DONIZETTI, La Fille du Regiment. Klosterneuburg, 17. Juli 2009

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    • DONIZETTI, La Fille du Regiment. Klosterneuburg, 17. Juli 2009

      Würde ich nach unserer Jahrhundertproduktion der "Fille du Regiment" an der WSO, wo von der Regie bis zur Besetzung der kleinsten Rolle einfach alles perfekt passte, mit Natalie Dessay und Juan Diegi Flórez ein Traumpaar des Belcanto auf der Bühne stand, diesem "Sommertheater" überhaupt etwas Positives abgewinnen können?? Diese bange Frage stellte ich mir am Freitag, als ich mit meinen Freunden zum Opernfestival nach Klosterneuburg bei Wien aufbrach. Um es vorwegzunehmen: Ich konnte es, und zwar ganz ohne Selbstverleugnung.
      Nun stelle ich an eine Freiluftaufführung von vornherein andere Ansprüche als an eine "richtige" Vorstellung in einem geschlossenen Haus, aber im intimen Barockhof dieses Klosters agieren die Sänger ohne Mikro und Verstärkeranlage, ihre Leistungen können daher seriös bewertet werden. (Was ich z.B. bei Großveranstaltungen wie St. Margarethen mit ihrer Megabeschallung von allen Seiten gar nicht erst versuchen würde - dort zählt für mich einzig und alleine das "grande spettacolo" ;+) )
      In Klosterneuburg versteht man es immer, mit einem Minimum an Bühnenbild dennoch die nötige Atmosphäre zu erzeugen. Diesmal genügt eine schräg zum Orchestergraben abfallende Spielfläche, die von einem mächtigen, fleckig-grau bemalten schiefwinkeligen Dreieck im Hintergrund abgeschlossen wird, um dem Publikum zu suggerieren, dass es sich in einer Gebirgslandschaft befindet. Ein dezenter weißer Streifen an der Spitze deutet einen Gletscher an, über dem allmählich echte Sterne aufgingen. Einige Öffnungen in diesem "Berg" ermöglichen die Auf- und Abtritte der Sänger, manchmal erklimmen sie die Bühne aber auch ganz im Stile von Alpinisten über zwei links und rechts gegen die Bühne gelehnte Leitern. Das tut gleich zu Beginn ächzend und stöhnend die Marquise von Berkenfield, fürsoglich am Seil gesichert von ihrem getreuen Haushofmeister Hortensius.
      Schon zuvor haben sich im Bühnenboden Klappen geöffnet, durch welche die wackeren Tiroler Bauern ängstlich nach dem französischen Feind Ausschau halten. Nach der Entwarnung rotten sich allmählich alle oben zusammen und bestaunen diesen merkwürdigen aristokratischen Vogel, der ihnen da zugeflogen ist.
      Das französische Feldlager besteht im Wesentlichen aus zwei großen Kisten, eines davon dient Marie als Beutelager, denn sie nimmt ihre Aufgabe als Marketenderin sehr ernst und "organisiert" (vornehm ausgedrückt...) die sehr nahrhafte Verpflegung für ihre "Väter", in erster Linie bestehend aus Tiroler Speck. Woher ich das so genau weiß, obwohl ich leider des Französischen nicht mächtig bin? Nun, in Klosterneuburg werden die Dialoge deutsch gesprochen, in einer modernen Bearbeitung, die ich großteils ziemlich albern fand und diese "Fille" in meinen Augen in die Nähe zu einer Operette rückte. Dass in diesen Text obendrein zahlreiche Anspielungen auf aktuelle Polit- und Wirtschaftsskandale einfließen, verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. (Nichts gegen Operetten, aber die "Fille" ist für mich nun einmal eine Oper, und zwar eine, die auch ohne Seitenhiebe auf AUA-Aktien u.ä. witzig genug ist. ) Werden die Dialoge vor der Pause durch (zu)viel Klamauk angereichert, muss diese Zeit im zweiten Teil eingespart werden, weshalb ganze Szenen einfach gestrichen sind, z.B. fast alle Dialoge zwischen der Marquise und Sulpice. Diese Kürzungen und die deutsche Textfassung sind meine einzigen gravierender Kritikpunkt an dieser Produktion. (Und wie ich den Pausengesprächen entnehmen konnte, befand ich mich damit in der Minderheit.)
      Tonio ist in Klosterneuburg ein Tiroler Schilehrer namens Toni, was möglicherweise gut zur PR-Besetzung Caner Akin passt, leider aber gar nicht zur etwas behäbigen Zweitbesetzung Cosim Ifrim, dem man nicht einmal zutraut, dass er die Schi richtig anschnallen kann, geschweige denn, dass er auf ihnen elegant einen Hang hinunterwedelt. Eher glaubt man, dass sie für ihn Marterwerkzeuge darstellen, und da passt es dann wieder, dass ihn die franz. Soldaten an seinen Brettern festbinden. In dieser unbequemen Lage muss er den Beginn des Liebesduetts mit Marie singen, kein sehr glücklicher Einfall der Regie, denn dadurch geht ein Großteil der Poesie dieser Szene verloren.
      Genial gelöst finde ich den Szenenwechsel zum Schloss der Marquise von Berkenfield: Der "Berg" ist nun mit lauter glänzenden Metallfolien verkleidet, in denen sich Gäste und einige rote Teppiche spiegeln und mit diesem einfachen Trick Eleganz und Festlichkeit suggerieren. Wenn man dann wie ich das Glück hat, dass Petrus einen prächtigen Sternenhimmel als Kulisse beisteuert, ergibt das wirklich ein zauberhaftes Bild. Eine Reihe stilsierter Stühle vor dieser Wand und das unverzichtbare Klavier bilden die einzigen beweglichen Requisiten.
      Wenn zum Schluss Toni an der Spitze des Regiments zur Eroberung seiner Liebsten anrückt, marschieren die Soldaten links und rechts durch den Hof auf die Bühne zu, die sie mit Hilfe von Leitern regelrecht erstürmen.

      Orchester und Chor der Sinfonietta Baden boten unter ihrem Dirigenten Enrico Calesso eine solide Leistung, was bei weniger berühmten Opernfestivals wie diesem keine Selbstverständlichkeit ist.

      Strahlender und mit Recht umjubelter Mittelpunkt diese Aufführung ist aber Daniela Fally als Marie, die den Vergleich mit Natalie Dessay wahrlich nicht zu scheuen braucht. Mit ihrer glockenhellen, technisch einwandfrei geführten Stimme bewältigte sie Koloraturen und Accuti ohne Probleme, berührte mit einem sehr bewegend interpretierten Abschied von ihren "Vätern" und füllte die Rolle auch schauspielerisch voll und ganz aus. Sie überzeugt als resolute Marketenderin des ersten Teils, die ihre "Väter" jederzeit im Griff hat, ebenso wie im zweiten Teil als unglückliche Komtesse wider Willen, der man die Flügel gestutzt hat.

      Clemens Untereiner durfte sich über seine Beförderung vom Haushofmeister Hortensius an der WSO zum Sergeanten Sulpice in Klosterneuburg freuen. Er verfügt über eine angenehm timbrierte Stimme, die er aber nach meinem Gefühl immer größer zu machen versucht als sie ist, und diese Übertreibung gilt auch für sein Spiel, wo weniger immer mehr wäre. An der WSO verstehe ich ja noch, dass er mit seinen Kleinstrollen durch Outrage Aufmerksamkeit erregen will, aber mit dem Sulpice kann sich ein Sänger auch profilieren, ohne dem Affen übermäßig Zucker geben zu müssen.

      Auf Caner Akim, den PR-Tonio, wäre ich auf Grund der teilweise euphorischen Kritiken sehr neugierig gewesen, leider stand aber am Freitag Cosim Ifrim auf dem Besetzungszettel, dem ich aufgrund seiner eher unspektakulären Leistungen an der WSO einen Tonio nicht wirklich zutraute. Zu meiner Überraschung bewältigte er dann aber die "Zirkusnummer" mit den berüchtigten 9 Cs sogar recht gut, stieß dann aber bei der viel subtiler anzulegenden zweiten Arie zumindest an interpretatorische Grenzen. Die erste Strophe bellte er wie eine Art Kriegserklärung heraus, bei der zweiten nahm er sich zwar etwas zurück, ohne aber dem emotionalen Gehalt dieser Musik wesentlich näher zu kommen. Außerdem müsste Herr Ifrim dringend an seinem Französisch arbeiten. Dass ich seine Stimme an sich schlicht und einfach uninteressant finde, fällt unter Geschmackssache.

      Gut gefiel mir Rita-Lucia Schneider als Marquise Berkenfield, Tini Kainrath als schrille Duchesse von Krakentorp tat des Guten etwas zuviel, aber diesen Vorwurf konnte ich auch Montserrat Caballe an der WSO nicht ganz ersparen. Gerade bei dieser Rolle ist es wohl wirklich schwer, die Grenze zur Peinlichkeit nicht zu überschreiten.

      So, und jetzt zu einem großen Ärgernis abseits der Bühne, zumindest in meinen Augen! Um das nachvollziehen zu können, werft bitte einmal einen Blick auf die Fotogalerie bei "www.operklosterneuburg.at" Die Gestaltung der Plakate, die auch in ganz Wien affichiert wurden, fällt für mich eindeutig unter die Marketingstrategie "Sex sells", und zwar deshalb, weil sie mit der Inszenierung überhaupt nichts zu tun haben!! Welch ein Aufschrei brach einst bei den Opernpuristen los, als die Bilder von Anna Netrebko als Manon in sexy Dessous durch die Medien geisterten. ABER: Diese Fotos waren keine Köder, um schwüle Männerfantasien zu bedienen, sondern reale Szenenfotos, sie zeigten AN in einer Spielsituation, in welcher diese spärliche Bekleidung völlig angebracht war.
      Die Fotos von Daniela Fally als Marie sind hingegen inszeniert, sie täuschen mit viel nackter Haut eine erotische Komponente vor, die in der Vorstellung nicht im entferntesten eingelöst wird, einzig und alleine zu dem Zweck, eine voyeuristisch veranlagte Klientel anzulocken. Daniela Fally präsentiert in keiner einzigen Szene diesen aufreizenden schwarzen BH, sondern ist im Gegenteil ziemlich keusch verhüllt (hoch geschlossene Uniformjacke), ihr Haar ist als Marketenderin zu zwei Schwänzchen zusammengefasst, nach der Pause hochgesteckt, nie aber trägt sie es so verführerisch offen oder elegant-damenhaft wie auf den Fotos, und auch auf knackige Männer oben ohne muss frau vergeblich warten, denn in der Vorstellung bleiben die Uniformen vorschriftsmäßig zugeknöpft. Offensichtlich misstrauen hier die Veranstalter (??) der Zugkraft der Oper und glauben durch Vorspiegelung falscher (nackter) Tatsachen das Publikum anlocken zu müssen.
      Ich habe die Aufregung um Anna Netrebko nie verstanden, die Vorwürfe (Pin-up-girl der Oper usw.) immer als lächerlich oder zumindest völlig überzogen gehalten, aber das hier regt MICH jetzt auf!! Sorry, aber das musste ich los werden, auch wenn es mit der Vorstellung nicht unmittelbar zu tun hat.

      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Liebe Severina,

      ich war in der gestrigen Aufführung und kann deine Eindrücke im großen und ganzen bestätigen: Eine flotte, schmissige Realisation, die viel Vergnügen bereitet. Die deutschen Dialoge sind wohl ein Zugeständnis an das Publikum, das hier sicher nur zu einem Teil aus Opernfreaks besteht. Aktuelle Extempore vom Durchzugsland Tirol und AUA-Aktien haben aber hier wirklich nichts zu suchen.
      Worin ich nicht mit dir übereinstimme, ist die Beurteilung von Cosmin Ifrim. Zugegeben, er sieht eher aus, als müsste er die Kleider des größeren Bruder auftragen und wirkt in seinen Bewegungen recht tollpatschig (aber passt das nicht zur Rolle ?), an der gesanglichen Leistung gab es aber nichts herumzumäkeln. Das "Ah, mes amis" war tadellos (inklusive der 9 C") gesungen (auch wenn ich von einem jungen chinesischen Tenor - Xu Chang - verwöhnt bin und am Schluß immer auf ein eingelegtes D warte) und im "Pour me approcher a Marie" zeigte er beachtliche Phrasierung und ein tadelloses Diminuendo auf dem Spitzenton.
      Verblüfft bin ich auch, daß du seinem Französisch mißtraust, wo du doch einige Absätze weiter oben feststellst, daß du des Französischen nicht mächtig bist.
      Dass Daniella Fally auf dem Plakat einen schwarzen BH trägt, fiel mir erst nach deinem Hinweis und einer genauen Musterung des Bildrandes auf. Die Photosessions sind offensichtlich gemacht worden, ehe die tatsächlichen Kostüme verfügbar waren, schließlich sind auch die Männer auf der Website in Uniformen, die im ganzen Stück nicht verwendet werden, bzw. mit nackten Oberkörper. Als "sex sells" kann ich das aber nicht wirklich empfinden. Jedenfalls scheint aber die Ankündigungspolitik in Klosterneuburg wirkungsvoller zu sein als bei der Rossauer Kaserne, wo am 13.7. bei der Premiere der "Maria di Rohan" erschreckend viele Plätze leer blieben.
    • Lieber Pavel,
      zunächst einmal freue ich mich sehr, dass nun ein weiterer Wiener Opernfan an Bord ist und ich nicht immer monologisieren muss ;+) , sofern sich nicht Brunello meiner erbarmt.
      Was Cosim Ifrim betrifft, so habe ich ja nicht in Abrede gestellt, dass er die Partie technisch beherrscht, aber das ist mir ehrlich gesagt zu wenig. Das reicht bei "A mes amis", da ist kein sonderliches Nuancierungsvermögen gefragt - so sehe zumindest ich das - nicht aber bei "Pour me approcher a Marie". Wenn man die zu Herzen gehende Interpretation von Flórez im Ohr hat, war das, was Herr Ifrim geboten hat, ziemlich eindimensional, um nicht zu sagen grobschlächtig. Aber wie gesagt: Mein subjektives Empfinden!! Um zu wissen, wie Französisch klingt, muss man die Sprache nicht unbedingt beherrschen. Ich kann auch nicht Spanisch und weiß z.B. trotzdem, dass es "Marsselo" und nicht "Martschello" heißt ;+)
      Hast du seinerzeit die in meinen Augen völllig überzogene Aufregung wegen der Netrebkofotos mitgekriegt? Dann verstehst du vielleicht meine Einwände gegen die Plakatserie, denn hier wird ganz bewusst mit Nacktheit geworben, die in keinem Zusammenhang mit der Aufführung steht. Deine Erklärung, man habe die richtigen Kostüme noch nicht zur Verfügung gehabt, rechtfertigen nicht die laszive Pose der Marie mit schwarzem Spitzen-BH. Knöpfe hatte auch die provisorische Uniform.... Als ich die ersten Plakate in Wien sah, gewann ich den Eindruck, in dieser Inszenierung ist Marie nicht die Tochter, sondern die Hure des Regiments, und ohne meine Freunde wäre ich wahrscheinlich nicht nach Klosterneuburg gefahren.
      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • liebe severina,

      mein erster gedanke,als ich deinen bericht gelesen hatte war:"da sag´ nochmal einer,eine musicalsängerin könne keine oper singen." ;+)

      daniella fally hatte ja zuerst eine musicalausbildung gemacht u. kam dann erst zur oper...



      ansonsten finde ich deinen bericht,wie immer sehr informativ.

      leider habe ich es bisher noch nicht nach klosterneuburg geschafft.(zuletzt als zivi-->nach gugging und das ist jahre her...)



      im sommer,wie nannte es günter weck "die saure gurkenzeit" (für´s theater),sind leider alle theater zu u. die sogenannten sommertheater bringen meist nicht sonderlich interessantes.



      im sept haben die opernhäuser wieder offen und dann hoffe auch ich,dass hier wieder mehr berichtet wird.

      lg yago
    • Liebe Severina,

      ich bin noch ziemlich neu hier im Forum und habe noch nicht mitgekriegt, dass JDF einer deiner Lieblingssänger ist. Aber (ich habe seine Karriere nicht von Anfang an verfolgt) er hat wohl auch nicht als Star begonnen und hätte in seinen Anfängen wahrscheinlich auch von Kritiken wie "Schipa ist er aber nicht" profitiert. Ich meine, man sollte seine Ansprüche schon auch dem Rahmen anpassen und nicht auf dem RedStar-Platz erwarten, dass man plötzlich Ronaldo entdeckt.
      Bezüglich des Plakates habe ich eigens noch meine Frau gefragt und auch sie kann das nicht als sexistisch empfinden. Dass man einen "Eyecatcher" und ein auffälliges Plakat produiziert ist doch legitim, wenn man 12 mal 800 Leute dazu motivieren will, die Vorstellung zu besuchen ... und das in der "SauerGurken-Zeit", wo jede halbwegs bespielbare Ruine (Schloß, Kloster) zu Festspielen genutzt wird. Ich habe eigentlich schon den Überblick verloren, wo überall in der Umgebung von Wien Theater und Oper angeboten wird. Hier ist die Konkurrenz groß, zB könnten sie am 1.8. "Hänsel und Gretel" sowohl im Schloß Kirchstetten, als auch in der Burgarena Reinsberg hören. Wie schon die Jesuiten sagten: "Der Zweck heiligt die Mittel".
      (Wir sollten doch nicht so tun, als ob alle Opernbesucher nur aus musikalischem Interesse kämen. Auch in der WSO würde ich den Prozentsatz derer auf nicht viel mehr als 20 % schätzen.)
    • hallo pavel,



      so wie ich severina verstanden habe,hat sie sich hier auf den vergleich zu den reaktionen der opernpuristen,auf die sexy fotos mit anna netrebko als manon bezogen.

      weil,im unterschied zur klosterneuburger werbung,es sich bei anna n. um produktionsfotos handelte u. in klosterneuburg offensichtlich,um reine werbung,nach dem motto "sex sells".

      lg yago
    • yago schrieb:

      hallo pavel,



      so wie ich severina verstanden habe,hat sie sich hier auf den vergleich zu den reaktionen der opernpuristen,auf die sexy fotos mit anna netrebko als manon bezogen.

      weil,im unterschied zur klosterneuburger werbung,es sich bei anna n. um produktionsfotos handelte u. in klosterneuburg offensichtlich,um reine werbung,nach dem motto "sex sells".

      lg yago
      Lieber Yago,
      danke für deine Interpretation, genau so ist es! Diese Plakate wären mir keine Erwähnung (und schon gar keine Empörung) wert, hätte ich nicht noch den empörten Aufschrei wegen Anjuschkas Manonfotos im Ohr. Das hat doch damals das Forum wochenlang in Atem gehalten, speziell Edwin konnte sich nicht genug tun, diesen "Sexismus" anzuprangern, wobei er AN unterstellte, sie wolle mit diesen Pinup-Fotos nur von ihren stimmlichen Unzulänglichkeiten ablenken, denn könnte sie tatsächlich singen, hätte sie es nicht nötig, sich derart zu prostituieren. (= eine grobe Zusammenfassung der Position derer, die mit solchen Bildern den Untergang der wahren Kunst heraufbeschworen) Nur handelte es sich damals um Szenenfotos, während sich Daniela Fally in einer Pose präsentiert, die mit der Vorstellung überhaupt nichts zu tun hat. Aus der Sicht eines Voyeurs werden die Versprechungen des Plakats in keiner Weise eingelöst. Das ist für mich schon ein großer Unterschied, und da diese Plakate in ganz Wien hängen, erwartete ich zumindest von Edwin einen ähnlichen Schrei der Empörung wie seinerzeit bei AN. Aber siehe da, wieder einmal zeigt sich: Wenn zwei das gleiche tun, ist es nicht dasselbe! ;+)

      lg Severina :wink:

      PS: Lieber Pavel,
      da du wahrscheinlich die damalige Netrebko-Aufregung nicht mitbekommen hast, verstehe ich, dass dir meine Reaktion etwas überzogen vorkommt. Aber ich (und nicht nur ich!) habe damals viel Schweiß und Geduld investiert, um die Hüter der Opernmoral ;+) von der Unsinnigkeit ihrer Vorwürfe zu überzeugen, und diese Plakatserie mit Daniala Fally weckte eben die Erinnerung an den einstigen Dauerbrennerthread, der wahrscheinlich immer noch im Spitzenfeld rangiert, was Aufrufe und Postings betrifft.
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Also das Ankündigungsplakat für die "Ariadne" in der Volksoper war für meine Empfindung (und meine Augen) noch viel mehr von unnotwendigem Sexismus geprägt. Aber abgesehen davon, empfinde ich (sehr persönlich und subjektiv) Daniela Fally als Person wesentlich attraktiver als Frau N.

      Und um wieder zum eigentlichen Thema zu wechseln. ich gehe wahrscheinlich am Samstag in die Regimentstochter und werde dann meinen Senf zur Aufführung von mir geben.

      mit noch etwas verschlafenen Morgengrüßen

      Michael
    • Aufführung am 1. August

      Ich habe die gestrige Aufführung gesehen, und kann den Eindruck von Severina in weiten Bereichen bestätigen. Diese Produktion steht in der Tat qualitativ weit über den meisten Sommerspektakeln, die zwischen Bodensee und Neusiedlersee wie die Pilze nach einem warmen Regen aus dem Boden schießen und bei denen oftmals das Ausreizen der technischen Möglichkeiten (zB in Bregenz) die künstlerische Qualität weit übersteigt. Und im Gegensatz zu vielen lokalen Ereignissen im Umkreis von Wien kann Klosterneuburg auch eine in weiten Bereichen rollendeckende Besetzung anbieten.

      Daniela Fally ist eine optisch, darstellerisch und stimmlich absolut erfreuliche Marie, bei der man nur an wenigen Stellen merkt, dass sie diese Partie auch am Vorabend gesungen hat (für die Marie gibt es - im Gegensatz zum Tonio - keine Alternativbesetzung); Cosmin Ifrim ist vom Typ her ideal besetzt (für mich ist der Tonio als Figur - nicht stimmlich ! - irgendwie mit Nemorino vergleichbar), stimmlich meistert er die heikle Partie mehr als anständig (auch wenn er für mich eher ins schwerere Fach tendiert); Clemens Unterrainer gibt einen sehr jungen Sulpice - weniger Vaterfigur als brüderlicher (?) Freund mit wohlklingendem Organ; Rita-Lucia Schneider-Ploy ist eine karikierende Marquise von Berkenfeld, die die Rolle auch singt; Sebastian Huppmann gibt einen schrullig-komischen Hortensius; Anita Köchl hat die Regie als Duchesse von Crakentorp zu einer echten Randfigur gemacht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (vor allem bei den BlechbläserInnen) bot die Sinfonietta Baden eine ansprechende Leistung; Enrico Calesso koordinierte brav.

      Ein paar abschließende Worte zur Realisierung, aber da hat Severina auch schon nahezu alles gesagt. Das bewußt einfach gestaltete Bühnenbild finde ich gut, vor allem auch die optischen Lösungen im zweiten Akt. Was mich aber wirklich stört, ist die Textfassung - und zwar sowohl die Mischung aus französich (Gesang) und deutsch (Sprechtexte) wie auch die deutsche Textfassung. Nicht nur, dass einzelne eingestreute Texte eher zur Fledermaus (und da auch nur für den Frosch) als zur Regimentstochter passen, ist der Text teilweise endlos lang (und nicht immer verständlich) - aber so kommt man auf eine Spielzeit von (Pause eingerechnet) drei Stunden.

      Insgesamt also durchaus sehenswert; eine Vorstellung gibt es noch am 4. August.



      viele Grüße aus dem sommerlich heißen Wien

      Michael



      PS: Für den nächsten Sommer ist im Stiftshof in Klosterneuburg "Carmen" (noch ohne Besetzung) angekündigt
    • Hallo Brunello,
      ich warte schon sehnsüchtig auf Deinen Bericht, weil ich immer neugierig bin, wie weit sich meine Eindrücke mit den von anderen Besuchern decken. Allerdings hatte ich gehofft, Du würdest eine Vorstellung mit Caner Akim erwischen, denn ich kenne niemanden, der ihn live gehört hätte. Und da ein Kritiker von einem "zweiten Flórez" schwärmte, hätte mich das schon interessiert. Bin ich froh, dass Dich und Pavel die deutschen Dialoge :thumbdown: auch so genervt haben, denn in der Pause hörte ich so viele Leute von den "witzigen Texten" schwärmen, dass ich schon an meinem Sinn für Humor zu zweifeln begann :shake:
      Auf "Carmen" bin ich gespannt, vor allem, wie man die Massenszenen auf der doch recht kleinen Spielfläche bewältigen will.(Die Bühne in Gars ist zwar noch kleiner, aber dort konnte man die natürliche Kulisse der Burgruine ins Spiel einbinden, was besonders bei den Schmugglerszenen äußerst effektvoll war.)
      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)