Strauss, Richard: Vier letzte Lieder AV 150

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    • Rosamunde, Deine Meinung ist mir völlig egal, denn ich habe auch trainierte Ohren und habe mich mit richtigen Kennern unterhalten.
      Ich mag einfach Duschensängerinnen und habe auch die Top Sopranistin Fleming in peinlichen Situationen gehört. Lucrezia Borgia in der Scala, ein Begriff?
      Ich lese aber Deine Ausführungen mit viel Vergnügen. Bitte mehr davon!
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Philbert schrieb:

      Rosamunde, Deine Meinung ist mir völlig egal, denn ich habe auch trainierte Ohren und habe mich mit richtigen Kennern unterhalten.
      Ich mag einfach Duschensängerinnen und habe auch die Top Sopranistin Fleming in peinlichen Situationen gehört. Lucrezia Borgia in der Scala, ein Begriff?
      Ich lese aber Deine Ausführungen mit viel Vergnügen. Bitte mehr davon!
      Muss das sein?!
    • Wolfram schrieb:

      Was sind 'Duschensängerinnen'?
      Lieber Wolfram ,das ist ein Bezug auf diesen Satz von Rosamunde weiter oben :

      Rosamunde schrieb:

      Ich habe mir eine Mozart Figaro Aufnahme von ihr angehört, und es gibt dort einfach so viele stimmtechnische Problem (Atmung, Intonation, Registerbrüche), dass ich sie niemals als eine der grossen Stimmen bezeichnen würde, obwohl sie in einer bestimmten Stimmlage sehr schön klingt (aber das tu ich auch in der Dusche ).
      Tja , wem die Badekappe von Florence Foster Jenkins passt ... allein ist wirkt ja nicht nur Frau Jurinac schaumbremsend .Denn ihr ahnungsloser Begleiter , ein Fritz B. , konnte ja nicht damit rechnen , was der blitzgescheitelte Herr T . da alles herausholte . Ich fürchte nur , dafür hätte Fritz. von Adolf und Hermann was mit der Partitur gekriegt . Aber ordentlich .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
    • Danke für die Antwort, Wolfram.

      Wolfram schrieb:


      Rosamunde schrieb:

      Bei Schwarzkopf bemerkt man bei tieferen Lagen einen mehr gutturalen Klang, siehe zB bei dem ersten "Hand" in der 2.Zeile, was einen klaren klanglichen Bruch innerhalb der musikalischen Phrase mit sich bringt.

      Rosamunde schrieb:

      Schwarzkopfs Atmung ist wunderbar, aber selbst sie gurgelt "neigen" und "steigen" leicht ab; es scheint also wirklich eine atemtechnisch schwierige Stelle zu sein.
      Beides kann ich so nicht nachvollziehen. Schwarzkopf unterbricht die Phrase vor 'Hand' ganz eindeutig, was aber für mich eindeutig auf eine immer stärker werdende Verfeinerung des Ausdrucks zurückzuführen ist. Die kurze Pause, das kurze Zögern vor 'Hand' führt dazu, dass die innige Verbundenheit der beiden Menschen eine ganz andere, erschütternde Bedeutung erhält, als wenn sie die Phrase sozusagen durchgesungen hätte. Das macht sie nämlich stimmlich ungleich 'gesünder' noch in der 12 Jahre früher entstandenen Ackermann-Aufnahme.
      Ja schon klar: Interpretatorisch oder inhaltlich ist es in Ordnung zu unterbrechen, sagte ich ja an mehren Stellen, solange man es wirklich deshalb tut und nicht, weil man technische Probleme hat (wie Jurinac oft). Mir gings auch nicht um einen Bruchteil einer Pause, sondern um den anderen Klang nur auf dem ersten "Hand", der durch Registerwechsel zustande kam und nicht, weil sie es interpretatorisch so wollte, denn dann hätte sie diesen Klang auf die gesamte Phrase ausgedehnt, eben "Hand in Hand" und nicht nur das erste "Hand".

      Wolfram schrieb:

      Und auch hier, bei Szell, längst nicht mehr im Vollbesitz ihrer stimmlichen Mittel, erlaubt sie sich dann eigene Wege, isst bereit, eine Phrase durch kleine Pausen, Atmung etc. zu durchbrechen, um einen anderen Sinngehalt zu erzielen, um das, was ihr wichtig ist, besonders hervorzuheben. Von daher greift der Begriff der Objektivität (anders wie z.B. beim Anschleifen der Töne) nicht. Sie begeht ja keinen technischen Fehler, sie interpretiert die Phrase nur auf ihre Art.
      Du sagts es selber, es war eben motiviert durch "nicht mehr im Vollbesitz ihrer stimmlichen Mittel".
      Aber ich bin erstaunt, dass Du meine Meinung über Schwarzkopf eher negativ gelesen hast. Das war auf keinen Fall so gemeint. Ich fand nur 2 grenzwertige Atemstellen, eben die schweren in diesem Stück und den Klangwechsel in der Tiefe auf einem Wort, siehe oben. Ansonsten ist es doch schön, aber nicht mein Favorit.

      Wolfram schrieb:

      Auch dass 'Gurgeln' bei 'neigen' höre ich so nicht. Die Stimme wird ein Hauch dünner, aber auch das das genau zum Text. Nicht zum Bild der sich neigenden Täler, aber zu dem Bild des sich neigenden Lebens.
      (Ein Gurgeln hört man nicht, ich meinte der Klang/ die Resonanz wird abgewürgt, weil einem die Luft ausgeht. )

      Inhaltlich alles klar, das Neigen sehe ich absolut auch so, ist passend. Aber die technische Ausführung ist nicht so perfekt wie Normans. Auf der letzten Silbe geht ihr ganz minimal zu bemerken der Atem aus, und dann muss sie nach Luft schnappen. Man stellt also dann die Interpretation in den Dienst der Technik, wie Du ja auch sagst. Wenn man das macht, dann muss es ganz clever gemacht werden, wie zb Furtwängler und Flagstatt es taten. oder es eben gar nicht erst vertuschen, wie Du es bei Callas beschreibst.

      Wolfram schrieb:

      die jedes Wort, jede Silbe nach neuen Ausdrucksnuancen erforscht haben
      Das kommt darauf an. Ich würde sagen, dass man da ein Mittelmass anstreben solte, denn damit kann man den Fluss auch total hemmen. Oder es kann maniriert wirken.
      Es muss vor allen Dingen zum Text passen. Das ist das oberste Gebot. Wenn man sich das Abendrot daraufhin anschaut, dann wechseln die Nuancen der Bedeutung nicht auf jedem Wort. Und das kann ja auch generell nicht sein, denn Worte machen ja erst im Satz einen Sinn. Es kann schon auch mal so sein, dass man ein einziges Wort anders bringt, aber von der Tendenz hat man etwa eine Nuance pro Zeile oder auch mal 2 Nuancen pro Zeile, oder eine über 2 Zeilen, aber mehr auch nicht.
      "Not und Freude" ist ein gutes Beispiel, bei dem die Nuance gewechselt werden sollte. Aber generell sind die meisten Worte eingebunden in eine Phrase, also der Ausdruck sollte vor- oder nachbereitet werden.

      Und wenn ich mir genau diesen Wunsch - nach wirklich realisierbarer Nuance - ansehe, finde ich ihn bei Fleming sehr gut bedient. Bei der Schwarzkopf Aufnahme, die ich zitierte nicht. Ausserdem sagte ich ja, dass Thielemann meiner Meinung nach Nuancen am besten bedient. Da kommen die anderen nicht mit, ausser eventuell noch Furtwängler, aber da ist mir die Aufnahmequaltät zum wirklichen geniessen dann zu nervig.

      Wolfram schrieb:

      die Behandlung von Konsonanten
      finde ich bei Fleming sehr gut ! Alle T, S, Ch sind genau da..... mir fehlt da nichts.

      Wolfram schrieb:

      Zudem empfinde ich gerade das 't' bei 'Tritt' als etwas, was der Aufforderung einen ganz anderen Charakter gibt. 'Tritt' klingt viel bewusster und entschiedener als ein mögliches 'Dritt', was in mir sofort Assoziationen von Hingleiten und Schwäche weckt. Möglicherweise ist die andere Person auch schon schwach, am Endes ihres Lebens. Aber so sehe ich das Gedicht nicht. Person B wird ganz entschieden von Person A aufgefordert, nahe bei ihr zu sein, damit man gemeinsam dem entgegengeht, was mindestens einer Person droht. Und Person B hat immer noch die Autonomie, zu entscheiden, ob sie hinzu treten will, ob sie teilen will oder nicht. Eine letzte Nähe also, vor der Einsamkeit des Todes.

      Dies wäre also ein objektiver Fehler, der mich nun wirklich nervt, anders als solche, die immer noch in Kunst verwandelt wurden.
      Interessanter Gedanke, kann ich in seiner Logik nachvollziehen. Hängt allerdings davon ab, ob man das T wirklich als zu schwach empfindet und was man mit diesem Empfinden dann anfängt. Und das wäre dann nicht objektiv......

      Ich finde Flemings "Tritt her" perfekt. Das T ist absolut ein T. Das "tritt her" ist insgesamt nicht schwach sondern zärtlich nuanciert. In Erinnerung an die schönen Momente, die man zusammen verbracht hat. "Tritt her und lass sie schwirren , ..." Gemeint sind die Lerchen, welche für die Gedanken, die Erinnerungen an die schillernden Momente des Lebens stehen. Und die Stimmung ist deshalb zärtlich. Das kann ich absolut nachvollziehen, geht mir ja schon (in lichten Momenten) mit meinen 20 Jahren Ehe so, obwohl ich erst 52 Jahre alt bin und der Tod noch nicht so auf dem Plan steht.


      :wink:
    • b-major schrieb:

      Wolfram schrieb:

      Was sind 'Duschensängerinnen'?
      Lieber Wolfram ,das ist ein Bezug auf diesen Satz von Rosamunde weiter oben :

      Rosamunde schrieb:

      Ich habe mir eine Mozart Figaro Aufnahme von ihr angehört, und es gibt dort einfach so viele stimmtechnische Problem (Atmung, Intonation, Registerbrüche), dass ich sie niemals als eine der grossen Stimmen bezeichnen würde, obwohl sie in einer bestimmten Stimmlage sehr schön klingt (aber das tu ich auch in der Dusche ).
      Tja , wem die Badekappe von Florence Foster Jenkins passt ... allein ist wirkt ja nicht nur Frau Jurinac schaumbremsend .Denn ihr ahnungsloser Begleiter , ein Fritz B. , konnte ja nicht damit rechnen , was der blitzgescheitelte Herr T . da alles herausholte . Ich fürchte nur , dafür hätte Fritz. von Adolf und Hermann was mit der Partitur gekriegt . Aber ordentlich .
      Danke für die Aufklärung, lieber b-Major. Das hatte ich natürlich mal wieder überlesen. Aber dann liebe ich auch die 'Duschsängerinnen'. Jedenfalls bis zu einem gewissen Punkt. Wenn ihr Gesang dafür sorgt, dass das Wasser plötzlich kalt wird, bin ich raus. Aus dem Gesang und aus der Dusche. :D

      :wink: Wolfram
    • Philbert schrieb:

      Rosamunde, Deine Meinung ist mir völlig egal, denn ich habe auch trainierte Ohren und habe mich mit richtigen Kennern unterhalten.
      Ich mag einfach Duschensängerinnen und habe auch die Top Sopranistin Fleming in peinlichen Situationen gehört. Lucrezia Borgia in der Scala, ein Begriff?
      Ich lese aber Deine Ausführungen mit viel Vergnügen. Bitte mehr davon!
      Wie bitte?
      Was soll mir ein Begriff sein? Die Scala, Lucrezia, Fleming.....?
      Jeder kann mal daneben singen, besonders live. Aber bei Jurinac geht es meiner Meinung nach um durchgängig grundsätzliche Probleme, die auch noch auf Aufnahmen nachzuvollziehen sind.
    • Rosamunde schrieb:

      denn dann hätte sie diesen Klang auf die gesamte Phrase ausgedehnt, eben "Hand in Hand" und nicht nur das erste "Hand".
      Nicht unbedingt. Gerade diese stärkere Hervorhebung der ersten 'Hand' finde ich interessant, weil dann das gemeinsame 'Hand in Hand', das ihr in dem Moment einfällt, eine ganz andere Bedeutung erhält. Aber das sind Nuancen einer großen Interpretation. Eine andere 'große Interpretation' kann es ganz anders machen. Das gibt es kein Falsch und Richtig. Nur ihr einen technischen Mangel zu unterstellen, halte ich für gewagt. Wir können es nicht wissen. Wie gesagt, unter Ackermann klingt es noch ganz anders. Entweder, weil sie jünger war oder weil sie später dazugelernt hat.

      Rosamunde schrieb:

      Du sagts es selber, es war eben motiviert durch "nicht mehr im Vollbesitz ihrer stimmlichen Mittel".
      Das habe ich so nicht gesagt! Es kann sein, aber wir wissen es nicht.

      Rosamunde schrieb:

      Man stellt also dann die Interpretation in den Dienst der Technik, wie Du ja auch sagst. Wenn man das macht, dann muss es ganz clever gemacht werden, wie zb Furtwängler und Flagstatt es taten. oder es eben gar nicht erst vertuschen, wie Du es bei Callas beschreibst.
      Das macht eben große Künstler aus. Irgendjemand sagte mal, sehr pauschal, eine 'große' Karriere dauert gut 30 Jahre. 10 Jahre lang dominiert die Technik, dann 10 Jahre lang eine gelungene Mischung von Technik und Ausdruck und die restlichen 10 Jahre überwiegt der Ausdruck. Wie gesagt, sehr pauschal, aber vielleicht ist da sogar etwas dran. Wenn man die Traviata der Callas ansieht, trifft es zu, von der technisch fulminanten aus 1952 über die ausgewogene von 1955/56 bis hin zu den Sternstunden des Ausdrucks 1958 in Lissabon und London bei immer prekärer werdenden stimmlichen Möglichkeiten. Und für ES galt das sicherlich genauso, wie auch für Flagstad. Und trotzdem wissen wir bei einzelnen Punkten nicht, ob der Ausdruck der verblassenden Möglichkeit untergeordnet werden musste oder ob es nicht eine späte Einsicht ist.

      Rosamunde schrieb:

      Das kommt darauf an. Ich würde sagen, dass man da ein Mittelmass anstreben solte, denn damit kann man den Fluss auch total hemmen. Oder es kann maniriert wirken.
      ES würde ich den Versuch das 'Mittelmaß' anzustreben sogar noch eher als FiDi zugestehen. Trotzdem finde ich auch den Versuch, ganz viele Ausdrucksnuancen in einer Phrase unterzubringen, sehr faszinierend. Es erinnert mich an manche Filme von Godard, in denen gleichzeitig zu einem formulierten Gedanken ganz viele Assoziationen angesprochen werden, die der Zuschauer dann selber ergänzen kann. Also ein Lied als eine Art Angebot in vielfältigster Weise und der Hörer ist nur gefordert. Aber, klar, das ist eine sehr persönliche Sicht.

      Rosamunde schrieb:

      Wenn man sich das Abendrot daraufhin anschaut, dann wechseln die Nuancen der Bedeutung nicht auf jedem Wort. Und das kann ja auch generell nicht sein, denn Worte machen ja erst im Satz einen Sinn. Es kann schon auch mal so sein, dass man ein einziges Wort anders bringt, aber von der Tendenz hat man etwa eine Nuance pro Zeile oder auch mal 2 Nuancen pro Zeile, oder eine über 2 Zeilen, aber mehr auch nicht.
      Na, so schlimm ist ES nun auch nicht. ;) Schade eigentlich. Siehe oben. ^^

      Rosamunde schrieb:

      Das "tritt her" ist insgesamt nicht schwach sondern zärtlich nuanciert. In Erinnerung an die schönen Momente, die man zusammen verbracht hat. "Tritt her und lass sie schwirren ,
      Sorry, aber es ist nicht zärtlich nuanciert, was mit Klangmalerei oder Farben erreichbar wäre. Es ist schlichtweg ein 'Dritt' und das ist falsch.
      Das erinnert mich übrigens an das 'ewig' am Ende des 'Lied von der Erde' in der überragenden Klemperer-Aufnahme. Ludwig singt da immer 'ewich' und eben nicht 'ewig'. Aber natürlich macht das Sinn, denn ein gesungenes 'g' würde wie ein Anhalten klingen, was mit einer Ewigkeit nicht konform gehen würde. Da passt ein falsch gesungener Konsonant. Hier, bei Fleming, leider nicht.

      :wink: Wolfram
    • Eine weitere bewegende Aufnahme

      Lucia Popp
      London Philharmonic Orchestra - Klaus Tennstedt
      - hörbar auch hier: youtube.com/watch?v=y63k4LfMem0

      hat hier noch nicht so viel Aufmerksamkeit erregt. Zwar ist Tennstedt weit von der Maestria eines Thielemanns entfernt, er schafft es aber, aus dem Orchester die unterschiedlichen Stimmen der Natur herauszuzaubern, so daß man sich akustich fast wie in einem Märchenwald (oder Märchengarten) vorkommt.
      Die Sopranistin ist auch nicht deutlich vor einer Klangkulisse, sondern sozusagen mitten in der Klanglandschaft.
      Keine Top-Sopranistin vom Rang einer Fleming selbstverständlich, aber eine feinfühlige Interpretin mit einer vielfarbiger Stimme, die wunderbar mit den Farben des Orchesters harmoniert. Hier wird etwas von Lied zu Lied erzählt. Vielleicht ist es wegen Lucia Popp, aber mir kommt der Vergleich mit der Schlußszene von Daphne ins Ohr.
      Tennstedt ist im ruhigen Erzähltempo, er zelebriert nicht und hetzt auch nicht, wie etwa Gentleman Solti.

      Von Lucia Popp gibt es eine zweite Aufnahme. Die ist von Michael Tilson Thomas dirigiert und kurz vor ihrem Tod entstanden. Hier kann man selbstverständlich stimmliche Unsauberkeiten finden, wenn man danach sucht.
      Trotzdem ist es eine Aufnahme, die mich - auch aus persönlichen Gründen, die hier verschwiegen werden sollen - besonders bewegt.

      Aber wenn es auf meiner einsamen Insel eine Duschkabine geben sollte, da würde dort Lucia Popp mit Tennstedt singen.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Philbert schrieb:

      Aber wenn es auf meiner einsamen Insel eine Duschkabine geben sollte, da würde dort Lucia Popp mit Tennstedt singen.
      Ich weiß ja nicht... meinst du nicht, die Dame möchte vielleicht doch lieber alleine duschen...?
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Die andere Popp Aufnahme ist auch in London entstanden.

      (ich habe die wesentlich schöner aussehende Originalausgabe).
      Man findet sie auch hier: youtube.com/watch?v=HGXkJ2KJ0_U
      Tilson Thomas ist eine Spur schneller als Tennstedt, vielleicht aus Rücksicht für die Sängerin - sie verstarb kaum ein halbes Jahr nach der Aufnahme.
      Die Stimme hat etwas an Flexibilität eingebüßt; der Umgang mit Wagner-Rollen hat ihr aber etwas mehr Gewicht gegeben. Das Timbre hat sein unverwechselbares appeal bewahrt.
      Die Solo-Violine ist sehr schön, das Orchester allerdings weniger differenziert als mit Tennstedt.
      Es ist schwer, sich alles vorzustellen, was sich im Kopf der Sängerin während der Aufnahme abspielte, aber Luzidität und Intelligenz waren ihr eigen und auch ohne Verweis auf diese Umstände hätte diese Aufnahme ihren Rang, aber sie erreicht für mich doch nicht das Niveau der Einspielung mit Tennstedt.

      Noch einmal in London, der heimlichen Metropole der 4LL:

      Diesmal eine richtige Top-Sopranistin (und dazu auch offiziell anerkannt: br-klassik.de/themen/oper/kiri…urtstag-75-jahre-100.html )
      Andrew Davis war damals erst 35. Hier breitet er einen üppigen Klangteppich aus, aber das wär's auch.
      Te Kanawa singt absolut tadellos. Eine der schönsten Stimmen aller 4LL-Einspielungen. Man badet buchstäblich in diesen warmen Klangwellen.
      Leider rauschen die Worte an einem vorbei. Es hat einen Hauch von Jugendstil, aber es ist doch die falsche Epoche.
      youtube.com/watch?v=EZpZybloA28


      Die absolute Top-Sopranistin kannte ich bislang vom Luzern-Konzert mit Abbado 2004. youtube.com/watch?v=z5xFL-iFh0Q
      Für "objektiv anlegbare Maßstäbe" reicht es allemal. Dort singt sie vier wunderschöne Vokalisen mit kaum einem Bezug zum Text. Ich muß sagen, dass sie mit Thielemann den Worten viel mehr Achtung schenkt. Leider hat sie übers Ziel hinaus geschossen, denn diesmal wirkt es manieriert (oh, die letzte Strophe von Frühling !) und ihr cremiges Timbre hat einiges von seiner Wärme eingebüßt.
      Für mich, rein subjektiv, ist sie hier kaum erträglich. Ich komme lieber nach Luzern zurück. Auch wegen Abbado und seinem (rettet dem Dativ!) Orchester. Täusch ich mich oder ist tatsächlich Sabine Meyer an der Klarinette?
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Philbert schrieb:

      Diesmal eine richtige Top-Sopranistin (und dazu auch offiziell anerkannt: br-klassik.de/themen/oper/kiri…urtstag-75-jahre-100.html )
      Andrew Davis war damals erst 35. Hier breitet er einen üppigen Klangteppich aus, aber das wär's auch.
      Te Kanawa singt absolut tadellos. Eine der schönsten Stimmen aller 4LL-Einspielungen. Man badet buchstäblich in diesen warmen Klangwellen.
      Leider rauschen die Worte an einem vorbei. Es hat einen Hauch von Jugendstil, aber es ist doch die falsche Epoche.
      Bevor ich die Popp-Versionen mir anhöre, hier eine kurze Antwort zu Te Kanawa. Sie war meine erste Violetta in meiner allerersten Opernaufführung überhaupt. Natürlich war ich hin und weg. Danach legte ich mir diese Aufnahme zu, wie auch manch andere. Aber irgendwann bemerkte ich doch, dass etwas fehlte. Dein Hinweis mit dem 'Jugendstil' ist gar nicht schlecht. Ihr Gesang hat etwas von einem 'dekorativen Stil', unglaublich schön, aber in dieser reinen Schönheit eben auch vordergründig.

      Übrigens liebe ich sie mit ihren beiden Beiträgen (Rondine, Gianni Schicchi) zum Film 'Zimmer mit Aussicht'. Live erlebt habe ich sie danach nur noch im Rosenkavalier in HH. Auch da wunderschön gesungen und trotzdem immer dieses Gefühl von 'da fehlt etwas'.

      :wink: Wolfram
    • Ich habe die Popp einmal live mit den 'Vier letzten Liedern' erlebt, ich glaube es war mit Sanderling. Allerdings weiß ich nicht mehr genau, wann es war. dafür müsste ich in die Untiefen meines Kellers steigen, um das Programm zu finden. Ich denke aber, es war Anfang der 90iger, aber wohl nicht 1993. Da habe ich sie im Frühjahr noch als Marschallin erlebt und es war eine Offenbarung.

      Ich weiß nicht, wann sie genau von ihrer Erkrankung erfahren hat, denke aber immer, dass diese überwältigende Marschallin dem schon geschuldet war. Und genau so, eben mit diesem Wissen, höre ich natürlich die zwei Aufnahmen der 'letzten Lieder'. Da stellt sich bei mir dann nicht mehr die Frage, ob sie 1993 stimmlich anders war als 10 Jahre zuvor, klar war sie das. Ich höre nur in der zweiten Aufnahme eine ganz andere Intensität und Übereinstimmung als bei Tennstedt, wie fragil, wie geradezu schüchtern die Stimme auch geworden ist. Aus welchen Gründen auch immer, trifft sie hier, für mein Empfinden, den 'Tonfall' der Gedichte wesentlich eher, als noch in der früheren Aufnahme. Aber das mag auch meinen Erwartungen geschuldet sein.

      :wink: Wolfram
    • Die grandiose Jessye Norman wurde hier bisher meist in Kombination mit Masur genannt, z. T. auch noch mit Celi. Sehe ich es richtig, dass ihre Darbietung mit Sawallisch und dem Orchestre de la Suisse Romande bisher noch nicht aufgeführt worden ist? Diese findet man auf youtube, leider in sehr mäßiger Tonqualität:

      youtube.com/watch?v=JteREaN0JNQ

      Sawallisch nimmt für meinen Geschmack den Beginn von "Im Abendrot" etwas zu tranig. Davon abgesehen: sehr hörenswert!

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Sawallisch nimmt für meinen Geschmack den Beginn von "Im Abendrot" etwas zu tranig.
      Wenn Sawallisch hier tranig ist, was sagt man dann erst zu Masur, der das Orchestervorspiel nochmal ca. 25% langsamer nimmt? :D

      Mit Margaret Price (auch bei Youtube) dirigiert Sawallisch nicht viel, aber etwas zügiger. Es liegt der Verdacht nahe, dass Frau Norman sich von beiden Dirigenten ein sehr langsames Tempo gewünscht hat - die Qualitäten ihrer Stimme, die großen Bögen, die sie spannt, kommen dabei ja auch eindrucksvoll zur Geltung. Bei Sawallisch/Norman habe ich jetzt nur flüchtig reingehört, aber was Masur/Norman betrifft: so großartig Norman hier singt, so schön auch das Orchester klingt - in mir sträubt sich etwas gegen dieses verschleppte Tempo. Vorgeschrieben ist ein Andante in Vierteln. Und - wie von mir oben schon gesagt - man muss die sukzessive Verlangsamung zum Schluss hin schon hören, was mir nicht gelingt, wenn schon der Beginn ein Largo ist.

      Tempomäßig kommen für mich etwa Szell, (überraschenderweise) Tennstedt und - jahaa - auch Karajan und Thielemann dem Ideal nahe.

      Fleming/Thielemann habe ich neulich gehört. Mit Fleming habe ich im Konzertsaal nur Enttäuschungen erlebt (Stichwort Mikrophonsängerin), aber wenn man dann eine Aufnahme hört, hat die Stimme schon ein bemerkenswertes Strahlen, einen polierten Glanz, den man nicht mögen muss. Ich habe nie den Eindruck, sie wüsste nicht, was sie singt - manchmal weiß sie es zu gut, wie einige übertrieben affektierte Betonungen (z.B. "zittert" in Frühling) zeigen.

      Ich meine zudem, dass (soweit man das von Aufnahmen beurteilen kann) Thielemann einer der wenigen Dirigenten ist, die hier das Orchester zügeln. Zum Beispiel: Fast immer hört man zu Beginn des letzten Lieds ein Sforzato und dann breit im Forte singende Geigen und Bratschen. Da steht aber Fortepiano - und Thielemann nimmt nach dem anfänglichen Akzent die hohen Streicher dynamisch wirklich in leisere Regionen zurück.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)