Ein Asia-Film-Thread

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    • Ein Asia-Film-Thread

      Hallo,

      nicht nur um den "Sommerfilm"-thread etwas zu entlasten, möchte ich einen oder mehrere threads eröffnen zum Thema Filme aus Asien. In welches Film-Unterforum dieser thread letztlich wirklich passt, möge Rideamus entscheiden. Ob wir den thread für Asien im Allgemeinen öffnen sollten oder ob verschiedene Länder ihre eigenen threads bekommen, weiß ich noch nicht.

      Ich habe zwar das Terrain sondiert, kenne mich aber mit der Filmgeschichte verschiedener asiatischer Regionen noch viel zu schlecht aus.

      Kungfu-Prügelfilme und das reine Horror-Genre interessiert mich momentan zwar wenig, darf aber natürlich auch gerne eingang finden in den thread.

      Generell habe ich mit einigen Filmen aus Japan, Volksrepublik China, Taiwan, Süd-Korea und Hong Kong sehr gute Erfahrung gemacht. Das sind durchweg sehr gute Filme gewesen - aber diese Filme stellen natürlich keinen representativen Querschnitt der Filmproduktion dieses Kontinents dar. Dennoch: Was wäre der heutige Film ohne die Einflüße aus Fernost? Und wenn nicht ab und zu Leute wie Clint Eastwood die Ehrenrettung des Hollywoodkinos betreiben würden, hätte ich dem jenem Hollywood schon lange vollständig abgeschworen.

      Hier folgte eine ausführliche Vorstellung des jaopanischen Meisterregisseurs Akira Kurosawa, die ich als Resultat des nachfolgenden Postingwechsels in das Filmforum über Personen verschoben habe: EInmal richtig leben - Die Meisterwerke des Akira Kurosawa - Rideamus
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Lieber TB,

      schön, dass Du das asiatische Kino historisch angehst, auch wenn diejenigen in der Minderheit sein dürften, die noch die Filme von Kurosawa kennen und schätzen. Ein Grund für mich, sich in Kürze auch für seinen Kollegen Yazujiro Ozu einzusetzen. Tatsächlich sind die beiden die perfekte Ergänzung zueinander, denn während Kurosawa nicht nur bei den Japanern als der europäischste unter den japanischen Regisseuren galt und nicht von ungefähr mehrfach im Italowestern oder den "Glorreichen Sieben" verbraten wurde, blieb Ozu weitgehend ein cnéastischer Geheimtipp.

      Diese schnelle Reaktion soll aber bestätigen, dass der Thread m. E. im absolut richtigen Forum steht, wobei zu beachten ist, dass das bisherige Filmforum mangels intensiverer Nachfrage natürlich nur seine sehr grobe Einteilung hat, die sich nach Bedarf aber auch viel weiter verzweigen kann. So könnte ich mir durchaus vorstellen, dass man bei genügender Nachfrage sehr bald ein eigenes Forum für den asiatischen Film einrichtet, in dem beispielsweise auch Bollywood eine Rolle spielen könnte, bis auch dieses zu stark würde etc.

      Im Augenblick würde ich allerdings anregen wollen, Kurosawa gleich im Forum Filme - Personen einen eigenen Thread zu widmen, damit nicht all zu viel Kraut und Rüben in diesem einen Thread durcheinander wachsen. Dein sehr schöner EInstieg wäre doch ein wunderbares Vorbild für andere Portraits von Filmemachern und anderen Persönlichkeiten aus der Welt des Films und von wo auch immer. Schließlich stehen wir in diesem Forum ja noch ganz am Anfang.

      Gib einfach Bescheid (PN genügt), und ich mache den Extra-Thread auf, so dass dieser wirklich für Impressionen über das asiatische Kino ganz allgemein genutzt werden kann.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Lieber JR II

      au ja, dann freue ich mich auf Deinen Ozu-thread und gebe gern die Genehmigung, dass dieser hier zu einem reinen Kurosawa-thread umgebaut wird.

      Die einleitenden vier Absätze dürfen auch der Schere zum Opfer fallen.

      :wink:
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Hallo zusammen,

      der Thread erweckt Erinnerungen an meine Cineasten-Zeit ;+) Kurosawa und Ozu schätze ich sehr, daneben gibt es noch weitere japanische Klassiker wie Ishiguro oder Mizogushi. Kurosawa und Ozu bekommt man hier ja manchmal zu sehen, die übrigen klassischen japanischen Regisseure eher weniger. Ich habe mal ein halbes Jahr in Paris gelebt, als dort japanisches Jahr war. Das Filmzentrum im Centre Georges Pompidou (der Kinosaal trägt den schönen Namen Salle Garance) hat in dieser Zeit ausschließlich japanische Filme gebracht, und davon drei am Tag. Da konnte man in den uns doch teilweise recht fremden Kosmos wunderbar eintauchen.

      Aber auch in neuerer Zeit gibt es unglaublich viel interessante Filme in Asien. Zum Beispiel habe ich einige hervorragende koreanische Filme gesehen. Leider kann ich mir die Namen der Regisseure so schlecht merken :hide:

      Und auch in China tut sich eine ganze Menge. Leider bekommt man hier auch fast nichts auf DVD. Unsere asiatischen DVDs sind fast ausschließlich aus Frankreich oder England.

      Einen Thread über Bollywood würde ich übrigens auch sehr begrüßen. Ich kenne dar gar nichts, habe aber den Eindruck, dass mir da war entgeht.

      Viele Grüße,
      Melanie
      With music I know happiness (Kurtág)
    • Ein sehr schönes Thread! Aber ich weiß nicht, ob ich ein eigenes Thread für Teshigahara aufmachen soll, da er noch hier im Lande unbekannt ist. Daher schreibe ich hier einfach mal, vielleicht können wir später in verschiedenen Threads (Japan-Kino, China-Kino, Bollywood usw.) unterteilen, wenn genug Beiträge angesammelt sind.

      Neben den bereits erwähnte „Big 3“ - Akira Kurosawa, Yasujiro Ozu und Mizoguchi Kenji – möchte ich hier gerne noch einen Namen hinzufügen, der leider zu tief in dem Schatten von Big 3 steht: Hiroshi Teshigahara (1927-2001). Zusammen mit dem surrealistischen Autor Kobo Abe und jetzt in Europa auch nicht unbekannten Komponist Toru Takemitsu schuf er vier surrealen Filme – „Pitfall“, „The Face of Another“, „Woman in the Dunes“ und „The Man without a Map“



      Pitfall: Eine Aktualisierung der japanischen „Kwaidan“ (Schauergeschichte) – Tradition. Geister, die sich um ihren Mörder herumirren und versuchen zu verstehen, warum sie gerade ermordet sind. Eine Handlung, die keine Handlung ist und nur aus mehreren Perspektiven belichtet, interpretiert oder spekuliert wird.

      Woman in the Dunes: Ein Insektenforscher, der unfreiwillig in Sandgruben übernachten musste, fand heraus, dass er doch ein Gefangener geworden ist. Zusammen mit einer Frau in den Gruben begann der hoffnungslose Überlebenskampf, der sich bald zur sexuellen Obsession verwandelte.

      The Face of Another: Ein Mann mit entstelltem Gesicht entschied ein neues Gesicht zu bekommen. Ein neues Gesicht und eine neue Identität, und das führt zu einem unerwarteten Ende.

      (The Man without a Map ist mir noch ein unbekannter Film…)

      Durchgehend thematisiert Teshigahara den Verlust der Identität, der ein völlig unerwartetes menschliches Verhalten verursacht. Mit verschiedenen Stilmitteln verbildlicht er den fast schizophrene psychischen Zustand und Alptraum seiner Protagonisten (Kamera: Hiroshi Segawa).

      Dann wünsche ich alle Capricciosi einen schönen Abend!
      Liebe Grüße,
      Penthesilea
      Auch Rom wurde nicht an einem Tag niedergebrannt - Douglas Adams
    • Auch auf den Philippinen existiert derzeit eine aufbluehende Independent-Film-Szene, wobei sich die Filmemacher immer mehr der digitalen Technik bedienen (spart offensichtlich eine Menge Kosten). Leider ist es schwierig, an DVDs zu kommen. In den Einkaufszentren muss man sich erstmal muehsam durch die ueblichen Blockbuster wuehlen, bis man zufaellig findet was man sucht. Offensichtlich ist es einfacher, einen guten asiatischen Independent-Film auf einem europaeischen Festival zu sehen als vor Ort.

      Gestern hatte ich Gelegenheit, diesen schoenen Gruselfilm anzuschauen: In T 2 (so der Titel des Films) geht es um eine junge Frau, die als Freiwillge in einer Organisation zur Unterstuetzung von Waisenkindern arbeitet. Sie bekommt den Auftrag, ein kleines Maedchen aus der Provinz zu ihrer Tante nach Manila zu bringen. Einige finstere Maechte haben jedoch etwas dagegen... Die Story ist sehr spannend und originell (es wuerde mich wundern, wenn es nicht bald ein Hollywood-Remake geben wuerde). Trotz des doofen Endes und der drolligen Spezialeffekte halte ich den Film fuer sehr sehenswert.

      Der Trailer ist hier: "h**p://www.youtube.com/watch?v=1x-rZxqISSM"

      Viele Gruesse

      Frank
    • Takashi Miike (1960- )

      Vielleicht z. Z. der begehrteste und teuerste Regie in Japan. Seine Genialität besteht darin, aus herkömmlichen, nicht sonderlich originellen Ausgangsmaterialien etwas völlig neues entstehen zu lassen. Es sei alte Yakuza-Genre Filme, Seifenopern, oder sogar seine eigene Filme. Er seziert, zerstückelt und dann alles in einem vollkommen neuen Kontext wieder zusammengefügt. Voila: Ein neuer Film von Miike! Aber wie originell und sogar erfrischend seine Filme sind! Typische Miike-Handschrift: Hemmungslosigkeit, sehr harte Bildsprache – sehr raue und schnelle Schnitte, kontrastreiche Farben, und herbe Sex- und Actionszene mit deutlich erkennbarer Vorliebe zu 60er und 70er Exploitation oder Trash Kinos. Leider schwankt die Qualität seiner Filme extrem zwischen Totalschaden (wie „Full Metal Yakuza“… meingott, der Film war mies…) und herrlich einfühlsamen großen Kinos (wie „Bird People in China“ oder wenn man nicht allergisch auf unter- und oberschwellige homosexuelle Stimmung ist, dann „Blues Harp“ auch). Daher seine Filme immer mit Vorsicht genießen!


      Audition (OT: Odishon)

      Sein internationaler Durchbruch. Es beginnt absolut harmlos wie eine romantische Komödie. Ein alternder Witwer sucht seine zukünftige Frau. Er, ein Filmproduzent, veranstaltet eine „Audition“ für Nachwuchstalent mit der Hoffnung, dass er eine nette Frau kennenlernen könnte. Natürlich findet er prompt ein schönes geheimnisvolles Mädchen… so läuft der Film bis dahin etwas belanglos, ja sogar langatmig (mit voller Absicht. Umso härter ist die zweite Hälfte). Aber was danach kommt, und wie das kommt, ist ein Alptraum schlechthin (besonders für alleinstehende Männer).


      Imprint

      Als der Bezahl-Sender „Showtime“ in den USA entschied, eine bereits fertig produzierte Folge von „Masters of Horror“ nicht auszustrahlen, war das schon klar, um welche Folge es sich handeln könnte: „Imprint“ von Takashi Miike. Es ist interessant zu sehen, wie Miike seinen Film „Audition“ so auseinander nahm und wieder völlig neu zusammen stellte. Ein alternder amerikanischer Journalist sucht seine frühere Geliebte in Japan in 19. JH. Er landet auf eine einsame Insel mit vollen skurrilen Gestalten. Er lernt eine nette Prostituierte kennen und erfährt was seiner Geliebten passierte. Erste halbe Stunde, ruhig und sanft erzählt, dann kommt die zweite Hälfte wie ein Schlag auf Gesicht, die von einem Schock zu dem Nächsten durchrennt. Es lohnt sich, ungekürzte Fassung zu sehen. Auf deutsche DVD fehlen ein paar wichtige Szenen.


      Visitor Q (OT: Bijita Q)
      Wenn Miike eine Folge von „einer schrecklichen netten Familie“, gemischt mit Piero Paolo Pasolinis „Teorema“ drehen würde? Das Ergebnis ist „Visitor Q“. Es ist eine Art Versatzstücke, die keine durchgehende Handlung haben, aber am Ende doch mehr oder minder „Sinn“ haben. Von einem Tabubruch zu dem Nächten, von einer Absurdität zu der Nächsten. Ein Film, der alle Moralapostel mit Lichtgeschwindigkeit gegen die Wand schleudert.

      Ich wünsche allen Capricciosi schönen Abend!
      Liebe Grüße,
      Penthesilea
      Auch Rom wurde nicht an einem Tag niedergebrannt - Douglas Adams
    • Asian Hot Shots 2010

      Auch in diesem Jahr gibt es vom 20.-24.10.2010 in Berlin wieder eine Ausgabe des Asian-Hot-Shots-Festivals für junge asiatische Film- und Videokunst. Spielort ist diesmal das Kino Moviemento in Kreuzberg (Kottbusser Damm 22, 10967 Berlin, Tel. 030 / 692 47 85).

      Unter anderem stehen folgende Highlights stehen auf dem Programm:

      Donnerstag, 21.10.2010, 21.30 Uhr und
      Samstag, 23.10.2010, 15.00 Uhr
      THE UNTITLED KARTIK KRISHNAN PROJECT - World Premiere
      Regie: Srinivas Sunderrajan
      India 2010, 73min, OmeU
      Kartik Krishnan programmiert Websites in einem Büro in Mumbai. Als er auf einem Filmblog über unabhängige Filmemacher liest, wächst in ihm der Wunsch einen eigenen ersten Kurzfilm zu drehen. Doch während er mühevoll die Besetzung und das Drehbuch zusammenpuzzelt, tauchen einige unerklärliche Phänomene in seinem Leben auf. Kartik begibt sich auf eine außergewöhnliche und bizarre Reise, in der Liebe, Leben und Logik über sich hinausgehen. Quelle: h**p://greenchilies.wordpress.com/
      Donnerstag, 21.10.2010, 23.15 Uhr und
      Samstag, 23.10.2010, 22.30 Uhr
      MOTHER IS A WHORE – European Premiere
      Regie: Lee Sang Woo
      South Korea 2009, 95 min, OmeU
      Nach seinem vielbeachteten Spielfilmdebüt TROPICAL MANILA, das im letztjährigen Asian Hot Shots- Wettbewerb lief, schickt Nachwuchstalent LEE Sang Woo 2010 einen zweiten Film ins Rennen. Der Titel ist Programm in diesem verstörenden wie fesselnden Drama, das den Zerfall einer Familie ausgehend von der Mutter beschreibt. LEE
      selbst spielt die Rolle des Sohns, der seine Mutter in einem heruntergekommenen Wohnwagen zum Dumpingpreis als Hure anbietet – widerwillig und auf deren eigenes Drängen hin.
      Quelle: h**p://greenchilies.wordpress.com/
      Samstag, 23.10.2010, 20.30 Uhr und
      Sonntag, 24.10.2010, 12.00 Uhr
      HERE HO TZU NYEN (in Anwesenheit des Regisseurs)
      Regie: Ho Tzu Nyen
      Singapore 2009, 86 min, English, Indonesian, Nepali, Mandarin with English subtitles
      Wie ein Riß in der Decke, ein ganz gewöhnlicher Tag und die Nachrichten im Fernsehen einen Mord verursachen, ist unfaßbar. Auch der Täter selbst scheint nicht viel mehr zu wissen und wird mitsamt seinem Trauma in eine Nervenheilanstalt überwiesen. Dort soll HE Zhiyuan zusammen mit den anderen Patienten durch die Methode Videocure therapiert werden – und heilen. Ob dies gelingen kann ist die Frage, auf die Island Hospital vielleicht eine Antwort geben kann. HERE ist eine frag-würdige Fiktion.
      Quelle: h**p://greenchilies.wordpress.com/
      Freitag, 22.10.2010, 16.30 Uhr und
      Samstag, 23.10.2010, 19.30 Uhr
      MY DAUGHTER - German Premiere
      Regie: Charlotte Lim
      Malaysia 2009, 76 min, OmeU
      My Daughter ist eine feinfühlige Geschichte über die von Hassliebe geprägte Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Der Film beschreibt das Leben von Faye und ihr ambivalentes Verhältnis zu ihrer namenlosen Mutter, die in einer gewalttätigen Affäre gefangen ist. Anders als in vergleichbaren Geschichten sind die Rollen hier vertauscht. Die Mutter benimmt sich wie ein verzogenes Kind, während Faye sie pflegt und ausschimpft. Zwei einsame Seelen mit komplexen Gefühlen, die in visueller Sprache meisterhaft Ausdruck finden. Quelle: h**p://greenchilies.wordpress.com/
      Donnerstag, 21.10.2010, 22.00 Uhr und
      Samstag, 23.10.2010, 20.00 Uhr
      LIVE TAPE
      Regie: Matsue Tetsuaki
      Japan 2009 74 min, OmeU
      In einer einzigen 74-minütigen Einstellung begleitet der Dokumentarfilm Sänger/Songwriter MAENO Kenta durch die Straßen von Tokyo. Unmerklich geleitet vom Regisseur begegnet MAENO auf seinem Weg erstaunten Passanten und Musikerkollegen, singt und erzählt aus seinem Leben. Bewundernswert leicht spielt die Guerilla-Doku mit den
      Möglichkeiten ihrer Mittel, oszilliert zwischen Zufall und Inszenierung und präsentiert eine unterhaltsame wie gewitzte Variante des Konzertfilms. Quelle: h**p://greenchilies.wordpress.com/
      Donnerstag, 21.10.2010, 22.00 Uhr und
      Freitag, 22.10.2010, 23.30 Uhr
      IDENTITY – German Premiere
      Regie: Aria Kusumadewa
      Indonesia 2009 86 min, OmeU
      Adam, Pathologe am städtischen Krankenhaus, mag seine Arbeit und genießt im Allgemeinen das Schweigen der Toten. Doch der Friede ist auf sein Labor beschränkt: Menschen sterben wie die Fliegen und ihm droht die Räumung seines geerbten Hauses, weil der Vater keine Papiere besaß. Keine Identität. Genauso wie viele von Adams „Kunden“. Und wie die junge Frau, die nicht mehr aus dem Wartezimmer weichen will. IDENTITY, unabhängig produziert, greift ein aktuelles Thema metaphorisch auf. Quelle: h**p://greenchilies.wordpress.com/
      Samstag, 23.10.2010, 18.00 Uhr und
      Sonntag, 24.10.2010, 14.30 Uhr
      WHITE DAYS – German Premiere
      Regie: Lei Yuan Bin
      Singapore 2009 92 min, Mandarin, Hokkien with English subtitles
      Ein tragischer Unfalltod hinterläßt drei Freunde und eine Lücke, aber auch neue Möglichkeiten und eine unvorhersehbare Dynamik. In der Ungewißheit und dem Dahinfließen der Zeit kommen Gespräche auf über alles und nichts, Pilgerfahrten nach Taiwan oder Israel, Belangloses und die großen Fragen des Lebens ebenso, wie Ansichten über Filme und Religion. Der Improvisationsfilm WHITE DAYS zeichnet mit spärlichen Strichen ein leichtes und spielerisches Bild vom Ausgang der Jugend. Quelle: h**p://greenchilies.wordpress.com/
      Freitag, 22.10.2010, 19.00 Uhr und
      Sonntag, 24.10.2010, 12.30 Uhr
      AGRARIAN UTOPIA
      Regie: Uruphong Raksasad
      Thailand 2009, 122 min, OmeU
      Rund um die Geschichte zweier Familien aufgebaut ist AGRARIAN UTOPIA ein pseudo-dokumentarisches Porträt der prekären Situation des Reisbaus im Norden Thailands. Durch horrende Ankaufspreise und wachsende Kredite sind diese trotz ihrer traditionellen Lebensweise massiv der Globalisierung ausgeliefert. Die Utopie des lokalbezogenen, einfachen Lebens geht nicht mehr auf: „How can we dream of utopia while our stomach is still grumbling?“Quelle: h**p://greenchilies.wordpress.com/
      Mehr zum Programm auf der Webseite des Festivals: h**p://www.asianhotshotsfestival.com
      Ich werde mir auch ein paar Filme davon ansehen.

      Viele Grüße

      Frank
    • Liebe Capricciosi!

      Hier ist wohl der richtige Ort, um meinen Lieblingsfilm kurz vorzustellen: Bin-jip (2004)des koreanischen Regisseurs Kim Ki-duk.



      Ein surrealistisches Leben in Unsichtbarkeit (Tae-suk bricht in leerstehende Häuser ein und wohnt dort bis zur Rückkehr der Bewohner, wobei er sich zum "Dank" als Heinzelmännchen betätigt) wird hier kombiniert mit einer sehr zarten Liebesgeschichte. Die unaufgeregte Kameraführung und Stille (der Protagonist spricht nicht, die Heroine nur zwei Sätze) gemeinsam mit der schauspielerischen Leistung von Jae Hee und Lee Seung-yeon erzeugen eine magische Atmosphäre, die den Zuschauer unsagbar beglückt zurücklässt.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Lieber Areios,

      Kim Ki-Duk ist mit Sicherheit einer der ganz Großen und Bin-Jip ein guter Film, basierend auf einer originellen Idee.
      Mein Lieblingsfilm zur Zeit ist Chóngqìng sēnlín (Chungking Express) aus dem Jahre 1994, noch einer der früheren Filme Wong-Kar-Wais.



      :wink:
      Wulf
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Ich bin ebenfalls Fan von Kim Ki-Duk, aber mein Lieblingsfilm von ihm ist "Frühling, Sommer, Herbst, Winter" Kennt den jemand?

      Wir haben hier das Glück, serh viele asiatische filme im Kino sehen zu können (jeweils in Originalversion mit Untertiteln) und ich muss gestehen, dass sie mir in den letzten Jahren besser gefallen haben, als die meisten europäischen oder amerikansichen Filme.
      Gerade die Koreaner finde ich ganz stark. Mein letztes grosses asiatisches bzw koreanisches Kinoerlebnis war "Poetry" von Lee Chang-dong, der eine sehr aufwühlende Geschichte einer älteren an Alzheimer erkrankten Dame erzählt,(sie bekommt die Diagnose zu Beginn des Films) die ihren Enkel grosszieht, weil die Tochter dazu nicht in der Lage ziu sein schient oder keine Lust hat. Sie erfährt, dass eben dieser Enkel an den permanenten Vergewaltigungen einer Mitschülerin durch eine Halbwüchsigen-Clique beteiligt war, die dadurch in den Selbstmord getrieben wurde. Die Väter der beteiligten Jungen tun sich nun zusammen, um einen Skandal zu verhindern, und die alte Dame wird gedrängt, ihren "Anteil" an der "Freikaufsumme", mit der die Mutter desOpfers beschwichtigt werden soll, beizusteuern und als einzige Frau der Runde soll sie ausserdem mit der Mutter sprechen. Um das Geld zu beschaffen, geht sie sogar so weit sich zu prostituieren, obschon sie in keiner Weise hinter der "Vertuschungsaktion" steht. Eine Poesie-Werkstatt macht es ihr dann möglich, diese Ergeignisse zu verarbeiten.
      Ich weiss nciht, ob dieser Film in Deutschland schon läuft, wenn ja, dringende Empfehlung! Vollkommen unpathetisch erzählt, geht aber total unter die Haut und gibt grosse Einblicke in das koreanische Alltagsleben.


      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      Ich bin ebenfalls Fan von Kim Ki-Duk, aber mein Lieblingsfilm von ihm ist "Frühling, Sommer, Herbst, Winter"

      8o

      Du, liebe Fairy Queen, bist Fan von Kim Ki-duk? - Der war doch vor Frühling, Sommer, Herbst, Winter.... und Frühling einer der Regisseure aus dem asiatischen Taum, bei dem immer der besch :stumm: Tarantino-Vergleich kam, der auf seine Gewaltdarstellung reduziert wurde und einige gar hübsch garstige Einfälle hatte (Seom!).
      -
      Ich mag Ki-duk sehr gern . . . .


      "Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
      Joris-Karl Huysmans
    • Ich auch - da staunste, was? Feen und deren Artgenossen waren halt schon immer eher unberechenbare Lebewesen. :fee:
      Was aber nichts daran ändert, dass ich Tarantinos Glorious Basterds so sch... finde, dass ich keine Lust habe mir noch mehr von der Sorte anzutun.

      Hat jemand eigentlich den Film über die Tochter und die Schülerin des Gärtners und Heilers, die wegen lesbischer Liebe bzw Mordverdacht zum Tode verurteilt werden, gesehen? Mir fällt werder Titel noch Regisseur ein, aber das war ein chineischer Film. Sehr sehr schöne Bilder und eine ebenfalls serh aufwühlende Geschichte.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Gestern bei Asian Hot Shots in Berlin gesehen:

      The Arrival
      Philippines 2009
      Erik Matti
      108min, OmeU
      Leo ist ledig, eine bescheidene Person, die ein farbloses Leben führt. Es gibt nur eine Sache, die ein wenig Freude in seinen glanzlosen Alltag bringt. Jede Nacht träumt Leo von von einer schönen Frau, die aus einem Haus kommt und ihn mit einem zärtlichen Kuss begrüßt. Eines Tages beschließt er schließlich auf Reisen zu gehen und nach dem Haus und der Frau seiner Träume zu suchen.

      Quelle: Asian Hot Shots 2010 - Katalog

      Eine originelle und aberwitzige Tragikomödie über Menschen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Leider überzeugen die Schauspieler und die technische Qualität des Films nicht besonders. Außerdem ist es eine Frechheit, eine mülleimerreife Kopie an das Festival einzusenden. Trotzdem wegen des verbleibenden Sympathiebonus:

      Meine Wertung :)


      The Blue Mansion
      Singapore 2009
      Glein Goei
      107min, English

      Trailer hier: h**p://www.youtube.com/watch?v=NrEkmCzPpqU
      Nach dem Tod des Patriarchen beginnt das Leben der Hinterbliebenen. Doch mit vorhersehbarer Bestimmtheit reicht sein Schatten über das Grab hinaus und seine Gegenwart beherrscht die Geschicke der Familie noch immer. Manch einer ist vielleicht glücklicher als er sein sollte, der andere weniger. Offene Rechnungen müssen beglichen und jedes Geheimnis schließlich gelüftet werden...

      Quelle: Asian Hot Shots 2010 - Katalog

      Die Satire nimmt die derzeitigen politischen Verhältnisse in Singapur auf die Schippe. Leider sind diese mir leider nicht vertraut, so dass ich die Anspielungen nicht verstanden habe. Dennoch habe ich mich bei diesem überaus witzigen Film sehr amüsiert. Die lustigste Trauerfeier seit Jahren...

      Meine Wertung :) :thumbsup: :)


      Blind Pig Who Wants to Fly
      Indonesia 2009
      Edwin
      77min, OmeU

      Trailer hier: h**p://www.youtube.com/watch?v=_qvu5NZCwMQ
      In diesem kryptisch anmutenden Film wollen alle jemand anderes oder woanders sein. Es geht um alte Wunden, Stereotypisierung, Stigmata, Ausgrenzung, Negierung der eigenen Identität, Wunsch nach Zugehörigkeit - Themen und Aspekte, die nur selten im Zusammenhang mit der chinesischen Minderheit öffentlich in Indonesien diskutiert wurden,, aber doch noch immer stark deren Leben beeinflussen. Eine fragile, aber weitreichende Sicht auf eine Community, die es sich nicht leicht macht - und Hoffnungen, die nie wirklich erfüllt werden können.

      Quelle: Asian Hot Shots 2010 - Katalog

      Die Befindlichkeiten der chinesischen Minderheit in Indonesien zehn Jahre nach den Unruhen von 1998 wären eigentlich ein interessantes Thema, das hier leider völlig in den Sand gesetzt wurde. Der Film ist aus mehreren, teilweise sehr kurzen, mehr oder weniger verständlichen Episoden zusammengesetzt, die manchmal sogar aus einer einzigen Einstellung bestehen. Langatmig und stellenweise unappetitlich (die Knallfrösche verspeisende Frau) - Schade.

      Meine Wertung: :shake:

      Viele Grüße
      Frank
    • The Tesseract
      Japan / Thailand 2003
      Regie: Oxide Pang Chun
      Mit Jonathan Rhys Meyers, Saskia Reeves, Alexander Rendel



      Wer sich hier eine Verfilmung des originellen und subtilen Romans von Alex Garland erwartet, liegt vollkommen daneben. Denn mit der literarischen Vorlage hat dieser Film fast nichts mehr zu tun. Ich käme zwar nie auf die Idee, eine wortgetreue Umsetzung des Buchs zu verlangen, was wahrscheinlich überhaupt nicht möglich ist, aber hier sind nach meiner Auffassung die Abweichungen vom Buch zu groß. Bereits der Schauplatz wurde von Manila nach Bangkok verlegt, wodurch nicht allein das Lokalkolorit des Romans verloren geht. Wichtige Figuren und Handlungsstränge wurden schlichtweg gestrichen, neue Personen wurden hinzuerfunden und einige Charaktere bekamen eine völlig neue Bedeutung.

      Übrig geblieben ist ein gut gemachter, rasanter und blutiger Action-Thriller, der für sich betrachtet gewiss sehenswert, aber doch recht oberflächlich geblieben ist. Diejenigen. die sich mehr für die berührende Geschichte interessieren, sind mit dem Buch jedenfalls besser bedient:



      Die deutsche Übersetzung ist unter dem Titel "Manila" erschienen:



      Viele Grüße
      Frank
    • Filme aus Fernost - Das Asiatische Kino

      War lange nix los hier...
      Trotz immer mal wieder aufkommenden modischen Populärwellen, führt das Asiatische Kino doch weiterhin ein Nischen-Dasein in Europa (was es durchaus mit anderen Filmkulturen gemein hat).
      Wie überall im Filmkosmos bietet auch das Kino aus Fernost eigentlich für jeden Geschmack etwas.
      Das reicht von den obligatorischen Eastern, trashigen Kung-Fu-Filmen, typischen Hong-Kong-Produktionen, über großes Schlachtenkino bis zu Dramen, Arthouse und Anime.
      Ich persönlich bin sehr spezielisiert auf Japan, aber natürlich soll hier auch China, sowie die anderen asiatischen Länder wie Thailand oder Indonesien usw. nicht fehlen.
      Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?
      Haut raus, was euch einfällt.
      Welche Meinung habt ihr zur Asiatischen Filmkultur? Kennt ihr sie näher? Was mögt ihr/was nicht?
      Lieblingsfilme, -regisseure, -schauspieler, -genre?
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Liebe Succubus,

      na, dann fang ich mal an mit dem "Raushauen":

      An erster Stelle für mich: Die Sieben Samurai (Akira Kurosawa 1954), Vorbild für Die Glorreichen Sieben (aber das gehörte in einen anderen Thread...).

      Und dann -den habe ich mit großem Vergnügen gesehen- die unvergleichliche Nudelsuppensaga: Tampopo (Juzo Itami 1985).

      :juhu:

      Magus
      "Whenever we hear sounds, we are changed, we are no longer the same..." Karlheinz Stockhausen 1972
    • Hi, Succubus!

      Ich habe speziell aus Südkorea in den letzten Jahren ziemlich viele gute Filme gesehen, so von Kim-Di-Duk (etwa "Bin-Jip) oder Park Chan-wook (zB "Oldboy" - nach dem Film war ich ziemlich "fertig", wie zuvor nur nach "Clockwork Orange")

      Gruß,

      Normann
      zwischen nichtton und weißem rauschen