Strauss - Arabella. Oper Köln (Oper am Dom), Premiere am 25. April 2015

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    • Strauss - Arabella. Oper Köln (Oper am Dom), Premiere am 25. April 2015

      Das Regieteam Renaud Doucet und André Barbe (Licht: Guy Simard) wirft einen Blick auf die Spätzeit der k.u.k. Monarchie von ihrem katastrophischen Ende her: Alle Kostüme in schwarz-weiß, nein, eigentlich in grau-beige, dem Farbton alter Daguerrotypien (oder dem der Kolorierung von Schiele-Zeichnungen). Das österreichische Imperium befindet sich bereits im Zustand der Auflösung, ein Kronleuchter ist von der Decke gestürzt und bildet, überdimensioniert, einen bespielbaren Ort auf der Bühne, einige seiner Scherben dienen als Sitze und Tische. Die Wand der Halle des Hotels, in der sich das Leben der Waldsteins abspielt, ist bereits ins Wanken geraten und bildet mit klassizistischen Säulchen und Jugendstil-Stühlchen den schon nach hinten wegklappenden Bühnenhintergrund. Im zweiten Teil (Akte 2 und 3) sind einige der Charaktere schon ein paar Jahre weiter, Arabellas fürstliche Verehrer hat der Weltkrieg schon gezeichnet, Elemer sitzt im Rollstuhl, Lamoral hat einen Kopfverband und Dominik einen offenen Bauchschuß, die Fiakermili tritt als Rot-Kreuz-Schwester auf, ein Teil der Gesellschaft tanzt noch im festlichen Kostüm, andere sind bereits vom Krieg ins Elend gebracht worden und tragen Lumpen (oder sind das Mandrykas Leibeigene?). Die Hotelhalle ist weiter hochgeklappt und gibt den Blick auf das Kriegsgeschehen frei, die Festgesellschaft ruht auf Schützengraben-Sandsäcken. Die Kartenaufschlägerin, jetzt als schwarzer Domino gekleidet, geistert wie der leibhaftige Tod über die Bühne und drückt den Gefallenen die Augen zu. Dazwischen spielt sich Hofmannsthals kitschiges Operettendrama ab, reaktionär und demanzipatorisch, wie keine es keine noch so kitschige Operette schafft. Na gut, dafür können Doucet und Barbe nichts. Aber leider beziehen sie dazu nicht so recht eindeutig Stellung, alles bleibt im Halbgaren, Unentschiedenen stecken. (Und die Inszenierungsidee ist irgendwie geklaut, oder?) Immerhin gelingt eine treffende Personenregie, vor allem für Zdenka und Mandryka, auch Matteo. Arabella selbst bleibt in dieser Inszenierung merkwürdig blaß, ihre Alles und Alle ergreifende Schönheit bleibt Behauptung (was gewiß nicht an der Darstellerin liegt!). Oder ist das - angesichts der unsagbar scheußlichen Perücke - Absicht?

      Dirigent Stefan Soltesz hat im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger erzählt, Richard Strauss selbst habe gerne über seine eigenen "schönen Stellen" rasch hinwegdirigiert; so hat er es auch, vor allem im 1. Akt gemacht. Nur, was bleibt dann noch übrig von dieser Musik, außer daß das alles ohne Zweifel höchst kunstvoll komponiert ist - und Soltesz und ein Gürzenich-Orchester in Bestform das auch hörbar machen (vor Arabellas Monolog im 1. Akt allerdings schreckliche Intonation der Solostreicher!). Im 2. und 3. Akt wird dann etwas mehr Leine gegeben, und die Sänger erhalten mehr Möglichkeiten zu brillieren. Nun, das ist auch ein persönliches Problem, mit dem Strauss nach Elektra (allenfalls noch Rosenkavalier) werde ich nicht froh!

      Umso mehr mit den durchweg hervorragenden Sängerleistungen bis in die Nebenrollen! Besonders zu loben die wundervolle Emma Bell in der Titelrolle, Egils Slinis als Mandryka und - mit der besten darstellerischen Leistung des Abends - Anna Palimina als Zdenka. Ausgezeichnet auch Ladislav Elgr in der höchst undankbar komponierten Rolle des Matteo, auf ebenso hohem Niveau Jeongki Cheo als Graf Elemer. Als Kartenaufschlägerin dabei Alexandra von der Weth, die vor Jahren nach einer phänomenalen Norma an der DOR (eine ihrer letzten Vorstellungen habe ich besucht) einen sängerischen Totalzusammenburch hatte und jetzt in kleinen Rollen wieder auf der Bühne ist - und zwar gut bei Stimme und mit (immerhin) einem Hauch des Zaubers von damals! Darüber habe ich mich sehr gefreut!

      ***

      Birgit Meyer verkündete im Rahmen der Premierenfeier, daß Bauleitung und beteiligte Firmen soeben erklärt haben, der Baufortschritt am Kölner Opernhaus laufe mittlerweile wieder so zufriedenstellend, daß der Starttermin für die nächste Saison (7. November: Benvenuto Cellini) gehalten würde; OB und Kulturdezernentin nickten dazu. Es bleibt spannend!
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur