musik oder kakophonie ?? - Ist moderne klassische Musik ein Evolutionsfehler?

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    • Diabolus in Opera schrieb:

      musicophil schrieb:

      FafnerHH schrieb:

      Aber für mich setzt die Beschäftigung mit Kunst - gleich welcher Art - auch eine gewisse Bringschuld des Konsumenten voraus, zum geistigen Nulltarif ist sie nicht zu haben.

      Bin sozusagen bereits als Kind zu Hause geprägt worden.

      Sind wahrscheinlich die meisten von uns. Spannend wird's doch aber erst so richtig, wenn man sich von dem löst, bzw. über das hinaus geht, was man sozusagen mit der musikalischen Muttermilch in die Wiege bekommen hat.

      Lieber DiO,

      Ich kann Dich versichern: ich habe mich gelöst von der "Prägung".
      Was ich mitbekam von Hause war ab Barock (von meinem Vater), über verhältnismäßig sehr wenig Klassik, via Romantik (Mutter, aber auch Vater) bis hin ins 20. Jhdt (beiden Eltern). Daneben Operette (Großmutter), wenig Opern (Familie), Lieder (Familie), Films mit Musik wie in den 20. und 30. Jahre gemacht wurden (denke an Nelson Eddy, Jeanette McDonald, Lilian Harveu, Willy Fritz, usw). Jene Filme habe ich in den 60. Jahre fast alle über die Belgisch TV gesehen,
      Weiter Französische Chansons, Jazz, Schlagers, usw (wieder die ganze Familie).
      In der Schule gab es eine Allgemeinbildung. Jedes Zeitalter, jede Stil wurde behandelt.
      Beim Gesangunterricht wurde fast nur Romantik gewählt. Oder Barock. Meine Lehrerin hatte dafür auch eine Erklärung. Sie sagte "Du liebst ja Mozart (damals schon :P ) und wird ihn deswegen ohnehin singen. Außerdem ist Mozart eine Schonung der Stimme. Ich muß aber gerade versuchen aus Deiner Stimme herauszuholen, was darin steckt. Mozart kannst du dann zur Erholung singen".

      Die klassische Epoche (zusammengefaßt Mannheimer, echte Klassik und Früh- bis Mitte-Romantik) habe ich selbst gewählt, weil sie mir damals so gefiel. Und immer mehr gefällt. :D

      musicophil schrieb:

      Ich komme zurück auf die Evolution.
      Wenn es eine Gruppe gab (Tiere, Pflanzen, Menschen, was denn auch… ) dann fanden dauernde Veränderungen (lese Mutationen) immer statt am Rande der Gruppe.

      Und genau daran krankt meiner Meinung nach Dein Aufhänger: Du wirfst hier Natur (Biologie) und Kultur (von Menschen gemachte Musik) in einen Topf. Das mag als metaphorische Analogie brauchbar sein, im Detail finde ich das aber höchst problematisch.

      Hier machst Du m.E. einen Gedankenfehler. Denn die Evolutionsmetapher paßt sogar sehr gut.

      Die Quintessenz ist, daß (Ver)Änderungen fast immer statt finden, weil es kleine (Splitter)Gruppen (oder Einzelwesen) gibt, die etwas anders denken/tun/dachten/taten. Und damit und dadurch etwas in Bewegung brachten, daß Folgen hatte. Menschen abseits des Mainstreams also. Ergo: am Rande!
      Auch in der Musik gibt es solche "Schlüsselpersonen". Palestrina, Monteverdi, Gluck, die Gruppe der Mannheimer Musiker, Weber wenn es sich handelt um Romantischen Oper; Mercadante, der Verdi beeinflußt; etc, etc, etc.

      Daneben gilt noch, daß die "alte" Gruppe sich nicht ohne Kampf verloren geht. Sie beharrt auf ihren Einfluß. Du weißt doch, "la garde meurt mais ne se rend pas".

      LG, Paul
      Wirklich schöne Musik rührt
    • musicophil schrieb:


      Auch in der Musik gibt es solche "Schlüsselpersonen". Palestrina, Monteverdi, Gluck, die Gruppe der Mannheimer Musiker, Weber wenn es sich handelt um Romantischen Oper; Mercadante, der Verdi beeinflußt; etc, etc, etc.


      Na gerade WEGEN den Schlüsselpersonen funktioniert die Metapher für mich NICHT. Denn die Evolution geht ja über sehr lange Zeiträume fast unmerklich vor sich. Oder willst Du behaupten, Du kannst mir den ersten Menschen nennen, der aufrecht gegangen ist??? Die Schlüsselfigur des "aufrechten Ganges"??? ;+)

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Diabolus in Opera schrieb:

      musicophil schrieb:


      Auch in der Musik gibt es solche "Schlüsselpersonen". Palestrina, Monteverdi, Gluck, die Gruppe der Mannheimer Musiker, Weber wenn es sich handelt um Romantischen Oper; Mercadante, der Verdi beeinflußt; etc, etc, etc.


      Na gerade WEGEN den Schlüsselpersonen funktioniert die Metapher für mich NICHT. Denn die Evolution geht ja über sehr lange Zeiträume fast unmerklich vor sich. Oder willst Du behaupten, Du kannst mir den ersten Menschen nennen, der aufrecht gegangen ist??? Die Schlüsselfigur des "aufrechten Ganges"??? ;+)

      Lieber DiO,

      Da fragst Du etwas, das genau so unmöglich zu beantworten ist, wie z.b. wie groß Π ist. Oder e, bzw i.
      Jede Antwort ist falsch. Ungeachtet ob man 10, 16, 2 oder welche Zahl denn auch als Grundzahl nimmt (es gibt drei Ausnahmen). Welche Grundzahl genommen wird, ist aber arbiträr.
      Irgendwo muß man irgendwann Weiche stellen. Das Warum gerade dann ist arbiträrer als arbiträr.
      Wann nennt man ein Vogel noch ein Proto-Huhn? Ab wann ist es plötzlich ein Huhn? Die Übergänge sind fließend.

      Genauso arbiträr ist auch das nennen von den durch mich aufgelisteten Personen. Was tat der Vorgänger Monteverdis? Wie hat er ihn beeinflußt, usw. Warum wird z.B. Gluck als der große Reformer der Oper genannt. Wie steht es mit Hasse?
      Ich habe einmal gelesen, daß trotz des damaligen Verkehrswesens innerhalb eines Jahres jede "Änderung" in Stil in ganz Europa bekannt war. Wer aber baute das so in seiner Musik ein, daß es wirklich ein integrales Etwas geworden war.
      Vllt ist das ein wichtiges Kriterium, wenn nicht das wichtigste.

      Bedenk aber: welche Einteilung man auch macht, alle sind sie arbiträr.

      LG, Paul
      Wirklich schöne Musik rührt
    • musicophil schrieb:


      Da fragst Du etwas, das genau so unmöglich zu beantworten ist, wie z.b. wie groß Π ist. Oder e, bzw i.
      Jede Antwort ist falsch.


      Selbiges trifft auf die Frage zu, ob moderne klassische Musik ein Evolutionsfehler ist ... :P

      Gruß, DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Diabolus in Opera schrieb:

      musicophil schrieb:


      Da fragst Du etwas, das genau so unmöglich zu beantworten ist, wie z.b. wie groß Π ist. Oder e, bzw i.
      Jede Antwort ist falsch.


      Selbiges trifft auf die Frage zu, ob moderne klassische Musik ein Evolutionsfehler ist ... :P

      Touché.

      Aber mutatis mutandis gilt das dann auch für die Behauptung "Moderne Musik ist kein Evolutionsfehler, sondern echte Musik". :P

      LG, Paul
      Wirklich schöne Musik rührt
    • musicophil schrieb:

      Das Resultat ist aber, daß ich immer mehr Brahms Gefühle verstehen kann, der sich energisch wehrte gegen das Verlassen von (meine Interpretation) Harmonie und Melodie zugunsten experimentaler Musik (wieder meine Interpretation).

      musicophil schrieb:

      Warum ist das Suchen nach neuen Wegen erlaubt, wenn man weiter baut auf die heutigen Erkentnisse und ist es fast ein Pejorativum, wenn man ausgeht von früheren Quellen.

      Lieber Paul, du hast jetzt zwei oder drei Mal Brahms als Beispiel für einen konservativen Musiker angeführt, für einen, der "einen anderen Art" gewählt habe. Hätte Brahms aber das getan, wofür du ihn hier anführst, hätte er Musik im Stile von Bach geschrieben. Und wir sind uns doch sicher einig, dass Brahms´ Symphonien nicht mit Barockmusik zu verwechseln sind, oder?
      Dass ein Komponist die Tradition kennen sollte und sich mit ihr auseinandersetzen sollte, finde ich auch unbedingt notwendig. Das ist aber nicht gleichbedeutend damit, im Stil einer vergangenen Epoche zu schreiben!
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • musicophil schrieb:

      Übrigens wundere ich mich, daß du nichts zu sagen hast über die Bemerkung meinerseits über das Ausführen von Mozart.

      Ach ja, doch, dazu habe ich auch noch etwas zu sagen! :P Mozart war ein großer Komponist und auch wenn er schon lange tot ist, höre ich seine Musik mit großer Begeisterung und Liebe und fast täglich. Aber ist das ein Argument dafür, heute wieder so zu komponieren wie zu Mozarts Zeiten? Anders gefragt: Warum soll ich mir einen zeitgenössischen Komponisten anhören, der wie Mozart schreibt und nicht gleich Musik von Mozart? Warum soll ich mir eine Symphonie von Christian (dessen Leidenschaft und Können ich bewundere) anhören und nicht eine von Stamitz oder Wagenseil? Warum brauche ich die Kopie, wenn ich das Original haben kann? Ungefähr sagt das die Fairy auch, nur mit ein Bisschen andern Worten:

      FairyQueen schrieb:

      Ich liebe Schubert und Mozart über Alles aber jemand, der in der heutigen Zeit noch so komponiert, ist an der Evolution bzw sie an ihm vorbeigegangen. Das sei ihm unbenommen und er hat jedwedes Recht dazu, aber ich habe das Recht, Musik die zu meiner Zeit passt, viel interessanter zu finden und Mozart lieber im Original zu hôren.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Cherubino schrieb:

      musicophil schrieb:

      Das Resultat ist aber, daß ich immer mehr Brahms Gefühle verstehen kann, der sich energisch wehrte gegen das Verlassen von (meine Interpretation) Harmonie und Melodie zugunsten experimentaler Musik (wieder meine Interpretation).

      Lieber Paul, du hast jetzt zwei oder drei Mal Brahms als Beispiel für einen konservativen Musiker angeführt, für einen, der "einen anderen Art" gewählt habe. Hätte Brahms aber das getan, wofür du ihn hier anführst, hätte er Musik im Stile von Bach geschrieben. Und wir sind uns doch sicher einig, dass Brahms´ Symphonien nicht mit Barockmusik zu verwechseln sind, oder?

      Lieber Cherubino,

      Mein Beitrag wird durch Dich falsch interpretiert,
      Ich bleibe bei meinem Beispiel vom Musikbaum. Chris will zurückgehen bis wo die Äste Klassik usw entspringen. Brahms und Wagner haben verschiedene Aste auf ein höheres Niveau gewählt. Wagner hatte mehr Einfluß, Sein Ast ist darum dicker. Dafür brauchte Brahms aber nicht bis zu Bach zurückzugehen. Dann hätte vor Beethoven schon gereicht.

      Jetzt kommt aber Dein Fehler. Du hast bei Christian geschrieben über Nachahmung, Stilkopie, usw.
      Erklär mal, warum es unmöglich ist/wäre, einen eigenen Stil zu entwickeln, ausgehende von den Kriterien von Anno Damals??? Warum wäre DAS nicht originell?
      Ich weise Dich darauf, daß ICH z.B. in Christians Musik, aber auch manchmal in Ullis Musik, etwas höre/fühle, daß ich wegen mangelnder Worte einfach Seele nenne.

      LG, Paul
      Wirklich schöne Musik rührt
    • musicophil schrieb:

      Erklär mal, warum es unmöglich ist/wäre, einen eigenen Stil zu entwickeln, ausgehende von den Kriterien von Anno Damals???

      Ich habe nie behauptet, dass das unmöglich wäre. Ich glaube sogar ganz fest, dass es möglich wäre. Es müsste halt man jemand probieren.

      musicophil schrieb:

      Warum wäre DAS nicht originell?

      Ob das originell wäre oder nicht, kommt auf das Ergebnis an.

      musicophil schrieb:

      Ich weise Dich darauf, daß ICH z.B. in Christians Musik, aber auch manchmal in Ullis Musik, etwas höre/fühle, daß ich wegen mangelnder Worte einfach Seele nenne.

      Ob du in einem Musikstück Seele hörst oder nicht hat nichts damit zu tun wie originell (dein Begriff von oben!) dieses Stück ist.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • musicophil schrieb:

      Chris will zurückgehen bis wo die Äste Klassik usw entspringen. Brahms und Wagner haben verschiedene Aste auf ein höheres Niveau gewählt. Wagner hatte mehr Einfluß, Sein Ast ist darum dicker. Dafür brauchte Brahms aber nicht bis zu Bach zurückzugehen. Dann hätte vor Beethoven schon gereicht.

      Damit wir uns nicjt wieder missverstehen:
      Du schlägst vor, auf eine frühere Entwicklungsstufe der Musikgeschichte zurückzugehen (Zeitalter der Klassik) und von dort aus nach neuen Wegen zu suchen. Richtig?
      Du führst Brahms und Wagner als Beispiele für zwei gegensätzlich Wege an, Wagner für einen progressiveren, Brahms für einen konservativeren. Richtig?
      Du findest, Brahms hat das getan, was du vorschlägst, er ist auf eine frühere Entwicklungsstufe zurückgegangen und hat von dort aus einen neuen "Ast" gewählt, Wagner hat das nicht getan, sondern hat progressivere Musik geschrieben. Auch richtig?
      So, und da widerspreche ich dir: Brahms war ein Komponist, der sich intensiv mit der Tradition auseinandergesetzt und alte Kompositionen studiert hat. Aber ich bestreite, dass er je auf eine ältere Entwicklungsstufe "zurückgegangen" ist, um von dort aus einen neuen "Ast" aufzumachen. Brahms war auch ein Neutöner und schrieb Musik auf der Höhe seiner Zeit.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Cherubino schrieb:

      musicophil schrieb:

      Übrigens wundere ich mich, daß du nichts zu sagen hast über die Bemerkung meinerseits über das Ausführen von Mozart.

      Ach ja, doch, dazu habe ich auch noch etwas zu sagen! :P Mozart war ein großer Komponist und auch wenn er schon lange tot ist, höre ich seine Musik mit großer Begeisterung und Liebe und fast täglich. Aber ist das ein Argument dafür, heute wieder so zu komponieren wie zu Mozarts Zeiten? Anders gefragt: Warum soll ich mir einen zeitgenössischen Komponisten anhören, der wie Mozart schreibt und nicht gleich Musik von Mozart? Warum soll ich mir eine Symphonie von Christian (dessen Leidenschaft und Können ich bewundere) anhören und nicht eine von Stamitz oder Wagenseil? Warum brauche ich die Kopie, wenn ich das Original haben kann?

      Lieber Cherubino,

      Auch hier wird also dasselbe Urteil gefasst: es ist eine Stilkopie!!.

      Genau DAS bestreite ich. Wenn einer eigene, originale Musik komponiert, zwar geprägt durch Regeln aus einer anderen Zeit, aber deutlich anders als alles, was damals geschrieben wurde, dann sollte man nicht zu schnel reden über eine Stilkopie. Nein, dann müßte man abwarten, wie die Musik von über ein, zwei Jahre klingen wird. Ist sie auch noch eine "Stilkopie"? Gibt es Elemente, die deutlich andere "Gesetze" folgen, als damals galten?
      Aber nicht Christian ist hier das Thema, sondern die Tatsache, daß es offenbar eine Todsünde ist "abweichend" zu komponieren.

      Was ist das Kriterium für (echte) Musik? M.E. kann da nur ein Faktor zählen: das Erklingen einer Saite bei (einem) Menschen. Etwas rühren lassen.
      Je mehr man Richtung 2012 geht, je weniger Menschen insgesamt neue "klassische" Kompositionen schön finden. Technisch, ja, da gibt es viel mehr Leute die das behaupten.
      Ich habe ein viel einfacheres Beurteilungskriterium: ist die Musik bzw sind große Teile davon sofort reproduzierbar? Um es grob zu sagen "Könnte derartige Musik vllt etwas von Ohrwürmern bei Menschen entwickeln lassen"?
      Wenn nein, dann hat die Musik ihre Botschaft verfehlt. Sie ist dann nicht mehr eine Mitteilung, die Menschen hören. Nein, sie steht auf sich. Man kann sie bewundern, aber die Bedeutung der Komposition, Menschen was zu sagen, gibt es nicht.

      Ich könnte ein Buch schreiben in der Orthographie von 1700. Trotzdem versteht jeder was ich sagen wollte.
      Weil bei Musik aber Buchstaben fehlen, muß man andere Regeln haben. Und da, fürchte ich, ist man nicht weit entfernt von dem Punkt, daß die Regeln entweder verlassen werden, oder das man sich steril daran hält,. Die Konsequenz vom Letzten wäre, daß es keine Freiheit zum Schöpfen mehr gäbe.

      Ich weiß nicht, was schlechter ist: totale geistige Anarchie oder geistige Diktatur.

      LG, Paul
      Wirklich schöne Musik rührt
    • Cherubino schrieb:

      musicophil schrieb:

      Chris will zurückgehen bis wo die Äste Klassik usw entspringen. Brahms und Wagner haben verschiedene Aste auf ein höheres Niveau gewählt. Wagner hatte mehr Einfluß, Sein Ast ist darum dicker. Dafür brauchte Brahms aber nicht bis zu Bach zurückzugehen. Dann hätte vor Beethoven schon gereicht.

      Damit wir uns nicjt wieder missverstehen:
      Du schlägst vor, auf eine frühere Entwicklungsstufe der Musikgeschichte zurückzugehen (Zeitalter der Klassik) und von dort aus nach neuen Wegen zu suchen. Richtig?
      Du führst Brahms und Wagner als Beispiele für zwei gegensätzlich Wege an, Wagner für einen progressiveren, Brahms für einen konservativeren. Richtig?
      Du findest, Brahms hat das getan, was du vorschlägst, er ist auf eine frühere Entwicklungsstufe zurückgegangen und hat von dort aus einen neuen "Ast" gewählt, Wagner hat das nicht getan, sondern hat progressivere Musik geschrieben. Auch richtig?
      So, und da widerspreche ich dir: Brahms war ein Komponist, der sich intensiv mit der Tradition auseinandergesetzt und alte Kompositionen studiert hat. Aber ich bestreite, dass er je auf eine ältere Entwicklungsstufe "zurückgegangen" ist, um von dort aus einen neuen "Ast" aufzumachen. Brahms war auch ein Neutöner und schrieb Musik auf der Höhe seiner Zeit.

      Du hast meine Mitteilung größtenteils gut verstanden. Beide, Wagner und Brahms, komponierten Musik. Die dennoch ganz verschieden ist. Wagner lehne ich ab; Brahms nicht.
      Jetzt die Frage, warum der eine etwas für mich hat, der andere aber absolut nicht.

      Wohlan, bei meinem Beispiel bleibend, beiden kletterten im Musikbaum immer höher und höher. Ast Barock, Mannheimer, Klassik, Früh Romantik waren sie schon passiert. Und dann kam ein Moment, wo sich ihr Weg trennte. Z.B. ging Brahms nach links und Wagner nach rechts. Brahms wählte eine Richtung, wo Melodie und Harmonie wichtiger waren als ääh Imponieren (excusez le mot). Wohlan, jeder muß auf seine eigene Fasson selig werden.
      Darum muß ich noch nicht finden, daß Musik, die mir gefällt, eine Stilkopie einer von mir bevorzugten Zeitalter ist.
      Ich mag Klaviermusik von Chaminade (Prägung zu Hause :D ). Darum schrieb sie noch nicht Musik, die eine Stilkopie ist und mir darum gefällt.

      Es scheint mir, daß Musik, die ich bewundere, D.E. eine Stilkopie sein muß oder ist. Das ist ein Irrtum.

      LG, Paul
      Wirklich schöne Musik rührt
    • Na ja, meines Erachtens ist die Sache einfach. Musicophil, du hast in deiner Signatur stehen: "Wirklich schöne Musik rührt." Von Mozart rührt mich so gut wie nichts, aber es gibt Sachen von Schönberg, da könnte ich heulen... "http://www.youtube.com/watch?v=9rGUov3Adlk"

      Trotzdem sage ich nicht, dass Mozart ein Evolutionsfehler war. :) Wieso möchtest du verallgemeinern und sagen, dass moderne klassische Musik schlecht ist, nur weil sie dich persönlich nicht rührt?

      "musicophil" schrieb:

      Ich habe ein viel einfacheres Beurteilungskriterium: ist die Musik bzw sind große Teile davon sofort reproduzierbar? Um es grob zu sagen "Könnte derartige Musik vllt etwas von Ohrwürmern bei Menschen entwickeln lassen"?
      Wenn nein, dann hat die Musik ihre Botschaft verfehlt.
      ô_O Das sehe ich vollkommen anders. Popsongs von Rihanna sind auch sofort reproduzierbar/ohrwurmtauglich. Sind sie deswegen gute Musik? Oder andersherum: Hast du schonmal jemanden Beethovens Große Fuge pfeifen hören?

      Liebe Grüße,
      Philipp :wink:
    • musicophil schrieb:

      [ Z.B. ging Brahms nach links und Wagner nach rechts. Brahms wählte eine Richtung, wo Melodie und Harmonie wichtiger waren als ääh Imponieren (excusez le mot).
      LG, Paul


      Wie? Was? Willst Du damit sagen, dass Harmonik bei Wagner nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat??? 8o Das kann nicht Dein Ernst sein ...

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Melione schrieb:

      Na ja, meines Erachtens ist die Sache einfach. Musicophil, du hast in deiner Signatur stehen: "Wirklich schöne Musik rührt." Von Mozart rührt mich so gut wie nichts, aber es gibt Sachen von Schönberg, da könnte ich heulen... "http://www.youtube.com/watch?v=9rGUov3Adlk"

      Trotzdem sage ich nicht, dass Mozart ein Evolutionsfehler war. :) Wieso möchtest du verallgemeinern und sagen, dass moderne klassische Musik schlecht ist, nur weil sie dich persönlich nicht rührt?


      Das sehe ich ähnlich. Wobei ich von Mozart schon ein paar Sachen sehr gerne mag ... ;+)

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Melione schrieb:

      Von Mozart rührt mich so gut wie nichts... Trotzdem sage ich nicht, dass Mozart ein Evolutionsfehler war.

      So gut wie nichts ist nicht gleich nichts.

      Melione schrieb:

      Popsongs von Rihanna sind auch sofort reproduzierbar/ohrwurmtauglich. Sind sie deswegen gute Musik? Oder andersherum: Hast du schonmal jemanden Beethovens Große Fuge pfeifen hören?

      Ich kenne jene Popsongs nicht, kann also nicht darüber urteilen.

      Was Beethoven betrifft: meine Eltern riefen uns Kinder weil sie den ersten sechs Noten von Cesar Francks Violinsonate in (Satz 4) pfiffen. Jenen Satz habe ich auch noch nie hören pfeiffen.


      Was Mozart betrifft, der kannte ein schönes Wort "Notenschmierer". Er fand A. und C. Stamitz waren das. Ich persönlich würde eher Kozeluch so genannt haben. Na ja, never mind.
      Was ich damit sagen will, ist das es (vermutlich) immer Komponisten gab, derer Musik offensichtlich eher geschrieben wurde des Geldes wegen, als um eine Botschaft zu vermitteln. Billige Effekthascherei.
      Es könnte sein, daß mehrere Popkünstler dieses Kriterium erfüllen. Ich weiß es nicht, kann und werde nicht darüber urteilen. Das ist für mich terra incognita. Sorry.

      LG, Paul
      Wirklich schöne Musik rührt
    • Diabolus in Opera schrieb:

      [Wie? Was? Willst Du damit sagen, dass Harmonik bei Wagner nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat??? 8o Das kann nicht Dein Ernst sein ...

      :D :D

      Nee, natürlich will ich DAS nicht sagen, wie sehr ich auch Wagner verabscheue. :hide:
      Wagner schuf aber Musik, die teils AUCH eindrucksvoll sein sollte. Das spürte ich nicht bei Brahms.



      Was habt ihr alle gegen mich??? :P
      Da wird hineininterpretiert, Sätze oder Worte werden falsch verstanden,... usw. :D

      Na ja, im Namen der Musik bringe ich dieses Opfer. :mlol:

      ;+)
      Wirklich schöne Musik rührt
    • musicophil schrieb:


      Was ich damit sagen will, ist das es (vermutlich) immer Komponisten gab, derer Musik offensichtlich eher geschrieben wurde des Geldes wegen, als um eine Botschaft zu vermitteln. Billige Effekthascherei.

      Und das trifft also deines Empfindens mehr auf den meist bettelarmen und unpopulären Schoenberg zu als auf den über 600 Opera schweren Mozart? Sind Dominantseptakkorde weniger Effekthascherei als 11-Ton-Akkorde?

      (Ich sage nicht, dass Mozart wegen des Geldes schrieb, keine Botschaft hatte und Effekthascher war; ich sage nur, dass ich nicht ganz verstehe, worauf die hinaus möchtest.)
    • Übrigens, Philip, ich kann mich nicht erinnern das Wort "schlecht" benützt zu haben als Qualifikation. Denn dafür ist zu viel technische knowhow darin gesteckt.

      Wenn das also doch der Fall wäre, dann erkläre ich hier ausdrücklich, daß das nicht so gemeint war.
      Wirklich schöne Musik rührt