Arnold Schoenberg - Trio for Violin, Viola and Cello, Op. 45 (1946)

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    • putto schrieb:

      Wobei "abstrakt" doch ziemlich irreführend ist: Das Streichtrio ist 1) z.T. quasi Programmmusik als Darstellung des Herzinfarktes (also nicht abstrakt) 2) hochgradig expressiv (also nicht abstrakt) und 3) auch wieder neo-romantisch (also nicht abstrakt). Es ist eigentlich die Antithese zur abstrakten Musik jener Zeit, nämlich den punktuell-seriellen Anfängen.

      Zu 1) meint die Schoenberg-Website: "Der Zusammenhang mit Schönbergs Krankheit mag zwar hinsichtlich der Entstehung des Streichtrios von einigem Interesse sein, seine ästhetische Relevanz allerdings ist mehr als zweifelhaft." Sehe ich ähnlich.

      2) Ich stimme dir zu, dass das Trio "hochgradig expressiv" ist, aber das widerspricht für mich nicht meinem "abstrakten" Eindruck. Mit abstrakt meine ich einerseits den formalen Aufbau, der mir auch nach Jahren des Reinziehens noch ziemlich kryptisch anmutet; andererseits die "a-thematische" Gestaltung. Zwölftönige Werke aus Schoenbergs mittlerer Schaffensphase haben meist klar erkennbare ("nachpfeifbare") Themen, beim Trio gibt es sehr wenige Stellen, die ich quasi "mitsingen" könnte.

      3) Sowas Aehnliches hattest du ja schon auf Seite 1 des Threads angedeutet. Mich würde immer noch interessieren, was du konkret damit meinst, und inwiefern sich für dich "neo-romantische" Stellen im Trio von lyrischen Stellen in früheren Schoenberg-Stücken unterscheiden.

      Als "Antithese" zu punktuell-serieller Musik kann ich persönlich das Trio jedenfalls nicht rezipieren... jedenfalls unter dem Gesichtspunkt, dass es mir deutlich "punktueller" rüberkommt als frühere Schoenberg-Stücke (wenn auch natürlich längst nicht so punktuell wie bspw. Webern).
    • Melione schrieb:

      putto schrieb:

      Wobei "abstrakt" doch ziemlich irreführend ist: Das Streichtrio ist 1) z.T. quasi Programmmusik als Darstellung des Herzinfarktes (also nicht abstrakt) 2) hochgradig expressiv (also nicht abstrakt) und 3) auch wieder neo-romantisch (also nicht abstrakt). Es ist eigentlich die Antithese zur abstrakten Musik jener Zeit, nämlich den punktuell-seriellen Anfängen.
      Zu 1) meint die Schoenberg-Website: "Der Zusammenhang mit Schönbergs Krankheit mag zwar hinsichtlich der Entstehung des Streichtrios von einigem Interesse sein, seine ästhetische Relevanz allerdings ist mehr als zweifelhaft." Sehe ich ähnlich.
      Du verwechselst jetzt aber eine Aussage über die "ästhetische Relevanz" mit einer Aussage über den Zusammenhang selbst. Wenn auch die "ästhetische Relevanz" nicht groß ist, so ist es dennoch "quasi Programmmusik", und, wenn auch nicht Programmmusik im Sinne der Romantik, auf jeden Fall "anti-abstrakt".
      2) Ich stimme dir zu, dass das Trio "hochgradig expressiv" ist, aber das widerspricht für mich nicht meinem "abstrakten" Eindruck. Mit abstrakt meine ich einerseits den formalen Aufbau, der mir auch nach Jahren des Reinziehens noch ziemlich kryptisch anmutet; andererseits die "a-thematische" Gestaltung. Zwölftönige Werke aus Schoenbergs mittlerer Schaffensphase haben meist klar erkennbare ("nachpfeifbare") Themen, beim Trio gibt es sehr wenige Stellen, die ich quasi "mitsingen" könnte.
      Ich finde im Streichtrio die Wiederholung am Schluss leichter wiederzuerkennen als bspw. die Reprise im Hauptsatz des Bläserquintetts. Und zum Pfeifen halte ich Schönberg generell für wenig geeignet. Gerade das Emotionale und das Neoromantische(?) machen für mich das Streichtrio zum vergleichsweise weniger "abstrakten" Schönberg-Werk der Zwölfton-Phase, obwohl ich den Terminus "abstrakt" eigentlich nicht besonders gut zuordnen könnte musikalisch.
      3) Sowas Aehnliches hattest du ja schon auf Seite 1 des Threads angedeutet. Mich würde immer noch interessieren, was du konkret damit meinst, und inwiefern sich für dich "neo-romantische" Stellen im Trio von lyrischen Stellen in früheren Schoenberg-Stücken unterscheiden.
      Na diese halbtonalen Chromatizismen schon ziemlich am Anfang natürlich. Sowas ist in den Streichquartetten 3&4 oder im Bläserquintett doch nicht zu finden, oder?
      Als "Antithese" zu punktuell-serieller Musik kann ich persönlich das Trio jedenfalls nicht rezipieren... jedenfalls unter dem Gesichtspunkt, dass es mir deutlich "punktueller" rüberkommt als frühere Schoenberg-Stücke (wenn auch natürlich längst nicht so punktuell wie bspw. Webern).
      Na, im Sinne des "Abstrakten", sofern der Begriff musikalisch fruchtbar gemacht werden kann, was man allerdings bezweifeln kann.
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    • Amfortas09 schrieb:

      putto schrieb:

      Es ist eigentlich die Antithese zur abstrakten Musik jener Zeit, nämlich den punktuell-seriellen Anfängen.
      Bei seriellen Notenquälern in Europa würde ich dir zustimmen. Die dockten m.E. besonders an Weberns später Mucke an, weniger an Schönberg. Rene Leibowitz oder Steuermann bildeten Ausnahmen, weil mir eher schönberg-like. Deren Mucke wäre aber auch irgendwie in deinem Sinn "abstrakt". Dallapiccolas später Phase ist auch an Webern orientiert, die er etwa ab den 50zigern verzapfte. Dallapiccola kommt mir allerdings wiederum nicht seriell rüber und wäre auch nicht in deinem Sinn "abstarkt"....
      War vielleicht auch irgendwie Generationenfrage.
      Äh, es sollte aber klar sein, was mit "punktuell-seriellen Anfängen" gemeint ist? Natürlich nicht die Anfänge der Zwölftonmusik bei Hauer, Schönberg etc. sondern die Anfänge der Bestrebungen, das Reihenprinzip auf andere Parameter auszuweiten bei Stockhausen, Nono etc., wo es um 1950 eine punktuelle Phase gab. Diese wäre für mich die Musik, die man am ehesten als "abstrakt" bezeichnen könnte, schon wegen des Kompositionsvorganges. Dass Nonos canto sospeso dann wieder zu Tränen rühren kann, macht natürlich meinen Versuch, das Streichtrio wegen des "Expressionismus" vom "Abstrakten" abzusetzen kaputt, zudem war ja schon Kandisky abstrakt und expressiv. Also: Meiden wir lieber den Begriff "abstrakt".
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