R. STRAUSS »Elektra« Staatsoper München 21.05.15

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    • R. STRAUSS »Elektra« Staatsoper München 21.05.15

      Musikalische Leitung: Asher Fisch
      Inszenierung, Bühne, Kostüme, Licht: Herbert Wernicke (Premiere 27.10.97)

      Elektra: Iréne Theorin
      Chrysothemis: Ricarda Merbeth
      Klytämnestra: Waltraud Meier
      Aegisth: Ulrich Reß
      Orest: Günther Groissböck

      Dies sind einfach die Eindrücke meiner ersten Live-»Elektra«, ohne größeren Anspruch.

      Obwohl ich schon meinen Teil an Wagnergesang gehört habe, und insbesondere Ricarda Merbeth auch schon als Senta – noch nie haben mich Stimmen mit derartiger Wucht weggeblasen wie diese Bühnenschwestern Theorin und Merbeth! Ja leck mich doch am – wie man bei uns hingebungsvoll zu sagen pflegt.

      Das ist ja noch kein Wert an sich, mehr eine staunende Beobachtung – technische Schwierigkeiten, was die Durchsetzungsfähigkeit anging, hatten die zwei auf jeden Fall nicht. Die Textverständlichkeit war leider über Strecken dennoch nur unzureichend, und da die Inszenierung visuell graphisch eindrucksvoll aber insgesamt recht statisch war, und die zwei ja gegen Ende noch einen langen Auftritt zu zweit haben, bei dem sie viele Meter voneinander entfernt laut und unverstanden starr ins Publikum singen mussten – das fand ich dann sehr ermüdend.

      Das ist aber auch schon das Negativste, was ich über den Abend zu sagen habe. Iréne Theorin wirkte in dieser Inszenierung hauptsächlich durch ihre Bühnenpräsenz (ich kenne das Video von den Salzburger Festspielen, wo sie »mehr« und differenzierter spielen durfte), und natürlich durch ihre vokale Gestaltung der Partie, die sie sich durch und durch zu eigen gemacht hat.

      Waltraud Meier als Klytämnestra faszinierte mich wie immer durch ihr (auch vokales) Spiel dieser einerseits so pompös realitätsfremden, in ihrer sich vorsichtig öffnenden Einfalt dann fast schon wieder Mitgefühl erweckenden Figur, die an ihrer Tochter emotional (und dann auch physisch) zerschellt.

      Fürs Dirigat hab ich kein sehr differenzierendes Ohr, aber was Asher Fisch da an Klangfarben und ebenfalls scheinbar müheloser Dynamik aus dem Orchester holte, das faszinierte mich sehr.

      Also insgesamt ein Abend, der die Wucht dieses gnadenlosen Stücks vor allem aus der kontrollierten Kraft der Musik, der Stimmen, der Präsenz der Darsteller in einem eher abstrakt beeindruckenden Bühnenbild holte, weniger aus Details der Inszenierung oder (mit Ausnahme Meiers) des Schauspiels; das Gefühl einer Unpersönlichkeit stellte sich ein, was aber durchaus seine Wirkung hatte.