Camille Saint-Saëns (1835 - 1921) - Der am längsten dienende Komponist aller Zeiten

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    • Camille Saint-Saëns (1835 - 1921) - Der am längsten dienende Komponist aller Zeiten

      "http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/0b/Saintsaens.jpg/800px-Saintsaens.jpg"


      Einer meiner Lieblingskomponisten ist Camille Saint-Saëns, der leider immer noch nicht die Aufmerksamkeit geniesst, die ihm mMn zukäme - ja, Einspielungen seiner bedeutendsten Werke werden sogar immer seltener! Nur ein Bruchteil seines Werkes ist selbst der musikinteressierten Öffentlichkeit bekannt, am traurigsten sieht es bei den Opern aus, von welchen in den meisten Fällen nicht einmal eine Einspielung existiert. Saint-Saëns war immer schon schwer einzuordenen, war er doch avantgardistisch und reaktionär zur selben Zeit. Mit seinen Komponistenkollegen, ausser Fauré, überwarf er sich hoffnungslos und durch antideutsche Tiraden machte er sich in Mitteleuropa unmöglich. Historisch lässt sich der viel zu niedrige Status dieses Komponisten vielleicht erklären, aber eine Neubewertung, ähnlich wie bei Mendelssohn, täte dringendst Not. Mendelssohn ist vielleicht überhaupt der Komponist, der Saint-Saëns am nächsten kommt, was natürlich auch den Zeitgenossen nicht entging. Technisch erreichte er schon in jungen Jahren eine Perfektion, die unübertreffbar war. Wie Mendelssohn war er begnadeter Pianist, vertraute aber seine intimen Gedanken anderen Instrumenten an, und wie Mendelssohn war Saint-Saëns ein begnadeter Orchestrator. Vor zwei Jahren schrieb ich bei Tamino einen Threaderöffnungsbeitrag zu Saint-Saëns, den ich hier gekürzt und leicht verändert wiedergebe:


      Saint-Saëns war ein Wunderkind, das 6-jährig zu komponieren begann. Somit hatte er eine genau 80-jährige Komponistenkarriere hinter sich, als er 1921 in Algier starb. Ich behaupte das ist der Rekord unter den Komponisten lasse mich aber gerne belehren. Infamerweise hatte er nicht nur Brahms und Dvorák überlebt sondern auch Skrjabin, Mahler und Debussy, die Herolde des Modernismus! Das wahrhaft unbegreifliche an Saint-Saëns aber ist, dass er Zeit seines Lebens gleich modern bzw. unmodern komponiert hat - es lässt sich praktisch keine wirkliche Entwicklung feststellen. Zu Beginn seiner Karriere galt er als Bilderstürmer, der begeistert die kompositorischen Prämissen Liszts umsetzte - und zwar mehr oder weniger brühwarm in den 1850ern und 1860er Jahren. 30 Jahre später galt er als hoffnungslos konservativ. Interessanterweise war Saint-Saëns trotzdem der Komponist, der die erste Filmmusik überhaupt schrieb ("L'assassinat du duc de Guise"). Seine Konzerte, jedenfalls, sind nicht nur die ersten bedeutenden Werke dieser Gattung in der Geschichte der französischen Musik sondern auch Meilensteine der Gattung überhaupt. Vom Bild des Klassizisten bleibt nicht viel übrig, wenn man sich den Aufbau seines 2.ten oder 4.ten Klavierkonzerts ansieht. Ähnlich originelles bekam man vielleicht erst wieder von Prokofjew zu hören. Auch im Bereich der symphonischen Dichtung geht er originelle Wege, wie der berühmte Danse macabre zeigt. Ganz eigen ist Saint-Saëns seine hohe Kunst der Instrumentierung: unglaublich transparent und schlank, dennoch effektiv. Meiner Meinung nach kommt da nur Strawinsky heran. Leider wird diese Reihe beeindruckender Werke immer wieder von zweitklassigen Werken klassizistischer Machart unterbrochen, die er nach eigenen Worten schaffen musste wie ein Apfelbaum Äpfel hervorbringen muss. Es wird wohl diese Neigung gewesen sein, die ihm, nach ursprünglicher Begeisterung, die Verachtung Debussys eingehandelt hat. Selbstverständlich war auch Saint-Saëns polemischer Charakter nicht gerade dabei förderlich, seine weniger bedeutenden Schöpfungen (z.B der "Wedding Cake" für Klavier und Orchester) vergessen zu machen.
      Saint-Saëns Schaffen ist ein Flickwerk aus Avantgardismus und konventionellster Attitüde und somit eine Herausforderung an jeden Klassikfreund. Es lohnt sich aber die Perlen herauszufischen. Einige seien hier angeführt:

