Joseph Haydn - Die Klaviersonaten und andere Werke für Klavier solo

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    • Joseph Haydn - Die Klaviersonaten und andere Werke für Klavier solo

      Was hier im Forum noch schmerzlich fehlt, ist ein Sammelthread über Haydns Klaviersonaten. Es wäre übertrieben, diese Werkgruppe in Haydns Schaffen als stiefmütterlich behandelt zu bezeichen - dafür gibt es zu viele hervorragende Einspielungen von Weltklassepianisten - aber so ein bisschen im Schatten Mozarts und erst recht Beethovens standen sie immer schon. Der Grund dafür ist recht schnell umrissen, denn hier gibt es keine türkischen Märsche im 2/4-Takt, die sich für Schüleraufführungen eignen, und nirgendwo in Haydns Klavieroevre wird man auf pathetische Weise appassioniert. Für mich persönlich ist Haydns Klaviermusik trotzdem absolut zentral. Ich höre sie selbst öfter als seine Streichquartette oder irgendwelche andere Klaviermusik. Eben weil diese Sonaten so unaufdringlich aber dabei so unendlich vielgestaltig und raffiniert sind, stellen sie für mich die reinste Seelennahrung dar. Jeder Ton ist von Bedeutung, es ist kein Gramm Fett an ihnen. Fast muten diese Klaviersonaten an wie Röntgenaufnahmen von Musik oder wie reine Kristalle. Man kann sie nebenbei hören oder konzentriert, beides erquickt. Mehr als in einer anderen Werkgattung versteht es Haydn hier aus "Mist" Gold zu machen. Viele Themen verwandeln sich durch Haydns Verarbeitungskünste von einer Sekunde auf die andere vom hässlichen Entlein in einen prächtigen Schwan. Bevor man sich´s versieht ist schon wieder alles verstoben. Der späte Gould gab sich von Haydns Klaviersonaten fasziniert: "they are never slices from the same cake". Bei über 60 Stück keine schlechte Leistung. Die frühen Sonaten seit ca. 1760 waren noch für das Cembalo geschrieben, die letzten Sonaten für Broadwood Klaviere. Mehr noch als Clementis Klavierwerk ist das Haydns daher emblematisch für die Entwicklung der Klaviermusik.

      In diesem Thread sollen in Zukunft einzelne Sonaten besprochen und Einspielungen vorgestellt werden.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Ich starte erst mal bescheiden und möchte dringendst auf folgende Gesamteinspielung aufmerksam machen, die zurzeit bei jpc für knapp 20 Euro erhältlich ist:



      Derzhavina spielt einen herrlich beweglichen und klangschönen Haydn. Ich habe die Box selbst noch nicht ganz durchgehört - die grossartigsten Sonaten erwarten mich noch - aber was ich bisher gehört habe, hat mich sehr überzeugt. In den frühen Sonaten greift die Pianistin oft zu Verzierungen, die sehr geschmackvoll gesetzt sind. Man merkt, dass sich Derzhavina Jahrzehnte mit Haydns Klaviermusik beschäftigt hat.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Okay - also ein Sammelthread über alle Haydn-Klaviersonaten. Man hätte natürlich auch daran arbeiten können, den hier
      Haydn: Klaviersonate Nr. 39 (Hob. XVI:24) D-dur
      begonnenen Weg fortzusetzen und peu à peu Einzel-Threads über jede einzelne Haydn-Klaviersonate zu eröffnen. Aber sei's drum. Nun ist er also da, ein Sammelthread.
      Information ist nicht Wissen, Wissen ist nicht Weisheit, Weisheit ist nicht Wahrheit, Wahrheit ist nicht Schönheit, Schönheit ist nicht Liebe, Liebe ist nicht Musik. Musik ist das Beste.
      (Frank Zappa)
    • Das ist mir schon klar. Ich finde es jedenfalls gut, dass Du mit Deinem Thread die Haydn-Diskussion in unserem Forum belebst. Den einen oder anderen Einzel-Thread wird es hoffentlich trotzdem geben.
      Information ist nicht Wissen, Wissen ist nicht Weisheit, Weisheit ist nicht Wahrheit, Wahrheit ist nicht Schönheit, Schönheit ist nicht Liebe, Liebe ist nicht Musik. Musik ist das Beste.
      (Frank Zappa)
    • Seit Bestehen dieses Forums wurde ein einziger (!) Thread über eine Haydnsonate gestartet - über eine, die ich nicht gerade zu den bedeutendsten zählen würde übrigens. Das heisst, dass im Forum nicht genügend Motivation vorhanden ist, alle Sonaten in Einzelthreads zu besprechen. Selbst bei Beethoven gelingt das nur, wenn einer mit regelrechtem Fanatismus zu Werke geht (in einem anderen Forum). Ein Sammelthread ist hingegen flexibel. Man kann Gesamteinspielungen besprechen, generelle Eindrücke diskutieren oder tatsächlich Einzelbesprechungen machen. Ich finde das beim Mendelssohn- oder Bartok-Klavierthread eigentlich das angemessene Format - und realistischerweise auch hier.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      Die frühen Sonaten seit ca. 1760 waren noch für das Cembalo geschrieben,


      ich habe kürzlich - allerdings nur ganz obenhin - einen frühen Haydn auf einem kleinen Cembalo versucht. Mir schien, daß es nicht funktioniert, z.B. bewegte Begleitungen in der l.Hd. gegen ruhigere r.Hd. viel zu aufdringlich herauskamen. Auf einem Clavichord könnte ich es mir sehr schön vorstellen.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Vielen Dank für die Eröffnung des Threads!

      Aus aktuellem - traurigen - Anlass gibt er Gelegenheit, an einen bedeutenden Musiker und großen Haydn-Interpreten zu erinnern: John McCabe ist am 13 Februar 2015 im Alter von 75 Jahren verstorben. Er hat ein vielseitiges symphonisches und kammermusikalisches Werk hinterlassen, dessen Würdigung immer noch aussteht (ich gebe zu, dass ich bisher auch fast nichts davon kenne).

      Er gehört aber sicherlich ganz zentral in diesen Thread, weil er in den Siebziger Jahren eine Gesamtaufnahme der Klaviersonaten Haydns bei Decca eingespielt hat, die ich nach wie vor für mustergültig halte. Dass sich ein Komponist der zeitgenössischen Moderene so intensiv ausgerechnet mit dem Klavierwerk Haydns beschäftigt hat, gibt vielleicht Anlass über den Zeitgenossen Haydn nachzudenken. McCabe spielt einen präzisen, äußerst klaren Haydn, ganz ohne interpretatorische Eigenwilligkeiten, der für sich selbst spricht. Einen größeren Gefallen kann man dem Komponisten nicht tun. Die auch klangtechnisch vorbildlichen Aufnahmen sind glücklicherweise weiterhin bei Decca zu bekommen:



      Äußerlich scheinbar ganz anders, die zweite Gesamtaufnahme, die ich kenne: Christine Schornsheim



      Während McCabe ausschließlich den modernen Konzertflügel benutzt, experimentiert Frau Schornsheim mit allen möglichen Instrumenten, die zur Haydn-Zeit in Gebrauch waren: vom Cembalo bis zum Broadwood-Flügel. Einige Werke werden auf einem Clavichord gespielt, dessen Klang ich grässlich finde. Hat man den Widerstand gegen den Klang aber erst einmal überwunden, entdeckt man mehr als wenn man sich das Anhören des scheinbar schrecklichen Instruments erspart hätte. Ganz überwiegend benutzt Schornsheim aber durchaus wohlklingende Instrumente. Bisweilen mag sie einem etwas ruppig vorkommen, zum Teil sehr schnell, dann wieder ganz ungewohnt langsam; Langeweile entsteht aber mit ihrem Haydn nie. Mich hat beim Wechsel zwischen McCabe und Schornsheim oft überrascht, wie ähnlich ihre Interpretationen im Ergebnis trotz der extrem unterschiedlcher Ansätze sind: beide stellen eben nicht ihre individuelle Sichtweise in der Vordergrund, sondern hören auf Haydn.

      Obwohl es großartige Interpretationen nicht nur der bekannteren späteren Werke von wesentlich namhafteren Pianisten gibt - z.B. Brendel, Koroliov, Hamelin, Bavouzet, Gould, Richter, Pletnev, Sudbin - auf deren Einspielungen man im Verlauf des Threads vielleicht noch kommt, halte ich McCabe wie Schornsheim nach wie vor ohne Einschränkung für empfehlenswert, weil man von ihnen (fast) alles bekommt.
    • Einige Werke werden auf einem Clavichord gespielt, dessen Klang ich grässlich finde.


      Meinst du ihr spezifisches Instrument oder das Clavichord generell??

      Ich empfehle sehr die Aufnahme mit Ronals Brautigam. Auf einem
      modernen Flügel funktionieren meines Erachtens am ehesten die späte Sonaten, die ja auch für "moderneres" britisches Klavier geschrieben sind.
    • Guten Morgen,

      bei mir steht die Einspielung mit Walter Olbertz aus den 70er Jahren (9 CDs), die mir völlig ausreicht. Gibt es für recht kleines Geld, ein Schnäppchen. Zur Charakterisierung kann ich nur das Produktinfo bei JPC zitieren: "mit großer Klarheit, Eleganz und viel Esprit".
      Schöne Grüße, Helli


      "Das ist irrelevant!" (Seven of Nine, Star Trek Voyager)
    • Felix Meritis schrieb:

      Was hier im Forum noch schmerzlich fehlt, ist ein Sammelthread über Haydns Klaviersonaten. Es wäre übertrieben, diese Werkgruppe in Haydns Schaffen als stiefmütterlich behandelt zu bezeichen
      Dann sollten wir doch gleich die übrigen Klavierwerke mit einbeziehen, denn das ist nicht mehr so viel, aber es sind sehr bedeutende Werke dabei (z.B. Andante con Variazioni f-Moll, Fantasie C-Dur).

      Zu meinen CD Empfehlungen komme ich später. Vorab möchte ich auf die Notenausgabe der Wiener Urtextedition hinweisen. Die ist nämlich das non plus Ultra für alle welche die Sonaten selber spielen, oder sich nur studienhalber damit befassen möchten.

      Zu Frau Derzhavina: Ich habe sie persönlich in Husum kennengelernt. Sie ist eine ausgesprochen bescheiden und sympathisch auftretende Person, und von großer Gewissenhaftigkeit, was ihre Musizierweise anbelangt. Vielleicht nehme ich das hier zum Anlass mir doch noch ihre Einspielung zu besorgen. Man kann auf jeden Fall nichts verkehrt machen, und ich habe schon sehr viel gutes darüber gehört. Ich kenne sie bisher überwiegend mit Medtner, für den sie unermüdlich eintritt.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • ralphb schrieb:

      Ich empfehle sehr die Aufnahme mit Ronals Brautigam.


      Ja, die interessiert mich sehr - ist mir aber immer noch was zu teuer, da ich bereits zwei GAs auf "historischen" Instrumenten habe.

      Das ist einmal die Schornsheim-GA, die ich kürzlich ganz billig aus zweiter Hand erworben hab. Längst nicht ganz durchgehört, sondern bisher nur zwei CDs auf der sie frühe Sonaten spielt und zwar auf Cembali. Schornsheims Zugriff ist nach meinem flüchtigen Eindruck recht zackig - und zwar was die Wahl der Tempi betrifft ebenso wie Agogik und Ausdruck.

      Die andere GA, die ich habe, ist diese:



      Sieht inzwischen so aus:



      Hier spielen verschiedene Pianisten (Ursula Dütschler, Riko Fukuda, Stanley Hoogland, Yoshiko Kojima und Bart van Oort) auf unterschiedlichen, allesamt IMO sehr klangschönen Hammerklavieren. Ich habe die Einspielungen jetzt lange nicht mehr gehört (schlicht weil ich zuletzt Haydn nicht mehr so im Blick hatte), habe die Interpretationen aber eigentlich als sehr ansprechend in Erinnerung. Muss ich mal wieder nachhören.

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Nachdem die Dershavina-Box in mehreren englischsprachigen Foren hoch gelobt und empfohlen wurde, habe ich sie, nachdem sie plötzlich so günstig war, auch gekauft, und würde sie allen, die Interesse an der Musik haben und nicht auf HIP bestehen, sehr nahelegen.
      (NB die Box enthält sogar einige Fragmente und umstrittene Werke, aber anscheinend nicht die f-moll-Variationen, wobei letztere eins der meistgespielten Klavierstücke Haydns sind, so dass an Aufnahmen kaum ein Mangel besteht.)

      Ich kenne die älteren GA Buchbinders, McCabes und Olbertz' nicht (habe über die alle aber ziemlich durchwachsene Rezensionen gelesen); Piazzini bei Arte Nova ist nicht schlecht, aber verglichen mit Dershavina weniger lebendig und energisch. Die Schornsheim-Box hat mir damals auch sehr gut gefallen (außer der CD mit Clavichord, das Instrument gefällt mir fast nie auf Aufnahmen, anscheinend sehr schwer einzufangen). Und bei einigen Sonaten wünschte ich, sie hätte kein Cembalo verwendet. So munter-perkussiv das in schnellen Sätzen klingen mag, ein Stück wie der langsame Satz der Sonate 23 wirkt ziemlich ernüchternd. Insgesamt halte ich die Vielfalt der 5 oder 6 unterschiedlichen Instrumente aber für einen Bonus. Die stärkste HIP-Konkurrenz ist wohl Brautigam (davon habe ich aber nur eine einzelne CD, mein Interesse ist nicht so groß, dass ich noch eine Komplettbox benötigte, zumal ich noch die drei CDs Staiers, Brendels Auswahl, Goulds, Collards, sowie eine Anzahl Einzel-CDs im Fundus habe).
      .
      Entgegen dem OP würde ich sogar sagen, dass Haydns Klaviersonaten, auch wenn sich das Kennenlernen lohnt, eher etwas für Fans sind. Von ca. 50 Werken sind nur die letzten 5 "spät" (ab ca. 1789), dann gibt es noch eine Handvoll aus den frühen 1780er Jahren und natürlich auch einige sehr gute frühere Werke (wie die c-moll). (Es scheint, dass für Haydn ab den späten 1780ern Klaviertrios zunehmend Sonaten "ersetzt" haben.)
      Vielen Hörern langen daher sicher die 10 oder so bekanntesten Sonaten (in etwa die Auswahl, die Brendel eingespielt hat) aus. Freilich kann man mit einer so günstigen und so guten Box leicht herausfinden, ob man ein Fan ist. ;+)
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • zabki schrieb:

      Felix Meritis schrieb:

      Die frühen Sonaten seit ca. 1760 waren noch für das Cembalo geschrieben,


      ich habe kürzlich - allerdings nur ganz obenhin - einen frühen Haydn auf einem kleinen Cembalo versucht. Mir schien, daß es nicht funktioniert, z.B. bewegte Begleitungen in der l.Hd. gegen ruhigere r.Hd. viel zu aufdringlich herauskamen. Auf einem Clavichord könnte ich es mir sehr schön vorstellen.

      Waren das Albertibässe? Wenn ja, denke ich, dass das Cembalo prinzipiell trotzdem geeignet ist, denn Alberti starb ja bereits 1740. Ich selbst besitze keine Aufnahme mit Cembalo, sondern nur mit Klavieren aus dem späten 18. Jahrhundert (Bart van Oort bei Brilliant). Ich muss leider zugeben, dass ich Haydn - bei trockener Spielweise - am modernen Klavier am meisten schätze.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Eusebius schrieb:

      Dann sollten wir doch gleich die übrigen Klavierwerke mit einbeziehen, denn das ist nicht mehr so viel, aber es sind sehr bedeutende Werke dabei (z.B. Andante con Variazioni f-Moll, Fantasie C-Dur).

      Ich habe den Titel des Threads entsprechend abgeändert. Die f-Moll Variationen können dann auch hier besprochen werden.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Ich denke nicht, dass Haydns Klaviersonaten heute noch in irgendeinem Schatten stehen, zumindest nicht in dem der Sonaten Beethovens oder Mozarts. Im Vorwort der von Eusebius schon erwähnten Wiener Urtext-Ausgabe schreibt Robert Levin, dass auch aufgrund Christa Landons Ausgabe von 1966 Haydns Sonaten "längst die Nische des Klavierunterrichts verlassen und wieder Eingang in den Konzertsaal gefunden" haben. Sviatoslav Richter hat Haydn über Mozart gestellt (schönes Interview hier: "http://youtu.be/FHcmfIJiQ2g?t=5m25s") und während Gould sich an Mozart austobte, sind ähnliche Exzesse bei seinen Einspielungen Haydns nicht bekannt.

      Ich liebe die Sonaten auch sehr (vielleicht, weil sie zu den wenigen ernsthaften Stücken gehören, die ich auf dem Klavier spielen kann - dank sei den überwiegend weiblichen Amateur-Pianisten, denen Haydn die Sonaten geschrieben hat! :D) und höre sie besonders gerne in den Einspielungen der großen romantischen Pianisten. Glenn Gould hat laut Stegemann die Sonaten (Hoboken XVI) 42 und 48-52 eingespielt. Der Anfang der Sonate 42 gehört für mich zu den schönsten Momenten der Schallplattengeschichte. Sviatoslav Richter hat nach trovar.com die Sonaten 2, 20, 22, 24, 29, 32, 40, 41, 44, 46, 48, 49, 50 und 52 sowie Andante con variazioni und das Konzert D-Dur aufgenommen. Von Horowitz gibt es nach Schonberg immerhin Einspielungen der Sonaten 23, 48, 49 und 52. Besonders schön, romantisch, erzählend und liebevoll finde ich eine Einspielung der letzten Sonate (Hob. XVI: 52) aus dem Jahr 1932, die man auf folgender CD hören kann:
    • Kater Murr schrieb:

      Nachdem die Dershavina-Box in mehreren englischsprachigen Foren hoch gelobt und empfohlen wurde, habe ich sie, nachdem sie plötzlich so günstig war, auch gekauft, und würde sie allen, die Interesse an der Musik haben und nicht auf HIP bestehen, sehr nahelegen.
      (NB die Box enthält sogar einige Fragmente und umstrittene Werke, aber anscheinend nicht die f-moll-Variationen, wobei letztere eins der meistgespielten Klavierstücke Haydns sind, so dass an Aufnahmen kaum ein Mangel besteht.)

      Ich habe gestern noch eine CD aus der Box gehört und bin noch begeisterter als zuvor. Wie sie das Finale von Hob. XVI: 37 spielt, ist absolut fantastisch. So humorvoll habe ich das noch nie gehört. Durch subtile Temporückungen und dynamische Abstufungen lässt sie die Musik immer wieder "ins Leere laufen". Herrlich. Auch fantastisch gelungen ist der langsame Satz aus derselben Sonate. Ebenso berückend ihre Interpretation von Hob. XVI: 38. So wunderschön habe ich das Adagio dieser Sonate noch nie gehört, und den Kopfsatz noch nie so plastisch.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Gesamteinspielungen

      Neben Derzhavinas Einspielung besitze ich die Haydnsonaten noch komplett (bzw. weitgehend komplett) von Buchbinder und von Jandó. Buchbinder ist tatsächlich sehr trocken, aber einige Interpretationen sind extrem interessant. So habe ich etwa Hob. XVI:37 noch nie so streng gehört. Das Adagio klingt nach einem todernsten Barockstück. Jandó interpretiert wesentlich weicher hier. Insgesamt ziehe ich Jandó inzwischen wegen der grösseren Klangschönheit bei weitem vor, allerdings könnte sich bei mir Derzhavina bald an die Spitze stellen. Trotzdem ist Jandó auch hier weit unterschätzt, wird er im Zusammenhang mit Haydn doch viel zu selten genannt. Von Marc-André Hamelin gibt es eine 66%-Gesamteinspielung, die ich qualitativ auch sehr hoch einschätze, allerdings habe ich nur 2 der drei Doppel-CDs.



      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • El Duderino schrieb:

      Ich denke nicht, dass Haydns Klaviersonaten heute noch in irgendeinem Schatten stehen, zumindest nicht in dem der Sonaten Beethovens oder Mozarts.

      Ernsthaft? Nicht im Schatten Beethovens? Naja, also das ist ja mal eine Ansage!

      Was sicherlich stimmt, ist, dass viele Pianisten Haydn überaus schätzen. Aber ob sich diese Begeisterung auf den durchschnittlichen Klassikhörer erstreckt, wage ich mal zu bezweifeln. Brendel hat Beethovens Sonaten dreimal komplett eingespielt, aber Haydn nur partiell. Auch Gould - bei aller Begeisterung - hat nur die späten Sonaten eingespielt. Beethoven rangiert in puncto Klaviersonaten wohl sehr deutlich vor Haydn.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      Beethoven rangiert in puncto Klaviersonaten wohl sehr deutlich vor Haydn.
      .. was nicht unbedingt etwas über die Qualität aussagt.Aber für Haydn war diese Gattung nicht so wichtig wie für Beethoven, der in seinen Klaviersonaten immer wieder den Motor seiner kompositorischen Entwicklung gesehen hat. Bei Haydn trifft das wohl eher auf die Streichquartette zu. Es wäre aber müßig jetzt Haydn gegen Beethoven ausspielen zu wollen. Beide haben ihre ganz unverwechselbare Tonsprache eingebracht, und Haydn hat namentlich in seinen späteren Werken ganz beachtliche Kompositionen erschaffen. Allerdings bricht die Produktion bereits 15 Jahre vor seinem Tod etwa gegen 1794 ab, wohingegen Beethoven bis kurz vor seinem Ende Klaviersonaten geschrieben hat (und was für welche!).

      Gegenüber Mozart bevorzuge ich hingegen, von einigen Ausnahmen abgesehen, die Sonaten von Haydn oder CPE Bach. Da passiert einfach mehr. Mozart hat wohl seine meisten Sonaten mehr einer Konvention folgend geschrieben, und in seinen Violinsonaten musikalisch deutlich mehr ausgedrückt. Mein Eindruck bei Haydn ist der, dass die musikalische Entwicklung in seinen Werken deutlich weniger berechenbar ist als das bei Mozart der Fall ist.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)