Lloyd Webbers Gesamtwerk

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    • Lloyd Webbers Gesamtwerk

      Dieser Thread muss leider sein, da an anderer Stelle behauptet wurde, seine Werke seien austauschbar. Das stimmt natürlich nicht. Was hat denn Jesus Christ Superstar mit Evita oder Cats mit dem Phantom der Oper zu tun??? Nixxx.

      Daraus folgt natürlich nicht, dass Lloyd Webber im Bereich des Musiktheaters mit den großen Opernkomponisten mithalten kann. Kann er leider nicht. Aber immerhin hat er mindestens die 80er Jahre geprägt, und er wird auch im Jahr 2015 noch gespielt. Das sollte man auch mal anerkennen. In London läuft derzeit das "Phantom", und demnächst auch wieder mal "Cats". In New York läuft das "Phantom".

      Richtig ist: Musikalisch gibt es auch reichlich Banales, gerade auch beim "Phantom". Ich persönlich finde "Jesus Christ Superstar" und "Cats" besser, origineller. Tatsächlich habe ich bisher 12 Musicals in London gesehen, Lloyd Webber ist nicht darunter. Dafür sah ich "Cats" in Hamburg und New York, das "Phantom" in Wien und Hamburg, "Starlight Express" in Bochum, "Evita" in Karlsruhe, "Jesus Christ Superstar" in Karlsruhe und Ettlingen. Also 8 Webber-Veranstaltungen. Damit liegt er mit Abstand auf Platz 1 hinsichtlich der Anzahl von Musical-Besuchen pro Komponist.

      Ja, wir reden in der Tat vom letzten Jahrhundert, was meine Musical-Besuche betrifft. Dennoch sollte man gerecht sein. Der Mann hatte eine längere Phase, in der er ziemlich kreativ war. Nicht auf Mozart-Niveau. Aber das war zumindest kein Einheitsbrei. Selbst "Starlight Express" kann man eine gewisse Originalität nicht absprechen. Z.B. "Freight is Great"
      www.youtube.com/watch?v=6x17jwozvIY&list=RD6x17jwozvIY#t=2

      Leider etwas aufgemotzt, das Original ist konsequenter. Eigentlich handelt es sich um eine Huldigung des einfachen Malochers, hier in Form eines Frachtwaggons. Entsprechend schlicht ist die Musik. Und auch der Text:
      http://lyrics.wikia.com/Andrew_Lloyd_Webber:Freight

      Als Ingenieur im Anlagenbau fühlt man sich endlich auch mal gewürdigt. Der Bildungsbürger versteht sowas natürlich nicht. Ignorant, der er ist.

      Hier eine unvollständige Liste seiner Werke:

      Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat (1968): kenne ich nur vom Namen her
      Jesus Christ Superstar (1970): geniales Werk
      Evita (1976): hat viele gute Momente, sollte man zumindest mal gesehen haben
      Cats (1981): geniales Werk
      Starlight Express (1984): hat viele originelle Ideen, kommt aber an Cats nicht ran
      Das Phantom der Oper (1986): ist gut, aber doch etwas überbewertet
      Aspects of Love (1989): ist mir nur vom Namen her bekannt
      Sunset Boulevard (1993): dito
      Phantom: Love Never Dies (2010): hätte ich fast mal in London besucht, lief aber nicht allzu lange; vermutlich schwächer als das "Phantom"

      Die These, dass seine Schaffenskraft in den 90er Jahren nachgelassen hat, erscheint mir nicht unplausibel. Aber 1-2 Jahrzehnte hat er geprägt, das sollte man einfach mal anerkennen. Und ja, der Genialitätsgrad der "West Side Story" ist höher. Läuft derzeit aber weder in London noch in New York.

      Seine beiden besten Werke aus meiner Sicht: "Jesus Christ Superstar" und "Cats".

      "Jesus Christ Superstar" ist übrigens eine Neuinterpretation von Bachs "Matthäus-Passion", wusstet ihr das?


      Thomas
    • Ich habe alle seine großen Werke gespielt als Trompeter. Seine Musik wiederholt sich, was vielleicht für "breite Masse" ok ist, die ein paar Liedchen zum Mitsingen brauchen. Der musikalische Inhalt ist einfach ausgehöhlt und weitgehend leer und ohne Substanz. Ich möchte dabei nicht abstreiten, dass es wunderschöne Passagen gibt, aber das alleine macht die Musik nicht so gut, wie es der ein oder andere Hörer meinen könnte.

      Ja,die Masse stürmt hin, aber die breite Masse hört auch den Pop-Einerlei und andere Massenmusik. Gegen Komponisten wie Bernstein,Gershwin oder Harold Arlen kommt er nicht an. Das ist meine Meinung, dazu stehe ich auch.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ich muss zugeben, dass ich ein persönliches Problem mit Andrew Lloyd Webber habe. Ich gestehe ihm zu, dass er eine eingängige Melodie schreiben kann, was meiner Meinung nach schon nicht wenig ist für einen Komponisten. Ich denke, dass er auch weiss, was man einer menschlichen Stimme zumuten kann und was nicht, aber er hat ganz offensichtlich kein Problem damit, Stimmen gezielt zu verschleissen. Damit meine ich jetzt nicht Partien wie den Jesus in Jesus Christ Superstar - das ist an der Grenze des Singbaren, aber das sind Partien von Beethoven, Wagner, Verdi etc. auch. Ich meine Effekte wie z.B. am Anfang von Evita. A.L. Webber wünscht sich zu Evitas Beerdigung ("O what a circus, o what a show") einen Chor im Hintergrund, der Evita betrauert. Offensichtlich ist der gewünschte Effekt eine kreischende, hysterische Volksmasse darzustellen. Die genauen Töne spielen eigentlich für den Effekt kaum eine Rolle, sind auch teilweise kaum zu hören. Was schreibt nun A.L. Webber für den Chor? Sopran und Tenor starten mit dem Schrei "Requiem aeternam" auf einem hohen C, Vortragsbezeichnung "fortissimo, quasi un grido". Natürlich muss es ein hohes C sein, für den Chor, ohne vorher einen einzigen Ton gesungen zu haben, also sozusagen kalt. Nun ist A.L. Webber Praktiker genug um zu wissen, wie das Geschäft funktioniert. Ein Chorist in einer professionellen Stagione-Produktion singt diesen Part mindestens 6 mal die Woche, manchmal zweimal am Tag. Ich habe immer gedacht, ich habe eine gute Höhe, aber es gibt einfach gute und schlechte Tage, und an einem schlechten Tag kommt so ein Ton dann eben nicht. Zum Glück habe ich Evita nur mal zwei Wochen als Aushilfe gesungen, und zum Glück hatte ich keinen schlechten Tag. Drei von meinen Kollegen hatten in dieser Zeit mal einen sehr schlechten Tag. Von denen singt heute keiner mehr. Da ist so ein Schlag auf kalte Stimmbänder (zum Neu-Einsingen ist bei zwei Produktionen am Tag häufig zu wenig Zeit) dann auch mal schnell ein vokaler Genickbruch. Natürlich weiss das ein Webber, aber Choristen sind billig, und wenn es der Effekt will, wen interessiert dann das Schicksal des Choristen. Sowas kotzt mich einfach an, ganz persönlich. Ein Komponist muss auch wissen, was er seinen Musikern zumuten kann und was nicht. Ich weiss, Beethoven hat auch keine Rücksicht genommen, aber nicht jedes Arschloch ist ein Beethoven.


      Davon abgesehen stört es mich, dass Lloyd Webber, dem die Melodien nur so zuzufliegen scheinen, so geizig mit seinen Einfällen ist. Kaum eines seiner Musicals hat mehr als zwei oder drei originelle Melodien, die dann in Endlosschleife mit viel Routine aber ohne irgendwelche Tiefe durchgeführt werden. Wenn ich Evita länger als zwei Wochen gemacht hätte, wäre ich wohl wahnsinnig geworden. Also für mich persönlich: Einmal und nie wieder!
    • Ich hab an Flöte 1 und 2 schon Mendelssohns Violinkonzert mitgespielt, ich habe nie eine langweiligere Stimme spielen müssen. Ein leeres Werk ohne Substanz. Aber die Massen gehen eben hin... Und dann Brahms erstes Klavierkonzert. Mutet dem Klavier schon nach 20 Takten diese Oktavtriller zu. Und Flöte eins kurz nach Ziffer A (man hat gerade ein paar Tönchen gespielt) schon dritte Oktave im pp, INKLUSIVE ges3 und as3. Bläser sind halt billig und der Effekt ist gut. Ein Komponist sollte allerdings wissen, was den Musikern zuzumuten ist und was nicht! Und dazu stehe ich auch!
    • Laut Michael Mittermeier gibt es ja in fast jedem Musical die große zentrale Ballade, die irgendwie so ähnlich klingt wie "Memories" aus "Cats". :D Es scheint wohl eine Spezialität von Lloyd Webber in seiner Hochphase gewesen zu sein, diese pathetischen Dinger rauszuhauen, also "Don't cry for me Argentina", "Memories" und das entsprechende Analogon aus dem "Phantom der Oper" (wie hieß das, "Music of the night" oder so?).

      Übrigens hat Lloyd Webber sich für das charakteristische abteigende chromatische Motiv aus dem "Phantom der Oper" kräftig bei Pink Floyds "Echoes" bedient...

      Trotzdem gefallen mir einige seiner Klassiker durchaus, ich halte ihn nur nicht für das große Musical-Genie, zu dem er zu besten Zeiten teilweise stilisiert worden ist. Wer ein furchtbares Lloyd-Webber-Werk sucht, sollte es übrigens mal mit dem "Requiem" probieren... :hide:

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Nun ja, es gab in den späten 80ern einen den Spruch:

      "Man muss auf der Strasse aufpassen dass man keinen Schaaß (Pardon) macht, sonst macht Herr Webber ein Musical draus."

      Ich kann bei seinen Werken auch keine besonderen orginellen Einfälle, bis auf die Geklauten (v.A. Puccini, Mendelssohn, etc.etc...), feststellen. Die Musicalära ist seit und wegen Webber musikalisch auf Musikantenstadlniveau gesunken und hat sich seither nicht gebessert. Zum Stadl gehen auch 1000000 Leute, zum Musical auch. - Das heutige Musical ist ein ähnliches Massenphänomen.

      zu Evita: Gabs diese Saison in Graz. Abgesehen von gesanglichen Fehlbestzungen der Hauptrollen (Che war ok), besteht die Musik aus einem dauerwiederholenden, uneinheitlichen, nervigen Musikbrei. Trotzdem immer ausverkauft. Für mich der einzig erträgliche und gut vorgetragene Song: "Another suitcase in antoher hall". Meine Frau ging mit Ihrer Schwester und gab nach dem ersten Akt auf. Ich hielt bei der Premiere durch und hätte es wie meine Gattin machen sollen.

      Jesus Christ Superstar: Ist nicht ganz so schlecht und hat eine paar nette Stellen. Eindeutig sein bestes Werk

      Phantom: Trotz des Erfolgs zu vergessen und meiner Meinung nach unfassbar langweilig

      Cats: Noch langweiliger als Phantom.

      Starlight Express: Funktionierte nur wegen den Rollschuhen. Musikalisch ein Potpurri verschiedener Stile (Rock, Blues, Balladen, Pop, etc...). Einmal hören reicht aber.

      Abschließend: JCS ist für mich trotz der vielen Wiederholungen erträglich und würde ich wieder mal anschauen. Alle anderen von mir genannten und gesehen Stücke hoffentlich nie wieder.
    • Musenginst schrieb:

      Ecclitico schrieb:

      Als Ingenieur im Anlagenbau fühlt man sich endlich auch mal gewürdigt. Der Bildungsbürger versteht sowas natürlich nicht. Ignorant, der er ist.
      Würd mich durchaus als Bildungsbürger sehen, daher interessiert mich das. Was genau macht mich jetzt nochmal zum Ignoranten?

      Dass du nicht regelmäßig an den Rhein fährst und Frachtschiffe beobachtest. Dass du bei einem Brad-Mehldau-Konzert im Hafen von Genua auf die Musik hörst, anstatt dich am gleichzeitigen Entladen eines chinesischen Containerschiffs zu ergötzen. Dass du gotische Kathedralen anstelle von Zementwerken fotografierst.

      Jedenfalls: Das besagte "Freight is great" trifft die Sache recht gut. Dagegen ist die Charakterisierung des "Rusty" als alte Dampflok der übliche Kitsch.

      "Starlight Express" enthält ein paar nette Ideen. Nur leider überwiegt am Ende doch der Mainstream-Anteil. Von den Rollschuhen war ich bei diesem Musical übrigens nicht so begeistert. Beim "normalen" Tanz ist mehr Action. Interesannt wäre mal eine verschlankte Aufführung (das musikalische Material reicht eh nicht für 90 Minuten) ohne Rollschuhe in einem Stadttheater. Falls es das nicht schon gegeben hat...


      Thomas
    • Was ich Lloyd Webber noch zugute halte:
      Er hat das Musical nach Deutschland gebracht. Seither hat sich viel getan:

      - Es gibt inzwischen auch deutsche Produktionen.
      - Leute wurden zu Musical-Fans, und nachdem sie feststellten, dass es doch nicht so viele verschiedene gibt, dass die Eintrittspreise hoch sind, und dass man nicht ständig Städtereisen machen will, besorgten sie sich ein (Musik-)Theater-Abo.

      Dass meine Mutter jetzt öfter mal in die Oper geht, ist Lloyd Webber zu verdanken. Ohne Witz. Die ist in einer Clique, die früher wegen Musicals in Deutschland herumgereist ist. Jetzt haben sie ein Abo im badischen Staatstheater in Karlsruhe.


      Thomas
    • cool, dann bin ich als ehemaliger Flugzeug-Spotter-Nerd, der Hochseeschiffe, Züge und manche Zweckbauten sehr interessant findet, wenigstens kein völliger Ignorant. Hurra. Das Lloyd-Webber-Requiem find ich aber trotzdem müllig im vergleich zu so ziemlich jedem anderen Requiem, das ich kenne.
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Ecclitico schrieb:

      Was ich Lloyd Webber noch zugute halte:
      Er hat das Musical nach Deutschland gebracht. Seither hat sich viel getan:

      Vielleicht das Musical als Bombast-Show in eigener Spielstätte. Musicals wie My fair lady, West Side Story oder Fiddler on the roof waren schon in den 1960ern sehr populär in Deutschland, als sich noch kaum ein Mensch leisten konnte, mal übers Wochenende nach Hamburg zu Cats zu fahren.

      Abgesehen davon beansprucht meines Wissens Marcel Prawy, das Musical im deutschsprachigen Raum etabliert zu haben. ALW war eben gut 20 Jahre lang einer der populärsten Komponisten; es gibt aber noch etliche andere.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • ThomasBernhard schrieb:

      cool, dann bin ich als ehemaliger Flugzeug-Spotter-Nerd, der Hochseeschiffe, Züge und manche Zweckbauten sehr interessant findet, wenigstens kein völliger Ignorant.

      Ich bin auch raus. Gelegentlich schaue ich mir abends in Övelgönne das Containerverladen gegenüber an. ***O***
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Ecclitico schrieb:

      Musenginst schrieb:

      Würd mich durchaus als Bildungsbürger sehen, daher interessiert mich das. Was genau macht mich jetzt nochmal zum Ignoranten?
      Dass du nicht regelmäßig an den Rhein fährst und Frachtschiffe beobachtest. Dass du bei einem Brad-Mehldau-Konzert im Hafen von Genua auf die Musik hörst, anstatt dich am gleichzeitigen Entaden eines chinesischen Containerschiffs zu ergötzen. Dass du gotische Kathedralen anstelle von Zementwerken fotografierst.
      Und woher meinst Du jetzt nochmal so genau zu wissen, welche Motive ich fotografiere?
    • Babayaga schrieb:

      Ich bin drin... War AUF einem Containerschiff


      Wenn man allerdings IN einem der Conatiner ist, ist man draußen, weil man ihn nicht von draußen photographieren kann. Zum Drinsein müsste man schon draußen sein.
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Babayaga schrieb:

      War AUF einem Containerschiff (300 - 600 Stück) Passagierin, habe im Basaltwerk fotografiert und bin quasi täglich am Rhein - u.a. zur Beobachtung von Frachtschiffen.
      Wenn ich mich jetzt noch oute als Mitsängerin bei "Hair" und "Jesus Christ Superstar" - darf ich mich dann als "Nichtignorantin" bezeichnen?

      Definitiv. Ich könnte dich jetzt noch nach deiner Einstellung zu Haydn-Opern fragen, aber das wäre hier off topic...

      Wobei: So ganz off topic ist es nicht. Selbstverständlich halte ich Haydns Musiktheaterstücke inhaltlich wie auch musikalisch denen von Lloyd Webber weit überlegen. Lloyd Webber komponierte so, dass an möglichst vielen Orten der Welt die Theater voll wurden. Er hatte gewisse ökonomische Zwänge. Er war sehr gut, aber kein Genie. Unter diesen Voraussetzungen hat er einen guten Job gemacht. Haydn musste nur das kleine Theater auf Esterháza füllen. Ökonomische Zwänge hatte er keine. Inhaltlich war er mit seinen Stoffen sicher näher am realen Leben als Lloyd Webber. Natürlich nicht am Leben des Ingenieurs. Aber am Leben der "normalen" Leute. In dieser Hinsicht kommt LW mit "Cats" der Sache am nächsten. Dort wird zwar nicht direkt der "Mann von der Straße" charakaterisiert. Aber der Zuschauer weiß bei jedem der Katzen-Typen, welche Art von Mensch gemeint ist. Was natürlich vor allem das Verdienst von T. S. Eliot ist. Aber LW hat es vertont.


      Thomas
    • Symbol schrieb:

      Wer ein furchtbares Lloyd-Webber-Werk sucht, sollte es übrigens mal mit dem "Requiem" probieren... :hide:
      Ich kann Webbers Requiem schon das eine oder andere abgewinnen, wenn er auch die erstrebte dramatische Wirkung zu oft durch Fortissimo-Bombast, Durchmärsche oder allzu großes Schmachten zu erzwingen versucht. Alles eine Nummer kleiner täte dem Werk gut.

      Die Musicals. Manches gefällt mir, manches nicht so, übrig bleibt immer wenig. Die großen Schmachtfetzen von Memories bis With One Look haben ihre erwünschte, clever kalkulierte Wirkung; das hat er einfach drauf. Gegenüber einer schlüssigen und geistreichen musikdramatischen Gesamtwirkung von Handlung, Musik und Text (Sondheim) gehen Webbers Werke über eine Abfolge von mehr bis minder gelungenen ›Nummern‹ jedoch meist nicht hinaus.

      Schade bis tragisch ist halt, dass der so dominierende Erfolg von Webbers Stil, als Formel von seinen Epigonen fortgeführt, zusammen mit dem von ihm forcierten Trend vom Musical als stromlinienförmigem Franchise-Event-Produkt in der allgemeinen Wahrnehmung zumindest im deutschsprachigen Raum alle andere Möglichkeiten populären Musiktheaters überfahren zu haben scheint.

      PS: Noch ein Werk, das ich gerne mag: Tell Me on a Sunday (später erweitert zum ›Song‹-Teil von Song and Dance), irgendwo zwischen einer One-Woman-Show, konzertantem Mini-Musical und (auf Platte) Pop-Konzeptalbum, war damals sehr frisch und witzig, und hat sich viel von seinen Charme bewahrt.
    • Also ich habe von Webber mindestens Cats und das Phantom auf CD. Die Musik gefällt mir und zumindest beim Phantom hab ich Berührungspunkte mit dem Geschmack meiner Tochter :D . Ansonsten hat die Oktave glaub ich 12 Töne, Originalität ist da was relatives.

      Lothar