Kirill Petrenko - Der König Midas unter den Dirigenten?

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    • Zwielicht schrieb:

      Petrenko hat heute seinen Vertrag als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker ab 2019 unterzeichnet. Auch die neue Intendantin der Philharmoniker, Andrea Zietzschmann, hat unterschrieben. Sie tritt schon 2017 an. Auf der dazugehörigen Pressekonferenz hat Petrenko auch zum erstenmal nach längerer Zeit wieder Fragen von Journalisten beantwortet.
      Da kann ich nur hoffen das der schnell wieder den Abflug macht. :thumbdown:
      Die Kunst zu wissen, wann man das Orchester nicht stören soll.
      Herbert von Karajan (1908-1989)
    • Dirigent schrieb:

      Zwielicht schrieb:

      Petrenko hat heute seinen Vertrag als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker ab 2019 unterzeichnet. Auch die neue Intendantin der Philharmoniker, Andrea Zietzschmann, hat unterschrieben. Sie tritt schon 2017 an. Auf der dazugehörigen Pressekonferenz hat Petrenko auch zum erstenmal nach längerer Zeit wieder Fragen von Journalisten beantwortet.
      Da kann ich nur hoffen das der schnell wieder den Abflug macht. :thumbdown:
      Kommt dieses Statement vom Herbie aus der Gruft !?

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • palestrina schrieb:

      Kommt dieses Statement vom Herbie aus der Gruft !?
      Keine Ahnung was Herbert darüber denkt, Ich kann den Kerl nicht ausstehen, milde ausgedrückt. Ich werde unter seinem Dirigat die Philharmonie nicht besuchen. Die Digital Concert Hall werde ich ab 2018 nicht mehr aktivieren.
      Die Kunst zu wissen, wann man das Orchester nicht stören soll.
      Herbert von Karajan (1908-1989)
    • Dirigent schrieb:

      palestrina schrieb:

      Kommt dieses Statement vom Herbie aus der Gruft !?
      Keine Ahnung was Herbert darüber denkt, Ich kann den Kerl nicht ausstehen, milde ausgedrückt. Ich werde unter seinem Dirigat die Philharmonie nicht besuchen. Die Digital Concert Hall werde ich ab 2018 nicht mehr aktivieren.
      Ich nehm den Platz...
      Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)
    • Ich verstehe nicht so recht, was an ihm so schlimm sein soll. Offensichtlich bekommt man in Berlin einen äußerst akribischen Dirigenten, der seine Musikerkollegen durch genaue Arbeit und Einfühlungsvermögen zu führen versteht. Schlechte Aufführungen scheint es unter ihm nicht zu geben, im Gegenteil. Die wenigen Sachen, die ich von ihm habe, gefallen mir sehr gut. Er mag sich bis jetzt eher auf die Außenseiter fixiert haben, aber das kann so schlecht nicht sein.

      Ich bin mir sicher, dass man sich in Berlin was bei dieser Entscheidung gedacht hat. Dort sitzen ja keine 120 Blödmänner und Frauen im Orchester, sondern hochqualifizierte Musiker und Solisten, die aus allen Teilen der Welt kommen.

      Das Thema ist ja bereits an anderer Stelle ausgiebig durchgekaut worden. Lasst ihn doch erst mal in Berlin ankommen. Es steht natürlich jedem Menschen frei, ob er die Konzerte besuchen möchte oder nicht. Auch steht es jedem Menschen frei, ob er sich für die Digitalen Seiten anmeldet oder nicht.

      Sympathie ist eine Seite (ich kann es HIER nicht wirklich nachvollziehen, weil mir Herr Petrenko noch mit keiner Aussage negativ aufgefallen ist. Schließlich ist er recht pressescheu, was ich aber nachvollziehen kann), die absolut NICHTS mit einer fachlichen Qualifikation zu tun hat. Ich mag auch unseren Bundestrainer Löw überhaupt nicht, doch seine Erfolge geben ihm recht. Das muss man am Ende anerkennen, auch wenn man die Person nicht mag.

      Ich erhoffe mir für das Orchester, dass es wieder raus dem Alltag gerissen wird. Er wird intern sicher einige Dinge ansprechen und ändern, davon bin ich überzeugt. Das wird vermutlich zwei Jahre dauern, dann sollte man schauen was daraus geworden ist. An der musikalischen Qualität kann es nicht liegen, dass das Orchester vielleicht ein wenig routiniert rüberkommt, eher an der Arbeit mit dem Orchester. Doch das können am Ende nur Insider wirklich sagen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Er mag sich bis jetzt eher auf die Außenseiter fixiert haben, aber das kann so schlecht nicht sein.

      Ist das wirklich so, oder ist das nur der Eindruck, den wir durch seine spärlichen CD-Aufnahmen haben?

      Ich habe mir mal den Spielplan der Bayerischen Staatsoper für die laufende Saison angesehen, und außer der neuen Oper "South Pole" von Miroslav Srnka, einem Auftragswerk des Hauses, dirigiert Petrenko da mE absolute Standardwerke: Lady Macbeth von Mzensk, Fledermaus, Rosenkavalier, Tannhäuser. In den von ihm geleiteten Akademiekonzerten kommt immerhin ein Klavierkonzert von Medtner, ansonsten auch "Standards": Strauss, Tschaikowsky, Rachmaninoff, Mahler, abgesehen allerhöchstens von Ligetis "Lontano", wobei das wohl auch ein "moderner Klassiker" ist.
      Was er in früheren Spielzeiten da und andernorts aufgeführt hat, weiß ich jetzt nicht. Ich glaube aber nicht recht, daß diese eine Saison ein völliges Umschwenken in seinem Repertoire ist. Und ich vermute auch einmal, die Berliner Philharmoniker hätten einen weitgehenden Nischenrepertoire-Spezialisten eher nicht gewählt.

      :wink:
    • Ich habe früher im Thread schon ausführlicher über Petrenkos Konzertrepertoire geschrieben. Kurz zusammengefasst: da ist einiges an weniger gespielten Werken und einiges an "Standardrepertoire" dabei, aber große Teile des gängigen Konzertrepertoires hat er noch nie dirigiert (z.B. die meisten Beethovensinfonien, alle Brucknersinfonien bis auf eine etc.).

      Sein Opernrepertoire reicht von Mozart bis zur zeitgenössischen Oper, aber mit deutlichen Schwerpunkten: Wagner, Strauss, russisches Repertoire, klassische Moderne (z.B. Schönberg, Berg, Janácek, Britten), auch Mozart, wenig italienische (in München nur Tosca) und kaum französische Oper.

      Auf der Pressekonferenz in Berlin hat Petrenko deutlich gemacht, dass er zwar ein breites Repertoire dirigieren wolle, aber nicht jede Repertoirelücke füllen müsse. Er werde vor allem die Musik dirigieren, die ihm "auf dem Herzen brennt". Dieses Statement kann man übrigens hier nachhören: Pressekonferenz mit Kirill Petrenko, Berlin, 6.10.16 (zitierte Passagen ca. ab Minute 6:16)


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • EK_BT schrieb:

      Ist das wirklich so, oder ist das nur der Eindruck, den wir durch seine spärlichen CD-Aufnahmen haben?
      Ich würde es nicht als Nachteil ansehen. Ja, es mag sein, dass das der Eindruck ist, den man durch die Einspielungen gewonnen hat. Was er an der Oper dirigiert, weiß ich nicht, aber das wird ja nicht das Feld sein, was er in Berlin beackern wird.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Was er an der Oper dirigiert, weiß ich nicht, aber das wird ja nicht das Feld sein, was er in Berlin beackern wird.
      Die Berliner Philharmoniker spielen seit Jahrzehnten eine Oper pro Spielzeit in einer szenischen Produktion (früher bei den Salzburger Osterfestspielen, seit wenigen Jahren in Baden-Baden), die fast immer auch in der Berliner Philharmonie konzertant gegeben wird. Dazu kommt in manchen Spielzeiten (wie z.B. in der laufenden) eine weitere konzertante Opernproduktion.

      Man kann alle zugänglichen Informationen über Petrenkos Repertoire übrigens auch in diesem Thread nachlesen, aber ich weiß: Schreiben ist seliger denn Lesen (erstes Forengesetz).


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Ich habe früher im Thread schon ausführlicher über Petrenkos Konzertrepertoire geschrieben. Kurz zusammengefasst: da ist einiges an weniger gespielten Werken und einiges an "Standardrepertoire" dabei, aber große Teile des gängigen Konzertrepertoires hat er noch nie dirigiert (z.B. die meisten Beethovensinfonien, alle Brucknersinfonien bis auf eine etc.).

      Hm, liegt das notwendig an Präferenzen, wie bei Bruckner angesprochen, oder auch banal an den Gelegenheiten? Seine festen Posten waren doch bisher alle an Opernhäusern? Zu Konzertauftritten sagt z.B. seine "offizielle" Kurzbiographie auf der Homepage der Bayerischen Staatsoper zwar stolz "wo" (also bei welchen namhaften Orchestern) aber nicht wieviel. Ich bin keineswegs ein Insider des Musikbetriebs, aber ich nehme mal naiv an, daß ein Operndirigent anteilsmäßig weniger Symphonik in einer Spielzeit macht als ein Dirigent eines Symphonieorchesters.
      Aus dem von Dir wiedergegebenen meine ich zwar deutliche Präferenzen zu ersehen, auch abseits des gängigen, aber keine (pardon, Maurice, falls ich mich auf den Begriff einzuschießen scheine) "Außenseiter-Fixiertheit". Ich wollte Petrenko auch kein "Allesdirigieren" zuschreiben, nur, daß er nicht pauschal Standardrepertoire meidet. Beethoven-Symphonien mag man sicher als auffallende Lücke empfinden, aber etwa bei Bruckner kann man das mM schon anders sehen.
      Da wäre auch vielleicht die Frage, wie man Standardrepertoire, gängiges Repertoire und Nischen-/"Außenseiter"-Repertoire jeweils abgrenzt. Ist z.B. Zemlinskys "Lyrische Symphonie" noch in der Nische oder schon "gängig", wenn auch nicht "Standard"? Das wäre aber wohl andernthreads zu diskutieren.

