Rattle und die Berliner – empfehlenswerte Aufnahmen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Eine wirklich gute CD habe ich noch vergessen:



      Nocturne habe ich 2005 in dieser Kombination im Konzert gehört, die CD aber erst vor wenigen Jahren vom Wühltisch gekauft. Ian Bostridge finde ich hier mal klasse (im deutschsprachigen Repertoire stört mich sein Akzent), fast ein wenig zu engagiert, aber die verschiedenen Tonfälle gelingen ihm frappierend. Insbesondere die Bläsersolisten der Philharmoniker können sich in den verschiedenen Liedern mit obligaten Instrumentalsoli austoben - mein Lieblingsstück: The Kraken nach Tennyson, mit dem wilden Fagottsolo von Stefan Schweigert.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Ich habe diesen Thread hier mit großem Interesse gelesen, bin aber nicht zum Antworten gekommen. Deshalb hole ich ihn jetzt nach vier Tagen wieder hervor.. Hier zum Beispiel möchte ich direkt Einspruch anmelden:

      Knulp schrieb:

      Nicht einmal uns Liebhabern/Sammelwütigen gelingt es, eine handvoll gelungener CDs in dieser Kombination zusammenzutragen, und das bei einem nach eigener Wahrnehmung Weltklasseorchester.

      Diese Feststellung widerspricht doch dem Verlauf des Threads bis dahin. In den ersten Beiträgen hier wurden doch vielmehr gerade sehr schnell mehrere Handvoll Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern unter Rattle zusammengetragen, die die jeweiligen Poster als besonders gut empfunden haben. Die im Threadtitel gestellte Frage nach empfehlenswerten Aufnahmen mit dieser Interpretenkombination schien mir daher für die Liebhaber und Sammelwütigen in diesem Forum nicht besonders schwer zu beantworten gewesen zu sein. Eher ist mir aufgefallen, dass sehr viele unterschiedliche Aufnahmen genannt wurden, aber keine immer wieder, so dass sie sich als Favorit gezeigt hätte.

      Ich möchte denn auch noch zum Threadtitel eine Aufnahme nennen, die bisher noch gar nicht vorkam: Simon Rattle ganz am Anfang seiner Berliner Zeit mit den Philharmonikern in Beethovens "Fidelio". Es gab damals eine Aufführungsserie bei den Salzburger Festspielen, die Aufnahme wurde aber bei mehreren konzertanten Aufführungen in Berlin mitgeschnitten. Was Rattle und die Philharmoniker angeht, finde ich sie toll, deshalb passt sie für mich gut zur Frage nach den empfehlenswerten Aufnahmen, bei den Solisten muss ich aber Einschränkungen machen: Einer phantastischen Angela Denoke in der Titelrolle und einem guten Laszlo Polgar als Rocco stehen zwei richtig schlechte Leistungen von Jon Villars als Florestan und Juliane Banse als Marzelline gegenüber.

      Trotzig-Verzagt-Ding schrieb:

      Ein anderer Gedanke, wenn er in London ein besseres Verhältnis zu seinem Orchester hat, kann er evtl. aus einem 2. Klasse Orchester ein Weltspitzenorchester machen...Dann werden seine Berliner Jahre als interim gesehen...Vielleicht ist er noch nicht an seinem persönlichen Höhepunkt...

      Das nun allerdings glaube ich eigentlich nicht. Wenn Herr Rattle in Berlin aufhört, ist er immerhin in einem Alter, in dem normale Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Ich kann auch kein Orchester "zweiter Klasse" in London finden. DAS ist ganz bestimmt nicht der Fall. In GB sind die Verträge nur anders geregelt als bei uns. Ich denke, er wird dort genau dort sein, wo er hingehört. Dort wird auch wieder Dinge dirigieren, die er in Deutschland nicht durfte.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Viel Britisches jedenfalls nicht.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Auf CD nicht, das ist sicher korrekt. Und in den Konzertprogrammen? Ich finde von heute bis Ende der nächsten Saison unter Rattles Dirigat Britisches von Dove, Britten, Elgar und Grainger. Die vergangenen Spielzeiten sind mir allerdings nicht präsent.

      LG - C.
    • C.Huth schrieb:

      Auf CD nicht, das ist sicher korrekt. Und in den Konzertprogrammen? Ich finde von heute bis Ende der nächsten Saison unter Rattles Dirigat Britisches von Dove, Britten, Elgar und Grainger. Die vergangenen Spielzeiten sind mir allerdings nicht präsent.

      LG - C.

      Kann man in der DCH nachschauen: da gab es z. B. Brittens Young Persons Guide to the Orchestra und War Requiem, Tippetts A Child of our Time, Elgars Enigma-Variationen und Violoncellokonzert (mit Sol Gabetta). Das sollte mal auf CD veröffentlicht werden zumal die Berliner Philharmoniker doch jetzt ihr eigenes Label haben.

      Armin
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Oben hat jemand die Britten-Serenade etc. mit Bostridge besonders hervorgehoben. Planeten gab es außerdem noch.
      Das meiste andere Britische ist außerhalb von Britannien nahezu unverkäuflich und schon umfänglich von britischen Labels wie Chandos, Hyperion etc. oder dem EMI-Backkatalog zB durch Rattle/Birmingham ;+) abgedeckt...
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Auch wieder so eine steile These mit dem "unverkäuflich" sein. Englische Orchester wie das LSO oder LPO sind da mutiger und veröffentlichen auf ihren eigenen Labeln auch munter Aufnahmen mit britischen Komponisten obwohl die das zig-mal mit etlichen Dirigenten zuvor schon aufgenommen haben.

      Die Berliner Philharmoniker könnten bei der Veröffentlichung von CDs mit englischem/britischen Repertoire "geschickt" vorgehen, indem sie eben kein reines englisches Programm auf einer CD bringen, sondern das mit Werken von hierzulande "gängigen" Komponisten kombinieren.

      Ich würde sowas kaufen.

      Armin
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Die Berliner Philharmoniker könnten bei der Veröffentlichung von CDs mit englischem/britischen Repertoire "geschickt" vorgehen, indem sie eben kein reines englisches Programm auf einer CD bringen, sondern das mit Werken von hierzulande "gängigen" Komponisten kombinieren.
      Warum nicht Britten mit Vaughan-Williams verbinden? Alternativ Elgar mit Brahms? Warum sollte das nicht ziehen? Wir schreiben hier über DIE Berliner Philharmoniker und nicht über die Gießener Philharmoniker (die es nicht gibt, aber ich wollte auch kein existierendes Orchester nehmen). Etwas mehr Mut wäre da schon angebracht.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Eben, zumal die Berliner Philharmoniker sicherlich den Anspruch haben, dass man sowohl die DCH als auch ihre Aufnahmen auf ihrem eigenen Label weltweit und nicht nur auf Deutschland begrenzt konsumieren und hören kann. Da könnte/sollte das Orchester, bzw. wer sonst für die Repertoire-Auswahl zuständig ist, mal über den Tellerrand hinausschauen.

      Armin
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Aus der Capriccio-Presseschau herübergerettet:

      Konrad Nachtigall schrieb:

      Hier rechnet Uwe Friedrich vom Deutschlandfunk nach 16 Jahren final mit Simon Rattle ab (und watscht auch gleich noch Daniel Barenboim ab, das ist wohl ein Kollateralschaden). Unterhaltsam zu lesen, wenn auch arg pauschal zugespitzt und es greift wohl meiner Meinung nach doch zu kurz, Rattle als reines "Markettinggenie" abzutun.

      Harnoncourt-Fan schrieb:

      So zugespitzt finde ich das nicht. Die Kernpunkte stimmen ja: sogenanntes Kernrepertoire gefiel oft nicht, Marke neu definiert, Orchester zugänglicher gemacht, viele Projekte. Nur neu sind diese Erkenntnisse nicht.

      Warum aber ausgerechnet Petrenko die Philharmoniker wieder zu ihren Wurzeln führen soll, erschließt sich mir nicht, vor allem dann, wenn man wie der Kommentator das offensichtlich am Repertoire und am Nicht-Mätzchen-Machen festmacht. Nein, ein Rhythms is it wirds mit dem Neuen wohl nicht so schnell geben. Ja, Petrenko probt gerne und intensiv und feilt am Klang. Nur werden die Schumann-, Brahms-, Beethoven- und Bruckner-Zyklen unter ihm auch keine fröhlichen Urständ feiern.
      Muss ja alles auch nicht sein, nur Petrenko jetzt als den hinzustlelen, unter dem alles wieder wie früher wird, find ich daneben. Da würde der neue Chef Thielemann, Jansons oder Nelsons heißen

      Konrad Nachtigall schrieb:

      Naja, nehmen wir z.B. einen Satz wie den folgenden:

      "Statt der unendlichen Differenzierung unter Karajan und Abbado wurden nun immer öfter Lautstärkerekorde aufgestellt, ohne dass sich ein interpretatorischer Mehrwert ergab."

      Ich finde, so eine Aussage ist einfach sehr pauschal und wird einer Ära von 16 Jahren nicht gerecht. Auch bei Karajan und Abbado war nicht alles unendlich differenziert, und dass Rattle grundsätzlich immer lauter hat spielen lassen, würde ich auch nicht unterschreiben.

      Kater Murr schrieb:

      V.a. ebnet es auch die Unterschiede zwischen Karajan und Abbado ein. Ich habe das Orchester nur ein- oder zweimal live gehört und lange nach Karajan. Aber mein Eindruck ist, dass es schon unter Abbado flexibler geworden ist als vorher. Was natürlich auch daran liegen kann, dass Karajan (zumindest auf Platte) eben fast immer nach Karajan klingt, egal welcher Komponist: ansatzlose Übergänge, ein breiter Klangstrom.

      maticus schrieb:

      Ich kann u. a. mit der Aussage

      Uwe Friedrich (DLF) schrieb:

      Während Musik in England als luxuriöses Hobby einer maßlos reichen Leisure Class gilt, vor allem der Unterhaltung dient und nicht recht ernst genommen wird, hängt der deutsche Kulturbürger an Bach, Beethoven, Brahms und misst die Kulturverwalter an dem, was schon immer so war und bitteschön auch so bleiben soll.
      nichts anfangen. Wenn der erste Halbsatz (bezogen auf England) stimmen sollte, dann ist m. E. der zweite Halbsatz (bezogen auf Deutschland) falsch, da ich diese großen Unterschiede nicht erkennen kann.

      Symbol schrieb:

      maticus schrieb:

      Ich kann u. a. mit der Aussage

      Uwe Friedrich (DLF) schrieb:

      Während Musik in England als luxuriöses Hobby einer maßlos reichen Leisure Class gilt, vor allem der Unterhaltung dient und nicht recht ernst genommen wird, hängt der deutsche Kulturbürger an Bach, Beethoven, Brahms und misst die Kulturverwalter an dem, was schon immer so war und bitteschön auch so bleiben soll.
      nichts anfangen. Wenn der erste Halbsatz (bezogen auf England) stimmen sollte, dann ist m. E. der zweite Halbsatz (bezogen auf Deutschland) falsch, da ich diese großen Unterschiede nicht erkennen kann.
      Ich kann mit dieser Aussage durchaus etwas anfangen: sie ist kompletter Unfug! Ich wüsste gerne, auf welche Quellen und Erfahrungen sich der Autor beruft. Auf die Prom-Konzerte, in die arbeitende Menschen in Alltagskleidung gehen?

      Harnoncourt-Fan schrieb:

      Naja die Prom-Konzerte können wohl schwer als repräsentativ gelten, wie überhaupt Megastädte selten auf den Rest des Landes schließen lassen.

      Ich habe Konzerte in Liverpool mehrfach erlebt. Im Vergleich ist der Altersschnitt sicher höher und mehr typisches "man geht halt ins Konzert"-Publikum. Dass es mehr ein Hobby der upper class ist, wäre mir aber auch nicht aufgefallen. Die Aussage ist zweifellos überspitzt.

      Der Artikel verklärt Karajan und Abbado genau pauschal, wie er Rattle kritisiert. Früher war alles besser und toll - das ist etwas dünn.

      Die restlichen Punkte sind jetzt nicht neu. Einen totale Verriss von Rattle kann ich so aber auch nicht erkennen.
      Dirigiert hat Rattle das sog. Kernrepertoire noch und nöcher: die drei letzten Mozart-Sinfonien, alle Beethoven-Sinfonien, gipfelnd im Zyklus von 2015, immer wieder Bruckner-Sinfonien, Mahler ohnehin. Schumann und Brahms hat er in den letzten Jahren fast manisch aufs Programm gesetzt. Man sehe sich die Bilanz der meistgespielten Werke von Rattles Berliner Zeit an (Link): auch wenn er persönlich nur für etwa ein Drittel dieser Bilanz verantwortlich zeichnet, ist es doch kein Zufall, dass die Brahms-Sinfonien so weit vorne liegen.

      Aufgrund meiner Erfahrung (etwa zwölf Konzerte seit 2002 mit Rattle live gehört, verschiedenes anderes in der Digital Concert Hall oder auf CD) kann ich auch nicht unterschreiben, dass das Kernrepertoire bei Rattle oft Schwächen aufzeige. Ich habe in den Beethoven-, Schumann- und Brahms-Interpretationen viel Bemerkenswertes und Erfülltes gehört - das müsste man konkreter diskutieren, um eine Basis für eine Bewertung zu haben. Manchmal erschien er mir eher als Suchender, aber das kann ich nicht schlecht finden. Und ja, es gab nach meinem Eindruck auch missglückte Abende. Aber die Aussage von Uwe Friedrich, "Lautstärkerekorde" hätten "interpretatorischen Mehrwert" ersetzt, ist schlichtweg falsch.

      Wo mich Rattle bei den Berliner Philharmonikern nie überzeugt hat: als Operndirigent. Da gab's immer wieder (etwa beim live erlebten Rosenkavalier in Baden-Baden oder beim aus der Konserve gehörten Parsifal dieses Jahr) wunderschönes Orchesterspiel, aber selten ein genuin dramatisches Dirigat und auch nicht immer ein Mitatmen mit den Sängern. (Ausnahme: zwei Janacek-Abende an der Berliner Staatsoper - das ist allerdings ein Komponist, der Rattle sehr liegt, zudem hatte er ein genuines Opernorchester zur Verfügung).

