MOZART, Wolfgang Amadé: Symphonie Nr. 41 C-Dur KV 551 "Jupiter"-Symphonie

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    • MOZART, Wolfgang Amadé: Symphonie Nr. 41 C-Dur KV 551 "Jupiter"-Symphonie

      Nach über fünf Jahren Capriccio wird hiermit versucht, diese Lücke zu schließen.

      Siehe dazu auch: Mozart: Die letzten Sinfonien - Die Aufnahmen, die Werke

      Wolfgang Amadeus Mozart (er selbst nannte sich Amadé) vollendete seine drei letzten, ohne bekannten Auftrag entstandenen Symphonien innerhalb weniger Wochen im Sommer 1788 in Wien, die Symphonie Nr. 41 C-Dur trug er am 10.8.1788 in sein Werkverzeichnis ein. Der Beiname „Jupiter-Symphonie“ geht möglicherweise auf den Londoner Konzertunternehmer Salomon zurück.

      Ich habe zuvor alle Mozart Symphonien von KV 16 bis KV 550 durchgehört, und so wie sich nach dieser Hörerfahrung nun diese grandiose große C-Dur Symphonie für mich neu erschlossen hat, ist das schon eine geniale Krönung von Mozarts symphonischem Schaffen.

      Erster Satz: Allegro vivace

      Eine „Aufforderung“ wie zu Beginn des d-Moll Klavierkonzerts (in Dur), aber ungleich bestimmter, darauf eine ruhige, „wissende“ Antwort - feierlich und erhebend, selbstbewusst in erdigem C-Dur legt die Musik los. Vor meinem inneren Auge erstehen griechische Tempelbauten. Mozart entwickelt das Material kurz poetisch zurückgenommen weiter, und das Selbstbewusste behauptet sich aber sofort wieder stark. Das zweite Thema (G-Dur) kommt volksliedhaft fröhlich, begibt sich aber auf eine Suche, fragt – und wird mit Komtur-artiger Schicksalhaftigkeit zurechtgewiesen. Wir bewegen uns weiter in den eindrucksvollen Dimensionen monumentaler griechischer Tempelbauten, springen dann aber hinab, zum dritten Thema (wieder G-Dur) – das ist komödiantisch (vgl. Mozarts Bass-Arie „Un bacio di mano“ KV 541)! Kurze Diskussion darüber, wir bleiben im Tempel, Ende der Exposition auf der Dominante, in G-Dur. Die Durchführung greift zunächst das komödiantische dritte Thema in Es-Dur auf, das abrundende Motiv daraus wird kräftig durch den Schleudergang einer Waschmaschine gewirbelt, und man landet sanft in E-Dur, modulierend zu einer ruhigeren Scheinreprise in F-Dur, aber die „d-Moll Konzert Aufforderung in Dur“ daraus wird nun hinauf- und hinuntergeworfen, wie auf einer wilden Schaukel, bis wir wieder Boden unter den Füßen gewinnen und nun sanfter mit dem zu Beginn der Durchführung noch so heftig durchgeschleuderten Motiv zum Hauptthema zurückfinden, zur Reprise. Die in der Exposition poetischer anmutende Weiterführung erklingt nun in Moll, fein gesponnen zurück zur stabilen Festigung der Tempelbauten. Tonartenwandel auch beim zweiten Thema (nun C-Dur) und beim „Komtur“ (f-Moll) sowie beim dritten Thema (wieder C-Dur). Das Ende des Satzes ist kurz und bündig gehalten, Standfestigkeit in C-Dur, mittendrin im griechischen Tempel.

      Zweiter Satz: Andante cantabile

      Der große Gesang (F-Dur) – wie er sich mit seinen Nebenstimmen weiterbewegt, hin zu einem gewichtigeren Hinterfragen (c-Moll), das immer größere Zweifel äußert, wonach sich das Geschehen aber wieder findet, C-Dur, in einem neuen großen Melodiebogen mit herrlichen Nebenstimmen. Die Melodie macht dann bewusst kleinere Schritte innerhalb ihrer Bögen und leitet melodisch zur Expositionswiederholung bzw. zur Durchführung. Diese landet rasch in dem neuerlichen gewichtigen Hinterfragen (d-Moll), moduliert aber mit den kleineren Schritten im großen Bogen wieder sanft beruhigend (eine wunderschöne, zarte Passage!) zur Reprise hin (F-Dur). Mozart löst nun das am Anfang blockhafter wirkende Hauptthema gleich figurativ auf, wir sind mitten in einem zauberischen, dichten Mozart-Wald aus herrlich geflochtener symphonischer Musik. Nach Harnoncourt: Wo vorher zweimal erfolglos Einlass begehrt wurde, wird nun das Tor geöffnet (C-Dur, strahlend). Das zweite Thema, der zweite Melodiebogen, steht nun in F-Dur, und die Coda kehrt zur Erhabenheit des blockhaften Großen-Gesangs-Beginns zurück, mit sanften Umspielungen.

      Dritter Satz: Menuetto – Allegretto

      Eine chromatisch abfallende Tonfolge – elegant oder etwas wehmütig? Das Menuett baut aber auch auf Pauken und Trompeten, und doch – wie Mozart zwischendurch die Stimmen im Geflecht sich weiterschlingen lässt! Das Trio sagt Punktum, was keck-melodiös pariert wird, zweimal. Im Mittelteil drängen Strahlen (Lichter oder Stiche?) nach E-Dur, von wo der Dreivierteltakt zum Triobeginn mit seinem Punktum und keck-melodiösem Konter zurückmoduliert.

      Vierter Satz: Molto allegro

      Wie ein Flug über die prachtvollen Tempelanlagen. Das Motiv C-D-F-E (im Trio bei den „“Strahlen“ war es schon zu hören, bei Mozart auch schon in den Symphonien KV 16, KV 45b und KV 319 sowie im Credo der Messe KV 192 und im Sanctus der Messe KV 257, davor u. a. Gregorianik, Bach, Fux, Haydn) – man ist sofort von der Anmut und Monumentalität der Anlagen überwältigt. In einem Fugato umschlingen mich die Stimmen – und sie finden sich zusammen zwischen festen Säulen. Ein zweites Thema (G-Dur) wird sofort elegant von einem markanten Abschwung aus dem vorigen Block abgefedert, und Mozart verflechtet nun die Motive in besonderer Kunstfertigkeit zu einem großen Ganzen, herrliche Blicke auf die Tempel, die Bausteine erstrahlen in immer neuen Farben, Ende der Exposition in G-Dur. Die Durchführung setzt bei diesem G-Dur an, springt aber plötzlich ins E-Dur, als würde eine Nebensonne aufgehen oder man das Planetensystem mit einem Lidschlag wechseln. Die Tempel stehen hier dichter beieinander, ein energischer Fremdenführer drängt darauf, sie rasch zu überblicken, auch wenn die zaghaftere Holzbläsergruppe immer wieder versucht, ein „Verweile doch, du bist so schön“ zu erwirken, den Zauber etwas festzuhalten, aber wir müssen schließlich rasch zurückreisen, zurückmodulieren ins C-Dur der Reprise. Nun sehen wir auch die bereits bekannten Tempelbauten in neuer Monumentalität, wie im ersten Satz allerdings auf einer wilden Schaukel dort wo zuvor das Fugato zu hören war, das zweite Thema nun in C-Dur, was für ein Überflug, und dann Wiederholung auch von Durchführung und Reprise oder gleich hinein in die Coda, die allein diesen Satz erhebt und weitet über jeden konventionellen Kehraus – der Fremdenführer mahnt, aufzupassen, die staunende Gruppe steht im Zauber des Hauptmotivs, und es öffnen sich die Schleusen zu einem völlig neuen Rundblick, der quasi eine Mehrdimensionalität freigibt, alle Themen verbinden sich in einem polyphonen Geflecht unbeschreiblicher Größe, und man findet sich in C-Dur Einigkeit, feierlich, erhebend, selbstbewusst und neu geerdet.

      Was für eine Symphonie! Eine C-Dur Hymne, Leichtigkeit im Komplexen, symphonisch vollendete Meisterschaft!

      Zu einigen Aufnahmen kommen von mir vielleicht im Lauf der nächsten Tage einige Anmerkungen. Jetzt ist einmal der Thread da - und eine Lücke geschlossen.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Ach, die Jupiter Sinfonie!

      Leider komplett abgenudelt...... möchte man meinen.
      Doch wer erst mal in den Sog dieser Sinfonie gerät, der ist verloren im Malstrom dieses Meisterwerkes.
      Da die "üblichen Verdächtigen" noch genannt werden (harn, böh, bern, hvk et all) erlaube ich mir, auf zwei Aufnahmen aufmerksam zu machen.
      Die erste existiert noch nicht (hahaha) Daniel Harding, jüngst in München mit den 3 letzten Sinfonien abgefeiert, er hat mit dem Mahler Chamber Orchestra bereits vor 2-3 Jahren die letzten drei Sinfonien eingespielt: Alle Wiederholungen werden beachtet, das Klangbild, ist "aufgeklärt historisch," Verzicht also auf Vibrato, dafür aber Stahlsaiten und "alte" Pauken.
      Heraus kommt ein Mozart, bei dem man garantiert nicht einschlafen kann. Ruppig teilweise, völlig durchhörbar bis in Details und Mozart hat davon jede Menge parat. Harding dirigiert entspannter als der "alte" Harnoncourt, dadurch bleiben zwar die Widerhaken noch in der Sinfonie stecken, aber das Willkürliche ist nicht mehr da.
      Allerdings ist da nix mehr mit Jupiter, lieber Alexander! Sondern es ist die Auseinandersetzung eines Komponisten mit der Tatsache, dass er wohl nicht mehr gewollt ist. Teilweise todtraurig.

      Ähnliches gilt für die von mir seit "dunnemals" favorisierte Aufnahme von 1954 mit Klemp, damals noch nicht "Old" weil 69 Jahre alt, aber eben nicht mehr so wild wie noch 1951!
      (1951 war eine "Jupiteraufführung" Anlass für Walter Legge, mit Klemp einen Vertrag abzuschließen, obwohl Legge nur das Finale hören konnte!!) Doch auch diese "Jupiter" hat es in sich. Sein Orchester (es war genau genommen noch nicht seins, aber er durfte es schon bespielen) saß quasi auf der Stuhlkante, so geht hier der "Punk" ab. Dabei ist auch seine Jupiter Sinfonie eher auf der traurigen Seite anzusiedeln, gerade der 1. Satz ist trotzig gespielt. Dass bei ihm Geigen nicht vor sich hin "süßeln" dürfen, ist klar, daher auch hier eine eher sehr herbe bis bittere Einspielung, die aber völlig überzeugt und vor allem ohne eine dramastische Aufgeblasenheit daherkommt. Das Drama stellt sich von selbst ein.
      Dass diese Aufnahme im "mozartkugelbeschossenen" Deutschland der 50iger nicht geduldet werden konnte, dürfte klar sein.

      OK, ich habe vergessen, Szell, Krips, Levine und andere zu erwähnen.

      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Ich habe immer mal wieder Taschenpartituren antiquarisch erworben. Und da ist mir mal ein Exemplar der "Jupiter Sinfonie" in die Hände geraten (Eulenburg), das noch Elly Ney gehört hat. Darin sind jede Menge Anmerkungen gemacht worden, unter anderen wie Richard Strauss das dirigiert hat. Da ich die Handschrift von Frau Ney nicht kenne, kann ich nur vermuten, dass die Einträge von ihr stammen. Wie auch immer, die Hinweise sind sehr interessant. So scheint Strauss das Menuetto wohl verhältnismäßig langsam genommen zu haben. Über dem Finale steht "K sehr schnell". Welchen "K" sie wohl meint. Krauss, Karajan (Klemperer dürfte sie wohl nicht gehört haben)? Zum Schluss sind 31 Min notiert. Das wäre aber molto rapido.

      Hier werden ja noch reichlich Aufnahmen genannt werden. Ich werfe nur mal eine in den Ring:



      Gewissermaßen ein Vermächtnis von Charles Mackarras. Der konnte Mozart, wie man hier eindrucksvoll zu hören bekommt. Es ist schon bemerkenswert, dass jemand in so hohem Alter (ich glaube er war 80 bei der Aufnahme) noch so druckvoll dirigieren kann. Aber Musik hält bekanntlich jung (daher höre ich auch so viel davon :D ) Die Aufnahme ist auch aufnahmetechnisch ein Leckerbissen.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Na, das wäre ja noch schöner!

      Elly Ney......(Klemperer dürfte sie wohl nicht gehört haben)?

      Dass diese alte "Nazibraut" ausgerechnet Klemp gehört hat. Wahrscheinlich auf dem Obersalzberg, mit Blondie Wolf zu Füßen, von Eva bewirtet. :whistling:

      Mackerras ist absolut ok! Den habe ich viel zu selten auf dem Schirm!
      Danke für den Tipp!
      Gruß aus Kiel

      PS: Klemp benötigte 1954 ca. 29 Minuten, Szell in beiden Aufnahmen sogar weniger als 27!
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Doc Stänker schrieb:

      Dass diese alte "Nazibraut" ausgerechnet Klemp gehört hat. Wahrscheinlich auf dem Obersalzberg, mit Blondie Wolf zu Füßen, von Eva bewirtet. :whistling:

      Du hast Burli vergessen.

      Doc Stänker schrieb:


      OK, ich habe vergessen, Szell, Krips, Levine und andere zu erwähnen.

      Einige andere: du hast Schuricht (Paris Opera) und Britten vergessen.
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Jung sterben , aber so spät wie möglich ( F. Jourdain )
    • Doc Stänker schrieb:

      diese alte "Nazibraut"
      Es wird kolportiert, dass sie bei einer Aufführung der "Carmina Burana" in Frankfurt laut "Kulturschande!" gerufen haben soll. Ich fand die Dame immer abstossend, sowohl was ihre Person wie ihre künstlerischen Bemühungen anbelangte.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Finalsatz - Analyse

      Hier ist eine sehr schöne visuelle Analyse des Finalsatzes der Jupiter Sinfonie, im speziellen der phänomenalen Kontrapunktik.

      Atkinson: Jupiter Sinfonie Analyse Finalsatz

      Die Möglichkeit Themen und Motive in Realtime im Notentext kenntlich zu machen, wird hier auf gewinnbringende Art und Weise genutzt.
      Ich denke, dass man selbst ohne detaillierte Notenkenntnisse das Video "geniessen" kann und die geniale Kontrapunktik sichtbar wird.

      Bei Richard Atkinsons YT Kanal findet sich auch sonst noch so manches Kleinod der Musikanalyse.
      Da werde ich bei Gelegenheit weiterstöbern.


      liebe Grüße
      Scherzo
    • Heute bei nem Freund mit exzellentem Sound mal die letzte Aufnahme von Harnoncourt (mit dem ominösen "Oratorium"-Titel) gehört, und finde sie von der Tempo-Gestaltung her schon ziemlich gut - das grooved ohne die Mätzchen der früheren Aufnahmen (schnelle langsame und langsame schnelle Sätze). Das Andante braucht einfach diese Ruhe, die es wie einen Gruß aus der Ewigkeit hereinwehen lässt...
      Und die schnellen Sätze haben einfach diese majestätische Power, die genau zwischen genug Schwere und Schwung ausgependelt sein muss...
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht