Daniil Trifonov - eine "singuläre Erscheinung am musikalischen Sternenhimmel"?

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    • Wie oben jemand erwähnte, ist die Rede vom silbernen Zeitalter sogar in Nischen der Popkultur wie Comics üblich. Mir war es bzgl. Russland noch nie begegnet, zumal ich den Einschnitt 1917/18 als viel stärker gegenüber dem Unterschied zwischen 1870er-90er und den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jhd. gesehen hätte. Rimsky und Glasunov haben da ja auch noch gelebt.

      Moskau als drittes Rom war mir als Figur schon bekannt, es zeugt von Sendungsbewusstsein, aber es ist halt auch der einzige Kandidat :) Das westliche Reich hatte Rom immer noch als Sitz des Papstes, selbst wenn die weltlichen Kaiserstädte andere waren, d.h. Wien konnte kein drittes Rom werden, weil es ja im Bereich des ersten Rom war.
      Edit: Sehe gerade, dass die Idee tatsächlich schon aus dem frühen 16. Jhd. also relativ bald nach dem Untergang Konstantinopels stammt.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • music lover schrieb:

      Daniil Trifonov hat folgendes Recital-Programm für den 16. November 2020 in Hamburg angekündigt:

      Alban Berg Klaviersonate op. 1
      Sergej Prokofjew "Sarkasmen" op. 17
      Béla Bartók "Im Freien" Sz 81
      Aaron Copland Piano Variations
      Olivier Messiaen "Le baiser de l'Enfant-Jésus" aus "Vingt regards sur l'Enfant-Jésus"
      György Ligeti Auszüge aus "Musica ricercata" (Sostenuto; Mesto, rigide e cerimoniale, Allegro con spirito, Tempo di valse)
      Karlheinz Stockhausen Klavierstück IX
      John Adams "China Gates"

      Ich gehe davon aus, dass er dieses Programm nicht nur in Hamburg, sondern auch in zahlreichen anderen Städten weltweit spielen wird.

      Was mich am meisten interessiert, ist Trifonovs Lesart von Stockhausens Klavierstück IX. Ich habe dieses Werk zweimal von Pierre-Laurent Aimard live gehört: Zuerst open air bei den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker, danach bei der Aufführung des Gesamtwerks von Stockhausen für Klavier solo und für zwei Klaviere im Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Beide Male war ich fasziniert. Überhaupt habe ich Stockhausens Klavierwerke live bisher nur von zwei Pianisten gehört: Maurizio Pollini (mit dem Klavierstück X) und eben Pierre-Laurent Aimard. Daniil Trifonov wird der dritte Pianist sein.
      Soeben habe ich festgestellt, dass Daniil Trifonov sein angekündigtes Programm "geringfügig" geändert hat. Statt der angekündigten superspannenden Auswahl von Werken des 20. Jahrhunderts gibt es jetzt allen Ernstes (und als einziges Werk):

      Johann Sebastian Bach
      Die Kunst der Fuge BWV 1080

      Ohne mich. Ich lasse mir von diesen Künstlern und Konzertveranstaltern nicht mehr länger auf der Nase herumtanzen. Wenn man ein Programm ankündigt, dann sollte es auch so gespielt werden.
    • music lover schrieb:

      Wenn man ein Programm ankündigt, dann sollte es auch so gespielt werden.
      Oder einen triftigen Grund für die Änderung angeben. Eine Kürzung, weil Pause derzeit nicht möglich, wäre ja möglich. Doch ein derartiger Umbau --- der braucht schon eine triftige Begründung. Ich wäre vermutlich auch "leicht schäumend"!
      Hast Du schon einmal direkt nachgefragt beim Veranstalter?
    • music lover schrieb:

      Soeben habe ich festgestellt, dass Daniil Trifonov sein angekündigtes Programm "geringfügig" geändert hat. Statt der angekündigten superspannenden Auswahl von Werken des 20. Jahrhunderts gibt es jetzt allen Ernstes (und als einziges Werk):

      Johann Sebastian Bach
      Die Kunst der Fuge BWV 1080
      Oh, das ist ein extremer Kurswechsel - gleich ein Epochenwechsel miteingearbeitet... 8|
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Harnoncourt-Fan schrieb:

      music lover schrieb:

      Symbol schrieb:

      Eigentlich ist der wesentliche Unterschied zwischen den beiden m. E. nicht ihr Legato, sondern die Nutzung (oder Nicht-Nitzung) sozialer Medien und die vorhandene (oder nicht vorhandene) politische Positionierung.
      Der Hauptunterschied zwischen Trifonov und Levit ist m.E. ein musikalischer: Trifonov komponiert, und zwar sehr beachtlich. Levit wie auch die anderen von mir genannten Pianistinnen und Pianisten ihrer Generation meines Wissens alle nicht (man möge mich gern korrigieren). Dafür gebührt Trifonov ein Riesenrespekt.
      Aber macht die Komponistentätigkeit einen Unterschied in der Interpretation aus? Es mag sein, dass er dadurch anders an Stücke herangeht, aber zählt das für den Rezipienten? Wird es dadurch besser?

      Mauerblümchen schrieb:

      music lover schrieb:

      Dafür gebührt Trifonov ein Riesenrespekt.
      Das hängt m. E. von der Qualität der komponierten Musik ab. Kennt da jemand etwas? Wird das aufgeführt?
      Ich antwortete Euch beiden besser Im Daniil Trifonov-Thread, nicht im Igor Levit-Thread:

      Ich weiß nicht, ob sich Trifonov selbst in einer anderen Herangehensweise an Fremdkompositionen sieht, seitdem er komponierender Interpret ist und nicht nur Interpret. Ich könnte mir das schon vorstellen, aber da müsste man ihn selbst fragen.

      Von seinen Werken kenne ich die Suite für Klavier "Rachmaniana", die auf DG veröffentlicht wurde

      sowie sein Klavierkonzert (uraufgeführt 2013) und sein Klavierquintett (uraufgeführt 2019). Alles Werke, die mir sehr gefallen.

      Für die Uraufführung seines Doppelkonzerts für Klavier, Violine und Streichorchester mit Gidon Kremer und der Kremerata Baltica hatte ich Karten, aber durch den Fahrradunfall Trifonovs, infolgedessen er seine Füße nicht mehr ordnungsgemäß benutzen und somit nicht pedalisieren konnte, musste er leider absagen, sodass ich als Ersatz für sein Werk "Fratres" von Arvo Pärt zu hören bekam. Selten so gelangweilt...
    • Neu

      Noch bis zum 7. März gibt es auf
      ndr.de/orchester_chor/elbphilh…Trifonov,trifonov124.html
      einen Konzertmitschnitt aus der Elbphilharmonie in Hamburg vom 5. Februar 2021 mit Daniil Trifonov und dem NDR Elbphilharmonie Orchester, geleitet von Alan Gilbert, kostenfrei abzurufen.

      Trifonov spielt das Konzert für Klavier und Streichorchester von Alfred Schnittke sowie das Klavierkonzert Nr. 1 von Sergej Prokofiew. Beide Werke hat Trifonov noch nicht auf Tonträger aufgenommen, sodass dieser Mitschnitt vielleicht auf Interesse stoßen dürfte.

      Besonders herrlich finde ich seine Zugabe, nämlich einen Satz aus einer Sonate von Johann Christian Bach. Kann mir einer von Euch weiterhelfen, um welches Stück es sich handelt? Auf der NDR-Homepage
      ndr.de/kultur/elbphilharmonie/…harmonie,trifonov126.html
      wird es leider nicht näher spezifiziert.
    • Neu

      Daniil Trifonov wird am letzten August-Wochenende mit zwei Konzerten im Kieler Schloss (28. und 29. August) die Abschlusskonzerte des diesjährigen Schleswig-Holstein Musik Festivals bestreiten. Er spielt - was vielleicht nicht gerade einen Preis als originellste Programmgestaltung des Jahres gewinnen wird - Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2:
      shmf.de/de/veranstaltung/absch…zert-daniil-trifonov-1197
      shmf.de/de/veranstaltung/absch…zert-daniil-trifonov-1198