Wem sagt das Wiener Neujahrskonzert noch etwas?

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    • Sadko schrieb:

      Das kann ich natürlich nicht wissen, aber z.B. sowas halt ich für ziemlich peinliches Theater und für aufgesetzte Fröhlichkeit (Jansons, Neujahrskonzert 2016).
      Habs grad angesehen und gehört: Was soll daran peinlich sein? Ich finds witzig.

      :clap: :clap: :clap:

      :D
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Sadko schrieb:

      Ich finde nur den aufgesetzt wirkenden Humor deplatziert, egal ob das das Mitklatschen beim Radetzkymarsch ist oder die abgenützten Pointen in einer Operette oder sowas.

      Sadko schrieb:

      Das kann ich natürlich nicht wissen, aber z.B. sowas halt ich für ziemlich peinliches Theater und für aufgesetzte Fröhlichkeit (Jansons, Neujahrskonzert 2016).
      Ich gebe Dir dazu einen sehr freundlichen Hinweis. was in der Regel in dieser Hinsicht recht unbeholfene Menschen als "peinliches Theater" und was eine Mischung aus Tradition, etwas Show und Einbeziehung vom Publikum angeht.

      In DIESEM Fall - und auch in jedem anderen Neujahrskonzert aus Wien übrigens - wirst Du dieses TRADITIONELLE Mitklatschen beim Radetzky-Marsch erleben. Ich als Musiker sehe es völlig anders als Du. Hier wirst Du vielleicht eher was über einen Dirigenten lernen (ja, Du lernst was. Ist das nicht toll?), als Du vielleicht in 100 anderen Aufführungen nicht mal bemerken würdest nämlich, wie er es schafft, MIT dem Publikum als Rhythmuserzeuger zu SPIELEN.

      So, bevor jetzt Deine inneren Organe alle kurz vor dem Totalversagen sind, kannst Du mal überlegen, was hier nun Show, das Einbinden des Publkums oder "Theatergehabe" sein soll. Um es vorneweg zu nehmen; Nichts !!

      Denn :


      Waldi schrieb:

      Als noch Boskovsky das Neujahrskonzert dirigierte, waren - dosierte - Spaßeinlagen ein Fixpunkt. Spezialist dafür war der damalige Schlagzeuger. Ich glaube, selbst seine Kollegen waren manchmal darauf gespannt, was ihm Neues eingefallen war.
      Alles ist auf die Tradition bezogen. Lorin Maazel hat mal Geige gespielt, der sonst so ernste Carlos Kleiber hat mal eine Art Posthorn gespielt, oder sowas in der Richtung, Sir Simon Rattle hatte mal in Berlin beim Freiluftkonzert beim Titel der "Berliner Luft" die Kleine Trommel gespielt und den Konzertmeister dirigieren lassen, beim Neujahrskonzert in Wien hat man nach Boskowsky, der ja noch ganz nach der alten Tradition mit der Violine vorm Orchester gestanden hat, sich immer mal wieder etwas einfallen lassen.

      Es ist quasi das "Last Night of the Proms" Konzert" aus Wien, da darf es gerne etwas humorvoller sein.

      Ach, und ich will Dich hier jetzt weder veräppeln, noch irgendwie unglücklich aussehen lassen, aber es ist bei solchen Konzerten durchaus üblich, dieses Flair, was schon Strauß selbst, aber auch etwa Robert Stolz eingeführt haben, in die Moderne zu übertragen.

      Ich weiß, diese "Mitklatsch-Orgien" haben einen gewissen Schein, man befinde sich in einem Konzert von Karl Moik und einer Volksmusik-Veranstaltung der übelsten Sorte, aber es ist der Humor der Klassiker, sowas eben einmal im Jahr zu machen. In London haben sie Proms, in Deutschland die Berliner Waldbühne (daher war mein Beispiel mit Sir Simon Rattle) und in Österreich ist es das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

      Wenn man es nun schafft, so ein Konzert mit allen Begleitumständen als genau DAS hinzunehmen, kann man viel Spaß damit haben. Wenn nicht, sollte man es sich nicht anschauen. Dann empfehle ich den Humor in der Dunkelkammer des privaten Fotolabors zu lassen, dort ist es schwarz und humorlos dunkel. :kuss1:
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      ich will Dich hier jetzt weder veräppeln, noch irgendwie unglücklich aussehen lassen, aber es ist bei solchen Konzerten durchaus üblich, dieses Flair, was schon Strauß selbst, aber auch etwa Robert Stolz eingeführt haben, in die Moderne zu übertragen.
      Es kommt auch überhaupt nicht als Veräppeln oder sonst wie negativ an, keine Sorge. Ich stelle fest, dass ich eine Aktivität im Unterschied zu vielen anderen nicht humorvoll finde (dafür lache ich sicher über Sachen, die andere komplett unlustig finden), und dagegen ist ja auch nichts zu sagen. Ausgangspunkt war ja, dass ich mich gefreut habe, dass das heurige Neujahrskonzert in einer etwas ernsteren Atmosphäre gespielt wurde. Wenn es 2022 so abläuft wie üblich, werde ich das auch verkraften.
    • Einerseits kann ich Sadko durchaus verstehen, wenn er Probleme mit so einer Art von 'gemanagter' Fröhlichkeit hat. Das ist auch nicht so mein Ding, wenn ich es von außen anschaue.

      Andererseits erinnere ich mich an ein Konzert mit Lucia Aliberti und Alfredo Kraus. Da gab es dann irgendwann das 'berüchtigte' Brindisi aus der Traviata und das ganze Publikum klatschte mit, schunkelte schon fast. Natürlich war das von den Beteiligten auf der Bühne so beabsichtigt, aber das war so etwas von egal. Wir saßen da im Publikum und machten nur noch mit, weil es in diesem Moment nicht um 'hehre', ehrfurchtgebietende Kunst ging, sondern schlichtweg um Freude und Spaß. Man war dabei, fühlte sich auf's Beste unterhalten und bekam eben auch noch Unterhaltung auf höchstem Niveau serviert.

      Ich schaue es nie, aber ähnlich denke ich mir auch das Neujahrskonzert. Natürlich gibt es dabei auch einen Kunstanspruch, aber zunächst einmal ist es als gute Unterhaltung für ein Publikum gedacht, das womöglich noch einen schweren Kopf hat. Und natürlich lässt man sich als Publikum einfach auch gerne mal verführen und klatscht dann mit. Klassik ist eben auch Spaß und Unterhaltung und hier wird es zelebriert, genauso wie bei Aliberti/Kraus.

      Mönsch, ernst können wir noch oft genug im nächsten Jahr sein. ;)

      :wink: Wolfram
    • Ich finde ja, dass z.B. hier (Florentiner Marsch, Berlin/Waldbühne 2006) eine fröhliche Stimmung sichtbar ist (im Publikum, aber auch bei den Musikern). Beim Wiener Neujahrskonzert konnte ich das persönlich nicht entdecken, aber es ist ja kein Problem, wenn Menschen was anderes lustig finden. Und ich möchte niemandem die Freude an etwas verderben, nur falls das so rüberkommt (gemeint ist es nicht so!).
    • Sadko schrieb:

      Ich finde ja, dass z.B. hier (Florentiner Marsch, Berlin/Waldbühne 2006) eine fröhliche Stimmung sichtbar wird (im Publikum, aber auch bei den Musikern).
      Weißt Du auch warum das so ist in Berlin? Kennst Du die Umgebung, den Ort des Konzertes? Ich übrigens schon. Ich habe dort sogar schon selbst gespielt - 2015 war das gewesen.


      Sadko schrieb:

      Beim Wiener Neujahrskonzert konnte ich das persönlich nicht entdecken, aber es ist ja kein Problem, wenn Menschen was anderes lustig finden.
      Dann vergleiche mal beide Locations, die Aufmachung, die Kleidung der Leute, etc.

      Ich sags mal so: Der Johann Strauß, jr. war damals sowas wie Glenn Miller 1939-1945 in den USA bei den jungen Leuten und den Soldaten: Beste Unterhaltungsmusik auf höchstem Niveau. Man bekam eine perfekte Show gebaioten. Strauß spielte bis in St.Petersburg und Moskau beim Zaren, dort hat Gustav Mahler nicht mal eine Tournee in die Provinz machen dürfen. Und Strauß war im Grunde nichts Anderes als der "Mahler fürs eher einfache Volk" (mal sehr vereinfacht geschrieben jetzt).

      Du bist doch Wiener, oder nicht? Man kann doch bei Strauß (etwa bei den "G'schichten aus dem Wienerwald") direkt eine kleine Kapelle beim Heurigen raushören, etwa so, wie man, wenn auch ein wenig verfremdet, man Mahlers Hang zum Trauermarsch erkennen kann. Beide haben sich direkt beim Volk bedient, aber völlig anders interpretiert. Der Erstere mehr die heiteren Seiten des Lebens, der Letztere durch sein eigenes Leben geprägt, mehr die schmerzliche Seite des Lebens.

      Beim Johann kannst selbst beim Klatschen und Schunkeln die Musik nicht kaputt machen, aber niemand käme auf die Idee, bei einer Beerdigung den ersten Satz der 5.Sinfonie zu spielen. Beides ist Kunst auf höchstem Niveau, aber eben für völlig andere Anlässe geschrieben. Das betrifft die ganze Komponistenreihe, die sich im Strauß-Erfolg mit beteiligt haben. Einige übrigens mit ebenso großem Talent wie Strauß,jr. Das fing bei Joseph Lanner und Strauß,sr. an und hörte mit Robert Stolz und Franz Lehár auf.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Wolfram schrieb:

      Einerseits kann ich Sadko durchaus verstehen, wenn er Probleme mit so einer Art von 'gemanagter' Fröhlichkeit hat. Das ist auch nicht so mein Ding, wenn ich es von außen anschaue.
      Ich kann ihn da auch verstehen, aber ich weiß auch, wofür diese Musik mal geschrieben wurde. Zur Unterhaltung und zum Tanze. So, wie man später auf Swingmusik getanzt hat. Man kann das nicht mit Schubert, Mahler oder Bruckner vergleichen.

      Es wurde ja bereits geschrieben, wie man in Italien da vorgeht. Verdis Musik wurde (und wird teilweise immer noch) im Volk gesungen, es wurde quasi von der Kunstmusik zur Volksmusik. Das ist eigentlich das Höchste, was der Musik "passieren" konnte. Wenn man heute Verdi spielt, kann man die Leute immer noch mitsummen oder singen hören, vor allem dann, wenn ein italienisches Orchester in der Provinz ein Kurkonzert gibt. Das geht auch in Deutschland. Da wird auch getanzt, das ist völlig natürlich, das ist nicht gestellt und irgendwie künstlich. Ich habs ja selbst erlebt, daher kann ich das auch genau so schreiben.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Strauß spielte bis in St.Petersburg und Moskau beim Zaren, dort hat Gustav Mahler nicht mal eine Tournee in die Provinz machen dürfen.

      Dafür hat Gustav Mahler einen gewissen Schostakowitsch massiv beeinflusst, der letztlich als Sinfoniker zu Weltruhm gelangt ist. Das ist ja vielleicht auch keine schlechte Leistung.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Maurice schrieb:

      Weißt Du auch warum das so ist in Berlin? Kennst Du die Umgebung, den Ort des Konzertes?
      Nein, weiß ich nicht, und ich war noch nie auf der Waldbühne.

      Maurice schrieb:

      Dann vergleiche mal beide Locations, die Aufmachung, die Kleidung der Leute, etc.
      Stimmt, das ist natürlich ein Punkt.

      Maurice schrieb:

      Du bist doch Wiener, oder nicht?
      Ja, bin ich. Ich stimme dem zu, was Du geschrieben hast, und finde die von Dir dargestellten Hintergründe wissenswert, aber das ändert ja nichts daran, dass mir persönlich die Mitklatsch-Stimmung und Heiterkeit beim Wiener Neujahrskonzert etwas merkwürdig vorkommen. Aber wenn jemandem das sehr liegt und er sich beim Neujahrskonzert wohlfühlt, habe ich auch überhaupt nichts dagegen. Im Gegenteil, es wäre ja schade, wenn der Aufwand nicht umsont wäre. Insofern sind wir vermutlich wieder einer Meinung!

      Vielleicht liegt es auch daran, dass ich persönlich den Wiener Musikverein(ssaal) nicht mag (unbequem, teils wirklich schlechte Akustik, verstaubt, unfreundlich, teuer), vermutlich fände ich dasselbe in einem anderen Saal/Rahmen gleich viel besser.
    • Sadko schrieb:

      Ja, bin ich. Ich stimme dem zu, was Du geschrieben hast, und finde die von Dir dargestellten Hintergründe wissenswert, aber das ändert ja nichts daran, dass mir persönlich die Mitklatsch-Stimmung und Heiterkeit beim Wiener Neujahrskonzert etwas merkwürdig vorkommen.
      Na,immerhin sind wir da nicht weit auseinander. Ich bin auch kein Freund dieser "Aufforderungen", doch auch wir Jazzer wenden das hin und wieder an, es hat einfach was mit der Atmosphäre, Freude an der Musik und der Stimmung an sich zu tun.


      Sadko schrieb:

      Vielleicht liegt es auch daran, dass ich persönlich den Wiener Musikverein(ssaal) nicht mag (unbequem, teils wirklich schlechte Akustik, verstaubt, unfreundlich, teuer), vermutlich fände ich dasselbe in einem anderen Saal/Rahmen gleich viel besser.
      Ja, sicher ein durchaus relevanter Grund. Es sitzen vor allem Menschen der höheren Gesellschaft zusammen, eine eher steife Angelegenheit. Ganz anders würde sich so ein Konzert auf einer Bühne im Freien machen, eben wie in Berlin die Waldbühne. Übrigens ein sehr imposanter Anblick, wenn man die Bühne nur noch ganz klein aus der Ferne sehen kann.

      Und es ist eben ein Unterschied, ob man im Smoking an Neujahr im Saal des MV Wien sitzt, oder leger im Gras am Hang der Waldbühne, dazu noch mit Picknickkorb und einer Flasche einfachen Wein dazu.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Symbol schrieb:

      Dafür hat Gustav Mahler einen gewissen Schostakowitsch massiv beeinflusst, der letztlich als Sinfoniker zu Weltruhm gelangt ist. Das ist ja vielleicht auch keine schlechte Leistung.
      Du, ich mag Mahler sehr gerne. Es war nur ein Beispiel gewesen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ja, das kann ich alles bestens verstehen! Ich bin zwar „richtiger“ Wiener (bzw. Österreicher), aber vielleicht ist auch eine Art Generationenwechsel dafür mitverantwortlich, dass ich mit der Johann Straußschen Walzerseligkeit wenig anfange (vielleicht beeinflusst durch die unsägliche Opera Toilet, die zwischen Staatsoper und U-Bahn bis 2018 permanent den Donauwalzer in voller Lautstärke spielte, was nach einem Opernbesuch überhaupt nicht passte). Okay, Tanzen (inkl. Walzer) finde ich super, aber sitzend im Musikverein eingeklemmt zwischen lauter Leuten, von denen die meisten mindetens 40 Jahre älter als ich sind, würde ich mich da nicht wohlfühlen. Liegt aber an mir, und langsam wird es off-topic :D
    • Sadko schrieb:

      Ich bin zwar „richtiger“ Wiener (bzw. Österreicher), aber vielleicht ist auch eine Art Generationenwechsel dafür mitverantwortlich, dass ich mit der Johann Straußschen Walzerseligkeit wenig anfange.
      Das ist durchaus möglich.


      Sadko schrieb:

      Okay, Tanzen (inkl. Walzer) finde ich super, aber sitzend im Musikverein eingeklemmt zwischen lauter Leuten, von denen die meisten mindetens 40 Jahre älter als ich sind, würde ich mich da nicht wohlfühlen.
      Oh, das ist ein nicht zu unterschätzendes Argument.


      Sadko schrieb:

      Liegt aber an mir, und langsam wird es off-topic
      :megalol: :trost: :cincinsekt: Alles gut. Dann lassen wir es im Champagner-Galopp mal gut sein und trinken einen auf die Wiener Philharmoniker. Da machen wir bestimmt nichts falsch.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Verdis Musik wurde (und wird teilweise immer noch) im Volk gesungen, es wurde quasi von der Kunstmusik zur Volksmusik. Das ist eigentlich das Höchste, was der Musik "passieren" konnte.
      Das kenne ich auch. Bei einem dreitägigen Fest zu Ehren der Stadtheiligen wurde inmitten des Jahrmarktes von der 'Banda' Musik aus 'Macht des Schicksals' und 'Aida' gespielt. (Entsprechendes würde ich mir mal von einem Spielmannszug in Deutschland wünschen, aber das nur nebenbei. ^^ )

      Klassische Musik kann immer, darf immer, selbst wenn sie nicht als solche konzipiert wurde, zur reinen Unterhaltung werden. Die Frage ist nur, bei welcher Gelegenheit und mit welcher Absicht sie so dargebracht wird. Wenn sie auf einem Volksfest erklingt, freue ich mich einfach. Wenn sie in einem Konzert wie 'Last Night', 'Waldbühne', Silvester-' oder eben 'Neujahrskonzert' erklingt, weiß ich, was mich erwartet. Wenn ich das nicht will, gehe ich nicht hin. Wenn sie allerdings für verkaufsfördernde Maßnahmen z.B. innerhalb von Werbung erklingt, d.h., wenn der Kommerz wichtiger wird, habe ich schon meine Schwierigkeiten damit.

      Natürlich ist das Neujahrskonzert auch eine große kommerzielle Veranstaltung. Aber hier kann ich mich vorher entscheiden! (Bei der Pizza-Werbung werde ich überrumpelt.)

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Natürlich ist das Neujahrskonzert auch eine große kommerzielle Veranstaltung.
      Und ich glaube, das bringt das Problem mit sich: Die Fröhlichkeit und Lebensfreude wirkt nicht echt wie auf dem Volksfest oder beim Studentenball anno 1852, sondern aufgesetzt, einstudiert, gespielt. Niemand wird ein Problem damit haben, wenn Menschen Spaß an Strauß´ Musik haben. Aber manche haben vielleicht ein Problem damit, wenn sie denen, die sie da sehen, den Spaß an Strauß´ Musik nicht glauben.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Wolfram schrieb:

      as kenne ich auch. Bei einem dreitägigen Fest zu Ehren der Stadtheiligen wurde inmitten des Jahrmarktes von der 'Banda' Musik aus 'Macht des Schicksals' und 'Aida' gespielt. (Entsprechendes würde ich mir mal von einem Spielmannszug in Deutschland wünschen, aber das nur nebenbei.
      Kleiner Hinweis meinerseits: Ein deutscher Spielmannszug wird das NIE spielen können, weil ein "deutscher Spielmannszug" ausschließlich aus Pfeifen (=Piccoloflöte in Des, glaube ich, sind die Dinger gestimmt) und Kleiner Trommel, Pauke und Marschbecken besteht. Da wird es schwer mit der Musik Verdis. Da klappt nicht mal die Musik von "Modern Talking". :D

      Solltest Du die deutschen Blasorchester meinen, so dürfen die allerhöchstens mal Weinlieder vom Rhein, James Last oder "Auf der Vogelwiese" spielen, aber alles andere wäre wohl fast schon wieder ein Grund, diesen Verein in die rechte Ecke zu stellen. So ist Deutschland. Das würde man in Frankreich, Polen, Ungarn, Tschechien, Spanien, Portugal oder eben Italien niemals einer Person in den Sinn kommen. Sorry, aber es ist leider so. Ich kannte eine Blaskapelle, die aus Trotz wegen solcher merkwürdigen Ansichten den "Badenweiler Marsch" gespielt haben, der ja eigentlich "Badonviller Marsch" heißt und 1914, also lange, bevor er von Hitler missbraucht, komponiert wurde). Das war jetzt eigentlich am Hauptthema vorbei, und sollte auch nur als Beispiel gelten.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Solltest Du die deutschen Blasorchester meinen, so dürfen die allerhöchstens mal Weinlieder vom Rhein, James Last oder "Auf der Vogelwiese" spielen, aber alles andere wäre wohl fast schon wieder ein Grund, diesen Verein in die rechte Ecke zu stellen. So ist Deutschland. Das würde man in Frankreich, Polen, Ungarn, Tschechien, Spanien, Portugal oder eben Italien niemals einer Person in den Sinn kommen. Sorry, aber es ist leider so. Ich kannte eine Blaskapelle, die aus Trotz wegen solcher merkwürdigen Ansichten den "Badenweiler Marsch" gespielt haben, der ja eigentlich "Badonviller Marsch" heißt und 1914, also lange, bevor er von Hitler missbraucht, komponiert wurde). Das war jetzt eigentlich am Hauptthema vorbei, und sollte auch nur als Beispiel gelten.
      Es ist tatsächlich am Hauptthema vorbei, aber ich finde das diskutierenswert und ziemlich interessant!

      Wie es in Deutschland ist, weiß ich nicht, aber ich in Österreich hatte und habe ich noch immer was mit Blasmusik zu tun und kenne viele Leute, die in Laien-Blasmusikkapellen spielen, wie es sie in Österreich am Land zuhauf gibt. Das sind alles sympathische, anständige, aufgeschlossene Leute, die auf keinen Fall ins „rechte Eck“ (was auch immer das sein soll; es ist per se nicht verwerflich, rechts zu sein, genausowenig, wie es per se verwerflich ist, links zu sein) gehören. Ich war auch mal bei einem mehrtägigen Blasmusikfest in Südoststeiermark dabei, das ist eine ganz normale Veranstaltung, bei der Leute ALLER Generationen zusammenkommen, was trinken, tanzen und sich gut unterhalten. Das gehört einfach dazu und ist Teil der (Dorf-)Gemeinschaft.

      Alle mir bekannten Blaskapellen spielen schon lang nicht mehr nur das klassische Blasmusikrepertoire. Dass manche Werke z.B. des dem Nationalsozialismus nahestehenden Komponisten Sepp Tanzer oft gespielt werden (bzw. wurde 2008 eine Musikschule in Tirol nach ihm benannt und mittlerweile wieder umbenannt), regt niemanden auf, und die betreffenden Kapellen werden auch nicht ins „rechte Eck“ gestellt (auch nicht von mir; ich bin auf keinen Fall dafür, diese Musik zu verbannen, ein bisschen Bewusstseinsbildung und kritisches Geschichtsbewusstsein würde ja schon reichen, wobei natürlich die Frage ist, wie man die erreicht).
    • Wolfram schrieb:

      Ich dachte jetzt auch nicht unbedingt an Verdi (und auch nicht an Blasorchester), aber irgendeinen deutschen Opernkomponisten würde ein Spielmannszug bestimmt auch noch hinbekommen, wie schräg das dann auch klingen würde.
      Nein, das würde nicht wirklich klappen. Gaubs mir einfach mal, ich habe mir genug davon in meinem Leben anhören müssen/dürfen/können. Selbst Schalmeien-Orchester, die man vor allem in der ehemaligen DDR kannte an Stelle der handelsüblichen Spielmannszüge (die es dort aber natürlich auch gab). Und das war so ziemlich das Schrägste, was ich mal anhören musste (nebst diverser Mittelaltermusik mit Drehleier etwa).


      Sadko schrieb:

      Es ist tatsächlich am Hauptthema vorbei, aber ich finde das diskutierenswert und ziemlich interessant!
      Na, ja.


      Sadko schrieb:

      Wie es in Deutschland ist, weiß ich nicht, aber ich in Österreich hatte und habe ich noch immer was mit Blasmusik zu tun und kenne viele Leute, die in Laien-Blasmusikkapellen spielen, wie es sie in Österreich am Land zuhauf gibt. Das sind alles sympathische, anständige, aufgeschlossene Leute, die auf keinen Fall ins „rechte Eck“ (was auch immer das sein soll; es ist per se nicht verwerflich, rechts zu sein, genausowenig, wie es per se verwerflich ist, links zu sein) gehören.
      Ich habe das auch nicht getan. Ja, ich weiß, in Österreich und Bayern, Südtirol und Italien sind diese Blasorchester noch weit verbreitet. Übrigens mit einer teilweise anderen Besetzung diverser Instrumente als bei uns in Deutschland. So hat etwa die Ventil-Posaune dort einen viel höheren Stellenwert als bei uns in Deutschland (selbst in Bayern findet man sie noch, aber schon weniger als noch vor 30-40 Jahren). Verdi hatte seine Werke teilweise noch für Ventil-Posaune geschrieben, wenn ich das bei Harnoncourt richtig mal gelesen habe.

      Ich habe als Jugendlicher noch mit meinen Eltern im Urlaub (ja, damals war sowas noch normal gewesen) öfter in Österreich solche Musik anhören dürfen/können/müssen, da mein Vater davon ein großer Fan war. Meine Mutter durfte mal als Gast als Gaudi die Profis der "Salzburger Postmusik" dirigieren. Was die Jungs nicht wussten war, dass sie genau den Marsch, den sie dirigieren musste, wirklich sehr gut kannte und sich nicht mal blamiert hatte dabei (es wäre allerdings auch völlig egal gewesen, was sie da vorne gefuchtelt hätte, die Musiker hätten eh gespielt wie sonst auch immer). Hier sind wie wieder bei der Mischung aus Gaudi, letztendlich hervorragender Musik (Das Orchester war wirklich allererste Sahne gewesen. Wir haben sie zwei Jahre später nochmals gehört zufällig) und eben einer gewissen Show. Und wieder in der Nähe des Neujahrskonzertes in Wien.


      Sadko schrieb:

      Alle mir bekannten Blaskapellen spielen schon lang nicht mehr nur das klassische Blasmusikrepertoire.
      Natürlich nicht. Das bringen ja nicht mal mehr die Kapellen der Bundeswehr dauernd bei ihren Auftritten. Damit kann man ja niemanden mehr hinterm Ofen vorlocken.


      Sadko schrieb:

      Dass manche Werke z.B. des dem Nationalsozialismus nahestehenden Komponisten Sepp Tanzer oft gespielt werden (bzw. wurde 2008 eine Musikschule in Tirol nach ihm benannt und mittlerweile wieder umbenannt), regt niemanden auf
      Warum auch? Der Tanzer war ein hervorragender Schreiber für Blaskapellen gewesen. Der wusste wenigstens was er schrieb. Wenn ich da heute die ganzen Einheitsschreiber höre geht einem die Galle hoch (Kolditz, Tuschla, Franz Watz sind die Schlimmsten, die mir gerade auf die Schnelle einfallen. Manfred Schneider war dann de etwas modernere Ausführung von. Der Kolditz hatte auch unter den Pseudonymen Vlad Kabec, Jean Tréves, Hans Hermann oder Kurt Sorbon sein Zeugs geschrieben. Doch besser wurde es deshalb auch nicht). Kolditz und Tuschla leben nicht mehr, was ich im musikalischen Fall nicht als Nachteil für die Blasorchester ansehe. Doch noch immer kann man deren musikalischen Verunstaltungen hören.

      Ich habe seit doch inzwischen einigen Jahren mit dieser Art von Musik und Literatur nichts mehr zu tun. Daher kenne ich den Stand 2020/21 überhaupt nicht mehr. Mit der Zeit kamen holländische (etwa der auch im Forum schon erwähnte Johan de Maj, aber auch eine Reihe Japaner dran, die eine andere Art des Arrangierens hatten. Bei den Holländern konnte mich keiner überzeugen, das klingt alles gleich. Auch wieder so schreckliche Leute, die Einheitsbrei schreiben.

      Das, aber teilweise auch erschreckend schlechte Musiker und Dirigenten haben mich davon abgebracht in solchen Kapellen zu spielen. Nicht mal mehr als Aushilfe. Kein Ton mehr in diesem Leben. Lieber lerne ich Harfe oder Klavier (was ich immerhin sieben Jahre gespielt hatte mal), aber keine Musik mehr mit Blaskapellen. Eher höre ich ganz auf zu spielen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)