Rattle und die Berliner – empfehlenswerte Aufnahmen

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    • Rattle und die Berliner – empfehlenswerte Aufnahmen

      Außer dem vorgezogenen Abschiedsgesang auf Sir Simon gibt es hier noch keinen Thread, der sich mit Leben und Schaffen des britischen Wuschelkopfs befasst. In den wenigen Bildausschnitten, die ich von seinem Dirigieren gesehen habe, kam er mir immer vor wie ein Lausbub, der darüber staunt, was er jetzt wieder Tolles entdeckt hat, und der sich schon wieder darauf freut, welche Überraschungen es an der nächsten Ecke geben mag. Der „große Bogen“, der mancher Komposition nachgesagt wird, findet unter seiner Stabführung m. E. nicht unbedingt Widerhall in Gestik und Mimik.

      Wenn man die Augen schließt und sich nur dem klingenden Ergebnis hingibt, mag es ja anders sein.

      Hier soll es um Aufnahmen gehen, die die optische Wahrnehmung positiv bereichern – um empfehlenswerte Aufnahmen eben. Aber wohlgemerkt nur um Aufnahmen, die Sir Simon mit den Berliner Philharmonikern gemacht hat. Zwar ist diese Ära noch nicht zu Ende, aber es liegt ja manches vor, was von dem einen oder der anderen als Dokument einer fruchtbaren Zusammenarbeit angesehen wird.

      Ich werfe auch gleich drei Aufnahmen in den Ring:

      Der Mitschnitt seines Antrittskonzerts in Berlin (leider ohne das erste Stück, „Asyla“ von Thomas Adès):



      Holsts Planeten, auch wegen der im Auftrag der Berliner komponierten Werke über andere Himmelskörper, Zeugnis seines Engagements für neue und neueste Musik:



      Stravinskys Sinfonien:



      Welche Aufnahmen der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon würdet Ihr empfehlen? Mahler 9? Brahms‘ Sinfonien und Requiem? Strauss‘ Heldenleben? Die Schumann-Sinfonien? Ravels entzückende Kurzoper „L’Enfant et les Sortilèges“? Die Gurrelieder? Bin gespannt!
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)


    • Ich kenne keine rhythmisch so artikulierte Einspielung dieses Werkes wie jene Fassung von Rattle. Sie gehört für mich zu den besten Einspielungen des Werkes überhaupt - und es gibt weiß Gott, wirklich viele hervorragende Einspielungen dieses Werkes.

      Zur Zeit ist es gebraucht für ein Butterbrot zu haben bei Amazon.

      Ebenfalls sehr gut gelungen finde ich die komplettierte Fassung der Neunten von Bruckner.

      Auch bei Szymanowski würde ich eine Empfehlung aussprechen.

      Deine Empfehlungen kenne ich nur zum Teil, doch Bei Mahler würde ich sofort JA sagen, bei den Planeten ebenso. Die Haydn-Aufnahmen sollen auch sehr gut sein, doch ich kenne sie ebenfalls nicht, was sich aber bald ändern wird, da ich sie für wenig Geld gekauft habe. Mal schauen, wann sie denn bei den ganzen Poststreiks ankommen wird.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Stimmt, Szymanowski war ja noch mit den Birmingham SO eingespielt worden, danke......Schade, dass er nicht alle Sinfonien eingespielt hat, den Rest halt mit den Berlinern.....Zum Glück gibt es da aber Antoni Wits Einspielungen für....
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ich mag seine Sibelius-Einspielungen, aber die waren auch noch unter den 'Birminghamern'



      Ich könnte mir vorstellen, dass der Weggang aus Berlin für ihn ganz gut ist...Im Moment fallen mir sonst nur Aufnahmen ein, die ich 1x oder letztlich NICHT gehört habe, weil es besser gab/gibt...(Aber auch in Birmingham gelang nicht alles: z.B. Britten: War Requiem)

      Also keine Referenzaufnahme aus Birmingham, aber als Vergleichsaufnahme interessant....(Ich habe nur das War-Requiem gehört, den Rest kann ich nicht beurteilen)

      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960)
    • Mahlers 5. finde ich auch schlichtweg fantastisch eingespielt. Auch die 9. finde ich unter Rattle und dem BPO exzellent. Nur mit der 6. könnten sie mich nicht so recht begeistern - fand ich irgendwie nicht massiv genug. Außer Mahler habe ich Rattle leider nur mit anderen Orchestern.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Bach kommt bei Rattle zwar eher marginal vor, wenn aber die Beschäftigung mit einem Großwerk dieses Komponisten zusammen mit Peter Sellars in ein Ergebnis mündet, wie es jüngst szenisch realisiert worden ist, ist das m.E. aller Ehren wert. Vielleicht empfehlenswert für all diejenigen, denen Hugo Niebelings szenische Ausdeutung im Speyerer Dom zu riefenstahlesk ist, nicht wahr, lieber TB? ;+)

    • Ergänzend dazu ist noch diese Produktion erwähnenswert, die ich vor 5 Jahren in der DCH schon beeindruckend fand und ich mir deshalb dann auch auf DVD zulegte:


      Ansonsten habe ich von der Kombination Berliner Philharmoniker/Rattle nur noch die hier schon genannte Aufnahme von Bruckners 9. Sinfonie, die ich mir nur wegen des vervollständigten Final-Satzes kaufte. Das übrige Repertoire, das Rattle in Berlin aufnahm, liegt mir in anderen Aufnahmen vor, so dass ich für mich keine Veranlassung sah/sehe, mir auch noch Rattle/BP zuzulegen. Mein Eindruck ist, dass Rattle in Birmingham insteressanteres Repertoire aufgenommen hat (Szymanowski, englische Komponisten, Adams etc.) und ich beziehe mich hier nur auf CDs und nicht auf die Komponisten, die Rattle in Konzerten mit den BP dirigierte und die in der DCH und eben nur da verfügbar sind.

      Armin
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Ich erinnere mich, dass diese Planetenaufnahme



      hier kürzlich über den grünen Klee gelobt worden ist, kann mich aber nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Vielleicht kann mir jemand auf die Sprünge helfen. Ist es lohnenswert, sich diese Einspielung zuzulegen, wenn man sich, wie ich bislang, bei Roger Norrington gut aufgehoben gefühlt hat? Mit anderen Worten, was ist das begeisternd Besondere an Rattles Sichtweise?

    • Die 5. Mahler vom Berliner Antrittskonzert ist wirklich sehr schön anzuhören, wundervolles Orchesterspiel und Rattle macht auch nichts "falsch".

      Bloß: alles fehlt bei Rattle, was etwa die Barbirolli-Aufnahme (New Philharmonia) ausmacht: Binnenspannung, Nervosität, hysterische Ausbrüche, federndes Rubato, ...
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Mit CDs kann nicht aufgewartet werden, sondern mit Radio-Mitschnitten:

      Der wichtigste bildet Stockhausens Gruppen zusammen mit Michael Boder und Daniel Harding vom 20.9.08 vom Flughafens Berlin Tempelhof.

      Bei Mahler sind Sinfonie Nr. 6 vom 14.09.87 und Sinfonie Nr. 10 vom 09.11.07 hervorzuheben.

      Dagegen waren der Höreindruck von Mahler 2. (30.10.10), Mahlers 3. (05.02.11) und Mahlers 9. (03.11.11) leider nicht zufriedenstellend, vieles kam bloß sehr gepflegt und klangschön rüber. Was z.B. Mahlers 3. betrifft, da bot das Orchestre National de France unter Gatti am 29.04.10 eine wesentlich spannungsreichere, zerrissenere und sehr viel transparentere Alternative zu den Berlinern

      Sehr erfreulich und bewegend die konzertante Walküre vom 20.5.2012. Eine Begegnung mit einer der bisher gelungensten Wagner-Wiedergabe unter Rattle.

      Leider enttäuschend Brahms Sinfonie Nr. 3 (20.09.14) owie Brahms Sinfonie Nr. 4 (21.09.14), weil zu wenig Intensität rüberkam und das Klangbild in Schönheit erstarb. Was Brahms angeht, boten. im gleichen Jahr z.B. die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken unter Chichon vom 16.09.14 und das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter Orozco-Estrada am 23.10.14 dagegen höchst hörenswerte Alternativen.

      Prinzipiell ist gegen einen Brahms- Schumann-Zyklus nicht einzuwenden.

      Sehr viel interessanter wären aber z.B. Zyklen, die sich auch mit anderen Schwergewichten auseinandersetzen würden, die in der BRD leider nicht so häufig aufgeführt werden z.B. Schönberg, Nono oder Cage (auch z.B. Ferneyhough, Rebecca Saunders, Lachenmann, Posadas oder Mark Andre wären in diesem Zusammenhang noch zu ergänzen) ...
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Maurice schrieb:

      Die Haydn-Aufnahmen sollen auch sehr gut sein, doch ich kenne sie ebenfalls nicht, was sich aber bald ändern wird, da ich sie für wenig Geld gekauft habe.

      So ist es, lieber Maurice! Die "Ärmelkanal"-Sinfonien 88-92 (zwischen den Parisern und den Londonern) sind bei Rattle und den Berlinern in besten Händen.

      Ich hatte die Aufnahme übersehen, weil ich am Regal auf der Suche nach Rattle/BPO hinter Beethoven begonnen hatte ... :hide:

      Hier das Cover:



      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Wenn ich an Rattles CD-Vermächtnis aus Berlin denke, fällt mir nicht viel Gutes ein.

      Die EMI-CDs klingen matt, trocken und uninspiriert.