      Maurice schrieb:

      Was er an der Oper dirigiert, weiß ich nicht, aber das wird ja nicht das Feld sein, was er in Berlin beackern wird.

      Es könnte aber eventuell Vermutungen begründen. Wer in der Oper Schostakowitsch und Strauss "macht", ist denen vielleicht auch im Konzertsaal nicht ganz abgeneigt.

      :wink:
    • Zwielicht schrieb:

      Die Berliner Philharmoniker spielen seit Jahrzehnten eine Oper pro Spielzeit in einer szenischen Produktion (früher bei den Salzburger Osterfestspielen, seit wenigen Jahren in Baden-Baden), die fast immer auch in der Berliner Philharmonie konzertant gegeben wird. Dazu kommt in manchen Spielzeiten (wie z.B. in der laufenden) eine weitere konzertante Opernproduktion.
      Weiß ich,danke. Doch deshalb werden die Berliner jetzt nicht gerade ihr Kerngeschäft tauschen.



      Der letzte Teil dieses Beitrags wurde wieder versplittert. Solche persönlichen Angriffe gehen gar nicht. Die Versplitterung nimmt in diesem Forum übrigens die Moderation vor - in diesem Fall komplett ohne Rücksprache mit dem Vorstand. Nur damit hier keine falschen Ideen aufkommen. Jetzt bitte wieder über Petrenko diskutieren.


      Für die Moderation: Mela
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • EK_BT schrieb:

      Hm, liegt das notwendig an Präferenzen, wie bei Bruckner angesprochen, oder auch banal an den Gelegenheiten? Seine festen Posten waren doch bisher alle an Opernhäusern? Zu Konzertauftritten sagt z.B. seine "offizielle" Kurzbiographie auf der Homepage der Bayerischen Staatsoper zwar stolz "wo" (also bei welchen namhaften Orchestern) aber nicht wieviel. Ich bin keineswegs ein Insider des Musikbetriebs, aber ich nehme mal naiv an, daß ein Operndirigent anteilsmäßig weniger Symphonik in einer Spielzeit macht als ein Dirigent eines Symphonieorchesters.
      Schwer zu sagen. Bei Bruckner und auch bezüglich französischer Oper (hier wohl auch wegen der Sprachbarriere) hat es explizite Aussagen Petrenkos gegeben, dass ihm diese Musik zur Zeit nicht so am Herzen liegt. Zur Barockmusik, dass er Scheu vor den aufführungspraktischen Problemen habe (sinngemäß). Für Beethoven gilt das alles sicher nicht, trotzdem hat er bisher m.W. nur das dritte Klavierkonzert und die Pastorale dirigiert (beides allerdings mehrfach).

      Klar hat Petrenko, mit Ausnahme des Zeitraums von Mitte 2007 bis Mitte 2013, immer fest an Opernhäusern gearbeitet und somit weniger Zeit für Konzerte gehabt. Trotzdem ist in seiner jetzt schon 20 Jahre währenden Dirigierpraxis eine erkleckliche Anzahl an Konzerten zusammengekommen. Allerdings gehört zu Petrenkos Arbeitsweise, soweit diese zu eruieren ist, eine sehr lange Vorbereitungszeit für neu einzustudierende Werke und ein fast manischer Verbesserungsdrang, der ihn an den einmal einstudierten Stücken immer weiterarbeiten lässt, so dass sie mehrfach auf dem Programmen erscheinen.

      Zudem ist Petrenko, spätestens seit seinem Weggang von der Komischen Oper Berlin (2007), jemand, der vergleichsweise wenige Auftritte absolviert. Seitdem er in München ist (2013): Pro Spielzeit knapp 30 Opernaufführungen ausschließlich in München sowie drei bis vier Konzertprogramme in München. Nur zwei bis vier Auftritte mit Konzertrepertoire bei Gastorchestern, wobei sich diese Konzertprogramme mit den Münchnern häufig überschneiden. Auf diese Weise kommt nicht übermäßig viel Repertoire zusammen.

      Trotzdem ist Petrenko natürlich frei in seiner Programmgestaltung, bei den Münchner Akademiekonzerten ohnehin, inzwischen wohl auch bei allen Gastorchestern. Er könnte also Beethoven- und Brahms-Sinfonien aufs Programm setzen, wenn er wollte. Macht er aber nicht (Beethovens Sechste gab's immerhin letztes Jahr mit dem Israel Philharmonic, Brahms' Vierte vor vielen Jahren mit dem Orchester der Komischen Oper).

      Zu der Frage nach den in seiner Biographie genannten Gastorchestern, die Petrenko dirigiert hat: bei den meisten hat er m.W. nur ein- bis dreimal gastiert. Das Concertgebouw-Orchester leitet er nächstes Jahr zum zweitenmal, bei den Wiener Philharmonikern hat er erst im diesjährigen Frühling debütiert. Da sind die bisher drei Konzertprogramme bei den Berliner Philharmonikern fast schon zahlreich zu nennen - das vierte kommt ja dann im März nächsten Jahres.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Hallo Retro,

      so ein paar Gedanken mache ich mir ob der Aussage Anti-Karajan schon (ich sehe, z.B. der DLF hat auch diesen Begriff verwendet). Ich denke, diesen Titel haben ziemlich viele Dirigenten schon bekommen (mindestens über Harnoncourt und Boulez habe ich das auch schon irgendwo gelesen), ob einer von denen darüber mehr getan hat als zu lachen, bleibt dahin gestellt. Ich bin wahrlich kein Karajan-Gläubiger, aber den Anifer, wie die Kürze Deiner Antwort den Anschein macht, auf seine Eitelkeit zu reduzieren, scheint mir dann auch nicht so hilfreich zu sein.

      Was mir, der ich dank günstigen Wohnorts zuletzt recht oft die Gelegenheit hatte, Petrenko live zu erleben, auf jeden Fall auffällt, ist seine Begeisterung für jedes Stück, das gerade auf dem Pult liegt. Grundlage dafür scheint mir eine Penibilität der Auseinandersetzung sein, die ein HvK vermutlich als nicht nötig angesehen hat. Und dass er dann eben mal Medtner 2. Klavierkonzert macht (und nicht gleich alle drei oder am besten ein oder zwei der Beethoven'schen), wie beim nächsten Münchner Akademiekonzert in gut vier Wochen, spricht doch vor allem dafür, dass er sich nicht auf irgendwelche Kanons und Boxen festlegen lassen will.

      Ich kann daran nichts Verwerfliches erkennen, dem einzelnen Musikerlebnis (als Musiker wie als Zuhörender) mehr Gewicht beilegen zu wollen. Ich habe einfach viel zu viele überragende Musikerlebnisse mit ihm erlebt, als dass ich ihm nicht zustimmen mag, dass das für ihn richtig ist. Und ich finde es angesichts der irrsinnigen Menge an Beethoven-, Bruckner-, Brahms-, Mahler-, was auch immer -CD-Zyklen vor allem gut, wenn man diese Konsumierbarkeit als ausübender Musiker nicht anstrebt. Es könnte sein, dass ich in einem Forum damit die Minderheit darstelle, in dem es Mitglieder zu geben scheint, denen es ausreicht, möglichst viele CD's ohne weitere Angaben unter gerade gehört zu posten.

      Ich finde seine Aneignungen immer sehr gelungen und überzeugend, ich benötige keine neue Referenzaufnahme, weil ich den Begriff einfach verkürzend finde. Klassische Musik lebt in meinen Ohren davon, im Moment überzeugend lebendig zu werden, nicht davon, auf möglichst vielen Silberscheiben beerdigt zu sein.

      Und gerade in München haben die Orchester doch einige Erfahrungen mit Dirigenten, die nicht danach gestrebt haben, ständig und überall (z.B. mit Tonträgern aller Symphonien von xyz) präsent zu sein: Sergiu Celibidache und Carlos Kleiber. Die damit nicht den schlechtesten Ruf als Dirigenten haben. Petrenko scheint nicht darauf zu warten, bis der Kühlschrank leer ist, um wieder Dirigieraufgaben zu übernehmen, wie ein berühmtes, HvK zugeschobenes Bonmot über Carlos Kleiber lautet. Niemand wird dazu gezwungen das gut zu finden, aber bei Orchestermusikern ist er offensichtlich sehr beliebt mit dieser Herangehensweise.

      Natürlich ist eine Auseinandersetzung eines Dirigenten mit einem Orchester und zum Beispiel allen Neun Symphonien Bruckners, wie das Barenboim und die Staatskapelle Berlin in diesen Tagen in New York zelebrieren, toll. Aber es ist halt nicht die Herangehensweise von Petrenko. Und ich mag diese bisher in allem, mit dem ich ihn gehört habe. Jeder Jeck ist anders, das gilt für HvK wie für KP.

      Gruß Benno