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Bezieht sich zwar "nur" auf eine (allerdings live)Aufnahme, aber die Haydn-Sinfonien 88-92 + Concertante unter Rattle sind m.E. überzeugender als alles, was ich an instrumentaler Wiener Klassik von Abbado und erst recht von Karajan gehört habe.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Dafür, dass Rattle Haydn als seinen Lieblingskomponisten bezeichnet hat (man sehe sich den von Beryllo in Beitrag 74 verlinkten Film an), standen dessen Werke nicht überproportional häufig auf dem Programm: Die Sinfonie Nr. 86 hat er in den ersten Jahren häufig dirigiert, seit Bestehen der Digital Concert Hall (2009) waren es neben der Schöpfung und den Jahreszeiten nur noch die Sinfonien 92, 95 und 80 (letztere als einziger Schritt in vorher unbetretenes Gebiet). Und dann gab es noch eines von Rattles typischen Projekten, mit denen er und die Berliner auch auf Tournee gegangen sind: Haydn - An Imaginary Orchestral Journey, eine etwa einstündige Zusammenstellung diverser besonders ungewöhnlicher bzw. origineller Haydn-Sätze/Orchesterstücke, garniert mit einigen Extra-Gags. Ich hab mir das mal auszugsweise in der DCH angehört und fand es letztlich nicht gelungen, eher stark überwürzt. Gibt's auch auf (SA)CD, allerdings mit dem London Symphony Orchestra, dort die Zusammenstellung und Abfolge der Stücke/Sätze:



      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Dieses Album finde ich ebenfalls schwachsinnig (allerdings ohne es gehört zu haben). Bei Minkowski mit Rameau konnte man als Begründung anführen, dass diese Stücke ohnehin auch sonst fast nur als Teile von Suiten, kaum je im Rahmen der Opern/Ballette, aus denen sie stammen, gespielt werden. Aber bei Haydn wäre es ja gar kein Problem gewesen, ein Album mit drei seltener gespielten Sinfonien einzuspielen.

      Die drei späten Mozart-Sinfonien habe ich auch als Promo/Werbegeschenk (Bankster) schnappen können. Die sind auch ziemlich gut, ebenfalls allemal so gut wie Abbado oder Karajan in diesem Repertoire. Aber wer "klassisches Repertoire" in diesem Kontext sagt, meint ja meistens eher Brahms oder Richard Strauss, vielleicht noch Beethoven, aber eher nicht Mozart und Haydn, zumal das inzwischen ja auch mehr eine Domäne der HIPisten geworden ist.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Zwielicht schrieb:

      Dafür, dass Rattle Haydn als seinen Lieblingskomponisten bezeichnet hat (man sehe sich den von Beryllo in Beitrag 74 verlinkten Film an), standen dessen Werke nicht überproportional häufig auf dem Programm: Die Sinfonie Nr. 86 hat er in den ersten Jahren häufig dirigiert, seit Bestehen der Digital Concert Hall (2012) waren es neben der Schöpfung und den Jahreszeiten nur noch die Sinfonien 92, 95 und 80 (letztere als einziger Schritt in vorher unbetretenes Gebiet). Und dann gab es noch eines von Rattles typischen Projekten, mit denen er und die Berliner auch auf Tournee gegangen sind: Haydn - An Imaginary Orchestral Journey, eine etwa einstündige Zusammenstellung diverser besonders ungewöhnlicher bzw. origineller Haydn-Sätze/Orchesterstücke, garniert mit einigen Extra-Gags. Ich hab mir das mal auszugsweise in der DCH angehört und fand es letztlich nicht gelungen, eher stark überwürzt. Gibt's auch auf (SA)CD, allerdings mit dem London Symphony Orchestra, dort die Zusammenstellung und Abfolge der Stücke/Sätze:



      :wink:
      Ähnliches hat bereits Minkowski vor einigen Jahren mit einem französischen Barockkomponisten gemacht (Rameau?). Hab das auch Live gehört. Sampler im Konzert, verzichtbar.
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • Kater Murr schrieb:

      Bezieht sich zwar "nur" auf eine (allerdings live)Aufnahme, aber die Haydn-Sinfonien 88-92 + Concertante unter Rattle sind m.E. überzeugender als alles, was ich an instrumentaler Wiener Klassik von Abbado und erst recht von Karajan gehört habe.

      Diese durch wunderbare Binnenspannung und viel Spielwitz gekennzeichnete Aufnahme finde ich auch hervorragend! Ebenso überzeugend fand ich die neulich im Fernsehen gezeigte Aufführung der "Schöpfung".

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler