Haydn: Messe B-Dur Hob. XXII:10 "Missa Sancti Bernardi de Offida" bzw. "Heiligmesse"

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    • Haydn: Messe B-Dur Hob. XXII:10 "Missa Sancti Bernardi de Offida" bzw. "Heiligmesse"

      Von Haydns letzten sechs Messen stehen drei in B-Dur, so auch die Heiligmesse, die 1796 als zweite dieser Sechsergruppe entstand. Der Beiname "Heiligmesse" kommt daher, dass im Sanctus das österreichische Kirchenlied "Heilig, heilig, heilig" verwendet wurde.

      Bemerkenswertes in Stichworten:
      • komponiert 1796 (als zweite der letzten 6 Messen)
      • Verwendung des österreichischen Kirchenliedes "Heilig, heilig, heilig" im Sanctus, daher der Name "Heiligmesse"
      • wenig Fugato (nur im Kyrie und im Et vitam venturi)
      • Solo-Stimmen kommen eher selten zum Einsatz, z.B. auch nicht im Benedictus
      • Resurrexit in Moll
      • sehr schönes Benedictus, dürfte der einprägsamste von allen Sätzen sein


      Zu den einzelnen Sätzen:

      1. Satz: Kyrie. Adagio (3/4-Takt, B-Dur) - Allegro moderato (3/4-Takt, B-Dur)
      Nach einer feierlichen Einleitung ist der Kyrie-Satz wie üblich dreiteilig. Das erste Kyrie wird mit einem Fugato erweitert. Im Christe kommen in vielen Messen die Solisten zum Einsatz, hier nicht.

      2. Satz: Gloria. Vivace (4/4-Takt, B-Dur) - Allegretto (3/4-Takt, B-Dur) - Vivace (4/4-Takt, B-Dur)
      Mit Pauken und Trompeten erfolgt ein wuchtiger Einstieg. Im zweiten Teil (Gratias agimus tibi) kommen endlich auch die Solisten zum Einsatz, und zwar in einem sehr schönen polyphonen Satz.

      3. Satz: Credo. Allegro (alla breve, B-Dur) - Adagio (3/4-Takt, Es-Dur) - Allegro (3/4-Takt, g-Moll) - Vivace assai (3/4-Takt, B-Dur
      Einem feierlich getragenen Et incarnatus est in Es-Dur folgt ein Resurrexit in c-Moll. Ähnlich wie bei der Nelson-Messe fragt man sich, warum hier Moll? Bei der Nelson-Messe nehme ich die Dramatik des Auferstehungswunders wahr. Hier bei der Heiligmesse scheint es eher um den Kontrast zum Incarnatus zu gehen, aber ohne dabei den eher getragenen Rahmen zu sprengen. Der letzte Teil (Et vitam venturi) ist ein Fugato.

      4. Satz: Sanctus. Adagio (4/4-Takt, B-Dur) - Allegro (3/4-Takt, B-Dur)
      Das B-Dur-Allegro (Osanna in excelsis) beginnt mit 10 Takten in c-Moll (Pleni sunt coeli).

      5. Satz: Benedictus. Moderato (2/4-Takt, Es-Dur)
      Hier verzichtet Haydn überraschenderweise auf die Solisten, und doch ist das wohl der schönste Satz der Messe.

      6. Satz: Agnus Dei. Adagio (3/4-Takt, b-Moll) - Allegro (3/4-Takt, B-Dur)
      Das Moll passt zum flehenden Ton des Agnus Dei. Der Satz klingt aus mit einem wuchtigen Dona nobis pacem.


      Thomas
    • Hallo Thomas,

      die Heiligmesse ist eine von nur zwei der großen Haydn-Messen, die ich noch nicht gesungen habe, was ich sehr bedauerlich finde. Grade die großen Haydn-Messen zeichnen sich alle durch einen sehr unangestrengten und musikalisch positiv ausgedrückten Glauben aus, viele Stellen werden im Chor unisono gesungen, das macht den unverbrüchlichen Charakter der Stücke aus. Sie stammen aus der Zeit, in der Haydn alles konnte, sich nichts beweisen musste. Oft genug ist diese Musik aus winzigen Motiven gestaltet, die den Charakter der Stücke prägen, alles hat sehr viel Charme. Auch wenn es natürlich keine oberflächlichen Stücke sind, an den entscheidenden Stellen setzt Haydn jede Menge Dissonanzen, verminderte Akkorde und gelehrte Fugen ein.

      Wenn ich das recht sehe, gibt es auch bei dieser Messe unterschiedliche Besetzungsmöglichkeiten beim Einsatz der Hörner und der Klarinetten, ansonsten ist das Bemerkenswerteste, dass die Solisten nur an zwei Stellen eingesetzt werden, im 'Et incarnatus est .. Crucifixus' dann sogar als SSATBB-Sextett. Und sie ist etwas kürzer als die anderen großen Haydn-Messen (35 Minuten gegenüber eher etwas mehr als 40 Minuten bei den anderen 5 Messen). Lustig ist, dass es eine weltliche Parallele vom gleichen Autor zum 'Et incarnatus est' in Form eines Kanons mit dem Text 'Gott im Herzen, ein gut Weibchen im Arm' gibt, wie mein CD-Booklet weiß. Auch das ist ein schöner Beweis für den sehr entspannten persönlichen Glauben Haydns.

      Meine Aufnahme (bei Hob.XXII:10 besitze ich nur eine) ist die sehr schöne Aufnahme mit dem Monteverdi Choir unter Sir John Eliot Gardiner, die momentan zu einem sehr erschwinglichen Preis zu erhalten ist:



      Gruß Benno
    • Ecclitico schrieb:

      Einem feierlich getragenen Et incarnatus est in Es-Dur folgt ein Resurrexit in c-Moll. Ähnlich wie bei der Nelson-Messe fragt man sich, warum hier Moll?

      Ich frage mich eigentlich schon vorher, nachdem die Männerstimmen durchaus ernst das "crucifixus" anstimmen, wieso nun unbedingt auf den Text "Crucifixus" bzw "passus et sepultus est" die liebliche Stimmung des "et incarnatus" wiederkehren muß, zwar apart instrumentiert mit der hoch und deutlich vernehmlichen Klarinette, aber von der Textausdeutung schon fragwürdig - da war wohl die formale Dreiteiligkeit des Satzes wichtiger als der Inhalt...
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Ecclitico schrieb:

      5. Satz: Benedictus. Moderato (2/4-Takt, Es-Dur)
      Hier verzichtet Haydn überraschenderweise auf die Solisten, und doch ist das wohl der schönste Satz der Messe.

      Dafür sind zumindest in meiner Aufnahme (Marriner und co) (sordinierte?) Solostreicher zu hören, die einen sehr schönen Kontrast zu den lauten Stellen bilden und auf ihre Art vielleicht die Solisten vertreten?

      Ecclitico schrieb:

      2. Satz: Gloria. Vivace (4/4-Takt, B-Dur) - Allegretto (3/4-Takt, B-Dur) - Vivace (4/4-Takt, B-Dur)

      Das Thema der Schlußfuge (-oder Fugato) "in gloria dei patris" erinnert doch sehr an das "Dona nobis pacem" der Nelsonmesse, istpraktisch das Gleiche, oder?
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • ... nichts Essentielles ...

      Die Einzelvorstellungen der Haydn-Messen freuen mich (Dank an Ecclitico!) - und es wird höchste Zeit, das kurz Gesichtete in die Tat umzusetzen, stehen doch einige wenige wichtigere Haydn-Messen durchaus im Schrank. Früher habe ich einzelne sogar im Rundfunk gehört, seit Jahren aber keine mehr.

      Haydn ist auf diesem Gebiet in deutlich höherem Maße Individualist als Mozart, bei welchem, von dessen Requiem, der c-Moll-Messe und einigen genialen kleineren Werken abgesehen, es meines Erachtens schon berechtigt scheint, von Gebrauchsmusik zu sprechen.

      Die Heilig-Messe scheine ich nicht zu besitzen.

      Was ist von der folgenden Integrale zu halten? Ich bin aufgrund der Meinungen beim Partner verunsichert.



      Sollte es einen idealeren Platz für diese Anfrage geben, bitte ich um Verschiebung - oder ich kopiere selbst noch.

      EDIT 1: Ich werde kurz den allgemeinen Thread zu den Messen sichten und vermute dort eine Antwort auf meine Frage!

      EDIT 2: Ich habe die Frage dort nochmals eingestellt.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.