Alternative Vertragsgestaltung bei Orchestern

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    • Ecclitico schrieb:

      Gewöhne dir einen angemessenen Ton an. Zumal mein IQ eigentlich ganz ok ist.
      Wenn Dein IQ (was ich nicht beurteilen kann) "ganz ok" ist, wirst Du sicher auch meine Frage beantworten können, warum gerade Orchestermusiker auf tarifliche Absicherungen verzichten sollten. Deine Begründung, sie seien schließlich Künstler, und zu der damit verbundenen Freiheit passe besser eine berufliche Unsicherheit, finde ich weder originell noch intelligent sondern einfach nur blöd.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • ChKöhn schrieb:

      Ecclitico schrieb:

      Gewöhne dir einen angemessenen Ton an. Zumal mein IQ eigentlich ganz ok ist.
      Wenn Dein IQ (was ich nicht beurteilen kann) "ganz ok" ist, wirst Du sicher auch meine Frage beantworten können, warum gerade Orchestermusiker auf tarifliche Absicherungen verzichten sollten. Deine Begründung, sie seien schließlich Künstler, und zu der damit verbundenen Freiheit passe besser eine berufliche Unsicherheit, finde ich weder originell noch intelligent sondern einfach nur blöd.

      Ich beantworte deine Frage nicht, zumal sie auf Unterstellungen beruht. Wenn du so intelligent bist, wie du tust, wird es dir leicht fallen, meine Beiträge zu lesen und zu verstehen. Damit ist dann sogar deine Frage beantwortet.

      Und gewöhne dir endlich mal ab, andere Leute als "dumm", "zynisch" oder "blöd" zu betiteln. Das wirkt unhöflich.


      Thomas
    • Ich beteilige mich NICHT an dieser Diskussion.

      Das einzige, was ich hier besteuere, ist dieses:
      Ich wäre heute ruiniert, pleite und ohne weitere Perspektive, wenn ich die Absicherungen im Krankheitsfall
      nicht hätte.

      Für diese Absicherung bin ich sehr dankbar............

      Hier habe ich jetzt so langsam das Gefühl, mich dafür entschuldigen zu müssen.
      Nach 17 Jahren bekommt ein Tuttigeiger in einem B-Orchester rund € 3.300,-. Pro Monat
      BRUTTO.
      Ansonsten empfinde ich das hier als unsäglich.

      Kümmert euch bitte um eure eigenen Jobs, dieses Herumgewürge auf den verschiedenen Musikerjobs habe ich wirklich über.

      Ich bin froh über meine Absicherung, vor 15 Jahren hätte ich auch noch nicht gedacht, mal in Schwierigkeiten geraten zu können.
      Aber heute ist es leider der Fall.

      Meine Freundin arbeitet als Cellolehrerin und ist nun mit einer unheilbaren Krankheit konfrontiert, welche Ihr sehr große Probleme bereitet.
      Nicht tödlich, aber unheilbar und stark einschränkend.
      Als Freiberuflerin hat Sie so gut wie keine Absicherung im Gegensatz zu mir und von IHRER Rente sprechen wir erst mal gar nicht.
      Dahingehend empfinde ich das Herumgereite auf der finanziellen Situation von Musikern hier als zynisch und auch als dumm.
      Und überflüssig!
      Hier wird einfach davon ausgegangen, daß es ok ist, wenn man Mitgliedern einer bestimmten Berufsgattung, nämlich den Musikern, weh tut und sie drangsaliert.
      Glaubt mir, in diesem Job wird man ständig genügend drangsaliert, vor allem als Freiberufler, da braucht es diese Threads hier nicht auch noch.

      Vor 80 Jahren durfte ein Dirigent einen Orchestermusiker auch noch ohrfeigen, was sicherlich künstlerisch wertvoll war.
      Bitte hört euch eure CDs mit Furtwängler, Böhm, Szell, Reiner und Konsorten an, aber ich habe genug von diesen Diskussionen über Orchestermusiker.

      Ich versuche immer, zu erklären, was wirklich abläuft hinter den Kulissen, aber mir reicht es jetzt langsam.
    • uliwer schrieb:


      Ausgangspunkt ist ja die Frage, ob es im Interesse der künstlerischen Qualität wünschenswert wäre, ein System der gesicherten Festanstellung gegen eines der ungesicherten Selbständigkeit zu tauschen. Deinem Hinweis, dass alle froh sein sollen, die die Sicherheit genießen, entnehme ich, dass das Gegenteil für die Betroffenen nicht erstrebenswert ist. Hätte aber vielleicht die Kunst einen Vorteil, wenn es den ausübenden Künstlern nicht so gut ginghe?


      Nun denn, in unserem vorherrschenden System war es für die Qualität noch nie von Nachteil, wenn eine Leistung entsprechend der Qualität vergütet wurde.....
      Der Sozialismus ist mE auch daran gescheitert, dass man sich für eine Grundversorgung nicht bemühen musste.
      Der Schluss allerdings, dass es dem Künstler (und natürlich jedem anderen) erst schlecht gehen muss, bevor Leistung entsteht, ist aber hieraus nicht ableitbar.

      viele Grüße
      Achim
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Hier wird einfach davon ausgegangen, daß es ok ist, wenn man Mitgliedern einer bestimmten Berufsgattung, nämlich den Musikern, weh tut und sie drangsaliert.
      Glaubt mir, in diesem Job wird man ständig genügend drangsaliert, vor allem als Freiberufler, da braucht es diese Threads hier nicht auch noch.

      Das kann man einfach nur uneingeschränkt unterstreichen.
      Und ja: Die Stoßrichtung dieses Threads ist blöd und zynisch, IQ hin oder her.
      :shake:
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Ecclitico schrieb:

      Und gewöhne dir endlich mal ab, andere Leute als "dumm", "zynisch" oder "blöd" zu betiteln.
      Ich habe nicht Dich sondern Dein Argument, Künstler brauchten angesichts ihrer künstlerischen Freiheit keine tarifliche Absicherung, als dumm, zynisch und blöd bezeichnet (was es ja auch ist). Über Deinen IQ hat sich außer Dir niemand geäußert.

      Achim schrieb:

      Der Sozialismus ist mE auch daran gescheitert, dass man sich für eine Grundversorgung nicht bemühen musste.
      So wie sich Tuttisten im Orchester nicht bemühen müssen? Angesichts solcher Vergleiche verstehe ich Michaels Zorn immer besser. Übrigens gehörte das Gewandhausorchester auch zu DDR-Zeiten schon zur internationalen Spitzenklasse. Ich gehe davon aus, dass das nicht ohne Bemühen aller Beteiligten erreicht wurde.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Wie misst man denn "objektiv" die Leistung eines Orchestermusikers? Punktabzug bei falschen Noten? Wer sich nicht anpasst, fliegt raus?
      Im Gegenteil — ich glaube, der von außen induzierte Leistungsdruck einer "leistungsabhängigen" Entlohnung führt zu Ellenbogenmentalität (mehr, als es die ohnehin schon gibt), rücksichtslosem Egoismus (wenn ich nicht, dann kriegt's ein and'rer) und verhindert schon im Ansatz, dass aus einem Orchester ein harmonischer Klangkörper wird, der ZUSAMMEN musiziert.

      Für mich ist das ein Rückschritt in die Steinzeit des Frühkapitalismus, absolut kontraproduktiv.

      Hat schon mal jemand in Erwägung gezogen, dass Menschen dann am produktivsten und erfolgreichsten sind, wenn sie sich über Geld und Existenz keine Sorgen zu machen brauchen? Dazu gibt es auch Studien — die Quellen muss ich aber erst heraussuchen. Gab es im Herbst vor einem HJahr in meinem Projektmanagement-Lehrgang. Geld ist ein extrinsischer Motivator, das führt nie zu mehr Erfolg. Ein Musiker soll musizieren, um Kunst zu erschaffen, nicht, damit er sein nächstes Essen bezahlen kann. Und das geht nur aus einer gesicherten Existenz heraus.
      Die Bedürfnispyramide nach Maslow werfe ich mal in den Ring. Eine knappe Darstellung (inklusive der Kritikpunkte an dieser Theorie) kann man hier finden: "http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie"; die Darstellung in unserem Lehrbuch gefiel mir besser, kann ich aber aus Copyrightgründen hier nicht darstellen.
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Freie Vertragsgestaltung als Prinzip zur Leistungssteigerung in sog. "Kulturorchestern"? Die sollen einem "freien Marktprinzip" folgend dann immer mal wieder das Orchester wechseln?

      Ich halte das für völlig sinnfrei und an der Realität vorbei.

      Mal ganz abgesehen davon, dass heute praktisch kein (Spitzen-?)Orchester mehr Tuttisten über ca. 35-40 Jahre einstellt: Die unterschiedlichen Vergütungsgruppen, die es für "D"- bis "A"-Orchester gibt, stellen schon einen Leistungsanreiz dar. Nun zu kommen, und das Tarifvertragssystem abschaffen zu wollen, um Musikern eine Eigenverantwortlichkeit zuzuschreiben, mit der sie in der Realität nichts Sinnvolles anfangen, sondern nur verlieren könnten, ist auch für mich ein zynischer Gedanke - und da spielt es keine Rolle, dass dieser Zynismus womöglich aus einem naiven Gedankenspiel heraus resultiert. Orchestermusiker müssen sich bereits heute einem äußerst harten Konkurrenzkampf stellen. Wie ist das zur Zeit: Bekommt so ungefähr jeder Fünfte eine Stelle? Heißt: Die Meisten müssen schon "froh" sein, überhaupt in einem B-Orchester zu landen. Und die besten Tuttisten verdienen dann letztlich erst in einem A-Orchester vernünftig. Vernünftig? Das sind ja in der Regel Leute, die seit ihrer Kindheit ihre Qualifikation intensivst verbessern. Wo noch gibt es Berufsgruppen, die eine derart zeitintensive Ausbildung vorweisen können?

      Der "Leistungsdruck" ist also schon da. Viele bleiben bereits heute - auch nervlich und kräftemäßig - auf der Strecke. Zudem wissen alle Orchestermusiker, dass ihnen in den letzten Jahrzehnten ein deutlich schärferer Wind entgegenbläst: Die Anforderungen sind auch für diejenigen gestiegen, die eine feste Stelle haben. Die Arbeitsbedingungen haben sich de facto insgesamt verschlechtert. Hier den Druck noch weiter erhöhen zu wollen, empfände ich als verantwortungslos gedacht. Und es geht auch in diese unschöne Richtung, dass der Kulturbetrieb Gesetzmäßigkeiten der sog. "freien" Marktwirtschaft unterliegen solle. Fürchterlich. Abgelehnt.
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Wer arbeitet bekommt Geld dafür. Und er muß ein Mindestmaß an Sicherheit, an sozialen Netz, an Absicherung haben. Dies ist ein (hart erkämpfter) Mindeststandard seit 70 Jahren. Dies gilt für Bauarbeiter, Krankenschwestern, Verwaltungsangestellte usf. Und es muß natürlich ebenso für Musiker gelten. Dahinter zurückzufallen bedeutete soziale, gesellschaftspolitische, am Ende auch kulturelle Barberei.

      Das ist doch absolut selbstverständlich - jedenfalls wenn man Wert darauf legt Mitglied einer zivilsierten Gesellschaft zu sein!

      Was also soll dieser Thread?

      Und wenn ich dann lese --- man könne ja Krankenschwestern nach Leistung bezahlen --- also im sozialen Bereich arbeite ich seit 30 Jahren und weiß wovon ich rede --- ich könnt kotzen. Wirklich. Was ist denn da "Leistung"? Wie sehen die Rahmenbedingungen aus unter denen "Leistung" erbracht werden soll? Könnte man an denen nicht was verändern bevor man die Probleme in guter alter marktliberaler Weise auf diejenigen runterbricht die im Grunde alles tragen nur um wieder als erste
      verarscht zu werden wenn die Mittel knapper werden?

      Das hier ist Elfenbeinturm. Da wend ich mich ab. Aber ich danke Michael für seine deutlichen Worte, da danke ich sehr für.
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Travinius schrieb:

      Wie misst man denn "objektiv" die Leistung eines Orchestermusikers? Punktabzug bei falschen Noten? Wer sich nicht anpasst, fliegt raus?
      Im Gegenteil — ich glaube, der von außen induzierte Leistungsdruck einer "leistungsabhängigen" Entlohnung führt zu Ellenbogenmentalität (mehr, als es die ohnehin schon gibt), rücksichtslosem Egoismus (wenn ich nicht, dann kriegt's ein and'rer) und verhindert schon im Ansatz, dass aus einem Orchester ein harmonischer Klangkörper wird, der ZUSAMMEN musiziert.
      Danke, absolut richtig. Diese Situation, dass individuell hochqualifizierte erwachsene Menschen permanent auf engstem Raum unter der Fuchtel eines anführenden Taktgebers feinmotorische und ausdruckstechnische Höchstleistungen als Gruppe erbringen müssen, ist schon spektakulär. Diese Leute nun zu gegenseitigen Konkurrenten für den Arbeitsmarkt zu erklären, halte auch ich für kontraproduktiv hinsichtlich der Möglichkeit zur Bildung eines homogenen Gruppenklanges und auch eines konstruktiven Gruppenverständnisses. Den Gedanken, den Druck auf Menschen maximal zu erhöhen, um immer bessere "Leistungen" herauskitzeln zu wollen, empfinde ich überdies als menschenunwürdig. Da würde ich auf keinen Fall aus den Augen verlieren wollen, dass dem auch Grenzen gesetzt werden müssen. Die Aussicht z.B., wirtschaftliche Grundsicherung zu entziehen, ist eben Druck und kein Anreizprinzip.
      Fußball und Kulturbetrieb vergleichend anzuführen, ist mir übrigens auch zuwider. Leistungssport ist per se Wettkampf.
      ...schreibt Christoph :wink:
    • garcia schrieb:

      Und wenn ich dann lese --- man könne ja Krankenschwestern nach Leistung bezahlen --- also im sozialen Bereich arbeite ich seit 30 Jahren und weiß wovon ich rede --- ich könnt kotzen.

      Vermutlich war dieser Aspekt weiter oben so gemeint, dass u.a. Krankenschwestern angeblich nicht in der Weise entlohnt werden, wie es ihrer Leistung entspricht. M.a.W., dass zwischen Leistung und Gegenleistung ein Missverhältnis bestehen könnte, das zugunsten dieses Berufsstandes anzupassen wäre. So jedenfalls mein Verständnis dieses Beitrags.
    • So, wie sich der Thread entwickelt hat, musste ich an ein sehr lesenswertes Buch (eine Sammlung diverser Analysen unserer modernen Arbeitswelt) denken, das mir in vielerlei Hinsicht aus dem Herzen spricht:



      Sehr überdenkenswert auch die bisher einzige, dafür sehr ausführliche Amazon-Kundenrezension dazu.

      LG, Amaryllis
    • Dies ist eine merkwürdige Diskussion, die offenbar über die Köpfe der Beteiligten hinweg geführt wird. Michaels Reaktion kann ich sehr gut verstehen, und ich unterstütze seine Aussagen mit allem Nachdruck.
      Befristete Verträge, sofern sie nicht mit wirtschaftlich starken oder unabhängigen Personen geschlossen werden, sind menschenfeindlich. Das entspringt dem kapitalistischen Grundgedanken von der "Personalressource". Der Mensch wird nur als Produktionsfaktor gesehen. Wir beklagen z.B. den Rückgang von Geburten. Wie soll ein junger Mensch eine langfristige Lebensplanung machen, wenn er nur maximal 2 Jahre weit planen kann? Die zynische Weiterentwicklung dieser menschenfeindlichen Politik ist der Vorschlag, Eizellen einzufrieren, damit die jungen Frauen erst noch ordentlich Leistung bringen können bevor sie schwanger werden.
      Wir möchten neben unseren Berufen auch noch leben und soziale Kontakte pflegen. Wie soll das funktionieren wenn wir ständig auf der Suche nach Arbeit sind und damit auch gezwungen werden unseren Wohnort zu verlagern. Die Häufigkeit psychischer Erkrankungen wie z.B. Burnout (das Posting oben kam parallel zu meinem Beitrag) nimmt beständig zu. Menschen die ständig gehetzt werden entwickeln entweder ein Phlegma oder werden agressiv. Eine unserer Errungenschaften in der sozialen Marktwirtschaft ist der Ausgleich zwischen starken und schwachen Marktteilnehmern. Wenn wir den Schwachen nicht helfen bleiben sie auf der Strecke, und wir schaffen ein Prekariat, welches langfristig zu einem gesellschaftlichen Problem wird. Das fällt auf den Rest der Gesellschaft zurück.

      Und die größtenteils schlecht bezahlten Orchestermusiker mit Fusballern zu vergleichen, die vollkommen absurde Gehälter bekommen, halte ich ebenso wie Christian für ziemlich zynisch. Bei einem Einlommen von 3.300 € Brutto im Monat kann ich mir schwerlich einen Berater leisten, und ich bin auch nicht in der Lage in nennenswertem Umfang Vorsorge zu betreiben. Die Folge ist Ausgrenzung und drohende bzw. faktische Altersarmut. Wenn wir so weitermachen sind wir auf dem besten Wege dahin. Man nennt das auch "the american way of life". Aber genau aus diesem Grunde lebe ich lieber hier und in Europa als auf der anderen Seite des Atlantik.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Das normale Verständnis ist aber ganz klar ein anderes. Nämlich nicht, dass ganze Gruppen für ihre Leistung nicht ausreichend vergütet werden, sondern dass innerhalb einer Berufsgruppe innerhalb eines Betriebs nach "Leistung" bezahlt werden soll, um möglichst scharfe Konkurrenz und damit Leistungsanreize und die besten Ergebnisse zu erzielen. Dass das in Bereichen, in denen es praktiziert wird (Bankster) zu gesellschaftlich verheerenden Folgen geführt hat und vollkommen unklar ist, wie das etwa in der Krankenpflege sinnvoll anzuwenden wäre, ist egal. Dafür ist es ja eine unideologische Hypothese, die nur zum besten aller getroffen wird...

      Wie schon gesagt wurde, gibt es längst Zulagen für Solisten/Stimmführer usw. und die Option, in ein besser vergütetes Orchester aufzusteigen.

      Gerade bei Gesangs/Opernensembles wird immer wieder beklagt, dass feste Ensembles (da SängerInnen ab einer gewissen "Leistungsklasse" eben genau zu denen gehören, die häufig wechseln und frei Honorare aushandeln können) heute eine Seltenheit geworden sind und daher bestimmte Qualitäten, die in den 50er/60er Jahren mit lokal über Jahre stabilen Ensembles erreicht werden konnten, heute schwierig sind.

      3300 brutto liegt meines Wissens übrigens über dem Mediangehalt für eine Vollzeitstelle. D.h mit der drohenden Altersarmut ist man in guter Gesellschaft mit ca. 50% der Arbeitnehmer.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Die Eröffnung dieses Threads ist nicht nur eine Frechheit ausübenden Musikern und arbeitenden Menschen gegenüber, sondern ich kann auch schwerlich verstehen, warum der hier verbal produzierte Raubtierkapitalismus auch noch aus falsch verstandener Pseudo-Liberalität nicht längst wenigstens in den Orkus der Nur-Lesbarkeit für Mitglieder verschoben wird. Seltsam: Wenn man sich ein wenig spöttelnd gegen politisch korrektes Getue richtet, wird man rasch bedrängt. Gibt es Mitglieder dahier, die gleicher sind als andere? Gibt es so etwas wie Doppelmoral dahier?

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Ecclitico schrieb:

      uliwer schrieb:

      Hätte aber vielleicht die Kunst einen Vorteil, wenn es den ausübenden Künstlern nicht so gut ginghe?

      Es ginge ihnen im Durchschnitt exakt gleich gut. Es wird ja genau so viel Geld verteilt, nur eben weniger gleichmäßig.


      Thomas


      Dasist eine Behauptung, die zu belegen wäre. Dazu müsste man zunächst einmal erläutern, wer das Geld verteilt und wer die Leistung beurteilt.

      P.S. ich bin übrigens nicht der Meinung, dass die Eröffnung des Threads eine Frechheit gegenüber ausübenden Musikern sei. Man kann über Alternativen nachdenken, müsste dann aber auch Gründe dafür liefern, warum ein anderes System besser wäre. Die fehlen mir bisher und ich sehe eine Menge Gründe, die dagegen sprechen, das hier bekannte System über Bord zu werfen.
    • Hallo amaryllis, das Buch ist bestellt. Dank dir für den Tip.

      Hallo Eusebius, danke für deinen Beitrag, besser kann mans nicht auf den Punkt bringen. D'accord, absolut.

      LG
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • garcia schrieb:


      Und wenn ich dann lese --- man könne ja Krankenschwestern nach Leistung bezahlen --- also im sozialen Bereich arbeite ich seit 30 Jahren und weiß wovon ich rede --- ich könnt kotzen. Wirklich. Was ist denn da "Leistung"? Wie sehen die Rahmenbedingungen aus unter denen "Leistung" erbracht werden soll?


      Insbesondere wenn Du im sozialen System arbeitest, wundert mich schon, dass Du scheinbar dagegen bist, dass Arbeitnehmer in diesem Bereich leistungsgerecht bezahlt werden sollten.
      Im Ergebnis müssten sie nämlich mehr bekommen, als bislang gezahlt wird.
      Einfach nochmals meinen Satz lesen, vielleicht ist Dir dann auch nicht mehr schlecht.

      Michael Schlechtriem denkt vom Ergebnis her: ich brauche die Absicherung, also muss sie gewährt werden.
      Das ist legitim, entspricht aber nicht den tatsächlichen Verhältnissen in unserem Wirtschaftssystem.
      Dass was ihr beklagt, ist für viele Arbeitnehmer tägliche Realität (Leistungsdruck bei nichtadäquater Vergütung, adäquate Absicherung nur als frommer Wunsch usw.)

      Wenn wir jetzt sagen, nein so darf im Kultursystem aber nicht sein, dann setzt ihr insoweit für den Kulturbetrieb eine Sonderstellung voraus, die einer besonderen Begründung bedarf.
      Meinetwegen etwas wie Kultur als öffentliches Gut, das nicht den systemimmanenten Marktgesetzen unterliegt.
      Dann vergleicht diese Idee mit der Realität: ja, öffentliches Gut schon, aber es darf nichts kosten, weil der Staat kein Geld hat.
      Im Ergebnis dann (wie in vielen Bereichen), prekäre Verhältnisse auch bei Festanstellungen.

      Was spricht dann gegen die Möglichkeit, leistungsgerechte Vergütungsformen zu suchen ?

      Viele Grüße
      Achim
    • Achim schrieb:

      Insbesondere wenn Du im sozialen System arbeitest, wundert mich schon, dass Du scheinbar dagegen bist, dass Arbeitnehmer in diesem Bereich leistungsgerecht bezahlt werden sollten.
      Im Ergebnis müssten sie nämlich mehr bekommen, als bislang gezahlt wird.
      Schmarrn. Man weiß, wie es im richtigen Leben ist: Die gleiche Menge Geld wird nach abstrusen Kriterien nur anders verteilt. Schon 18 Jahre mache ich das absurde Theater mit Zielvereinbarungen und Leistungsbeurteilungen mit.
      Im Endeffekt bekommt eine Amigo-Gruppe regelmäßig eine schöne Anpassung und die anderen, egal was sie tatsächlich liefern, teilen sich die Krümel vom Kuchen.

      Ich spreche nicht aus Neid, da ich mit meinem Gehalt vollkommen zufrieden bin. Alle diejenigen, die meine Leistung tatsächlich beurteilen können (Kunden, Projektkollegen usw), sind mit ihr auch zufrieden. Aber dies beeinflußt das absurde Theater überhaupt nicht.
      aber es darf nichts kosten, weil der Staat kein Geld hat
      Der Staat hat nie soviel Geld eingetrieben wie im letzten Jahr.
      Alles, wie immer, IMHO.