Kirill Petrenko - Der König Midas unter den Dirigenten?

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    • Peter Jott schrieb:

      aber weiß jemand, warum sie die Schlussworte der Geschwitz nicht gesungen hat?
      Kann mein Brägen lediglich drüber zocken.. ?( . .. möglicherweise um Orchesterpart bzw. „rein“ Sinfonisches vor allem von den Streichern dabei zu unterstreichen ?( .. auf alle Fälle schon mal Grund, dass König-Midas-Lulu-Suite-Aufnahme festen Platz im Bergsteiger-Stammkader besetzt....

      Ohne „Lulu! Mein Engel! Laß dich noch einmal sehn! Ich bin dir nah! Bleibe dir nah! In Ewigkeit!“ kommt momentan meinen Löffeln emotional noch intensiver rüber, wie Bergs Lulu-Mucke am Ende abkackt… -> Kontrast-brutalst zum 4. Satz von Beethovens 9.....

      Viele andere Lulu-Mitschnitte meiner tollen Sammlung klangschärfer, härter und direkter als Berliner unter K. Petrenko. Meine Lauscherchen sind dabei sich mit empfindsamer, aber cool verästelten Wiedergabe vertraut zu machen.
      (dazu Analogie: etwa so wie Lyrische Suite mit Emerson feinst rüberkommt, im Verhältnis zu anderen Saitenquäler-Promi-Teams)

      Nebenbei: zieht euch dagegen bei Gelegenheit mal das Ende (2-Akt-Version) aus HSV-Town rein.
      Da scheint die Chose wie Edgar-Wallace-Film aus den 60zigern aufgemotzt :thumbup: , so dass es (unfreiwillig?) komisch rüberkommt; doch auch diese Variante passt mir gleichermaßen zu Bergs Lulu:
      youtube.com/watch?v=SByUjtRkM_s
      02:03:48
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • In den letzten Tagen habe ich in der DCH zweimal die Neunte aus der Berliner Philharmonie in der DCH gehört und gesehen. Ich finde sie sehr gut, viele Details sind sehr schön und transparent herausgearbeitet. Auch den Schlusschor finde ich ausgezeichnet. Allein in der Durchführung des ersten Satzes hätte ich mir noch ein Epsilon mehr Spannung gewünscht.

      Sehr interessant ist auch das zugehörige Interview mit K. Petrenko. Der Mann hat wirklich einen Plan von dem, was er da tut. Und das tut er offenbar außerordentlich gut. Ich bin inzwischen sehr froh, dass er nun der dortige Chef ist.

      Mir ist auch wieder mal klar geworden, wie gut Beethovens Neunte eigentlich ist. Unter den Sinfonien Beethovens rangiert sie bei mir wohl an erster Stelle. Es ist eines dieser Musikwerke, die weit über die Musik hinausgehen. Beethoven hat hier wohl seine Weltsicht vertont, und dies sehr eindringlich. Auch Petrenkos Deutung des Adagio als "verlorenes Paradies" finde ich wirklich sehr treffend. Auch rein musikalisch, sind das sehr viele reizvolle und komplizierte Stellen etwa für die Holzbläser. Eigentlich alles fast schon "mahlersch".

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • Das Faszinosum Kirill Petrenko kann man in diesem von den Berliner Philharmonikern produzierten Film sehr gut nachempfinden:
      youtube.com/watch?v=jnKhE5ij1G…CFKpA48mwKNUOevMOCsVzTIu0

      music lover schrieb:

      Bei der Tschaikowsky-Sinfonie gab es aber einen Moment, an welchem sich bei mir der Schalter von einem eher unzufriedenen zu einem begeisterten Zuhörer umlegte. Das war die hier fast schon bis hinein ins Unhörbare gespielte Fagott-Passage am Ende der Exposition des Kopfsatzes (laut Wikipedia ist dort ein sechsfaches Piano notiert), der der plötzliche Tuttischlag zu Beginn der Durchführung folgt (laut Wikipedia Takt 161). Das geriet in dieser Aufführung so beeindruckend, wie ich es bisher noch nie erlebt habe. Und mit welcher meisterhaften Präzision und Wucht aus dem Nichts heraus wurde dieser Tuttischlag ausgeführt!! Von nun an gab es kein Halten mehr. Petrenko (...) peitschte die Durchführung wie ein Berserker voran, das Orchester lieferte Präzisionsspiel vom Allerfeinsten ab. "Na bitte: geht doch!", dachte ich mir
      Exakt mit diesem Tuttischlag beginnt der erste musikalische Beitrag Petrenkos in diesem Film. Das, was mich damals im Saal von den Socken gehauen hat, wird in diesem Film zum Glück als exemplarische Musterleistung für die Genialität Petrenkos präsentiert.

      Aus den Interviews mit den Orchestermusikern wird deutlich, dass diese ihn geradezu anbeten. Seht Euch bitte dieses Video an!

      Petrenko äußert sich in dem Film sogar kurz selbst (obwohl es immer heißt, er gebe keine Interviews).
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)