      Eine rühmliche Ausnahme gibt es:



      Diese Ravel-Oper gelingt Ihm unvergleichlich gut. Hier ist er hörbar "zuhause". Das Orchester ist virtuos und klangprächtig. Der CD-Klang ist dynamisch und lebendig. Diese Aufnahme wird sicherlich bleiben, auch aufgrund der wunderbaren Sänger(innen), angeführt von Magdalena Kozena.
    • Ich kenne keine rhythmisch so artikulierte Einspielung dieses Werkes wie jene Fassung von Rattle. Sie gehört für mich zu den besten Einspielungen des Werkes überhaupt - und es gibt weiß Gott, wirklich viele hervorragende Einspielungen dieses Werkes.


      Das bezog sich auf die Carmina Burana...? Ich habe diese sicherlich 10 Jahre nicht gehört und besitze nur 1 (eher unerträgliche) Einspielung. Sie wurde aber regional öfter aufgeführt und ich war in Konzerten...Mit Sibelius geht es mir ähnlich ca. 6-8 Jahre her, dass ich mich mit ihm beschäftigt habe...Das letzte gekaufte Werk kam von Salonen...Gefiel mir unheimlich gut...Aber Rattle war meine erste Sibelius Erfahrung...(Könnte auch Nostalgie sein)

      Ich bekomme in diesem Forum zu viele Inspirationen, was ich hören könnte :sev: und mein Geldbeutel gibt gerade wenig her, aber 3,76 wären evtl. drin...

      Zur Rattle Bach Interpretation: Die kann für ein bestimmtes Klientel, - die einen HIP-Klang bevorzugen -völlig falsch sein und für Opernbesucher oder zum Bsp Oberstufenschüler sehr wichtig. Manche Menschen brauchen die Bilder, um einen Einstieg zu finden. Also für mich ist es nichts, weil ich Junghänel, Pierlot, McCreesh (nicht alle) und Hengelbrock bevorzuge, weil ich ein Mensch bin, der diese 'Durchhörbarkeit' braucht und jede einzelne Stimme muss für mich identifizierbar sein.

      Eine Referenzaufnahme ist es daher für eine andere Herangehensweise, wie man neues Publikum gewinnen kann.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960)


    • Ich fand diese Einspielung auch noch sehr gelungen. Sie ist gerade günstig zu erwerben bei Amazon.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Die Mahler Fünfte habe ich damals auch gekauft (sogar im Shop der Berliner Philharmonie) und höre sie sehr gerne, auch die Bruckner Neunte mit dem spannenden Finalsatz musste sein und bereue ich keineswegs. Wenn hier auch eine DVD genannt werden darf, ist es diese für mich, das war ein fulminantes Silvesterkonzert, Bernsteins "Wonderful Town". Es gibt auch eine CD Aufnahme mit Rattle aus Birmingham. Mir gefällt dieser Berliner Mitschnitt aber noch besser.

      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Ich glaube, ich besitze nur sehr wenige Aufnahmen mit Rattle. Ich kann garnicht sagen, woran das liegt. Vermutlich an meinem eher eingeschränkten Repertoir der letzten Jahrzehnte. Einen sehr guten Eindruck hatte ich von einigen der Werbehäppchen in der DCH (die sich allerdings auch auf andere Dirigenten beziehen).

      Momentan fällt mir nur folgendes ein. Positiv:



      Die 4. Sinfonie von Schostakowitsch (noch in Birmingham) finde ich eine gute Referenzaufnahme in sehr guter Klangqualität. Auch live, mit den Berlinern in ihrer Philharmonie, fand ich sie sehr ansprechend. Das 1. Violinkonzert von Schostakowitsch finde ich hier auch ausgezeichnet, was aber natürlich auch sehr an der Violinistin liegt. Am besten finde ich hier sicherlich Ravels kleine Oper, in jeder Hinsicht entzückend. Auch Ma Mère l'Oye finde ich sehr gut gelungen, obwohl ich vielleicht Haitink mit den Bostonern noch etwas mehr mag.

      Eher mittelmäßig bis enttäuschend:



      Weder die 1. noch die 14. Sinfonie von Schostakowitsch reißen vom Hocker. Da gibt es deutlich besseres. Die Sinfonischen Tänze von Rachmaninoff sind durchaus noch gut, aber V. Petrenko in Liverpool toppt es doch deutlich. Enttäuscht war ich wirklich von den Strawinski Sinfonien. Da fehlt mir doch deutlich Spannung. Allerdings hatte ich da mit Solti in Chicago wohl einen sehr guten Vorgänger.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • Ich werfe diese Aufnahme in den Ring (auch wegen des fantastischen Klavierspiels Zimermans):



      Zugegeben im Studio unter wohl hochsynthetischen Bedingungen eingespielt (auch hört man meine ich mich erinnern zu können 1-2 mal Schnitte), aber einen Drive und eine Wucht hat diese Aufnahme wie kaum eine andere die ich kenne.

      Sonst finde ich auch die Bruckner 9 sehr, sehr gut eingespielt (wenngleich Inbal eine hysterischere Leseweise vorgelegt hat).
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...