Emmerich Kálmán - Die Csárdásfürstin - Aus der Semperoper in Dresden 28.12.2014

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    • Emmerich Kálmán - Die Csárdásfürstin - Aus der Semperoper in Dresden 28.12.2014

      Jetzt weiß ich zwar nicht ob ich da richtig bin, ich versuch's halt.

      Gestern war eine der wohl besten, konzertanten, Aufführungen der Csárdásfürstin die ich seit Jahren hörte und gesehen habe.

      Ich war am Anfang etwas zwiegespalten, als ich hörte wer hier sang - aber das war gar nicht der Fall sie sangen beide ein gutes Deutsch und dass die Prosa fehlte störte mich kaum.

      Anna Netrebko sang wundervoll und sah blendend aus, sie tanzte und hatte Temperament was man auch von ihrem Fürsten - Juan Diego Flórez auch behaupten kann und konnte. Seine Arie aus dem "Veilchen von Montmartre" auch passte ebenfalls hinein.

      Auc die Komtess Stasi - Christina Landshamer war, endlich mal, keine Soubrette und Graf Carciano - Pavol Breslik sympathisch und temperamentvoll. Der Chor der Semperoper war gut plaziert und nicht störend.

      Christian Thieleman zeigte wie man Operette bringen kann und muss - und wenn man bedenkt was ansonsten zu Silvester alljährlich für ein Schund gespielt wird, wie "Musikantenstadl" oder "Helene Fischer" war das ja eine vorzeitige Silvesterglanzleistung und ein Geschenk.

      Danke dem ZDF und ORF 3. l-l l-l

      :juhu: :juhu:
    • Natürlich habe ich es gesehen, Sänger fand ich alle sehr gut...doch...wer die Handlung nicht kennt und sich vorher nicht informiert hat, hatte es schwer den Inhalt so zu verstehen. Mir fehlten die Dialoge. Ein Textversprecher im Schwalbenduett ist zu verzeihen, ich denke, das haben die wenigsten Zuschauer bemerkt. Was mich störte, was aber zu verstehen ist bei den ausländischen Sänger, das Schauen in die Noten.
      viele Grüße von musica
    • Liebe musica!

      Den Textversprecher von Juan Diego Flórez, na den nehme ich ihm gern ab - und wer die Operette nicht kennt - es werden schon welche sein - den fallen sie nicht auf.

      Ja er ist mir aufgefallen und grad der hat ihn mir grad sympathisch gemacht, denn wenn er fast nicht Deutsch kann, wie er mal irgendwo sagte, dann war es für Beide - Anna Netrebko und ihm - eine Glanzleistung mit welcher Bravour sie die Partien beherrschten.

      Noch was - die Kostüme von Anna Netrebko und auch Christina Landshamer waren geschmackvoll und unterstrichen noch die Glanzaufführung.

      Liebe Grüße und Handküsse sendet Dir Peter - und alles Gute für 2015 wünsche ich Dir natürlich. :wink: :wink: G'sund bleiben.
    • Lieber Peter,

      nach großer Skepsis war ich eigentlich begeistert. Ich habe es weder der Netrebko noch dem Florez zugetraut, die Operettenlieder mit so guter Diktion und so großem Charme zu singen.

      Eigentlich wollte ich ja nur kurz reinschauen - um das schlechte Deutsch der Hauptsänger bestätigt zu bekommen - blieb aber dann bis zum Schluß vor dem Fernseher.

      Mich hat es nicht gestört keine Dialoge zu hören. In etwa kenne ich die Handlung und finde es auch nicht so wichtig in diesem Fall. Musikalisch war es wunderschön.

      Bevor wieder so eine "alternative" Inszenierung kommt ist mir eine konzertante Aufführung um Welten lieber.


      :wink: :wink: :wink: Kristin
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Auch ich fand es sehr gut, und wenn ich jetzt ein bißchen kritisiere, dann bitte das nicht falsch zu verstehen.

      Die Netrebko hat ja in Konzerten schon oft und meist sehr gut Operette gesungen. Das gehört eindeutig zu ihren Talenten. Ich hatte allerdings den Eindruck, daß sie einen Beinahe-Mezzo-Tag hatte, denn einiges klang wie nach unten transponiert. Auch kam es mir vor, daß im oberen Bereich im Vergleich zu früher ein stärkeres Vibrato zu registrieren war, was mir als ganz leises Alarmzeichen vorkommt.

      Juan Diego Florez gefiel mir am besten, er hat da eine neue Facette offenbart, die für die Zukunft viel erwarten läßt. Am besten gelang ihm die Arie aus dem "Veilchen".

      Pavol Breslik verfügt über eine sehr schöne Stimme, aber sichtlich wenig Operettenerfahrung. Das Buffohafte des Boni Cancianu war nur in Ansätzen vorhanden, aber das kann sicher noch werden.

      Die Stasi war auch sehr gut besetzt.

      Generell aber fehlte mir jener unabdingbare Schuß Paprika und Lockerheit, es ging zu opernmäßig zu. Mit meinen wienerisch-ungarischen Ansprüchen verlange ich da allerhand, das ist mir bewußt. Ich glaube, Dresden ist dennoch auf dem richtigen Weg. Thielemann ließ viele Feinheiten hören. Trotz meiner nicht überzubewertenden Anmerkungen war es ein sehr guter Abend.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Ich fand es auch toll und habe es mit Genuss gehört. Anna Netrebkos Stimme wird in der Tat immer dunkler - dies ist jedoch, glaube ich nicht, ihrer Tagesform geschuldet, sondern einen ganz normale Entwicklung ihrer Stimme; von daher wird es interessant sein, zu beobachten, welche Rollen sie in Zukunft in ihr Repertoire aufnehmen wird.
      Juan Diego Flórez bewies einmal mehr eindrucksvoll, welche Strahlkraft, Leichtigkeit und Eleganz ihm zu Gebote steht - da ist er, meines Erachtens, heutzutage unerreicht.
      Auch die anderen Sänger und der Chor waren sehr gut.
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • Lieber Waldi!

      Ja Du hast Recht, Anna Netrebko hatte einen "Beinahe Mezzo" aber eine ungemeine Ausstrahlung und die Partie passt ihr. Was für eine Rosalinde sie wäre -

      aber schade alles geht nicht, bleibt ja die Elsa, demnächst.

      Ich wünsche Dir lieber Waldi auch ein gesegnetes und so weit gesundes Jahr 2015 mit all der Freude die Du Dir wünscht. :vv: :vv:

      Dein alter Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Lieber Waldi,

      den Eindruck Netrebko vom Mezzo-Tag hatte ich auch, habe ich aber schon länger, den Tag hat sie sehr oft. Sie ist sehr dunkel, strahlt aber dann in der Höhe. Klar, es ist alles sehr opernhaft, aber trotzdem, ich fand es sehr schön.
      viele Grüße von musica
    • Meine Lieben,

      Was möglicherweise besonders wichtig ist: es scheint, daß man bei uns in letzter Zeit die Operette zunehmend wieder in klassischem Sinn ernst nimmt. Das bedeutet natürlich eine längere Entwicklung, und vor allem müßte bei der Ausbildung des Nachwuchses besonders darauf geachtet werden, denn jeder erfahrene Künstler weiß, daß Operette oft mehr verlangt als Oper. Aber das ist andernorts ja schon wiederholt angesprochen worden.

      Euch allen auch ein gutes neues Jahr mit viel Fröhlichkeit!

      Euer Waldi

      In Baden läuft übrigens derzeit eine "Csárdásfürstin", inszeniert von Sebastian Reinthaller (selber Tenor), leider nicht oft. Ich fürchte, ich werde es nicht schaffen, denn bald gehen wieder meine vorgeschriebenen Untersuchungen los. Dabei wäre ich sehr neugierig.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Komisch : Ich habe mich gähnend abgewandt! Die beiden Weltstars haben sich stimmlich deutlich unter Wert verkauft und sich an den Noten vor ihnen entlang gehangelt. Das bisschen Text und Musik nicht auswendig vorzutragen, grenzt an Missachtung eines bedeutenden Genres!
      Und Thielemann hat sich m. E. zum dirigierenden Vollstreckungsbeamten der Diva gemacht. Ich war wohl besonders verärgert, weil ich am Nachmittag auf arte eine hinreißende Dokumentation über die Geschichte der Pariser Opéra Comique gesehen hatte, in der sich die Größen der dortigen Opernszene ein begeisterndes Stelldichein gaben. Eine Gala vom Feinsten - ohne Notenständer...... :juhu:

      Ciao. Gioachino
      miniminiDIFIDI
    • gioachino schrieb:

      Das bisschen Text und Musik nicht auswendig vorzutragen, grenzt an Missachtung eines bedeutenden Genres!


