Strohgeige? Brrr ...

      Auf den akustischen Schellackaufnahmen waren meistens sowieso nur Blasinstrumente zu hören, die laut genug waren, um gehört zu werden auf der fertigen Aufnahme. Leider habe ich zuwenige akustische Schellacks. Meine 1910er ist a-capella gesungen, und bei der 1914er HUG-Fantasie müsste ich nochmal reinhören ("https://www.youtube.com/watch?v=MMhCE_RbrE4"), aber ich glaube, dass da keine Strohgeigen verwendet wurden, ich höre da nur Blasinstrumente.

      Auch der Fledermauswalzer von 1910 klingt mir nicht wirklich nach Strohgeige: "https://www.youtube.com/watch?v=_V4Q_t4KN1c", aber hier wäre es am wahrscheinlichsten, glaube ich.
    • Unbedingt erwähnen möchte ich auch das Deutsche Museum München.
      Dort gibt es eine ganz nette Sammlung an Klavieren und Ähnlichem; wenn man das Glück hat, eine Führung zu erwischen, die damit umgehen kann, bekommt man auch live Klangbeispiele. Nur für den Bechstein ist der Raum zu klein, der knallt schon sehr unangenehm im Ohr, wenn man zuvor die wundervollen historischen Instrumente hörte. Ist aber auch eine persönliche Vorliebe von mir.
      Manchmal laden sie einen auch ein (im Rahmen der Führung unter Aufsicht), ein paar Töne auf den Instrumenten zu spielen. Das war meine bisher einzige Clavichord-Erfahrung.

      Weiterhin bemerkenswert fand ich die Sammlung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Leider war ich dort ohne Führung und ohne Klangbeispiele - aber dafür war die Sammlung an Flügeln wieder wunderbar.

      Weiters ist Leipzig unbedingt besuchenswert. Dort steht ein Cristofori-Flügel, man kann sich dort auch Klangbeispiele von Konserve anhören.

      Und schließlich war ich im Mai in Wien in der Hofburg. Thematisch sehr schön gegliedert verfügt man dort ebenfalls über viel Bemerkenswertes, vor allem aus dem Besitz oder Umfeld großer Namen.
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Vom Musikinstrumenten-Museum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gibt es hier eine schöne Seite mit vielen Informationen:
      "http://www.sim.spk-berlin.de/mim_3.html

      "Das Berliner Musikinstrumenten-Museum sammelt Musikinstrumente der
      europäischen Kunstmusik vom 16. bis zum 21. Jahrhundert. Zur Zeit
      besitzt das Museum rund 3.200 Instrumente, die sich vielfach in
      spielbarem Zustand befinden. Gut 800 Instrumente sind in der
      Schausammlung zu sehen. Es ist in seiner Vielfalt eine der
      repräsentativsten Sammlungen in Deutschland."
      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Das Brüsseler Museum habe ich vor Äonen mal im Rahmen einer Studienfahrt besucht. Zur selben Zeit gab es auch eine Exkursion nach Den Haag, wo es auch ein solches Museum gibt, an das ich mich aber kaum erinnern kann.

      Unbedingt sehenswert ist das Musikinstrumentenmuseum in Markneukirchen im sächsischen Vogtland. Der Ort ist (neben Klingenthal) Zentrum des Musikinstrumentenbaus im sog. Musikwinkel und beherbergt bis heute eine große Anzahl von entsprechenden Meisterwerkstätten. Gelungene Gags sind die dort ausgestellte größte spielbare Geige der Welt ("http://www.seidlgeigen.com/index.php?section=news&action=showfull&viewid=19) sowie die größte spielbare Tuba der Welt ("http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1021290). Auch eine alte Sägerei ist zu besichtigen, die von einem Liebhaberkreis noch in (Museums-) Betrieb gehalten wird. Einige historische Intrumente können selbst bedient werden, andere werden von den Mitarbeitern öfters vorgeführt, darunter ein Pianola-Vorsatz mit diversen Rollen. Große Zahl historischer Blas- und Saiteninstrumente. Ich erinnere mich besonders an eine wunderschön anzusehende schwedische Nyckelharpa. Anderthalb bis zwei Stunden kann man da locker verbringen! Seitdem träume ich ab und zu von einer handgefertigten Markneukirchener Konzertgitarre...

      "http://www.museum-markneukirchen.de
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Ich habe vor ca. zwei Jahren mit großer Begeisterung das Musikinstrumentenmuseum in der Pariser "Cité de la musique" besucht. Die riesige Sammlung ist einfach großartig, von kuriosesten Blasistrumenten aus Mittelalter und Renaissance über wunderschön bemalte Cembali und andere Tasteninstrumente, aufs kunstvollste geschnitzte Gitarren, Kultgegenstände wie das Pianoforte Frédéric Chopins bis hin zu Preziosen der Moderne wie die MIDI-Querflöte, die Pierre Boulez für "...explosante fixe..." bauen ließ. Und das tollste ist, dass man die meisten dieser Instrumente auch hören kann, nicht live, aber in Tonaufnahmen auf dem hervorragend gestalteten Audioguide.
      Der Imagefilm des Museums ist für meinen Geschmack etwas süßlich geraten, vermittelt aber dennoch einen recht guten Eindruck. Voilà: "http://www.citedelamusique.fr/francais/musee/visiter/presentation.aspx"

      Grüße
      vom Don
    • Unbedingt sehenswert ist das Musikinstrumentenmuseum in Markneukirchen im sächsischen Vogtland.


      Dieser Empfehlung schließe ich mich sehr gerne an, wobei mich die Vierteltonklarinette besonders beeindruckt hat!

      Markneukirchen ist der vielen alten Villen (die den reichen Instrumentenverlegern gehörten) und der landschaftlich reizvollen Umgebung halber auch ansonsten besuchenswert.

      Seitdem träume ich ab und zu von einer handgefertigten Markneukirchener Konzertgitarre...


      Dann kauf dir doch eine! So etwas gibt es (z.b. bei Vioworld) durchaus auch gebraucht.

      Viele Grüße

      Bernd
    • ..Ein faszinierendes Instrument. Welche Musik wurde eigentlich auf ihr gespielt?...


      Möglicherweise die Musik von Alois Hába?

      Vor dem Hintergrund, dass die meisten Holzblasinstrumente schon in Bezug auf die Intonation im Halbtonsystem gravierende Schwächen aufweisen, finde ich die Konzeption einer Vierteltonklarinette hochgradig verwegen und daher unter handwerklichen Gesichtspunkten äußerst spannend. Wie überhaupt lässt sich so etwas aus der Perspektive des Instrumentenbauers konzipieren? ?(

      Viele Grüße

      Bernd
    • Wenn ich mich recht erinnere, hat Kagel später für Strohgeigen komponiert:


      Die Vierteltoninstrumente wurden natürlich im Kontext der Bemühungen der Vierteltonkomponisten gebaut. Neben Hába gäbe es da noch Wyschnegradsky, Carrillo, eher punktuell Ives und andere. Das war ab ca. 1920 nicht nur in Tschechien als eine Möglichkeit der Neuen Musik angesehen und wahrscheinlich mehr diskutiert als realisiert ...

      Heute macht man das üblicherweise mit gegeneinander verstimmten Klavieren, aber ich glaube, dass auch Ives eigentlich ein Vierteltoninstrument vorgesehen hatte.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)