Wem sagt das Wiener Neujahrskonzert noch etwas?

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    • Ich bin zwar kein Österreicher oder gar Wiener, aber die Musik der Strauß -Ära muss einfach mit Pep, Schmach und den feinen Tempovariationen gespielt werden.

      Davon war bei Thielemann absolut nichts zu spüren. Doch leider geht es nicht mehr nur um die Musik, sondern um Glimmer, Glamour und das Event an sich.

      Immerhin gab es tolle Konzerte von Kleiber oder Harnoncourt. Oder dem exzentrischen Maazel, der auch mal selbst zur Geige griff.

      Sollen sie mal den Manfred Honeck holen oder Eschwe.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Liebe Capricciosi,

      ich hatte den Eindruck, die Programmauswahl war auf Thielemanns Händchen mit schwerblütiger deutscher Romantik (bzw. auf die Marke Thielemann, wenn ihr so wollt) zugeschnitten, und dementsprechend war das Ergebnis eigentlich sehr interessant. Tatsächlich war es kein "klassisches" Wiener Neujahrskonzert mit Charme, Eleganz und Lebenslust, sondern eher eine seriöse Angelegenheit. Trotzdem war da viel Schönes in den Stücken, die sich für Thielemanns Lesart eigneten, Dinge wie Hellmesbergers "Elfenreigen" oder die melancholischen Walzer aus den "Transactionen" etwa, die hier fast mehr als langsamer Sinfoniensatz denn als Tanzmusik gegeben wurden. Das sind gewiss keine Strauss-Interpretationen, die sich für eine Referenz eignen oder die ich gerne jedes Jahr beim Neujahrskonzert hören möchte. Aber so einmal zwischendurch zur Abwechslung höre ich auch diese romantisierende, sinfonische Deutung mit Interesse und (!) Genuss.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Maurice schrieb:

      Für mich ein über weite Strecken langweiliges Konzert, es tut mir leid.

      teleton schrieb:

      Das Neujahrskonzert mit Thielemann hatte offenbar für viele so einen langweiligen Eindruck gemacht, dass kaum mehr für dieses Jahr 2019 eine Reaktion dazu bei Capriccio zu lesen ist.

      Kater Murr schrieb:

      Der Zug ist schon lange abgefahren. Das Konzert ist bis auf weiteres ein Star-Vehikel.

      Bitte entschuldigt, aber hier bin ich anderer Meinung!
      Das Wiener Neujahrskonzert bzw. die Fernsehübertragung davon gehört bei mir zu einem festen Ritual am Neujahrstag. Ich liebe die Musik der „Sträuße“und ihrer Zeitgenossen und genieße jedes Mal das zweistündige Konzert.
      Natürlich finde ich die Musikauswahl mal mehr und mal weniger gelungen. Auch merke ich, dass die Musik bei verschiedenen Dirigenten anders rüberkommt. Doch die Unterschiede sind für mich so marginal, dass es mir fern liegt, eine weniger überzeugende Darbietung als schlecht oder langweilig zu bezeichnen.
      Christian Thielemann fand ich insofern interessant und gut, weil er sonst vorrangig in einem etwas anderen Metier zu Hause ist.

      Mal eine andere Frage: Hat eigentlich jemand hier aus dem Forum das Wiener Neujahrskonzert schon mal live erlebt?
      Viele Grüße aus Sachsen
      Andrea
    • Du kannst ja Deine Meinung auch vertreten, das ist doch kein Problem.

      Es geht auch nicht um ein Ritual, sondern darum, die Musik der Strauß Dynastie wiederzugeben.

      Wie Du völlig richtig geschrieben hast, gelingt das mal mehr oder weniger gut. Und ich finde, dass Herr Thielemann dafür nicht wirklich ein richtiges Händchen hatte.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Andrea R. -
      Mal eine andere Frage: Hat eigentlich jemand hier aus dem Forum das Wiener Neujahrskonzert schon mal live erlebt?

      Ja ich und das war bei Boskovsky einmal und dann bei Abbado ist also schon länger her du es ging damals durch das Goldene Haus eine grandiose Stimmung durch.

      Als Wiener finde ich es immer wieder schön und mögen sich Walzer und Polkas wiederholen, das macht nichts. Es ist die herrliche Stimmung im Goldenen Saal die sich überträgt.

      Alles Gute Allen für 2019 wünscht Euch Euer Streiferl / Peter aus Wien. :cincinsekt: :wink:
    • Ich wollte gar nichts gegen das aktuelle Konzert sagen. Aber nach 40 Jahren internationaler Stardirigenten im Konzert (Maazel ab 1980) und über 30 Jahren (1987 Karajan, 1988 Abbado, 1989 Kleiber...) jährlich abwechselnde Stardirigenten ist nicht davon auszugehen, dass demnächst (oder bis auf weiteres) statt eines Stargastes ein lokaler Strauß- oder Operettenspezialist (mit "Walzer-Gen") eingeladen wird.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Ich habe das Konzert erst gestern in der Wiederholung auf 3Sat gesehen und war nach dem vorherigen Lesen dieses Threads völlig überrascht - und zwar positiv. Ich fand Thielemann zwar sehr konzentriert - zum Glück! - aber das Ergebnis fand ich sehr gelöst. Von "feinen Tempovariationen" war "absolut nichts zu spüren"? Das muss ein anderes Konzert gewesen sein.
    • Sandra schrieb:

      Von "feinen Tempovariationen" war "absolut nichts zu spüren"? Das muss ein anderes Konzert gewesen sein.
      Ganz genau! Ich habe die Agogik als sehr wienerisch, als sehr Strauss-typisch empfunden. Und wer - könnte aber sein, dass dies nicht hier geschehen ist - Thielemann klischiert als "preußisch-zackig" charakterisiert, muss in noch einem anderen Konzert gewesen sein.

      Damit will ich nicht gesagt haben, dass es in der Vergangenheit nicht überzeugendere oder auf andere Weise überzeugende Neujahrskonzerte gegeben hat. Thielemann - den ich eigentlich gar nicht so sehr schätze - muss sich bestimmt nicht verstecken. Ich finde auch die Programmauswahl gut, höre gern kaum bekannte Petitessen gemischt mit Geläufigerem oder Geläufigem.

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Es ist Teil des Konzepts, dass zu jedem Konzert auch Raritäten auf dem Plan stehen. Du wirst sie in jedem Konzert finden.

      Das ist slso nicht alleine Thielemanns Verdienst.

      Doch es nutzt wenig, da er für dieseArt von Musik nicht das nötige Feeling hat. Man kann Johann Strauß nicht wie Richard Wagner oder Anton Bruckner dirigieren.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Es ist Teil des Konzepts, dass zu jedem Konzert auch Raritäten auf dem Plan stehen. Du wirst sie in jedem Konzert finden.

      Das ist slso nicht alleine Thielemanns Verdienst.

      Doch es nutzt wenig, da er für dieseArt von Musik nicht das nötige Feeling hat. Man kann Johann Strauß nicht wie Richard Wagner oder Anton Bruckner dirigieren.
      Ersteres finde ich in - in der Tat und erfreulicherweise, mal mehr, mal weniger - in jedem der Neujahrskonzerte, die ich bislang gehört habe - sind schon etliche. Einige habe ich auch gekauft. Kein Widerspruch also, sollte ein solcher scheinba angeklungen sein, und sicher auch nicht Thielemanns Verdienst allein. Davon war ja weiter oben schon die Rede.

      Bezüglich des Vergleichs mit Wagner und Bruckner wäre ich, offen gestanden, nicht auf den Gedanken gekommen, dass das Neujahrskonzert so geklungen hätte. Auch nicht mit dem Wissen, dass hier Thielemanns Stärke liegt. Man wird es auch nicht leicht be- oder widerlegen könne, fürchte ich. Aber abgesehen davon, dass ich kein großer Thielemann-Fan bin und dafür Beispiele ins Feld führen könnte, müssen wir, lieber Kollege Maurice, hier nicht auf Teufel komm raus die gleiche Meinung haben. :P :)

      Ob er das richtige "Feeling" für Strauß hat? Das zu entscheiden, scheint mir bezüglich meiner Person als ein wenig vermessen ... Feeling (oder auch Groove) - was genau ist das ... ?

      Aus der Erinnerung würde ich die Konzerte mit Pretre vorziehen, auch einige andere vielleicht. Ganz zu schweigen überdies von Carlos Kleiber; dessen beide Konzerte - bzw. zwei seiner Konzerte (?) - hatte ich noch nicht live am Bildschirm zur Kenntnis genommen, mir aber vor ein paar Jahren auf CD gekauft.

      Würdest Du sagen, dass Thielemann "zackig" dirigiert hat? Das als Deine Meinung glaube ich eigentlich nicht herauszulesen, und Wagner und Bruckner sollte man wohl ebenso wenig "zackig" dirigieren. Ich bin mir aber sicher, dass diese Ansicht geäußert wurde - wo auch immer im Netz. Da scheint mir denn doch das Vorurteil die Oberhand behalten zu haben.
      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Ein bisserl "preußisch" klang es zum Beispiel für den Musikkritiker des "Kurier". Dessen Vorlieben und Hörempfindungen unterscheiden sich aber meist deutlich von den meinen.Vermutlich haben wir auch unterschiedliche Begriffe von Preußentum. :herrje1:
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      Homo sum, ergo inscius.
    • An Dich, werter Waldi, habe ich nicht gedacht - habe soeben noch einmal nachgelesen und kann Dir guten Gewissens beipflichten. Es wird wohl in einem anderen Forum gewesen sein, vielleicht in einem aus der Gegend, aus welcher Thielemann überhaupt nicht kommt. ...
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Bei T. fand's bis jetzt nur ein einziger Kommentator preußisch bzw. zackig und erntete dafür mehrfachen Widerspruch. Der ebenfalls dort geäußerten Charakterisierung als "romantisierend" kann ich hingegen irgendwie beipflichten.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • "Romantisierend" als Attribut würde mich gar nicht stören, es sei denn, man assoziiert damit primär "breit" oder gar "bedeutungsschwanger". Wenn Thielemann in einer seiner Produktionen Pfitzners Klavierkonzert interpretiert, dann ist mir das zu breit und vielleicht auch zu bedeutungsschwanger. "Romantisch" im besten Sinne - möglicherweise etwas anderes als "romantisierend", in Ordnung! - beginnen viele der großen Walzerfolgen, etwa die Sphärenklänge von Josef Strauss. Da käme mir sogar Wagner als Analogie in den Sinn. Auch, um beim Bruder zu bleiben, die Libelle ist ein wunderbar romantisches Stück.

      Könnte sein, dass wir hier über Worte debattieren statt über Musik.

      :) Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Jein.

      Aber ich wage auch die These, daß sich die Eindrücke von Maurice und mir, wenn ich unsere ersten Äußerungen vergleiche, im Grund gar nicht so sehr unterschieden haben, nur in der Bewertung liegen wir ziemlich auseinander. Das ist überhaupt kein Unglück, sondern belegt nur, wie vielfältig Musik eben wirkt - jeder spricht natürlich subjektiv auf gewisse Faktoren stärker oder schwächer an. Eben das macht die Diskussion ja interessant, weil sie uns die Möglichkeit gibt, den jeweils anderen Standpunkt besser zu verstehen..
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      Homo sum, ergo inscius.
    • andréjo schrieb:

      Sandra schrieb:

      Von "feinen Tempovariationen" war "absolut nichts zu spüren"? Das muss ein anderes Konzert gewesen sein.
      Ganz genau! Ich habe die Agogik als sehr wienerisch, als sehr Strauss-typisch empfunden. Und wer - könnte aber sein, dass dies nicht hier geschehen ist - Thielemann klischiert als "preußisch-zackig" charakterisiert, muss in noch einem anderen Konzert gewesen sein.
      Dem kann ich mich nun allerdings nicht anschließen. Ich habe gerade noch mal die "Transactionen" mit Thielemann und Muti 1993 vergleichsgehört (war kein besonderes Opfer, da es sich um einen meiner Lieblingswalzer handelt), um meinen Eindruck vom heurigen Neujahrskonzert noch besser zu fassen. Und da ist bemerkenswert: Thielemann ist geringfügig schneller (ca. 10'10'' gegenüber Mutis 10'37''), fühlt sich aber viel langsamer an. Und schuld an diesem Eindruck scheint mir zu sein, dass er tatsächlich viel gerader durchtaktiert; besonders auffällig ist, dass er zu den dynamischen Steigerungen in der Mitte der einzelnen Walzerperioden das Tempo nicht oder kaum anzieht. Dadurch geht sehr viel tänzerischer Schwung verloren, und das Ergebnis wirkt auf mich eher sinfonisch breit (und gelegentlich vielleicht auch etwas steif). Im Gegensatz zu diesen verbremsten Beschleunigungen sind die Verzögerungen meistens korrekt da, aber auch oft etwas buchstabiert, zu wenig ausgekostet. Dieser Zugang betont bei den "Transactionen" die Melancholie und scheint mir hier und bei den meisten anderen Werken des - wie gesagt, für diese Interpretationshaltung gut ausgewählten - Programms durchaus interessant und hörenswert. Für eine rauschende Ballnacht ist Thielemann aber nicht so das Wahre.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Genau. Thielemann fehlt die Leichtigkeit, die diese Musik immer wieder hat. Im richtigen Moment das Tempo herauszunehmen oder zu beschleunigen.

      Es passiert zu wenig in den Stücken. Man darf nicht vergessen, dass es Unterhaltungsmusik ist, keine große Sinfonie.

      Und das ist nun mal nicht sein Gebiet. Vielleicht hätte er mal eine Ouvertüre mit reinnehmen sollen.

      So fand ich die Idee mit dem bekannten Schönfeld-Marsch am Anfang eine gute Idee. Leider kam dann nur noch Langeweile auf.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Areios schrieb:

      Und schuld an diesem Eindruck scheint mir zu sein, dass er tatsächlich viel gerader durchtaktiert; besonders auffällig ist, dass er zu den dynamischen Steigerungen in der Mitte der einzelnen Walzerperioden das Tempo nicht oder kaum anzieht. Dadurch geht sehr viel tänzerischer Schwung verloren, und das Ergebnis wirkt auf mich eher sinfonisch breit (und gelegentlich vielleicht auch etwas steif). Im Gegensatz zu diesen verbremsten Beschleunigungen sind die Verzögerungen meistens korrekt da, aber auch oft etwas buchstabiert, zu wenig ausgekostet.
      Das ist ja ein erfreulich konkreter Einwand, wobei ich mich freilich frage, ob das mit der Beschleunigung sein muss resp. zu Straussens Zeiten so gemacht wurde.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Dann würde ich einfach mal bei Robert Stolz und seinen Strauß reinhören. Er bekam nicht ohne Grund den Taktstock von Johann Strauß geschenkt.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • putto schrieb:

      Das ist ja ein erfreulich konkreter Einwand, wobei ich mich freilich frage, ob das mit der Beschleunigung sein muss resp. zu Straussens Zeiten so gemacht wurde.
      Keine Ahnung. Aber zur heutigen Erwartungshaltung an eine Strauss-Interpretation gehört es dazu (weniger die Beschleunigung an und für sich, sondern der tänzerische Schwung, der damit erzeugt wird). Und in Thielemanns Interpretationen war das tänzerische Element schon sehr sublimiert.

      Gerade bei den "Transactionen" - Muti 1993 bringt die Walzerkette so plastisch, dass man wirklich meint, Tanzpaare in elegantem Ambiente kreisen zu hören, Thielemann konzentriert sich eher auf sorgfältig gestaltete Melancholie, die so auch in einer Sinfonie stattfinden könnte.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.