Eben gehört - 2015 / 2016

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  • Und passend zu Abfahrt in Kitzbühel die Alpensinfonie. Natürlich auch auf der CD. :)
    Gib dich nicht der Traurigkeit hin, und plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken. Denn ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude verlängert sein Leben.

    Parsifal ohne Knappertsbusch ist möglich, aber sinnlos!


  • Zur Zeit auf dem Henri Dutilleux-Trip. Wenn der Mann schon gestern hundert geworden ist und die allermeisten dieser Jahre auch erleben durfte. Das überschaubare und eigentlich durchwegs geniale Werk kenne ich mittlerweile beinahe vollständig und öfters in mehreren Einspielungen.

    Ich höre die meines Erachtens stärkste Einspielung (drei weitere, von denen gewiss keine schlecht sein dürfte, sind mir bekannt) der Komposition The Shadows of Time aus dem Jahre 1997. Der Dirigent ist Seiji Ozawa; er hat das Werk auch uraufgeführt. Leuchtende Farben, ein irisierendes Klangspektrum, das wesensgemäße Thema von Zeit und Erinnerung, im Zentrum die politische Botschaft der Kinderstimmen angesichts von Kriegen und Konzentrationslagern: Pourquoi nous? Ozawa erreicht ein Maximum an Spannung, Überraschung und Dynamik.

    :wink1: Wolfgang
    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
  • Hier ging's nochmals an Norwegens Gestade.

    Richard Wagner: Der fliegende Holländer

    Holländer – Alfred Muff
    Senta – Ingrid Haubold
    Daland – Erich Knodt
    Erik – Peter Seiffert
    Steuermann – Jörg Hering
    Mary – Marga Schiml

    Budapest Radio Chorus
    ORF Sinfonieorchester
    Pinchas Steinberg



    Anfang der 1990er kamen einige Opernaufnahmen bei Naxos heraus, die Furore machten. Darunter dieser Holländer, der auch sogleich hochgejubelt wurde, z. B. im Gramophone.

    Pinchas Steinberg führt sein ORF Radio Sinfonieorchester Wien mit oft schlankem Klang zügig durch Wagners Meereswogen. Der „Holländer“ wird m. E. klanglich angemessen zwischen „Freischütz“ und „Meistersingern“ positioniert.

    Alfred Muff verzichtet bei seiner Holländer-Darstellung auf den piano-Bereich. Zusammen mit der schmalen Farbpalette klingt das wenig differenziert in meinen Ohren. Düster, bedrohlich, mächtig, ja.

    Ingrid Haubold singt die Senta ziemlich distanziert. Nicht mal bei „Hier meine Hand …“ riskiert sie Emphase. Für eine junge Frau ist mir das Vibrato auch zu ausladend.

    Noch farbärmer als Muff bietet Erich Knodt den Daland. Die Figur gewinnt kaum Profil.

    So machen weder die Szene Holländer/Daland (1. Aufzug) noch die Szene Holländer/Senta (2. Aufzug) wirklich großes Vergnügen.

    Peter Seiffert ist vielleicht das beste Argument für diese Aufnahme. Stimmlich hat er die Partie mMn bestens im Griff, seine Darstellung zeichnet den Jäger nicht als verweichlichte Figur, die darum für die hohe See nicht taugt, sondern gibt ihm Kraft und Willen.

    Neben dem straffen Dirigat von Pinchas Steinberg und Peter Seiffert sind die mMn sehr guten und mit erträglichem Akzent singenden Chöre die Highlights der insgesamt doch guten und hörenswerten Aufnahme. Aber die Lobeshymnen, die beim Erscheinen zu lesen waren, sind vielleicht nicht ganz gerechtfertigt.

    Gruß
    MB

    :wink1:
    "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
  • Nochmals Sibelius.

    Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 105

    Danish National Symphony Orchestra
    Leif Segerstam
    1990-92
    22:14



    Überraschung: Hier trifft Segerstam genau den Median der Spieldauernder mir vorliegenden Aufnahmen. Also ist er mal nicht unter den ganz Langsamen.Dennoch geht schwerblütig los, mit fetten Tönen lässt der Dirigent die Musikanheben. Erst nach und nach dürfen die helleren Farben leuchten, anfangs sindsogar die Flöten sehr gedeckt. Beim ersten Mal strahlt das Aino-Thema sehrdeutlich aus dem Orchesterklang heraus, die Partitur scheint mir eine ehereingebettetere Darstellung nahezulegen. Die Hinführung zur zweiten, düsterenDurchführung des Themas wie auch diese selbst fand ich spannend. Bis zumSchluss bleibt es beim durchgehenden Sog, prima.

    Die Siebte passt – wie die Vierte – m. E. ausgezeichnet zu Segerstams Sibelius-Bild mit dunklen Farben und gemessenen Tempi. MMn eine hörenswerte Siebte,eine der besseren Aufnahmen des Zyklus.

    Gruß
    MB

    :wink1:
    "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
  • Hier wieder Schostakowitsch mit den Rubios.

    Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 4 D-Dur op. 83 (1949)

    Rubio Quartet



    Gruß
    MB

    :wink1:
    "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
  • Bruckner 7, Jan Willem van Otterloo, Wiener Symphoniker, rec. März 1954, aus dieser sehr schönen und preisgünstigen Challange-Box:

    vgl. "http://www.musicweb-international.com/classrev/2011/July11/Otterloo_CC72383.htm"

    Die 13er-Box ist momentan leider nur zu einem Mondpreis erhältlich:

    vgl. "http://www.musicweb-international.com/classrev/2007/June07/Otterloo_CC72142.htm"
  • Olivier Messiaen:

    Turangalîla-Sinfonie
    bzw.
    (AD: 03/1992, Concertgebouw, großer Saal, Amsterdam)

    Jean-Yves Thibaudet, Klavier
    Takashi Harada, Ondes Martenot
    Royal Concertgebouw Orchestra
    Riccardo Chailly



    Armin
    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
  • Mit großem Vergnügen gehört:

    G. F. Händel/E. Goossens: Messiah

    Jennifer Vyvyan, Monica Sinclair, Jon Vickers, Giorgio Tozzi
    Royal Philharmonic Orchestra & Chorus
    Sir Thomas Beecham



    Der geschätzte Josquin Dufay brachte es auf den Punkt:

    Josquin Dufay schrieb:

    Meine Fresse! Einen größeren Unterschied zu McGegan ist wirklich nicht mehr möglich. Was Beecham mit seiner dritten und letzten Messiah-Einspielung auf den Plattenteller zauberte, ist der ultimative Overkill. Hier ist alles übergroß, ins Monumentale versetzt, mit einer Inbrunst und Wucht gesungen, das einem die Spucke wegbleibt. Das ist nicht HIP, das ist noch nicht einmal authentisch (technisch gesehen ist es eine Bearbeitung, weil Sir Eugene Goossens das Werk neu orchestriert hat), und irgendwie verstehe ich jetzt gut, weshalb sich solche Leute wie Harnoncourt nach einer neuen Sichtweise auf alte Werke umgesehen haben. Beechams Einspielung ist nicht mehr von dieser Welt...

    Aber was soll ich sagen: es funktioniert! :rolleyes:

    Wenn "Kitsch" mit brillantem Handwerk und einem exzellentem Konzept auf mich zutritt, hat es mich immer gefangengenommen, einfach weil es konsequent polemisch daherkommt. Das ist wohl auch der Grund, warum ein Film wie IMITATION OF LIFE bei mir so heftig eingeschlagen hat. Und hier ist es nicht anders.

    Denn man kann beim besten Willen nicht behaupten, daß diese Einspielung nicht exzellent gemacht worden ist. Der Chor ist klasse, das Orchester musiziert wunderbar, die Solisten dröhnen (zwar mit Vibrato) über alle hinweg, und die Aufnahmetechnik fängt alles gestaffelt ein. Und Beecham läßt die ganze Besetzung trällern, als würde es nötig sein, für den bevorstehenden Himmelgang noch schnell seine Sünden durch ein spezielles Frohlocken auszulöschen. Warum auch nicht? Er war damals schon 80 Jahre alt.

    Das Hallelujah kommt daher wie ein festlicher Marsch, wo man sich nicht wundern sollte, weshalb König George II. damals aufgestanden sein sollte. Überhaupt sind die Chorpartien zumeist sehr wuchtig orchestriert worden, zum Teil mit Schlagwerk und jeder Menge Dynamiksprüngen; das Worthy Is The Lamb endet in einem Amen, das so gewaltig besetzt ist, daß einem beim Zuhören schwindlig wird. Hier heißt es: Messiah hören...und sterben... ;+)

    Die Amis nennen sowas "Over The Edge", und ich zweifel nicht daran, daß Beecham ein letztes Mal noch ein großes Zeichen setzen wollte, bevor er aufhört. Deshalb pfiff er auf jede Authenzität, ließ den Messiah auf optimale Wirkung hin bearbeiten und gab der Welt seinen definitiven Jubelabschied. Und wir hören uns das noch über fünfzig Jahre danach an (oder auch nicht ;+) ) und zerreißen uns das Maul darüber, ob es korrekt ist, so zu musizieren oder nicht. Doch ich sage es ganz klar: in fünfzig Jahren wird diese Aufnahme ihre Faszination auf die Zuhörer immer noch nicht verloren haben. Egal, ob sie es toll finden oder furchtbar; vergessen werden sie es nicht.

    So - genug polemisiert! :D

    Da schließe ich mich an mit einem :D

    Gruß
    MB

    :wink1:
    "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
  • Claude Debussy:

    Première Rhapsodie* & Jeux

    (AD: 03/1991 [Rhapsodie] & 03/1993 [übrige Werke], Masonic Auditorium, Cleveland)

    Franklin Cohen, Klarinette*
    The Cleveland Orchestra
    Pierre Boulez



    Armin
    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
  • Hier wieder Sibelius.

    Jean Sibelius

    Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 52
    Sinfonie Nr. 4 a-Moll op. 63


    Berliner Sinfonie-Orchester
    Kurt Sanderling



    Sanderlings Sibelius wirkt auf mich so ähnlich wie Haitinks Mahler: Alles ist hörbar, ich kann mir ziemlich jede Stelle spektakulärer oder auch spiritueller vorstellen, aber am Ende bleibt ein sehr runder Gesamteindruck. Richtig gut.

    Gruß
    MB

    :wink1:
    "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
  • Und nochmal.

    Jean Siibelius: Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 105

    Helsinki Philharmonic Orchestra
    Leif Segerstam
    Mai 2002
    21:04



    Der von Anfang an im Vergleich zur älteren Aufnahme leicht höhere Puls tut dem Werk mMn gut. So muss Segerstam nicht erstmal Passivität überwinden (und schlüssig mit dem Folgenden verbinden), sondern ist gleich „da“. So gerät der Einzug in den ersten Durchlauf des Aino-Themas fast triumphal mit einer sehr klar hervortretenden ersten Posaune. Wie schon bei der Chandos/Brilliant-Aufnahme gesagt: Das steht anders in der Partitur; gleichwohl ist es natürlich nachvollziehbar, dass Segerstam (und andere, extrem: Kondraschin) das so spielen lässt. Hitzig die Steigerung zum zweiten Durchlauf. Dieser vollzieht sich mächtig dunkel drohend. Wow. Der Puls bleibt hoch, so dass auch das dritte Erscheinen des Aino-Themas fast den Charakter einer Apotheose hat. – Bezwingend finde ich die Einheitlichkeit der Gestaltung des Ablaufs; wenn die Sinfonie wie aus einem Guss wirkt, dann in dieser Aufnahme.

    Gruß
    MB

    :wink1:
    "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)