Raritäten der Kammermusik

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    • Ignacy Friedman: Klavierquintett c-Moll (1918)

      Da Krakau während der polnischen Teilung unter österreichischer Herrschaft stand, war es wohl das Nächstliegende, dass Ignacy Friedman, der schon als Wunderkind berühmt geworden war, 1901 nach Wien ging, um bei Leschetitzky zu studieren; sein dortiges Debüt 1904 fand große Beachtung. Er wurde auch als „Leschetitzkys schnellstes Pferd“ bezeichnet, und war einer seiner Lieblingsschüler. Später zog er nach Berlin, dann nach Dänemark und Italien, von wo aus er 1939 nach Australien floh, wo er bis zu seinem Tod blieb.
      Friedman trat unermüdlich in aller Welt auf und musizierte mit den führenden Dirigenten und Kammermusikern seiner Zeit, darunter Mengelberg, Nikisch, Huberman und Casals. Er verfügte über ein breites Repertoire und war besonders für sein Chopin-Spiel berühmt; mit gerade einmal 31 Jahren gab er dessen Werke 1913 für Breitkopf & Härtel heraus. FriedmanseigeneWerkesindheutewenigbekannt. Neben einer großen Zahl an Klavierwerken stehen ebenso viele Bearbeitungen anderer Komponisten (z.B. J.S. Bach). Anders als Paderewski, jedoch ganz ähnlich wie Zarebski schrieb Friedman keine Werke für Klavier und Orchester. Sein Klavierquintett zeichnet sich, wie das Zarebskis, durch seinen poetischen Ton aus, nicht dadurch, dass es ein Vehikel für Tastenvirtuosität wäre (obgleich der Klavierpart schon sehr anspruchsvoll ist). Trotz der Widmung an die spanische Königswitwe Maria Christina und der Veröffentlichung 1918 blieb es viele Jahre lang unaufgeführt.
      Zitiert aus dem Booklet zur CD


      Das Eröffnungsthema hat einen „großen Ton“ mit seinen punktierten Rhythmen und chromatisch absteigenden Vier-Sechzehntel-Gruppen (Allegro maestoso). Dieses Thema und dessen Motivteile werden in einer ausgedehnten Exposition vorgestellt. Dann, nach einem ritardando, verlangsamt sich das Tempo und es hebt eine wunderschöne Walzermelodie an, die allerdings den rhytmischen Keim des ersten Themas in sich trägt. Diese Passage evoziert ein typisches „Rosenkavalier-Feeling“, um es mal salopp auszudrücken. Wenn man es nicht zu süßlich spielt (was die Interpreten in der o.g. Aufnahme zum Glück nicht tun), so verströmt diese Musik eine ausgesprochene Wohligkeit, und leise Melancholie. (NB: Das Stück stammt von 1918, da ist die Donaumonarchie samt der alten Ordnung in Europa gerade zusammengebrochen). Nach der Wiederholung der Exposition werden alle Motive kontrapunktisch durchgeführt. Aber es ist das Walzerthema welches die Oberhand behält. Die Reprise bringt zwar noch einmal das Eröffnungsthema, aber der Schluss wird wieder eindeutig vom Walzerthema beherrscht.

      Der zweite Satz ist eine Folge von 8 Variationen. Friedman setzt die einzelnen Variationen deutlich durch Tempowechsel voneinander ab, sodass sie wie einzelne Miniaturen wirken. Thematisch stets miteinander verbunden, werden sie doch häufig frei erweitert. Es gibt drei Hauptmotive: eine kurze melodische Phrase des Klaviers, die das ausdrucksvolle Intervall einer verminderten Quarte umschließt, gefolgt von einer langsamen nichtchromatischen Wendung des Cellos und etwas später von einem dritten Motiv in gleichmäßigen Achteln (zuerst im Klavier, dann von der Bratsche nachgeahmt). Aus den acht Variationen stechen einige heraus. Die dritte beginnt als lebhafte Mazurka, nimmt aber bald eine andere Richtung. Die fünfte ist als Menuett angelegt. Die sechste, im 9/8-Takt gehaltene, trägt die ungewöhnliche Bezeichnung „Barcollando“, was so viel bedeutet wie„schwingend“ oder „schaukelnd“, und der Barcarolle verwandt ist. Den Abschluss bildet eine Fuge, die allerdings, ganz in der Grundstimmung des Werkes, bald langgezogenen Träumereien der Streicher über zarten Oktaven des Klaviers weicht. Der Satz steht in g-Moll, was im Gegensatz zum ersten Satz, auch seiner überwiegenden Grundstimmung entspricht.

      Der Schlusssatz (Allegretto semplice) trägt denTitel „Epilog“,was zwar ungewöhnlich, aber im Hinblick auf die Verwendung von Motiven aus den vorangegangenen Sätzen, durchaus plausibel ist. Er beginnt mit einer Tanzweise, die ihren unschuldigen Ton in mehreren Veränderungen beibehält, bis ein schmissigeres zweites Thema eintritt. Nach der Wiederkehr der ersten Melodie durchmischt Friedman den Rest des Finales mit Reminiszenzen an die ersten beiden Sätze. Nach einem kraftvollen Höhepunkt stimmt der Satz wieder einen charmanteren Tonfall an, und das bezaubernde Stück schließt mit einem besinnlichen Ausdruck.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Heinrich Kaspar Schmid

      Vor einigen Tagen bestellt, da wohl im Ausverkauf, heute kennengelernt, möglicherweise die einzige CD, die man mit Musik dieses Meisters aktuell bequem erwerben kann ... und ich bin sehr angetan.



      Der bayrische Komponist bewegt sich mit seiner eingängigen, aber keineswegs billigen, strukturell durchdacht und stimmig konzipierten Kammermusik in der Nachfolge von Brahms und Schumann, erinnert bisweilen an Reger und Pfitzner, ist aber aufgrund der eleganten Melodik etwas leichter zu hören als die beiden zuletzt Genannten ...

      Das interessanteste Werk ist das während des Zweiten Weltkriegs entstandene - und von daher natürlich epigonale - Trio für Klarinette, Viola und Klavier. Es ist aber gewiss ein schöner und zu Unrecht unbekannter Beitrag zu diesem Genre, das Mozart und Brahms (Anmerkungen 1 :D 2 X( ) mit Meisterwerken beglückt haben. Meine Empfehlung zumindest an die einschlägigen Liebhaber.

      (1) ... auch Schmids Opus 114 - kann das ein Zufall sein ??

      EDIT: (2) Brahms hat die Viola durch das Violoncello ersetzt. Frechheit. :P

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Felix Meritis schrieb:

      Magus schrieb:

      Generell lohnt sich ein Ausflug in die Spohrschen Kammermusik"raritäten"; besonders möchte ich auch seine Klaviertrios hier empfehlen (Aufnahmen gibts u.a. bei Naxos).
      Am besten die Aufnahmen des Beethoven Trio Ravensburg kaufen, die man für einen Appel und ein Ei bei jpc ordern kann. Mir gefallen die Werke gut, vor allem das 2. Trio ist sehr hörenswert.


      Da habe ich jetzt auch endlich zugeschlagen und bin nach dem ersten Durchgang nicht nur erfreut, sondern noch deutlicher auf den Spuren des Personalstils als in Anbetracht der mir bekannten ein, zwei Violinkonzerte, Doppelkonzerte, der vier attraktiven Klarinettenkonzerte, der sechsten Sinfonie ... das dürfte es in etwa gewesen sein.

      :thumbup: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Constantino Gaito



      Der bei uns reichlich unbekannte, in seiner Heimat durchaus geläufige argentinische Spätromantiker verknüpft in seiner rund hundert Jahre alten Kammermusik einen Hauch Folklore mit einem kräftigen Schuss Salon und man fühlt sich ein wenig erinnert an Gabriel Faurés milden, schwebenden Impressionismus. Am besten gefällt mir das abschließende Quintett. Das ist keine strukturell bedeutende oder tief lotende Kammermusik, aber klanglich delikat, prächtig melodiös, virtuos und erfindungsreich. Aufnahmequalität und Spiel sind exzellent. Diese Scheibe werde ich mir sicher noch öfters zu Gemüte führen.

      :thumbup: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Angeregt durch die von Andréjo empfohlenen Scheibe mit Musik von Constantino Gaito, habe ich mal geforscht was es sonst noch so gibt, und bin auf diese Veröffentlchung gestoßen


      leider gerade ausverkauft, also habe ich wohl die letzte Scheibe erwischt


      Es spielt dasselbe Quartett wie bei der CPO Veröffentlichung. Ähnlich wie beim Klavierquintett handelt es sich um sehr ansprechende Musik, die der Entstehungszeit entsprechend (1916 bzw. 1924) im spüätromantischen Stil verfasst ist. Leider ist die diskografische Ausbeute momentan sehr reduziert, und es wäre zu wünschen, dass auch andere Werke dieses interessanten Komponisten aufgeführt und/oder aufgenommen würden.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Es spielt dasselbe Quartett wie bei der CPO Veröffentlichung. Ähnlich wie beim Klavierquintett handelt es sich um sehr ansprechende Musik, die der Entstehungszeit entsprechend (1916 bzw. 1924) im spüätromantischen Stil verfasst ist.
      Ja, diese CD mit dem Sarastro Q habe ich auch in guter Erinnerung, obwohl ich glaube, ein anderes Cover zu haben, muss ich heute abend mal klären.
    • Fernand de la Tombelle (1854 – 1928) Klaviertrio a-Moll op. 35

      Der Komponist Fernand de la Tombelle dürfte vielen Musikfreunden wohl unbekannt sein. Ich erlebte sein Klaviertrio vor einigen Wochen anlässlich eines Konzertes im kleinen Saal der Elbphilharmonie.


      Er war ein universell gebildeter und an vielem interessierter Mensch, in dieser Hinsicht Saint-Saëns vergleichbar, mit welchem er auch befreundet war, und mit dem er vieles auch in musikalischer Hinsicht gemein hatte. Neben der Musik betätigte er sich als Kolumnist, Bildhauer und Maler, Kunstfotograf, Musikethnologe und Astronom. Sein Instrument mit dem er auch konzertierend auftrat war die Orgel, die er bei Alexandre Guilmant in Paris am Conservatoire studierte. Sein Schaffen umfasst neben Kammermusik eine Vielzahl von Orgelwerken, Lieder, Sakralmusik und Orchesterwerke.Sein Stil folgt durchaus den Konventionen seiner Zeit, und wurde als „abwechselnd leidenschaftliche Romantik oder strenger Klassizismus [...] oft melancholisch, aber immer elegant“ beschrieben. Er beschäftigte sich überdies mit der Folklore des Périgord und des Bearn. Das wiederum brachte ihn mit Charles Bordes und Vincent D’Indy zusammen, mit denen und einigen anderen er die Schola Cantorum de Paris gründete, und wo er 10 Jahre lang Harmonielehre unterrichtete.

      In diese Zeit fällt auch die Komposition seines einzigen Klaviertrios op. 35 (1895). Es ist dem Pianisten Isidor Philipp gewidmet und hat 4 Sätze.

      Der erste Satz (Allegro, a-Moll) beginnt mit einem Thema, welches von Cello und Violine unisono vorgetragen und vom Klavier mit bewegter Figuration begleitet wird. Das Grundmotif a-g-a-f wird in unterschiedlicher Weise verarbeitet. Das 2. Thema ist eine ruhige Cantilene des Cellos, welche lang ausschwingt und dann von der Violine aufgenommen wird. Dem Klavier kommen dabei auffallend wenig motivische Aufgaben zu, es beschränkt sich weitgehend auf die Begleitung. Durchführung und Reprise folgen dem klassischen Muster. Die Wiederholung des 2. Themas erfolgt jetzt in A-Dur anstatt C-Dur wie in der Exposition. Der Satz endet mit einer Coda (Piu Presto), in welcher Motivteile der beiden Themen verarbeitet werden. Allerdings endet der Satz trotz gesteigerter Dramatik mit einem Pizzicato der Streicher im Piano.

      Das Thema des 2. Satzes (Lento, C-Dur) wird wieder vom Cello, grundiert durch Akkorde des Klaviers in halben Noten, eingeführt. Violine und Cello vereinigen sich dann zu einem Duett. Der Satz ist in einfacher ABA Form aufgebaut, und nach einem auch harmonisch vielfältigeren Mittelteil kehrt das Anfangsthema mit leichten Veränderungen wieder zurück. Der Satz strahlt eine große Ruhe aus, und hat durchaus etwas mit der Musik von Gabriel Fauré gemeinsam.

      Der 3. Satz (Allegretto scherzando, d-Moll) hat mit seiner permanenten Unruhe etwas spukhaftes, und hier scheint Mendelssohn das Vorbild gewesen zu sein. Statt eines Trios gibt es 2 ruhigere Einschübe, die an Schumann oder Brahms denken lassen. Hier übernimmt ausnahmsweise einmal das Klavier die thematische Arbeit. Die Musik verflüchtigt sich zum Ende, wie ein Windhauch.

      Der 4. Satz (Allegro vivace, a-Moll) ist wiederum in Sonatenform gehalten, und beginnt mit abstürzenden Tonleitern im Klavier, worauf ein dramatisches Thema von der Violine eingeführt und dann vom Cello aufgenommen wird. Im weiteren Verlauf steigert sich die Dramatik noch, um dann in eine „Grandioso“ Episode überzugehen, in welcher das Klavier ein auftrumpfendes Thema in halben Notenwerten vorstellt. Aber die Ruhe währt nicht lang und mündet in die Durchführung, in welcher die vorherige dramatische Bewegung wieder aufgenommen wird. Die Coda wird mit einer ruhigen Passage (Andante) eingeleitet, um dann nach einem schnellen Abwärtslauf im ff und molto Allegro auszuklingen.

      Auch wenn das Trio eher konventionell gearbeitet und für seine Entstehungszeit nicht eben besonders fortschrittlich ist, so ist es doch interessant und schön genug, dass man es mehrmals wieder anhören möchte.
      Es gibt nach meiner Kenntnis nur eine Aufnahme des Werkes, gepaart mit seinem Streichquartett E-Dur op. 36.



      Die Aufnahme ist recht ordentlich und als Einstieg gut geeignet. Mir fehlt bisweilen ein energischerer Zugriff, besonders im 1. Satz. Das klang im Konzert eine Spur überzeugender (Mitglieder des NDR Sinfonieorchesters ndr.de/orchester_chor/elbphilh…ert,kammerkonzert222.html).

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Es gibt nur eine einzige Aufnahme von dem Werk (auf eine konzertante Aufführung dürfen wir wohl kaum hoffen), die beim Label Dutton auch schon wieder gestrichen ist.
      .. gemeint ist das Klaviersextett von S. Liapounov. Im Dezember 2017 wurde das Werk tatsächlich im kleinen Saal der Elbphilharmonie aufgeführt, und zwar in der selben Besetzung wie bei dieser Aufnahme (die ich Dank der Großzügigkeit meiner Gattin jetzt auch mein Eigen nenne):



      Dabei handelt es sich um eine sehr schöne Aufnahme, die richtig Freude macht. Mit dem Kauf unterstützt ihr ausserdem ein kleines engagiertes Label aus Hamburg.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Sergej Tanejew

      Raritäten der Kammermusik

      Eusebius hat das Klavierquintett in einem exzellenten Beitrag weiter oben bereits vorgestellt. Nachdem ich dieses Werk, ohne den Beitrag von Eusebius im Hinterkopf, kürzlich in einer Konzertübertragung mit den Solisten der folgenden CD kennenlernen konnte und einer der Mitwirkenden in seiner kurzen Einführung davon geschwärmt hat, was für ein gänzlich unbekanntes Meisterwerk von ihnen jetzt gespielt werde, habe ich mir die CD gekauft. Eusebius' Link auf eine Einspielung aus Lugano findet sich in seinem oben verlinkten Beitrag. Ich möchte mir aus den üblichen banalen Gründen diese Scheibe nicht auch noch zulegen - an ihrer Qualität und Spielfreude zweifle ich nicht im Geringsten.



      Die soeben verlinkte CD stellt noch das Klaviertrio - mir auch in einer anderen Einspielung etwas länger schon bekannt - und das Klavierquartett - heute erstmals gehört - vor und ich kann nur bestätigen, dass diese Musik meisterhaft ist. Spätromantisches Pathos findet sich ausgewogen ohne Exaltation, der Grad an stilistischer Eigenständigkeit ist groß genug - sicher wird Tanejew von Brahms und russischer Kammermusik anderer großer Kollegen nicht unbeeinflusst sein. Aber es herrscht ein Maß an melodischer Präzision, Formstrenge, dicht gewobener Struktur, das mich ungemein beeindruckt, ästhetisch anspricht und keinen Funken Langeweile aufkommen lässt.

      :thumbsup: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Kammermusik von Friedrich Kiel (1821 - 1885)

      Friedrich Kiel war ein gebürtiger Westfale, der die meiste Zeit seines Lebens in Berlin gewirkt hat. So wie die meisten deutschen Komponisten des 19. Jahrhunderts, die einen konservativeren Kompositionsstil pflegten, ist er nach seinem Tod mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Das finde ich gerade im Falle Kiels sehr schade, denn er war mMn ein wirklich hervorragender Komponist. Natürlich kann man ihn ohne Probleme der Mendelssohn/Schumann/Brahms Richtung zuordnen, dennoch hatte er eine eigene Tonsprache, was vor allem in seinen Klaviequartetten heraushörbar ist. Die Faktur ist stets deutlich lichter als bei Brahms und der Klangsinn erinnert öfters an Franzosen wie Saint-Saens. Die melodisch-thematischen Einfälle sind oft sehr attraktiv. Angeregt, dies zu schreiben, wurde ich von Keils Violasonate, die ich vor kurzem eingespielt auf CD gehört habe. So wie die Klavierquartette ein wirklich schönes Werk, das mehr Bekanntheit verdiente!

      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      So wie die Klavierquartette ein wirklich schönes Werk, das mehr Bekanntheit verdiente!
      .. und die wir Oliver Triendl sei Dank auf dieser schönen Aufnahme hören können. Man kann es gar nicht hoch genug einschätzen, was dieser Mann für die Verbreitung selten gespielter Kammermusik getan hat.
      Die Viola-Sonate werde ich mir demnächst mal anhören. Danke für den Hinweis.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • In den 70ern und 80ern erfüllte Horst Göbel mit seinem Trio und anderen Kammerensembles eine ähnliche Funktion.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Und Prinz Louis Ferdinand! (Da war mir die Musik aber größtenteils doch zu uninteressant)

      Besser habe ich die cpo-Doppel-CD mit Goetz' Kammermusik in Erinnerung

      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Auch das ist eine sehr wertvolle Einspielung (obwohl mir bei Goetz ausnahmsweise die Orchestermusik mehr gefällt)! Ich muss allerdings sagen, dass mir Triendls Aufnahmen qualitativ doch besser vorkommen als die Göbels. Teilweise ist auch die Klangtechnik nicht so toll, etwa bei den Rheinbergeraufnahmen.

      Jedenfalls wäre es schön, wenn noch mehr Musiker sich diesem Repertoire widmen würden. Gerade unlängst fiel mir z.B. auf, dass es keine Einspielung von Reineckes Klaviertrios mit Streichern oder seinen Streichquartetten gibt. Das finde ich außerordentlich schade, da Reinecke stets gute Qualität liefert. Ich ziehe Reinecke etwa dem häufiger eingespielten Gade deutlich deutlich vor.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.