Weihnachtslieder im Advent?

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    • Ich meine, dass zu Advent nur Adventslieder erklingen sollten. Liebe Musica, kannst du vielleicht erwägen, die Konzertbesucher mit ein paar Adventsliedern mit einzubeziehen?- So was wie "Es kommt ein Schiff, geladen" oder eben "Nun komm der Heiden Heiland" kennen doch fast alle Menschen. - Kennt jemand von euch "Es wird schon bald dumber, es wird schon bald Nacht"? Ich habe nur eine nebelhafte Erinnerung an dieses Lied aus meiner ganz kleinen Kindheit, das wurde bei uns im Advent gesungen.

      Die ganze Weihnachtszeit wird dermassen verwässert und verkommerzialisiert, dass ich meine, dass wir, die wir uns für Kultur und Kunst einsetzen, da deutlich gegenhalten sollten. Das Konzert muss ja auch nicht unbedingt zwei Stunden dauern, oder?

      Herliche Grüsse, Holger
    • Danke Eisbär, ja, das Publikum wird das Ein- oder Andere Lied mitsingen. Es ist eine kleine Dorfkirche, da kennt jeder Jeden und ich werde auch Migranten mit einbeziehen die hier wohnen und sogar Musikunterricht bekommen. Es soll kein großes Konzert mit großen Arien werden, aber alles stimmungsvoll.

      Lieder, die auch im Advent gesungen werden können und auch in einem unserer Konzerte im Programm stehen sind:

      Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit, Stolz
      Weihnachten, Humperdinck
      Weihnachtsfreude, Humperdinck

      sie sind neutral und durchaus im Advent zu singen
      viele Grüße von musica
    • Ich habe nun mich rückversichert und den Kirchenvorstand gefragt der mir sagte, es sei ok eine Woche vor dem Fest schon Weihnachtslieder zu singen. Das Programm werde ich also aufbauen am Anfang Adventslieder und dann, wie eine Geschichte erzählt, Weihnachtslieder. Dazwischen werden Gedichte und Geschichten erzählt. Evtl. werde ich einige Migranten aus dem Dorf mit einbeziehen, die neben Deutschunterricht auch Musik lernen, was ihnen sehr viel Spaß macht.

      Also, es wird ein abwechslungsreiches Programm werden.

      Danke, für eure Vorschläge an Literatur und eure Beiträge, sie haben mir sehr weitergeholfen. :angel:
      viele Grüße von musica
    • musica schrieb:

      Ich habe nun mich rückversichert und den Kirchenvorstand gefragt
      Kirchenvorstand ist in bezug auf katholische kirche ein nicht so gebräuchliches wort. kooperiert denn der örtliche kirchenmusiker mit euch, ? den würde ich als ersten ansprechpartner kontaktieren.
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • ThomasBernhard schrieb:

      musica schrieb:

      Ich habe nun mich rückversichert und den Kirchenvorstand gefragt
      Kirchenvorstand ist in bezug auf katholische kirche ein nicht so gebräuchliches wort. kooperiert denn der örtliche kirchenmusiker mit euch, ? den würde ich als ersten ansprechpartner kontaktieren.



      Es gibt keinen Kirchenmusiker und keinen Chor, es ist eine kleine Dorfkirche, dort ist noch nicht mal ein Organist, der kommt bei Bedarf aus einer anderen Kirche. Der "Kirchenvorstand" hat den zuständigen Pfarrer gefragt und der hat sein ok gegeben.
      viele Grüße von musica
    • boccanegra schrieb:


      Hier nun aber mein Tipp für die Gestaltung eines Adventkonzerts: Die O-Antiphonen.

      "https://de.wikipedia.org/wiki/O-Antiphonen"

      Die klingen natürlich im Ensemble am besten, aber für eine Einzelstimme wäre das auch gut machbar.


      Im klassischen Repertoire ist mein Lieblings-Adventlied eigentlich Kodálys "Adventi ének (Veni, veni, Emmanuel)", dessen Text mehr oder weniger eine lateinische Paraphrase der O-Antiphonen ist.

      Im Volksliedrepertoire natürlich "Werst mei Liacht ume sein". ;+)

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Es gäbe ja auch noch die Variante einer teilweisen "szenischen Darstellung"..Da gäbe es zum Bsp. die Herbergssuche...Der Tölzer Knabenchor hat ein Programm "Die Alpenländische Weihnacht" und die hat den Ansatz die Geschichte musikalisch zu erzählen. Obwohl ich Volksmusik eigentlich nicht mag,finde ich das Programm sehr gelungen.
      (Bzw. eigentlich finde ich nur eine bestimmte Art von Volksmusik schlecht.In meiner Familie wurde viel gesungen, daher evtl.meine Affinität dazu...Und Weihnachtslieder kenne ich bestimmt 50-100 oder mehr)

      Ein Vater der Tölzer hat dies zwischen 2009-2012 mehrfach und einmal fast komplett hoch-geladen...
      In der evangelischen Kirche gibt es auch noch den Ansatz die Gemeinde zwischendurch mitsingen zu lassen..., wenn es kein durchgängiges Konzert ist...Das macht vielen auch wirklich Spaß,aber dann muss man je nach Publikum die ganz gängigen Lieder nehmen...

      Hier mal Auszüge aus dem Programm der Tölzer:

      Wenn man im Channel sucht: Vorsicht: Mal singt der Kammerchor und dann wieder die Tribis (Trittbrettfahrer, die quasi das Material erst einstudieren und noch nicht zum Konzertchor dazu gehören...)

      Aber hier mal ein Bsp:

      Ein Dialoglied zwischen Maria und dem "Wirt", der ihr eine gute Herberge im Stall anbietet.

      Trad.: Slg. Hartmann/Abele 1884, Nr. 60 "Herbergsuche" aus Wössen, Au bei Berchtes-gaden, Hallein, Pleinfeld, u.a. Bearb.: EBES 1991 Veröfftl.: BH 42, S. 28 TA.: Michaela und Georg Leidel, Hittenkirchen; 7.11.2001, im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern.


      "http://www.volksmusik-archiv.de/vma/node/237"

      Hier ein paar Auszüge des Tölzer Programms...Hier singt nur der Kammerchor und man sieht, dass der Tölzer viele Solisten hat, die locker an verschiedenen Opernhäusern einsetzbar sind...Die Zauberflöte singen sie an 4-5 Opernhäusern usw...Dennoch sind alle Solisten Daniel Krämer und Leopold Lampelsdörfer auch noch nicht an der Höhe ihrer Knabenchorkarriere...Daniel war in 2011 grandios...

      Daniel in 2009

      "https://www.youtube.com/watch?v=f3NkTJNPB7s"

      "Oh,heilges Kind wir grüßen Dich"...Einer der wirklich herausragenden Solisten zwischen 2009-2011...

      "https://www.youtube.com/watch?v=KeIK79i_eSI"

      Still, Still weil's Kindlein schlafen will...Konzert der Unesco (Christian "Tam Tismer und Levis Lerner (?) )

      "https://www.youtube.com/watch?v=Y7mJNflI1O4"


      Hier die noch nicht ganz fertigen Solisten im Kurhaus...Zur Probe und Einlernung der Lieder/des Repertoires...

      Herbergssuche, wo Maria und Josef abgewiesen wurden...(Das hat Daniel Krämer wirklich wesentlich besser interpretiert, aber ich finde es gerade nicht)

      "https://www.youtube.com/watch?v=ZidInEQbTJc"

      Im Vergleich der Kammerchor mit den besten Solisten, speziell für dieses Konzert zusammengestellt...Es gibt aber auch ein paar sehr junge Solisten...Bei der alpenländischen Weihnacht werden sehr viele Solisten gezeigt..Hier das ganze Konzert:

      "https://www.youtube.com/watch?v=elajl1k0jFY"

      "https://www.youtube.com/watch?v=GWYujmOGrD0"

      "https://www.youtube.com/watch?v=e7RCWYcwZp8"


      Hier gäbe es auch noch diese CD's...Ich kenne sie aber nur in Auszügen und manchmal sind die Volksieder auch "verkitscht"....


      Die Weihnachtsgeschichte 1989 und die Weihnachtsgeschichte mit Erzähler in 2010,Ähnliches Programm ohne Erzähler in 2009 oder ein anderer Ansatz: Internationale Weihnacht von 2014 mit Ralf Ludewig

      Dann gibt es noch diese Beiden Bsp...Z.B: wenn man nur die gängigen Lieder sucht oder auch ungewöhnliche Weihnachtslieder präsentieren möchte/ einbinden...Beides besitze ich leider auch nicht, aber die zweite "Box" würde ich mir gerne zulegen..., aber habe auch schon ein paar der CD's...

      Bei der ersten CD gibt es einen hervorragenden Solisten der Tölzer und bei der zweiten Box bin ich mir nicht ganz sicher, aber Probehören gefiel mir... :D :D :D

      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960)
    • Ganz einfach - Googeln:
      "Advent" und "Gotteslob", da kommen die ganzen Lieder zum Mitsingen...
      "Advent" und "Kantate" (oder "cantata") - liefert Solorepertoie ohne Ende, nicht nur von Bach. Telemann soll z.B. auch dabei vertreten sein, oder Hammerschmidt u.a.
      "Advent" und "Motette" -
      Hunderte von "rorate"-Vertonungen...
      Magnificat gehört thematisch auch in den Advent, da gibt' auch gaaaanz viele

      eigentlich gibt es keinen künstlerischen oder themantischen Grund, ein Adventskonzert mit Weinachtsrepertoire "anzureichern": Es gibt viel zu viel genuine Adventsliteratur....
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • bustopher schrieb:

      Magnificat gehört thematisch auch in den Advent,

      Wo kommt dieses Gerücht eigentlich her?

      Kirchenjahreszeitlich gehört das Magnificat natürlich zu Mariä Heimsuchung (2. Juli, später 31. Mai), im Stundengebet gehört es zur Vesper. (Bach komponierte die erste Fassung seines "Magnificat" für die Vesper am Hl. Abend).

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Mauerblümchen schrieb:

      bustopher schrieb:

      Magnificat gehört thematisch auch in den Advent,

      Wo kommt dieses Gerücht eigentlich her?

      Kirchenjahreszeitlich gehört das Magnificat natürlich zu Mariä Heimsuchung (2. Juli, später 31. Mai), im Stundengebet gehört es zur Vesper. (Bach komponierte die erste Fassung seines "Magnificat" für die Vesper am Hl. Abend).

      Gruß
      MB

      :wink:
      Kein Gerücht, sondern liturgische Realität. Das Magnificat ist z.B. in der evangelischen Kirche die Lesung aus dem Evangelium für den 4. Sonntag im Advent. Finde auch, dass es hervorragend in diese Zeit passt.

      Viele Grüße
    • figure humaine schrieb:

      Das Magnificat ist z.B. in der evangelischen Kirche die Lesung aus dem Evangelium für den 4. Sonntag im Advent.

      Schon richtig ... dennoch: es ist doch klar, dass der Text in den Zusammenhang von Marias Besuch bei Elisabeth gehört, oder?

      Gruß
      MB

      :wink:
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    • Ich denke, dass es Bustopher schon richtig geschrieben hat:

      Thematisch gehört es auch in den Advent.

      Ansonsten bin ich allerdings auch kein Experte für die Entwicklung der Lesereihen im Kirchenjahr und kann dir nicht mehr Auskunft dazu geben; vor allem nicht dazu, seit wann dieser Text zu dieser Zeit gelesen wird.
      Aber wie gesagt: der Text passt thematisch zu gut in diese Zeit, hat Bezug zum bevorstehenden Weihnachtsfest und ist außerdem zu wichtig und das Fest Mariä Heimsuchung (ich kann nur von der evangelischen Kirche sprechen) zu wenig präsent, um irgendwann am x-ten Sonntag nach Trinitatis kaum wahrgenommen zu werden.
    • figure humaine schrieb:

      Aber wie gesagt: der Text passt thematisch zu gut in diese Zeit, hat Bezug zum bevorstehenden Weihnachtsfest und ist außerdem zu wichtig und das Fest Mariä Heimsuchung (ich kann nur von der evangelischen Kirche sprechen) zu wenig präsent, um irgendwann am x-ten Sonntag nach Trinitatis kaum wahrgenommen zu werden.

      Na ja.

      Ich meine, das Magnificat am 4. Advent zu lesen, ist ungefähr so passend, wie die Geschichte von der Verklärung Jesu am Palmsonntag. ;+)

      Nicht, dass das eine mit dem anderen nix zu tun hätte ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Die Analogie (wenn man es so nennen kann) müsstest du mir mal bitte noch etwas genauer ausführen...

      Für meine Begriffe impliziert der Name des Palmsonntags schon mehr oder wenig konkret die dortige Lesung. Beim 4. Advent sieht das schon wieder anders aus... aber wie gesagt, seit wann genau die Tradition besteht, dass das Magnificat im Advent gelesen wird, kann ich dir leider auch nicht sagen.
    • figure humaine schrieb:

      Die Analogie (wenn man es so nennen kann) müsstest du mir mal bitte noch etwas genauer ausführen...

      In der Geschichte von der Verklärung Jesu wird die Auferstehung referenziert: "Und da sie vom Berge herabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis das des Menschen Sohn von den Toten auferstanden ist." In ähnlicher weist das Magnificat auf die Geburt Jesu voraus (" ...denn er hat große Dinge an mir getan.")

      Ebenso, wie von der Verklärung Jesu ein Weg nach Jerusalem, nach Golgatha führt, so führt vom Besuch bei Elisabeth ein Weg nach Bethlehem.

      Ich kann die Tradition nachvollziehen, die das Magnificat im Advent verortet. Nur ist sie m. E. wesentlich weniger stimmig als andere liturgsche Traditionen.

      Wie etwa:

      - Verklärung Jesu am Letzten Sonntag nach Epiphanias, an der Grenze von Weihnachts- zum Osterfestkreis
      - Versuchung Jesu in der Wüste an Invokavit
      - Einzug Jesu in Jerusalem am 1. Advent UND am Palmsonntag
      - Jesu zweite Wiederkehr (Ende der Welt) am 2. Advent - Bezug zu vorletztem und letzten Sonntag des Kirchenjahres zwei bzw. drei Wochen vorher
      - Joh der Täufer als Wegbereiter Jesu am 3. Advent

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Ich meine, das Magnificat am 4. Advent zu lesen, ist ungefähr so passend, wie die Geschichte von der Verklärung Jesu am Palmsonntag

      tatsächlich? Die Beschreibung, welche Heilstaten Gott an der Menschheit vollbringen wird, passt nicht in die Erwartung der Ankunft des Heils?

      kannst Dich ja mal beim Papst beschweren, daß in der Leseordnung zum 4. Advent je nach Lesejahr u.a. die Verkündigung (25. März) oder die Heimsuchung (katholisch 31. Mai, evangelisch/altkatholisch 2. Juli) aus jeweils Lukas 1 als Tagesevangelium vorgesehen ist... verbindlich für die gesamte katholische Kirche...
      ...alternativ auch bei der EKD, die die Heimsuchung nach Lukas 1 ebenfalls am 4. Advent wie die Katholen im Lesejahr C in den Perikopen stehen hat.
      unerhört sowas! Die sollten erst mal Capriccio lesen, bevor sie sowas festlegen! :D

      Unernst beiseite: Es ist halt nun mal so, wie es ist. Daß Lukas 1. 39ff auch an Mariae Heimsuchung (und an Mariae Himmelfahrt) im Tagesevangelium steht, das Magnificat/Lk 1.46 für sich auch in der Vesper gesungen wird und darüberhinaus auch in jede Maiandacht und sogar in jedes "Herrenfest" passt, ändert daran nichts. Das wurde irgendwann so festgelegt, lange vor 1517: (Sogar) Die Evangelen haben es beibehalten, es am Sonntag vor Weihnachten als Evangelium zu lesen. Es haben schon gewichtige theologische Gründe dafür vorgelegen, es auch in den Advent zu legen, es wurde zumindest in den letzten 2000 Jahren ziemlich viel darüber geschrieben (was hier wiederzugeben den Rahmen komplett sprengen würde): Die Botschaft, insbesondere der Text des Magnificat (der für sich gesehen mit dem Besuch bei Elisabeth ja herzlich wenig zu tun hat), geht über das rein Narrative des Besuches weit hinaus, das Evangelium ist ja weder ein Roman, noch will es eine reine Beschreibung von Vorkommnissen ohne tiefere Bedeutung sein.

      Wann würdest Du "Übers Gebirg Maria geht" von Johannes Eccard singen lassen? Nur an Mariae Heimsuchung - da tät's hinpassen, keine Frage?
      Die meisten singen es aber im Advent...

      Dietrich Bonhoeffer über Lukas 1, 46, in einer Predigt für die deutsche Gemeinde in Forrest Hill/London am 17.12. (4. Advent) 1933:
      Es ist zugleich das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen worden ist. Es ist nicht die sanfte, zärtliche, verträumte Maria, wie wir sie auf Bildern sehen, sondern es die leidenschaftliche, hingerissene, stolze, begeisterte Maria, die hier spricht.
      Bonhoeffer. Nicht Bustopher.
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Man hätte auf den Stil der Antwort wetten können ... ;+)

      bustopher schrieb:

      tatsächlich? Die Beschreibung, welche Heilstaten Gott an der Menschheit vollbringen wird, passt nicht in die Erwartung der Ankunft des Heils?
      Ich lese das Magnificat nicht als "Beschreibung, welche Heilstaten Gott an der Menschheit vollbringen wird". Geht ja schon mal in der Vergangenheit los: " ... Quia respexit humilitatem ancillae suae." Und "Ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes. Quia fecit mihi magna, qui potens est, et sanctum nomen eius." ist vielleicht auch durch "Heilstaten, die Gott an der Menschheit vollbringen wird" nicht umfassend beschrieben ...

      Der Rest des Magnificat steht zumindest im Lateinischen im Präsens. Wie liest Du das? (Ich kann mir die Antwort denken: Das Futur ist mitzudenken ... ich antworte: Aber auch die Gegenwart Marias.)

      Mal anders gefragt: Wenn Du die "Beschreibung, welche Heilstaten Gott an der Menschheit vollbringen wird", im Advent für passend hältst, würdest Du auch die Geschichte von den Schafen und den Böcken lesen lassen? Ich meine, die eschatologischen Aspekte des Magnificat sind vielleicht keine hinreichende Grundlage für die liturgische Verortung in der Adventszeit. Dein Argument wäre m. E. aber hervorragend, um die Verwendung des Magnificat am Ende des Kirchenjahres zu substanziieren. Da ließe sich wohl nur wenig einwenden.

      bustopher schrieb:

      kannst Dich ja mal beim Papst beschweren, daß in der Leseordnung zum 4. Advent je nach Lesejahr u.a. die Verkündigung (25. März) oder die Heimsuchung (katholisch 31. Mai, evangelisch/altkatholisch 2. Juli) aus jeweils Lukas 1 als Tagesevangelium vorgesehen ist... verbindlich für die gesamte katholische Kirche...
      ...alternativ auch bei der EKD, die die Heimsuchung nach Lukas 1 ebenfalls am 4. Advent wie die Katholen im Lesejahr C in den Perikopen stehen hat.

      Habe ich nicht vor.

      In der Perikopenrevision ist das Magnificat übrigens bezeichnenderweise vom 4. Advent entfernt. Spannend, was? Evangelium am 4. Advent wird dann sein Lk 1, 26-38. Verse 39 bis 56 (mit Magnificat) sind dann "nur" fakultativ. Wohl eine Konzession an die Tradition, die ich ja nicht bestreite, nur hinterfrage.
      http://www.ekd.de/EKD-Texte/84112.html

      bustopher schrieb:

      Wann würdest Du "Übers Gebirg Maria geht" von Johannes Eccard singen lassen? Nur an Mariae Heimsuchung - da tät's hinpassen, keine Frage? Die meisten singen es aber im Advent...

      Auch die Mehrheit kann irren.

      Sieh doch, das ist wie mit den Flüchtlingen. Die haben nix, außer dem, was sie bei sich tragen. Die müssen doch jetzt in die Hochburgen der sozialistischen Seligkeiten fliehen, nach China, nach Nordkorea, nach Russland, nach Kuba. Und was machen die? Die wollen nach Deutschland, dorthin, wo man Banken rettet, dorthin, wo der Neokapitalismus tobt. Schön blöd, was?

      bustopher schrieb:

      Dietrich Bonhoeffer über Lukas 1, 46, in einer Predigt für die deutsche Gemeinde in Forrest Hill/London am 17.12. (4. Advent) 1933:
      Zitat Es ist zugleich das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen worden ist. Es ist nicht die sanfte, zärtliche, verträumte Maria, wie wir sie auf Bildern sehen, sondern es die leidenschaftliche, hingerissene, stolze, begeisterte Maria, die hier spricht.
      Bonhoeffer. Nicht Bustopher.

      Ja. Und? Natürlich sind die Geschichten von Mariä Verkündigung, von Mariä Heimsuchung auch Adventsgeschichten. Dabei ist das Wort "Advent" aber in einer anderen Bedeutung zu lesen: Nicht als Kirchenjahreszeit, sondern wörtlich als "Ankunft".

      Ich meinte aber, Dein Plädoyer ging dahin, das Magnificat nicht als Lied auf den Advent des Herrn zu hören, sondern als Lied für die Adventszeit - ist ja nochmal ein Unterschied ... "Wir sagen euch an den lieben Advent ..."

      Vielleicht einfach nicht so hoch hängen. Ich erkenne die Tradition an, das Magnificat liturgisch im Advent zu sprechen und zu singen, finde sie aber nicht ganz so stringent wie andere traditionelle Zusammenhänge von Zeiten und Texten. That's it.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Areios:
      Im Volksliedrepertoire natürlich "Werst mei Liacht ume sein". ;+)


      Dieses Lied hattest Du woanders schon einmal erwähnt und damit meine Neugier geweckt, da ich es bisher nicht kannte. Ein wunderschönes Lied, wie ich finde...

      Liebe Grüße,
      Federica
    • Mauerblümchen schrieb:

      Spannend, was? Evangelium am 4. Advent wird dann sein Lk 1, 26-38. Verse 39 bis 56 (mit Magnificat) sind dann "nur" fakultativ.

      das ist dann Verkündigung statt Heimsuchung, Das ändert doch nix an Deinem Einwand, oder? Ist nur eine andere (unpassende) Stelle... :D

      Ansonsten bin ich mit Dir durchaus einer Meinung, daß das Magnificat auch zu anderen Gelegenheiten passt. (swie gesagt: in der Versper hast Du's täglich). Mich hat nur das Wort "Gerücht" im Zusammenhang mit Advent gestört. Das deckt sich nicht mit dem liturgischen Usus. Da ist es durchaus auch (sic!) im Advent verortet.
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)