      Orchestermusik:

      Die fünf Klavierkonzerte und das erste und dritte Violinkonzert; die Orgelsymphonie und die symphonischen Dichtungen "Phaeton" und "Danse macabre". Auch die Konzertfantasie für Violine und Cello "La muse et le poéte" muss hier noch erwähnt werden.

      Kammermusik:

      Die beiden Klaviertrios, vor allem das erste in F-Dur (Op. 18); das herrliche Klavierquartett und seine Werke für Violine und Klavier (zwei Violinsonaten und ein "Tryptichon), sein erstes Streichquartett, das mit seiner Harmonik schon deutlich ins 20.te Jahrhundert weist; die drei herrlichen Bläsersonaten aus seinem letzten Lebensjahr (für Klarinette, Oboe und Fagott), welche Saint-Saëns Schwanengesang darstellen.

      Klaviermusik:

      Ein relativ schwacher Bereich seines Schaffens. Erstklassig sind aber die Beethoven-Variationen Op. 35 und das Scherzo Op. 87, beide Werke für zwei Klaviere, letzteres harmonisch sehr kühn.

      Oper:

      Natürlich sein berühmtestes Werk in dieser Gattung: "Samson et Dalila", eine der bekanntesten französischen Opern. Seine anderen Opern konnte ich leider noch nicht hören, da so gut wie nicht erhältlich.


      Vokalmusik:

      Hier kenne ich mich recht schlecht aus, möchte aber unbedingt auf das Orchesterlied "La cloche" verweisen, das er Mitte der 1850er Jahre komponierte, aber so klingt als wäre es 50 Jahre später geschrieben worden. Ein absolutes Meisterwerk!
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      Kammermusik:

      Die beiden Klaviertrios, vor allem das erste in F-Dur (Op. 18); das herrliche Klavierquartett und seine Werke für Violine und Klavier (zwei Violinsonaten und ein "Tryptichon), sein erstes Streichquartett, das mit seiner Harmonik schon deutlich ins 20.te Jahrhundert weist; die drei herrlichen Bläsersonaten aus seinem letzten Lebensjahr (für Klarinette, Oboe und Fagott), welche Saint-Saëns Schwanengesang darstellen.

      Darf ich die Auflistung um die beiden Cello-Sonaten ergänzen? Hier eine Einspielung mit Andre Navarra und Annie d'Arco :

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Ich behalte mir das Recht vor , Fehler zu machen .
    • Felix Meritis schrieb:

      Klaviermusik:

      Ein relativ schwacher Bereich seines Schaffens. Erstklassig sind aber die Beethoven-Variationen Op. 35 und das Scherzo Op. 87, beide Werke für zwei Klaviere, letzteres harmonisch sehr kühn.
      Ich erlaube mir mal, auf eine Aufnahme der Beethoven-Variationen hinzuweisen, die ich schon vor längerer Zeit in den Capriccio-Bereich "usermusic" gestellt habe:

      http://www.capriccio-kulturforum.de/usermusic/Matthies-Koehn-Variationen.mp3. Das Thema stammt aus dem Menuett aus Beethovens Klaviersonate op. 31 Nr. 3. Besonders faszinierend finde ich die Variationen 4 und 6, bei denen die Klaviere keinen einzigen Ton gleichzeitig sondern immer nur in teilweise rasendem Tempo abwechselnd spielen. Das Ergebnis ist trotzdem ganz anders, als es auf einem Klavier klingen würde. Einen ähnlichen Effekt gibt es am Ende, nach der Fuge (deren Thema auf ebenso einfache wie geniale Weise einfach durch Streichung von Beethovens Pausen zustande gekommen ist).

      Das Scherzo op. 87 ist ebenfalls ein großartiges Ding, vor allem der ganztönige Anfang und eine Passage, bei der die beiden Klaviere sich auf raffinierteste Art zu chromatisch aufsteigenden Terzen ergänzen. Das geht so schnell, dass man als Hörer nicht mehr wahrnehmen kann, woher die Klänge im Einzelnen gerade kommen. Sie schweben auf ganz eigene Art "flirrend" im Raum.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Vielleicht die von mir genannte Aufnahme mal hören ? Durch diese habe ich die 2.Sonate erst schätzen gelernt. Navarra ist für mich sehr überzeugend.
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Ich behalte mir das Recht vor , Fehler zu machen .
    • Felix Meritis schrieb:

      Orchestermusik:

      Die fünf Klavierkonzerte und das erste und dritte Violinkonzert; die Orgelsymphonie und die symphonischen Dichtungen "Phaeton" und "Danse macabre". Auch die Konzertfantasie für Violine und Cello "La muse et le poéte" muss hier noch erwähnt werden.

      Das erste Cellokonzert gehört zum großen Repertoire und wird von allen pubertierenden Cellisten, die was richtig Großes werden wollen, rauf und runter gedudelt .... jaaaaaaaaaaadada:dadada:dadada:dadada:dam_da:daaaadam:__dadaaaadam:

      Das zweite ist relativ unbekannt.

      Herr Schiff und Frau Kliegel haben wohl ansprechende Aufnahmen vorgelegt. Vermutlich können die einschlägigen Experten bessere Empfehlungen geben.



      Für Orgel gibt es noch eine Fantaisie in Es-Dur. Braucht zwingend drei Manuale und soll nicht ganz leicht sein.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • ChKöhn schrieb:

      Ich erlaube mir mal, auf eine Aufnahme der Beethoven-Variationen hinzuweisen, die ich schon vor längerer Zeit in den Capriccio-Bereich "usermusic" gestellt habe:

      Super gemacht!! Klingt absolut großartig. Könnt Ihr das nicht mal auf CD herausbringen?

      Ihr seid flott dabei, und die von Dir besonders erwähnte Variation mit den alternierenden Akkorden habe ich so rasant noch nicht gehört. Der Gestus wird ja in der vorletzten Variation nach der Fuge noch mal etwas verändert wieder aufgenommen. Sehr schön finde ich auch die Trauermarsch-Variation mit den chromatisch aufsteigenden Terzen.
      Ich hatte mich schon beim ersten Mal wo ich die Musik gehört habe darin verliebt. Es ist ein enorm wirkungsvolles Stück, und es ist mir ein Rätsel warum es so selten aufgeführt wird (ich hatte erst 1 Mal Gelegenheit es live zu hören), bzw. warum sich keines der zahlreichen Klavierduos findet es aufzunehmen. Dieses Werk belegt sehr eindrucksvoll die Fähigkeit des Komponisten formvollendete Musik zu schreiben. Für mich eines der Charakteristika des Kompositionsstils von Saint-Saens.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Herr Schiff und Frau Kliegel haben wohl ansprechende Aufnahmen vorgelegt

      Gerade neu erschienen:



      Sehr schöne Aufnahme, ergänzt um "La Muse Et Le Poète Op. 132" für Violine, Cello und Orchester.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Super gemacht!! Klingt absolut großartig.
      Oh, vielen Dank! :schaem:

      Eusebius schrieb:

      Könnt Ihr das nicht mal auf CD herausbringen?
      Das ist ein weites Feld...

      Eusebius schrieb:

      Dieses Werk belegt sehr eindrucksvoll die Fähigkeit des Komponisten formvollendete Musik zu schreiben. Für mich eines der Charakteristika des Kompositionsstils von Saint-Saens.
      Für mich auch. Außerdem finde ich immer wieder beeindruckend diese Verbindung von dramatischem und "weichem" Tonfall, z.B. in der herrlichen Havanaise für Violine und Orchester (deren "schlendernder" Schluss für mich einer der tollsten Final-Einfälle überhaupt ist). Anders gesagt: Die Musik ist, wo sie dramatisch ist, niemals brutal, und wo sie lyrisch-romantisch ist, niemals sentimental. Auf jeden Fall vielen Dank an Felix Meritis für den Anstoß, sich mal wieder damit zu beschäftigen. Bei mir läuft gerade diese Aufnahme der Orgel-Symphonie:



      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Mauerblümchen schrieb:

      Das erste Cellokonzert gehört zum großen Repertoire und wird von allen pubertierenden Cellisten, die was richtig Großes werden wollen, rauf und runter gedudelt .... jaaaaaaaaaaadada:dadada:dadada:dadada:dam_da:daaaadam:__dadaaaadam:

      Ich weiss, dass das Konzert sehr bekannt ist und zum Kernrepertoire gehört, allerdings ist beim Cello die Konkurrenz einfach schwächer als bei der Violine und - erst recht - beim Klavier. Natürlich finde ich das Werk nicht schlecht, aber eben viel weniger zündend als das erste Violinkonzert, das beinahe unbekannt ist aber mMn von der ersten bis zur letzten Note keine Sekunde nachlässt.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Einer meiner Lieblingswerke überhaupt ist der Karneval der Tiere. Ich las mal irgendwo, Saint-Saëns wollte nicht, dass er zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wird. Denn er habe um seinen Ruf als seriöser Komponist gefürchtet. Dennoch finde ich diese lustige Suite nicht nur unterhaltsam, sondern durchaus herausragend gut.

      Zuerst hatte ich diese Aufnahme



      auf der ich den Karneval allerdings nicht so gelungen finde. Dafür ist noch das interessante Klavierquintett op. 14 mit drauf sowie ein recht spätes Werk: Die Musik zu dem frühen Kurzfilm über die Ermordung des Herzogs von Guise op. 128.
      Wahrscheinlich handelt es sich um eine der ersten originären Filmmusiken. Sonst hat man wohl oft improvisiert bzw. Versatzstücke aus Werken Wagners, Liszts oder so verwendet. (Jedenfalls sah ich mal eine derartige Aufführung von Murnaus Faust (?) im Berliner Musikinstrumenten-Museum.)

      Deutlich besser gefällt mir der Karneval bei dieser Zusammenstellung von Sony, die immer wieder mit anderem Cover herausgegeben wird:

      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Tyras schrieb:

      Deutlich besser gefällt mir der Karneval bei dieser Zusammenstellung von Sony, die immer wieder mit anderem Cover herausgegeben wird:

      Die Saint-Saens Einspielungen von Ormandy sind samt und sonders Knaller - die schönsten mir bekannten Einspielungen. Die Klavierkonzerte 2 und 4 mit Entremont, die Orgelsymphonie und der Danse macabre sind einfach fantastisch interpretiert.

      Zusätzlich zu der von Dir gezeigten CD:
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Ich bin ein großer Fan der Klavierkonzerte. Am meisten hat es mir - obwohl es vielleicht nicht als das gehaltvollste der Konzerte gilt - das erste in D-Dur op. 17 angetan. Besonders der erste Satz, dieser jagdhornhafte Ruf und dann das sich entspinnende brillante Allegro assai... Das ist doch ganz hinreißende, im besten Sinne virtuose Musik.

      Aufnahmen der Konzerte gibt es ja doch eine Reihe. In meinem Regal stehen diese beiden:



      Ohne ein großer Kenner von Klaviermusik zu sein, fand ich mich bislang doch recht gut bedient. Ich bin allerdings ein echter Banause und so glaube ich jedem gern, der mir sagt, man müsse besser Collard, Rogé oder Hough hören. Vielleicht komme ich dereinst dazu. ;+)

      Auf die folgende Komposition muss eigentlich nicht hingewiesen werden, ich tu's dennoch:



      Das pastorale "Oratorio de Noel" ist mittlerweile fester Bestandteil beinahe jeder Kantorei und wird in deutschen Kirchen in der Weihnachtszeit recht häufig zur Aufführung gebracht. Ich habe es erstmals im Schulchor gesungen und bin seitdem hin und weg. Die Aufnahme des Vokalensemble Rastatt ist tadellos, an der Kruzianer-Aufnahme hänge ich aus sentimentalen Gründen...

      :wink: Agravain

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Agravain ()

    • Mauerblümchen schrieb:

      Das erste Cellokonzert gehört zum großen Repertoire und wird von allen pubertierenden Cellisten, die was richtig Großes werden wollen, rauf und runter gedudelt .... jaaaaaaaaaaadada:dadada:dadada:dadada:dam_da:daaaadam:__dadaaaadam:
      JA!Dam: daa daa daa dadada dadada dadada dadada dadada dadada dadada dadada dadada da dam damm..... ja, dam damm...... jau.
      Rumss und das ganze von vorne.

      Es ist trotzdem ein tolles Konzert, eines der besten.
      Vor allem ,wenn man es richtig gut rauf und runter dudeln kann, was nicht so leicht ist.
      An diesem Konzert kann man leicht erkennen, ob ein Cellist in der Lage ist, Triolen exakt zu spielen.
      Und viele können es nicht, btw.......
      Aber natürlich ist es ein dankbares Konzert, nur bei pubertierenden eher in den falschen Händen.

      Gut, zu Hause von mir aus oder im Schülervorspiel, aber dieses Konzert ist eigentlich zu schade für ein Gedudel.

      Das zweite Konzert dagegen ist fast unspielbar, aber auch hübsch- für Masochisten.
    • Die Klaviermusik ist noch relativ wenig erschlossen. Zwar erfreuen sich die 5 Klavierkonzerte, und hier besonders das 2., welches zu den "Schlachtrössern" des Konzertrepertoires gehört, großer Beliebtheit, aber die Solo Klavierwerke werden fast gar nicht mehr gespielt. Das mag zum einen daran liegen, daß Saint-Saens reichlich Salonstücke geschrieben hat, und vor der großen Form zurückgeschreckt ist. Aber das trifft ja auch in gewisser Weise auf Fauré zu, dessen Oeuvre hingegen häufiger aufgeführt wird. Beide haben auch keine Sonaten geschrieben. Bei Saint-Saens lag es wohlmöglich daran, daß er dies aus Respekt vor seinem großen Idol Beethoven vermieden hat, dessen Sonaten er für den Gipfel der Gattung hielt. Aber wahrscheinlich fehlt es einfach an der nötigen Bereitschaft von Pianisten sich diesen Werken zu widmen, wie das in vielen anderen Fällen auch so ist.

      Die musikalische Ausbeute ist jedenfalls sehr unterschiedlich ausgefallen, und wir finden in den Klavierwerken sowohl leichtgewichtige Gelegenheitswerke, als auch ambitionierte Kompositionen, denen man es wünschen würde der Vergessenheit entrissen zu werden. Dazu gehören z.B. die Etuden, von denen es insgesamt 3 Zyklen zu jeweils 6 Einzelstücken gibt (op.52, 111 und 135). Die 6 Etuden op.135 sind für die linke Hand allein geschrieben, und alten Tanzformen des Barock nachempfunden. Angeblich hatte seine Duettpartnerin Caroline de Serres sie sich gewünscht, da sie an der rechten Hand operiert werden musste. Aber wahrscheinlicher ist es, das sie für die Meisterschüler von Louis Diémer verfasst wurden. Die Etuden sind technisch sehr anspruchsvoll und zeigen eindrücklich, welch fabelhafter Pianist Saint-Saens gewesen sein muß, denn er hat seine Werke auch selber aufgeführt. Die op.52 und 111 sind jeweils einem Pianisten gewidmet, und beschäftigen sich mit einem technischen Problem (wie das bei Etuden eben so ist). Darüberhinaus sind sie aber voller origineller Einfälle und pianistischer Feinheiten, also alles andere als trockene Übungsstücke, eben ganz in der Tradition eines Chopin oder Lizst, der von Saint-Saens bewundert wurde. Umgekehrt war Liszt ein Förderer seines jüngeren Kollegen, hat eine hinreissende Bearbeitung des "Dabse macabre" angefertigt und Saint-Saens zur Vollendung seiner berühmtesten Oper "Samson et Dalila" ermuntert.
      Auf die Variationen op.35 wurde ja bereits hingewiesen. Sie gehören zweifellos zu dem besten was der Komponist an Klaviermusik verfasst hat.

      Diskografisch sieht es bei der Klaviermusik sehr düster aus. Mir ist als Gesamtaufnahme eigentlich nur die alte Vox-Aufnahme von 1974 mit Marilène Dosse bekannt, die auch die Werke für 2 Klaviere und Klavier 4-händig beeinhaltet (mit Annie Petit als Duopartnerin).



      Die Aufnahmequalität ist bescheiden, aber Frau Dosse liefert überwiegend ein zufriedenstellendes Ergebnis ab. Bei den Etuden hat sie allerdings doch einige Probleme den enormen Herausforderungen gerecht zu werden. Da gibt es aber eine extrem gute Einspielung mit Piers Lane, die ich dringend empfehlen möchte.



      Diese Aufnahme klingt nicht nur gut, sondern sie ist ein echtes Juwel. Insbesondere die beiden Paradestücke op.52,6 und op.111,6 (nach Themen aus dem 3. Satz des 5. Klavierkonzertes) werden umwerfend gespielt.

      Bei der Klaviermusik gibt es auch noch den Komponisten von Bearbeitungen. Insbesondere die Werke von J.S. Bach hatten es Saint-Saens dabei angetan, und so hat er eine ganze Reihe von Werken des Meisters für Klavier bearbeitet. Am bekanntesten ist vielleicht die Bearbeitung der einleitenden Sinfonia aus der Kantate BWV29 (Herr Gott wir danken dir), die wiederum auf die Partita Nr.3 für Violine Solo BWV1006 in E-Dur zurückgeht. Weitere Bearbeitungen befassen sich mit Auszügen aus Kantaten und solchen aus den Partiten für Solovioline.
      Dazu gibt es bei Hyperion eine schöne Aufnahme mit der Pianistin Nadejda Vlaeva.



      In Bezug auf Tasteninstrumente sollte noch darauf hingewiesen werden, dass Saint-Saens auch eine große Anzahl von Orgelwerken hinterlassen hat. Er war 20 Jahre lang Organist an der Madleine in Paris, die bezeichnenderweise durch ihr klassizistisches Äusseres eine Parallele zum Kunstgeschmack von Saint-Saens darstellt. Hier konnte er die meisten seiner Orgelwerke entwickeln und aufführen. Da ich kein Experte für Orgelmusik bin, könnte hier vielleicht jemand anderes etwas zu den Werken sagen. Jedenfalls hat Hyperion es in verdienstvoller Weise übernommen (wie bei einem sehr großen Teil seines Werkes) die Orgelwerke aufzunehmen.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Felix Meritis schrieb:

      Klaviermusik: Ein relativ schwacher Bereich seines Schaffens. Erstklassig sind aber die Beethoven-Variationen Op. 35 und das Scherzo Op. 87, beide Werke für zwei Klaviere, letzteres harmonisch sehr kühn.


      Ein spritziges Virtuosenstück ist die Toccata op. 111 - imho ein absoluter pianistischer Leckerbissen!

      In diesem Video wird das Stück gespielt von Jeanne-Marie Darré (1905-1999)

      "http://www.youtube.com/watch?v=ZJMi_DD0b5s"

      Jeanne-Marie Darré hat als junge Pianistin dem greisen Saint-Saens dessen eigene Werke vorgespielt. Sie spielte in einem sensationellen Konzert an ihrem 21. Geburtstag hintereinanderweg alle FÜNF Klavierkonzerte von Saint-Saens mit dem Lamoureux-Orchester unter Paul Paray. Das würde sich heute sicher niemand mehr zutrauen/zumuten.

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Es ist trotzdem ein tolles Konzert, eines der besten.
      Das finde ich auch! Meine Lieblingseinspielungen sind die mit Leonard Rose/Ormandy, Yo Yo Ma/Maazel und Steven Isserlis/MTT - allerdings bin ich kein Celloexperte und wäre für andere Empfehlungen empfänglich.

      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Felix Meritis schrieb:

      Die Saint-Saens Einspielungen von Ormandy sind samt und sonders Knaller - die schönsten mir bekannten Einspielungen.

      Allerdings - das gilt für die Sinfonie Nr.3, CC 1 mit Rose, KK Nr.2 und 4 mit Entremont, Karneval der Tiere u.v.m.

      Vor vielen Jahren habe ich mir diese schöne CD mit Dutoit zugelegt um die Lücken der kleinen Werke und Sinfonischen Dichtungen von Saint-Saens zu füllen.
      Hier ist auch Danse macabre dabei - ein Werk das ich ebenfalls sehr schätze:


      DECCA, 1979-81, ADD

      Das Ganze in interpretatorisch und technisch ausgezeichneten Aufnahmen: 66:27 Saint-Saens mit etwas unbekannterem Repertoire.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang