Strauss, Richard: Vier letzte Lieder AV 150

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    • palestrina schrieb:

      aber mir gefällt die mit Thielemann besser, aber wie schon gesagt , alles Geschmackssache ! ;+)
      Der Amazon-Rezensent Opern-Fan bevorzugt hinsichtlich Stimme die mit Eschenbach:

      Es bleibt letztlich Geschmacksache, ob man dieser Aufnahme der vier letzten Lieder die Palme geben möchte, oder aber der Aufnahme unter C. Thielemann - auf hohem Niveau bewegen sich beide Aufnahmen mit der wunderbaren R. Fleming, die sich unter die großen Interpretinnen dieser Lieder einzureihen vermag. Hier ist die Gestaltung der Fleming "farbiger", nuancierter, mit einer vorbildlichen Wortbehandlung. Ähnlich wie die Schwarzkopf färbt die Fleming Vokale, Melodiebögen ein und verleiht damit den Liedern eine große Dynamik und Ausdrucksvielfalt, ohne ins Manirierte zu kippen. Sie singt berückend schön, mit großem Atem und wundervollen Legatobögen, besonders berührend natürlich in den letzten beiden Liedern. Eschenbach dirigiert kompetent, allerdings ist das Orchester nicht ganz auf dem Niveau der "großen" Orchester. Hier gefällt mir die Interpretation unter Thielemann besser. In der Live-Aufnahme ist die Fleming hingegen nicht ganz so exakt und muss mehr auf ihre Atmung achten, als sie es hier muss. Vom Ausdruck her ist sie aber auch in der Live-Aufnahme ganz wunderbar. In der Summe ist diese Interpretation eine der großen Aufnahmen dieses so häufig eingespielten Werks.
    • Lieber LvG,
      wie ich schon sagte, sie sind beid sehr gut und der Rest ist Geschmackssache !
      Möchte aber letztendlich auf keine verzichten , aber vorallem ist ihre Textverständlichkeit hervorragend !
      Bei der Sena Jurinac CD darfst du aber auch keine großen klanglichen Ansprüche haben .
      Ich gebe dir noch zwei ganz preiswerte Tipps ...



      und die beiden sind wirklich sehr sehr gut !!!

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • palestrina schrieb:

      Möchte aber letztendlich auf keine verzichten , aber vorallem ist ihre Textverständlichkeit hervorragend !
      Für mich ein entscheidendes Kriterium!

      palestrina schrieb:

      Bei der Sena Jurinac CD darfst du aber auch keine großen klanglichen Ansprüche haben .
      Je älter ich werde, desto mehr achte ich auf Klangqualität; vielleicht eine Frage des nachlassenden Gehörs ...

      palestrina schrieb:

      Ich gebe dir noch zwei ganz preiswerte Tipps ...



      und die beiden sind wirklich sehr sehr gut !!!
      Gekauft! :juhu:
    • Lieber LvG !
      Mit dem Gehör geht mir das genauso ! ;+)

      Noch ein Satz zu Aga Mikolaj, sie war eine Schülerin von E.Schwarzkopf , und das merkt man an ihrer Aussprache !
      Viel Freude damit !

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Wusstet Ihr, dass David Bowie ein Liebhaber der Vier letzten Lieder (und ihrer Interpretation durch Janowitz/Karajan) gewesen ist? Ich bin ja alles andere als ein Bowie-Kenner, aber nach dem, was ich von ihm kenne, hat mich das doch überrascht. "There is one piece of music that puts me in a place that no other music does", so Bowie, und: "I know of no other piece of music, nor any performance, which moves me quite like this." Quellen: hier und hier, wo Bowie seine 25 Lieblingsplatten aufzählt: "Although Eleanor Steber and Lisa della Casa do fine interpretations of this monumental work, Janowitz’s performance of Strauss’s Four Last Songs has been described, rightly, as transcendental."

      Ich wollte mir nach langer Zeit mal wieder die Janowitz-Interpretation anhören, von Youtube, und bin dort auf das Bowie-Zitat gestoßen - der normale Weg geht wohl andersrum, wie Scharen von Bowie-Fans zeigen, die unter dem Clip ihre Statements hinterlassen haben ("David brought me here" usw.).




      Die Aufnahme ist schon mehrfach im Thread als eine der zentralen der Diskographie des Werks bezeichnet worden. Ich hatte sie früher eher unter "ferner liefen" abgespeichert, warum auch immer. Sie ist aber wunderschön: Janowitz "interpretiert" nicht, sie färbt ihre helle Stimme und die Vokale nur sehr diskret (welch ein Unterschied zu Schwarzkopf, aber auch zu della Casa, Fleming, Norman usw.), klingt frei und flutend in allen Lagen, gerade auch in der Höhe. Manchmal stellt sie Phrasen und Töne fast ein wenig aus, etwa am Ende des dritten Lieds. Das passt alles zum hier besonders "leuchtenden" Klang der Berliner Philharmoniker, einer Legato-Orgie mit leichter klanglicher Bevorzugung der hohen Streicher (soweit man das von Youtube beurteilen kann). Hier ist Karajan in seinem Element. Wunderbare Pianissimo-Kultur bei Janowitz und beim Orchester, man höre sich das Ende von September und den Anfang von Beim Schlafengehen an (in diesem Lied auch eine sehr zarte Solovioline, nicht so fett im Vordergrund schwimmend wie sonst oft).


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Als schamhafter Gesangsmuffel ist es mir noch heute ein Rätsel, dass ich mir vor Jahrzehnten diese erwähnte Einspielung mit Janowitz/Karajan als LP gekauft habe und seither die vier phänomenalen Strauss-Lieder nur genau in dieser spezifischen Interpretation ertrage, geniesse, verehre, lobpreise! Für mich ist es eine Jahrhundertaufnahme. Ich danke dem lieben Bernd ganz herzlich für den Hinweis darauf.

      Herzlich grüsst aus Bern

      Walter
    • Ich poste hier mal passender Weise was ich vor Jahren auf amazon zu der Aufnahme Janowitz/Karajan geschrieben habe, es gilt noch immer.

      Ich kann den Lobeshymnen meiner Vorredner weitgehend zustimmen, bin aber nicht so euphorisch was diese Aufnahme angeht. Zwar ist der Sopran von Frau Janowitz in den Höhen wunderschön klar und berückend. Aber in den tieferen Lagen hat sie oft Mühe den Ton richtig herauszubringen. Das klingt dann mitunter etwas kehlig. Ausserdem ist ihre Artikulation nicht sauber genug. Man hat Mühe die Worte zu verstehen (das kann vielleicht auch an der Aufnahmetechnik liegen, obwohl die DG zu der Zeit für ihre gute Technik bekannt war). Stellenweise wirkt der Gesang daher wie eine Vokalise.
      Karajan setzt wie meistens auf Wohlklang, was dieser Musik auch durchaus angemessen ist. Aber bei "im Abendrot" beginnt er eindeutig zu schnell. Strauss hat hier kein Tempo vorgeschrieben, aber die Musik sollte weich fliessen,und sich langsam entwickeln, so wie George Szell es in seiner Aufnahme mit Elisabeth Schwarzkopf vorgemacht hat (Karajan ist hier mehr als eine Minute schneller). Letztere ist auch die bessere Gestalterin. Was die stimmliche Seite anbelangt würde ich Jessye Norman den Vorzug geben.Ihre dunkel getönte Stimme passt besser zur jenseitigen Stimmung des Werkes. Als Alternative hört man jedoch gerne in diese Aufnahme hinein, die durchaus ihre Vorzüge hat.

      Ich besitze noch eine ganze Reihe weiterer Aufnahmen, aber an Norman/Mazur ist für mich bis jetzt noch niemand herangekommen. Sehr schön finde ich auch Popp/Tennstedt, Margiono/De Waart und Della Casa/Böhm. Das sind alles hervorragende Aufnahmen. Mit den historischen Aufnahmen habe ich es nicht so, es gibt ja auch genügend Alternativen in besserer Aufnahmetechnik. Und alles kann man nicht haben. Meine jüngste Neuerwerbung ist Anja Harteros mit Fabio Luisi. Davon hatte ich mir mehr versprochen. Sie rangiert bei mir im Mittelfeld.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Ausserdem ist ihre Artikulation nicht sauber genug. Man hat Mühe die Worte zu verstehen
      Also ich finde die Wortverständlichkeit von Janowitz selbst beim Hören von Youtube ausgezeichnet. Auch die langen Melismen singt sie nach meiner Erinnerung fast immer auf dem "richtigen" Vokal, was man nicht von allen Sängerinnen sagen kann. Die Stimme mischt sich sehr schön mit dem Orchester, was ich bei diesem Werk auch sehr angemessen finde.

      Eusebius schrieb:

      Karajan setzt wie meistens auf Wohlklang, was dieser Musik auch durchaus angemessen ist. Aber bei "im Abendrot" beginnt er eindeutig zu schnell. Strauss hat hier kein Tempo vorgeschrieben, aber die Musik sollte weich fliessen,und sich langsam entwickeln, so wie George Szell es in seiner Aufnahme mit Elisabeth Schwarzkopf vorgemacht hat (Karajan ist hier mehr als eine Minute schneller).
      "Eindeutig zu schnell" ist mir zu eindeutig formuliert. Mir persönlich ist ja Norman/Masur zu langsam, wenn auch nicht eindeutig zu langsam ;) . Es sind verschiedene Lösungen möglich. Ich weiß nicht, ob Du die 1953er-Aufnahme mit Lisa della Casa und Karl Böhm kennst - die sind bei "im Abendrot" nochmal eine Minute schneller als Janowitz/Karajan. Und das funktioniert auch.

      PS: Ich sehe gerade in Deinem letzten Beitrag, Du kennst die della Casa/Böhm-Aufnahme und lobst sie: Was sagst Du denn zu dem Tempo im letzten Lied?


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      PS: Ich sehe gerade in Deinem letzten Beitrag, Du kennst die della Casa/Böhm-Aufnahme und lobst sie: Was sagst Du denn zu dem Tempo im letzten Lied?
      Das ist leider viel zu schnell. Die Bandbreite der diversen Aufnahmen ist hier extrem breit. Schwarzkopf und Szell benötigen etwa 8 Minuten, was mir persönlich angemessen erscheint. Norman/Mazur sind fast 2 Minuten langsamer, was mir schon fast zu langsam ist. Aber Della Casa und Böhm "jagen" in 6 Minuten dadurch. Aber bei Lisa Della Casa beeindruckt mich die Stimmqualität. Dieses leuchtende in der Stimme (das die Janowitz zugegebenermaßen auch besitzt) ist einfach großartig, und passt perfekt zur Musik von Strauss. Ich mag ja auch ihre Arabella sehr.
      Aber ich bin noch auf der Suche nach der ultimativen Aufnahme.

      Peter
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    • Eusebius schrieb:

      Strauss hat hier kein Tempo vorgeschrieben
      in der Partitur von Boosey steht "Andante" (s. Petrucci).
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • zabki schrieb:

      in der Partitur von Boosey steht "Andante" (s. Petrucci).
      Ja richtig, muß ich damals übersehen haben. Um zum Schluß "sehr langsam", wie ersterbend. So ist es ja wohl auch gedacht, wenn man meint den Tod zu sehen. Strauss hat hier den Abgesang auf sein Leben komponiert. Da darf man ruhig innehalten ..

      Übrigens kenne ich wenig Musik, die mich so tief berührt hat wie diese, weshalb sie auch zu den Werken zählt, die für mich an allererster Stelle stehen, obwohl dort ein arges Gedränge herrscht.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      zabki schrieb:

      in der Partitur von Boosey steht "Andante" (s. Petrucci).
      Ja richtig, muß ich damals übersehen haben. Um zum Schluß "sehr langsam", wie ersterbend. So ist es ja wohl auch gedacht, wenn man meint den Tod zu sehen. Strauss hat hier den Abgesang auf sein Leben komponiert. Da darf man ruhig innehalten ..

      Bryan Randolph Gilliam, Richard Strauss And His World, Princeton 1992, S. 130, schreibt:

      "Many sopranos and conductors [...] perform the orchestral introduction as a depressed, Adagio funeral march. But this interpretation misreads both the mood of the song and Strauss's initial tempo indication. Strauss writes Andante, not Adagio; there must be a gradual und progressive slowing down from the opening Andante through the immer langsamer at letter G to the rit. sehr langsam at letter I. Furthermore, the orchestral introduction represents a fusion, a superimposition of elements of both the Andante introduction and the Adagio postlude. The polyphony of rhythmic values, faster in the strings and upper winds ('life'), and long and sustained in the brass ('death'), is only made clear at a faster tempo."

      Quelle und die Argumentation im Zusammenhang: hier.


      Was - unabhängig davon, ob man diese Argumentation teilt - darauf hinweist, dass bei der Bewertung des Tempos nicht nur die Gesamtspieldauer und das Ausgangstempo des Lieds, sondern ebenso der Grad der Tempoverlangsamung berücksichtigt werden muss.


      Viele Grüße

      Bernd
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    • Zwielicht schrieb:

      Was auch darauf hinweist, dass bei der Bewertung des Tempos nicht nur die Gesamtspieldauer und das Ausgangstempo des Lieds, sondern ebenso der Grad der Tempoverlangsamung berücksichtigt werden muss.
      Vollkommen richtig. Aber Böhm und Karajan sind ja auch vor allem zu Beginn zu schnell. Die Verlangsamung zum Ende gelingt dann durchaus besser.
      Ich habe gerade noch mal die Aufnahme mit Melanie Diener und David Zinman aufgelegt, die auch etwa 8 Min. dauert wie bei Szell. Das wirkt für mich insgesamt ebenfalls logischer und organischer. Der Beginn schreitet ruhig voran. Allerdings bietet Frau Diener in dieser Aufnahme nicht das stimmliche Potenzial wie die meisten der anderen hier genannten Damen, aber Zinman ist ein sehr guter Straus-Dirigent.
      Die Spieldauer bei Böhm und Karajan ist zumindest in meinem knappen Dutzend Aufnahmen die Ausnahme.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Vollkommen richtig. Aber Böhm und Karajan sind ja auch vor allem zu Beginn zu schnell. Die Verlangsamung zum Ende gelingt dann durchaus besser.
      Umgekehrt könnte man sagen: Masur ist zu Beginn schon so langsam, dass man die Verlangsamung zum Ende hin kaum noch bemerkt.

      Ohne das jetzt alles nochmal nachgehört zu haben: Es gibt Dirigenten, die den Beginn relativ schnell nehmen (vor allem Böhm, auch Karajan) und die dann sehr deutlich die Verlangsamung aufzeigen.

      Und es gibt Dirigenten, die obwohl sie relativ langsam beginnen und weil sie die Verlangsamung gerade am Ende sehr diskret ausführen, auf eine Gesamtspielzeit kommen, die nur unwesentlich länger ist als bei Böhm (ca. 6:20) - so Wolfgang Sawallisch in seiner Aufnahme mit Barbara Hendricks, auch bei Youtube nachhörbar.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Mazur finde ich ja, wie gesagt, auch etwas zu schleppend. Mein Ideal liegt etwa bei einer Spielzeit (ca. 8 Minuten) und der Aufteilung wie Szell sie gewählt hat. Aber das hört natürlich jeder anders.

      Viele Grüße Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)