WAGNER: Die Meistersinger von Nürnberg – Verachtet mir die Meister nicht!

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    • Liebe Renate,

      amelia grimaldi schrieb:

      Lieber TB, lieber Jean!

      Danke für Eure Vorschläge! Die Kubelik-Aufnahme spricht mich wegen der Sänger sehr an (Janowitz, Konya, Fassbaender), aber wie ich mich kenne, brauch ich wahrscheinlich nicht nur eine....


      Liebe Grüße
      :wink:
      Renate


      dann beschaffe ruhig 2 X die Kubelik-Aufnahme!



      :thumbup:
      Jean
      „Ich werde überhaupt nur noch ausschließlich mich selbst zitieren ...“ Algabal
    • Wenn's auch eine Aufnahme mit Bild sein dartf, hätte ich eine etwas ungewöhnliche, aber sehr lohnenswerte Empfehlung. Vor allem, aber nicht nur, dank Charles Mackerras ist das eine der differenziertesten und einfühlsamsten MEISTERSINGER-Aufnahmen, die ich kenne, auch wenn da nicht die volle Star-Power dahinter steckt. Die Inszenierung ist liebevoll konservativ, aber nicht störend.


      Ansonsten würde auch ich mich vorbehaltlos der Empfehlung der Karajan-Aufnahme aus Dresden anschließen, die für mich zu den ganz großen Opernaufnahmen überhaupt gehört und in meinen Ohren bei optimaler Klangqualität die beste Orchesterleistung bringt und mit Theo Adam, René Kollo und Helen Donath sowie dem überragenden David von Peter Schreier eine Traumbesetzung nicht nur für das berühmte Quintett bietet.

      Bei den durchaus diskutablen Aufnahmen mit Otto Wiener stört mich dessen Timbre erheblich. Du solltest Dir das anhören, bevor Du Dich auf ihn festlegst, denn der Sachs ist nun mal omnipräsent.

      Ansonsten leiden m. E. gerade die MEISTERSINGER besonders unter einem historischen Klang, der zum Beispiel die ansonsten sehr diskutable alte Karajan-Aufnahme mit Eliabeth Schwarzkopf nicht ganz konkurrenzfähig macht.

      Soweit meine zwei Cent.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Chère Rönatö,

      Rideamus schrieb:

      [...] Ansonsten würde auch ich mich vorbehaltlos der Empfehlung der Karajan-Aufnahme aus Dresden anschließen, die für mich zu den ganz großen Opernaufnahmen überhaupt gehört und in meinen Ohren bei optimaler Klangqualität die beste Orchesterleistung bringt und mit Theo Adam, René Kollo und Helen Donath sowie dem überragenden David von Peter Schreier eine Traumbesetzung nicht nur für das berühmte Quintett bietet. [...]


      isch offä, Du asst bömärkt, dass die "Riddler" ein Rattönföngär ist...

      Die Meistersinger unter Karajan sind durchaus gut, wenn nicht Theo Adam den Sachs geben müsste. HvK war damals sehr unzufrieden mit dieser Besetzung, musste sich zähneknirschend beugen - auch dies den politischen Umständen geschuldet...

      :wink:
      Jean von Karajan
      „Ich werde überhaupt nur noch ausschließlich mich selbst zitieren ...“ Algabal
    • Ich schließe mich dem Rideamusschen Plädoyer vollinhaltlich an:

      Rideamus schrieb:

      Ansonsten würde auch ich mich vorbehaltlos der Empfehlung der Karajan-Aufnahme aus Dresden anschließen, die für mich zu den ganz großen Opernaufnahmen überhaupt gehört und in meinen Ohren bei optimaler Klangqualität die beste Orchesterleistung bringt und mit Theo Adam, René Kollo und Helen Donath sowie dem überragenden David von Peter Schreier eine Traumbesetzung nicht nur für das berühmte Quintett bietet.


      Was hast du (oder was hatte Karajan) gegen Adam als Sachs, Jean? Ich finde ihn überragend. Wenn es eine Schwachstelle dieser Aufnahme gibt (das heißt auf diesem Niveau: eine Partie, die man sich noch besser dargestellt vorstellen kann), dann noch am ehensten den Beckmesser des Geraint Evans.

      Grüße
      vom Don
    • Don Fatale schrieb:

      Ich schließe mich dem Rideamusschen Plädoyer vollinhaltlich an:

      Rideamus schrieb:

      Ansonsten würde auch ich mich vorbehaltlos der Empfehlung der Karajan-Aufnahme aus Dresden anschließen, die für mich zu den ganz großen Opernaufnahmen überhaupt gehört und in meinen Ohren bei optimaler Klangqualität die beste Orchesterleistung bringt und mit Theo Adam, René Kollo und Helen Donath sowie dem überragenden David von Peter Schreier eine Traumbesetzung nicht nur für das berühmte Quintett bietet.


      Was hast du (oder was hatte Karajan) gegen Adam als Sachs, Jean? Ich finde ihn überragend. Wenn es eine Schwachstelle dieser Aufnahme gibt (das heißt auf diesem Niveau: eine Partie, die man sich noch besser dargestellt vorstellen kann), dann noch am ehensten den Beckmesser des Geraint Evans.

      Grüße
      vom Don


      Adam als Sachs überragend? Da bin ich nun wirklich erstaunt. Seine Stimme ist - relativ zu anderen Interpreten - dünn, wenig tragfähig. (s.o.)
      Dies nur meine persönliche, völlig unbedeutende Meinung.

      Geraint Evans als Beckmesser ist keine adäquate Besetzung gewesen, soweit bin ich - bei dieser Aufnahme - in meiner Beurteilung gar nicht vorgedrungen... auch dies nur meine persönliche Meinung.

      :wink:
      J.
      „Ich werde überhaupt nur noch ausschließlich mich selbst zitieren ...“ Algabal
    • Das wird ja schon eine richtige MEISTERSINGER-Diskussion, die man vielleicht von hier in diesen Thread verlagern kann, wo auch noch etliche andere Aufnahmen gelobt werden. Leider hat das zur Folge, dass von einer schlüssigen Kaufberatung kaum mehr die Rede sein kann - wie so oft bei Lieblingsopern im Klassikmarkt: WAGNER: Die Meistersinger von Nürnberg – Verachtet mir die Meister nicht

      Ich stehe weiterhin zu meinen Empfehlungen. Theo Adam ist sicher nicht der vollstimmige Sachs, den ein Paul Schöffler einst dargeboten hat - leider bei mäßiger Tonqualität, aber, um die damalige Empfehlung des FonoForum zu zitieren: "Hans Sachs liegt bei Theo Adam weniger in schusterlichen als in poetischen Händen. Der Sänger gehört nicht zu den stimmgewaltigsten Rollenvertretern, aber zu den am klügsten gestaltenden." (zitiert nach dem cd-Führer Klassik 92/93)

      Geraint Evans' Beckmesser wurde schon des Öfteren gescholten. Ich finde, sehr zu Unrecht. Zwar teil er mit Zoltan Kelemens Kothner das Problem einer nicht ganz astreinen deutschen Aussprache (bleibt aber weit entfernt von den viel größeren Problemen Domingos und ein wenig auch des leicht weinerlichen Sandor Konya auf diesem Sektor), aber seine Gestaltung finde ich prägnant und überzeugend, ohne dass er wie weiland Benno Kusche die Karikatur überzieht. Lobend erwähnen sollte man auch noch den sonoren Pogner von Karl Ridderbusch bei Karajan.

      Das wesentliche Argument bleibt aber für mich neben den beiden großartigen Tenören der Orchesterklang und mit ihm die sehr gute Leistung des Tonmeisters. Gerade für jemanden, der von der Toscanini-Aufnahme her kommt, sollte dies ein besonders gewichtiger Faktor sein. Zudem ist die ansonsten durchaus diskutable Aufnahme Kubeliks mit 55 Euronen neben der weniger konkurrenzfähigen von Haitink die mit Abstand teuerste, für deren Preis man fast den Karajan und die DVD von Mackerras erwerben kann.

      Auch das möchte vielleicht erwogen sein.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Ihr Lieben!

      Danke für Euren kontroversen Austausch, der mir zwar die Wahl nicht leichter macht, aber hilft, die Argumente und Zugänge zu ordnen! Ich höre mich jetzt erstmal durch youtube, wo man die Highlights der verschiedenen Aufnahmen ein bisschen vergleichen kann.


      Liebe Grüße
      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Rideamus schrieb:

      Hans Sachs liegt bei Theo Adam weniger in schusterlichen als in poetischen Händen. Der Sänger gehört nicht zu den stimmgewaltigsten Rollenvertretern, aber zu den am klügsten gestaltenden." (zitiert nach dem cd-Führer Klassik 92/93)
      So schwafeln Kritiker, wenn ihnen zu nicht vorhandenen Stimmen nichts mehr einfällt. Theo Adam ist als Hans Sachs schlicht und ergreifend eine Fehlbesetzung. Und was soll das heißen, er kann klug gestalten? Weil er so deutlich sprechen kann? An erster Stelle sollte er schön und ausdrucksvoll s i n g e n . Leider wurde ihm das dazu nötige Stimm-Material nicht mitgegeben.
      calisto
    • calisto schrieb:

      Theo Adam ist als Hans Sachs schlicht und ergreifend eine Fehlbesetzung.


      Wenn man den Sachs als gütig orgelnden Weihnachtsmann im Rauschebart will, dann kann man das so sehen...
      Adam gibt einen noch recht jungen Sachs, der (so steht es auch im Libretto) bei den erotischen Verwirrungen der Johannisnacht nicht gänzlich außen vor bleibt - sein Interesse an Eva ist kein rein väterliches. Das macht die Rolle erheblich vielschichtiger als sie üblicherweise angelegt ward. Und, wie gesagt, es wird dem Text gerecht.

      Grüße
      vom Don
    • Don Fatale schrieb:

      Ich schließe mich dem Rideamusschen Plädoyer vollinhaltlich an:

      Rideamus schrieb:

      Ansonsten würde auch ich mich vorbehaltlos der Empfehlung der Karajan-Aufnahme aus Dresden anschließen, die für mich zu den ganz großen Opernaufnahmen überhaupt gehört und in meinen Ohren bei optimaler Klangqualität die beste Orchesterleistung bringt und mit Theo Adam, René Kollo und Helen Donath sowie dem überragenden David von Peter Schreier eine Traumbesetzung nicht nur für das berühmte Quintett bietet.


      Was hast du (oder was hatte Karajan) gegen Adam als Sachs, Jean? Ich finde ihn überragend. Wenn es eine Schwachstelle dieser Aufnahme gibt (das heißt auf diesem Niveau: eine Partie, die man sich noch besser dargestellt vorstellen kann), dann noch am ehensten den Beckmesser des Geraint Evans.

      Grüße
      vom Don
      Jürgen Kesting war ja bei der Aufnahme dabei und berichtet, daß er Karajan in einer Pause einmal fragte, warum Adam den Sachs singe und nicht der weit überlegene Karl Ridderbusch. Karajans Antwort: "Junger Mann, haben Sie schon mal das Wort 'Politik' gehört?" Ironischerweise wurde Ridderbusch bald darauf von Solti gefeuert, als er den Sachs singen sollte und sich kurz zuvor als Sammler von Nazidevotionalien outete... Generell ist die Aufnahme unter Kubelik die, die ich als allererste empfehlen würde. Wenn man mit historischen Sachen etwas anfangen kann, den Bayreuther Mitschnitt unter Hermann Abendroth (klanglich gar nicht übel, Toscanini in dieser Hinsicht deutlich überlegen, der aus diesem Grunde etwas für Fortgeschrittene ist, bei aller interpretatorischen Bedeutung). Sehr interessant ist eine Aufnahme des dritten Akts unter Karl Böhm aus Dresden, wo man Hans Hermann Nissens glänzenden Sachs weitaus besser zu hören bekommt als hinter Toscaninis akustischen Schleiern.
      Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)
    • Don Fatale schrieb:

      Wenn man den Sachs als gütig orgelnden Weihnachtsmann im Rauschebart will, dann kann man das so sehen..
      Och nö, mein lieber Don, so stelle ich ihn mir auch nicht vor :D . Mir geht es einzig und alleine um Theo Adams Stimme, die einfach nicht tonschön mein Ohr erreicht. Wenn es aber so wäre und er dann auch noch außerdem die Rolle klug gestaltet, dann würde ich ihn natürlich anbeten.
      calisto
    • Ich mag Theo Adam in der Karajan-Aufnahme, auch wenn er gesanglich nicht ganz auf der Höhe ist. Die "kluge Gestaltung" kann ich durchaus erkennen: Wie keine andere Wagner-Partie fordert der Sachs ganz unterschiedliche stimmliche Charakterisierungen, je nach Situation und Gesprächspartner - man denke an die Abfolge David-Wahnmonolog-Stolzing-Beckmesser-Eva im dritten Akt. Und da hat Adam viel an Differenzierung zu bieten, mehr jedenfalls als (selbst zu seinen Glanzzeiten) Karl Ridderbusch, der nur zwei Tonlagen draufhatte: gemütvoll-weich und autoritativ-dröhnend. Insofern ist Ridderbusch bei Karajan als Pogner genau richtig eingesetzt. Der leider gravierende vokale Schwachpunkt in der Dresdener Aufnahme bleibt für mich (wie für Don Fatale) Geraint Evans als Beckmesser.

      Nun sind die Meistersinger aber keine reine Sängeroper, deshalb ein Wort zum Dirigenten: für mich Karajans bestes Operndirigat. Es ist nicht nur die vielbeschworene Entschlackung des Klangs, das haben auch andere gemacht. Es sind die fließende Natürlichkeit, die genaue Abstufung der Tempi und stellenweise eine geradezu anti-karajanitische Schärfe: das Glanzstück stellt für mich die Pantomime Beckmessers im dritten Akt da, mit ungeheurer gestischer Prägnanz dirigiert und von der Staatskapelle realisiert. Das wird selbst von Kubeliks sehr, sehr guter Einspielung nicht erreicht. Es ist vermutlich von Vorteil gewesen, dass Karajan hier mal nicht die Berliner oder Wiener Philharmoniker vor sich hatte. Enorm finde ich auch den Abstand zu Karajans erstem, sehr traditionellem Dirigat der Oper 1951 in Bayreuth. Nicht immer stimmt es, dass der frühere Karajan der bessere war...


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • So, Theo Adam habe ich ja nun auf der Stiege ausgerichtet. :rolleyes: Nun will ich weiter meine Aufnahme mit Cluytens preisen, weil 1. Otto Wiener überhaupt nicht rauschebartmäßig klingt, 2. Josef Traxel einen lyrischen
      von Stolzing singt, 3. Elisabeth Grümmer eine stimmschöne junge Eva ist, 4. weil das Orchester unter André Cluytens belcantoartig aus dem Graben glüht und flammt. :juhu: :juhu:
      calisto
    • Don Fatale schrieb:

      Was hast du (oder was hatte Karajan) gegen Adam als Sachs, Jean? Ich finde ihn überragend.


      Absolut. Ihm wird vorgeworfen, mit Intelligenz stimmliche Imponderabilien wettzumachen. Erstere ist deutlich erkennbar, letztere, zumindest hier, beim schlechtesten Willen nicht.

      Don Fatale schrieb:

      Wenn es eine Schwachstelle dieser Aufnahme gibt [...], dann noch am ehensten den Beckmesser des Geraint Evans.


      Stört nicht. Beckmesser darf vokal humpeln. Am ehesten juckt der Akzent, welcher allerdings eher ungarisch (oder so) denn walisisch klingt.
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Wir müssen bei Deinem nächsten Bärlinbesuch mal irgendwie ne ordentliche Anlage auftreiben und 12 Unzen-Boxhandschuhe! ;+)

      Danach liste ich dann Adams Stimmfehler auf von A wie andauernd Aspirieren bis hin zum zermürbenden Zerleiern lang ausgehaltener Noten. :D

      "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
      "
      , David Hurwitz
    • Bei aller Hochachtung: Beckmesser darf nicht "vokal humpeln". Das soll (natürlich alles meine subjektive Meinung) von einem Bariton gesungen werden, der

      a) die hohen Noten genau so gut erreicht, wie die vielen in der Mittellage.

      b) genauso auf Linie singen kann, wie das ein Sänger des Sachs' oder Stolzings auch können muss.