      Lieber gioachino,

      das würde ich nicht so streng sehen. erstmal ist für einen Sänger, dessen Muttersprache nicht deutsch ist, "das bisschen Text" wahrscheinlich auch nicht ohne. Zudem gibt es auch auf der Opernbühne Souffleure - ohne, dass dies jemand bemängeln würde. Und auch die Tatsache, dass bei Kirchenkonzerten meistens aus der Partitur und nicht auswendig gesungen wird, ist sicher kein Zeichen von Missachtung. Da hier ja keine szenische Aufführung vorlag, ist hier auswendig zu singen in meinen Augen kein zwingendes Gebot, zumal ich nicht den Eindruck hatte, dass die beiden an der Partitur "geklebt" haben.
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • Ich lasse mich ja immer gerne von Waldi (in Sachen Operette besonders) inspirieren, so dass ich mich gerne mit ihm verständigte, sobald sich die ersten Eindrücke der Dresdner Aufführung verfestigten. Seitdem habe ich mich ordentlich bei youtube umgetan, habe mich schon etwas in die Aufführung Mörbisch 2002 hereingesehen, in den Film von 1934, die englische Fassung der Operette unter Bonynge.

      In einer Besprechung der Aufführung der Operette in Klagenfurt sagte der Regisseur Bemerkenswertes: Er sehe es als seine wichtigste Aufgabe an, Sänger, Sprecher und Tänzer zu einer einheitlichen Gestaltung des Inhaltes zusammenzuführen. Das ist der Punkt. Wie bei dem Csardas die gegensätzlichen Elemente zu einer musikalisch überzeugenden Einheit geführt werden, so Schauspiel, Varieté, gefühlsbetonter Gesang bei diesem Meisterwerk Kalmans. (Über Klotz' Bedenken werde ich in einem anderen Zusammenhang schreiben)

      Als ich mich mit Waldi verständigte, hatte ich Ouvertüre und Auftrittsarie gehört. Die Ouvertüre unter Thielemann wird farbenreich zelebriert. Das große Orchester signalisiert die Heimführung der Operette in das Reich der Oper: Sie wird auf der einen Seite ernst genommen, aber verliert sie nicht auch ein wichtiges Element von dem, was sie in Schwebe hält - oder halten sollte?

      Die Csardasfürstin als Silvesterkonzert bietet eine eigenartige Plattform: ein Konzert, ein Recital von großen Künstlern - aber kein Musiktheater (auch wenn sich die Akteure theatralisch gebärden). Schauspiel und Tanz, der schnell gesprochene und verstandene Witz fehlen. Die Gefahr, dass herrliche Musik in Prunk erstarrt, ist gegeben. Die Ouvertüre konnte unter der Direktion von Thielemann diese Gefahr durch die subtile Gestaltung vermeiden. Aber dann der Auftritt Anna Netrebkos ...

      Nun kommt Sprache ins Spiel - und die Verständlichkeit ist für mich eine der notwendigen Voraussetzungen für das Gelingen. Bei allem Bemühen - wenn man die Einspielung mit der Köth hört, fühlt man Welten, die dazwischen liegen. Wo Köth präzise Artikulation, vielfältige Nuancen, nachvollziehbare Akrobatik vorweist, höre ich bei Netrebko zuviel Schwere, eher einen Säbel als einen Degen, viel Unverständliches, zuviel Kraft, wo eine leichte Stimme Herrscherin der Instrumente sein sollte. Und natürlich fehlt das Ambiente, die Szene im Budapester Varieté. Die Stimme deutet davon auch nichts an. Erst dachte ich an Wagner beim ersten "Heia", doch es wurde besser. Aber die Ernsthaftigkeit trieb doch die Leichtigkeit aus, die bei aller Melancholie das Verbindende zwischen dem langsamen und dem schnellen Teil ist.

      In einer szenischen Realisation wäre es wohl besser gelungen, so hat mich der erste Eindruck verunsichert zurück gelassen. Nachdem ich nun dank youtube meine Erwartungen präzisieren konnte, werde ich mir das Konzert weiter anhören und mich auch besser auf die Verluste einstellen, die eine konzertante Aufführung verlangt. Aber ich freue mich schon auf den Film, auf Mörbisch und Sidney - und was mir youtube noch so alles bieten wird ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Bis 04.01. gibt es das Event noch in der ZDF-Mediathek in besserer Qualität als die bisherigen YT-Uploads:

      "http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/sendung-verpasst#/beitrag/video/2310188/Die-Cs%C3%A1rd%C3%A1sf%C3%BCrstin-aus-der-Semperoper"

      LG --
      Amaryllis, die bisher keine Operettenfreundin ist und es durch diese Aufnahme wohl auch nicht wird -- aber, wer weiß, was in späterer Zukunft noch so passiert...
    • Während ich mich mit dem Streifenpeter ab und zu persönlich unterhalten kann, wickeln sich die Plaudereien mit dem Leverkusener Peter leider nur in Form langer Telefonate ab. Anregend und gewinnbringend sind aber beide Varianten, und ich danke dem Himmel, daß es die beiden Peter gibt und sie mir ihre Huld schenken. Ein Argument noch, daß ich dem L-P gegenüber, aber nicht hier erwähnt habe. In einem solch großen Haus wie der Dresdner Oper mit einem dezidierten Gesamtkunstwerk-Rahmen und anspruchsvoller Ikonographie der Ausstattung bringt man vielleicht unwillkürlich von vornherein eine repräsentativ-pathetischere Note ein als in einem kleineren Haus, einer Freilichtbühne oder in einem typischen Fellner-und-Helmer-Theater. Unter anderem deswegen gehe ich mit dem Opernhaften diesmal nicht so streng ins Gericht...
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Lieber Boris,
      Operette, konzertant mit Noten, geht für mein Empfinden überhaupt nicht. Dasselbe gilt für das Kunstlied. In der Sakralmusik ist es üblich, zumal auch der Chor grundsätzlich mit dem KA in den Händen singt, was mich nicht stört, denn es handelt sich um eine quasi statische Wiedergabe. Notenständer bilden eine Barriere zwischen Interpreten und Publikum, und das Starren in die Noten, sowie das Umblättern,schränken die Interpretation nachweislich ein, jedenfalls beim singenden Interpreten. Das Argument mit der Fremdsprache zieht auch nicht, denn dann gäbe es kaum noch Wotans und Brünnhildes, die sich oft phonetisch durch die ellenlangen Monologe, zudem noch szenisch, kämpfen müssen, und das oft genug sehr erfolgreich. Ich bin überzeugt davon, dass Frau Netrebko und Herr Florez einfach nicht willens waren, das Ganze auwendig zu lernen und so die Anderen dazu veranlassten, es ihnen notgedrungen gleichzutun.

      Ciao. Gioachino :wink:
      miniminiDIFIDI
    • Hallo zusammen,

      heute hatte ich nun auch Gelegenheit mir die Aufführung online anzuschauen.

      Im Großen und Ganzen fand ich die Aufführung gut. Allerdings gefallen mir konzertante Opern- bzw. Operettenaufführungen generell nicht so gut. Gerade in der Operette gehört für mich das Schauspiel dazu. (Wenn schon gucken und nicht nur hören, will ich auch was zum gucken haben.) ;+)

      Anna Netrebkows Stimmentwicklung ist in der Tat interessant. Ob es sich dabei, wie Waldi meinte, um einen Beinahe-Mezzo-Tag handelte, weiß ich natürlich nicht. Mir gefiel ihr Timbre sehr gut. Meiner Meinung nach hätte ihre Aussprache etwas besser sein können.

      Ich fürchtete Juan Diego Florez würde mit der vermeintlich leichteren Operette nicht recht warm werden können. Das er mich zum größten Teil eines Besseren belehrte, freut mich um so mehr.

      Pavol Breslik darf sich ruhig mehr mit Operette beschäftigen, es würde mE nach gut zum ihm passen. :yes: Seine Stimme gefällt mir ausgesprochen gut.

      Christina Landshamer gefiel mir sehr gut. Durch sie bekam die Aufführung etwas mehr Schwung.


      Waldi schrieb:

      Generell aber fehlte mir jener unabdingbare Schuß Paprika und Lockerheit, es ging zu opernmäßig zu.


      Das sehe ich auch so.

      ABER - Es freut mich, wenn Sänger, Dirigenten und natürlich Musiker die Operette für sich entdecken.

      LG
      Maggie
      Wenn Einer kümmt un tau mi seggt, Ick mak dat allen Minschen recht, Dann segg ick: Leiwe Fründ, mit Gunst, O, liehr'n S' mi de swere Kunst. - Fritz Reuter
    • Inzwischen habe ich mir das Silvesterkonzert komplett angesehen - und (Dank Waldi) noch eine Anzahl ungarischer Videos bei youtube. Damit geht bei mir der Daumen inzwischen ganz klar nach unten.

      Fangen wir beim Anfang an: Es ist ein Unding, eine Operette konzertant aufzuführen - und auch noch ohne Dialoge. Zwischen der Auftrittsarie der Sylva und der nächsten Musiknummer habe ich im (dreistündigen) ungarischen Mitschnitt über zehn Lacher erlebt, von leise kichernd bis zu einem kräftigen Lachschwall war alles vertreten. Und in Dresden? Da saßen die Damen- und Herrschaften im Publikum wie die Stockfische - strohtrocken und kein Champagner. Wo in Ungarn gleich eine angeregte und geistreiche Varietéstimmung entstand - Trauerklöße in feiner Garderobe. Der Musik fehlte im Vergleich der Pfeffer, oder besser das Paprika, da wurde ein Marsch schon leicht zu einer preußischen Angelegenheit, wo nur noch der Klatschmarsch fehlte.

      Und die Sänger? Das ist nicht die Partie einer Netrebko, die auf dem Weg zum Wagnerfach ist. Ich will gar nicht über ihre kümmerlichen Tanzbemühungen schreiben, mein Gott - die ungarischen Mädel ... Komisch war ihre Anmache bei Florez, der prompt noch ängstlicher wirkte.

      Nein, das war Konwitschnys Rache - wo die Dresdner seine fantasiereiche Inszenierung (nicht dass man es so machen muss, aber in der KERO-Inszenierung aus Budapest spielte das ganze auch im Krieg - es geht also) mit lauter Empörung verließen, tanzte nun der Dirigent mit einer kopflosen Musik.

      Gut, das Konzert brachte mich dazu, dass ich die Noten besorgte und die letzten Tage viel Csardasfürstin (oder besser noch Csárdáskirálynő) gesehen habe. Aber da gibt es bessere Anlässe.

      Nein, schreiben wir über die herrliche Operette und lassen das Dresdener Debakel rechts liegen.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Peter Brixius schrieb:

      Nein, das war Konwitschnys Rache - wo die Dresdner seine fantasiereiche Inszenierung (nicht dass man es so machen kann, aber in der KERO-Inszenierung aus Budapest spielte das ganze auch im Krieg - es geht also) mit lauter Empörung verließen, tanzte nun der Dirigent mit einer kopflosen Musik.

      Sorry für das OT, aber das waren m. E. nicht die Dresdner. Die Semperoper war und ist eine klassische Touristenoper, in der es solche ungewöhnlichen Inszenierungen wohl schwerer haben als anderswo. Dass dieser Operettenabend Konwitschnys Rache war, genau den Gedanken hatte ich auch :thumbsup: , aber im Publikum an diesem Abend sah das wohl kaum jemand so, die Anwesenden waren vermutlich ganz und gar Netrebko-Florez-Thielemann-selig und das sei ihnen zu 100% gegönnt ;+) !

      LG, Amaryllis
    • Liebe Amaryllis,

      natürlich hast Du Recht, es waren nicht die Dresdner, es war (zumindest ein Teil des) Premierenpublikum(s). Und später haben die Dresdner nun auch die Möglichkeit fleißig genutzt, die originale Inszenierung zu sehen. Aber die Schnittmenge zwischen Premierenpublikum und Anwesende beim Silvesterkonzert wird nicht allzu klein gewesen sein.

      Man muss auch jönne könne, sagt man bei uns zu Lande, das kann ich auch. Wenn ich mir nur nicht nach dem begeisterten Anfangsposting das ganze Konzert angetan hätte. Da brauchte ich dann doch ein Ventil ...

      Rideamus hat es mal bei einer Inszenierung von "Benvenuto Cellini" geschrieben. Dass die Inszenierung (und der Gesang) nicht das waren, was er erwartete, war zu verschmerzen. Dass da aber eine einmalige Chance vertan wurde, ein Publikum für die Berlioz-Oper zu gewinnen - das konnte durch nichts mehr gut gemacht werden.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)