Capriccio-Presseschau

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • So zugespitzt finde ich das nicht. Die Kernpunkte stimmen ja: sogenanntes Kernrepertoire gefiel oft nicht, Marke neu definiert, Orchester zugänglicher gemacht, viele Projekte. Nur neu sind diese Erkenntnisse nicht.

      Warum aber ausgerechnet Petrenko die Philharmoniker wieder zu ihren Wurzeln führen soll, erschließt sich mir nicht, vor allem dann, wenn man wie der Kommentator das offensichtlich am Repertoire und am Nicht-Mätzchen-Machen festmacht. Nein, ein Rhythms is it wirds mit dem Neuen wohl nicht so schnell geben. Ja, Petrenko probt gerne und intensiv und feilt am Klang. Nur werden die Schumann-, Brahms-, Beethoven- und Bruckner-Zyklen unter ihm auch keine fröhlichen Urständ feiern.
      Muss ja alles auch nicht sein, nur Petrenko jetzt als den hinzustlelen, unter dem alles wieder wie früher wird, find ich daneben. Da würde der neue Chef Thielemann, Jansons oder Nelsons heißen
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • Naja, nehmen wir z.B. einen Satz wie den folgenden:

      "Statt der unendlichen Differenzierung unter Karajan und Abbado wurden nun immer öfter Lautstärkerekorde aufgestellt, ohne dass sich ein interpretatorischer Mehrwert ergab."

      Ich finde, so eine Aussage ist einfach sehr pauschal und wird einer Ära von 16 Jahren nicht gerecht. Auch bei Karajan und Abbado war nicht alles unendlich differenziert, und dass Rattle grundsätzlich immer lauter hat spielen lassen, würde ich auch nicht unterschreiben.
    • V.a. ebnet es auch die Unterschiede zwischen Karajan und Abbado ein. Ich habe das Orchester nur ein- oder zweimal live gehört und lange nach Karajan. Aber mein Eindruck ist, dass es schon unter Abbado flexibler geworden ist als vorher. Was natürlich auch daran liegen kann, dass Karajan (zumindest auf Platte) eben fast immer nach Karajan klingt, egal welcher Komponist: ansatzlose Übergänge, ein breiter Klangstrom.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Ich kann u. a. mit der Aussage

      Uwe Friedrich (DLF) schrieb:

      Während Musik in England als luxuriöses Hobby einer maßlos reichen Leisure Class gilt, vor allem der Unterhaltung dient und nicht recht ernst genommen wird, hängt der deutsche Kulturbürger an Bach, Beethoven, Brahms und misst die Kulturverwalter an dem, was schon immer so war und bitteschön auch so bleiben soll.
      nichts anfangen. Wenn der erste Halbsatz (bezogen auf England) stimmen sollte, dann ist m. E. der zweite Halbsatz (bezogen auf Deutschland) falsch, da ich diese großen Unterschiede nicht erkennen kann.


      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • maticus schrieb:

      Ich kann u. a. mit der Aussage

      Uwe Friedrich (DLF) schrieb:

      Während Musik in England als luxuriöses Hobby einer maßlos reichen Leisure Class gilt, vor allem der Unterhaltung dient und nicht recht ernst genommen wird, hängt der deutsche Kulturbürger an Bach, Beethoven, Brahms und misst die Kulturverwalter an dem, was schon immer so war und bitteschön auch so bleiben soll.
      nichts anfangen. Wenn der erste Halbsatz (bezogen auf England) stimmen sollte, dann ist m. E. der zweite Halbsatz (bezogen auf Deutschland) falsch, da ich diese großen Unterschiede nicht erkennen kann.

      Ich kann mit dieser Aussage durchaus etwas anfangen: sie ist kompletter Unfug! Ich wüsste gerne, auf welche Quellen und Erfahrungen sich der Autor beruft. Auf die Prom-Konzerte, in die arbeitende Menschen in Alltagskleidung gehen?

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Naja die Prom-Konzerte können wohl schwer als repräsentativ gelten, wie überhaupt Megastädte selten auf den Rest des Landes schließen lassen.

      Ich habe Konzerte in Liverpool mehrfach erlebt. Im Vergleich ist der Altersschnitt sicher höher und mehr typisches "man geht halt ins Konzert"-Publikum. Dass es mehr ein Hobby der upper class ist, wäre mir aber auch nicht aufgefallen. Die Aussage ist zweifellos überspitzt.

      Der Artikel verklärt Karajan und Abbado genau pauschal, wie er Rattle kritisiert. Früher war alles besser und toll - das ist etwas dünn.

      Die restlichen Punkte sind jetzt nicht neu. Einen totale Verriss von Rattle kann ich so aber auch nicht erkennen.
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • Neu

      Die Statistiken des Deutschen Musik-Informationszentrums, die jedermann zugänglich sind, verzeichnen zwar zwischen 2005 und 2011 einen Rückgang des Interesses am Besuch klassischer Musikfestivals von 12,1 auf 8,0 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung über vierzehn Jahre. Doch seitdem hat sich der Trend umgekehrt. Inzwischen liegen wir wieder bei 10,5 Prozent.
      ob das mit leichtem Anstieg der Bevölkerung in der BRD zusammenhängt ?
      Sie betrug im Jahr 2017 etwa 0,06 % ...
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Neu

      Eins ist mir bei meinem letzten Konzertbesuch auch aufgefallen, es war ein bunt gemischtes Publikum und es waren überraschend viele junge Leute (geschätzt Anfang 20)da. Und die waren auch nicht mit ihren Eltern da, sondern mit Freunden etc. Gespielt wurde Strauß mit seinem Heldenleben und Prokofiev’s 3. Klavierkonzert mit Frau Wang, Gürzenich-Orchester mit Herrn Hrusa. Und es war ein Freitag Abend....
      Viele Grüße, Michael
    • Neu

      Friese schrieb:

      Eins ist mir bei meinem letzten Konzertbesuch auch aufgefallen, es war ein bunt gemischtes Publikum und es waren überraschend viele junge Leute (geschätzt Anfang 20)da. Und die waren auch nicht mit ihren Eltern da, sondern mit Freunden etc. Gespielt wurde Strauß mit seinem Heldenleben und Prokofiev’s 3. Klavierkonzert mit Frau Wang, Gürzenich-Orchester mit Herrn Hrusa. Und es war ein Freitag Abend....
      Vielleicht eine Yuja-Fangemeinde? Könnte mir gut vorstellen, dass Yuja Wang auch jüngeres Publikum anspricht.

      Dieser Altersaspekt wird in dem FAZ-Artikel überhaupt nicht thematisiert. Das wird auch in einem Leserbrief von Dr. Sowieso bemängelt.

      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • Neu

      maticus schrieb:

      Vielleicht eine Yuja-Fangemeinde? Könnte mir gut vorstellen, dass Yuja Wang auch jüngeres Publikum anspricht.

      Dieser Altersaspekt wird in dem FAZ-Artikel überhaupt nicht thematisiert. Das wird auch in einem Leserbrief von Dr. Sowieso bemängelt.

      maticus
      Könnte natürlich sein, aber eigentlich sah es nicht so aus. Ich würde auf die durchschnittlichen Studenten tippen, auch rein optisch. Bei einer Yuja-Fangemeinde würde ich ja auch etwas extrovertierte Kleidung erwarten ^^ Nein, im Ernst können sie natürlich Fans sein, aber das wäre ja auch super.
      Hauptsache die klassische Musik läßt irgendwann mal das ewige Elite Gehampel hinter sich und dazu braucht es auch junge Leute die frischen Wind rein bringen und Veränderungen anstoßen.
      Viele Grüße, Michael
    • Neu

      Piotr Anderszewski in FF 04/2018: "Klassische Musik hat immer nur eine absolute Minderheit der Gesellschaft interessiert, und so sollte es auch sein, Klassik ist elitär - das meine ich nicht im versnobten Sinne. Was mich aufregt, ist diese Gattung von Zuhörern, die passiv dasitzen, mit der Musik quasi beworfen werden, da geht's hinein, da heraus - als hätten sie ein großes Abendessen verspeist. Müder Applaus, auf Wiedersehen, dann schlafen sie gut und am nächsten Morgen ist alles vergessen."

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Neu

      Naja, solche Zuhörer hat es immer gegeben - auch in anderen Sparten. Man kennt es nicht, hört es zum ersten Mal, und es hat sich nicht als interessant genug erwiesen. Nicht jeder hört zur Einstimmung und Vorbereitung die Musik, die man später im Konzert hört bzw. kauft sich sogar speziell Aufnahmen dafür. Manche wollen das auch nicht, möchten gern überrascht werden. Und niemand kann sagen, sie müssen ihre Empfindungen deutlich mitteilen.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul